Teufelswerk und des Staates Beitrag

(CHRISTIAN ORTNER) Es waren Szenen wie aus einem Finanz-Thriller, die vor ziemlich genau zehn Jahren um die Welt gingen: hunderte Angestellte, die Ende September einen Wolkenkratzer im New Yorker Bankenviertel verließen, allesamt schwer bepackt mit Umzugskartons, in denen sie ihre persönlichen Besitztümer aus dem Firmensitz der Pleite gegangenen Investmentbank „Lehman Brothers“ schleppten. In vielen Gesichtern spiegelte sich der Schock über Entlassung wieder.

Ein Schock war der Untergang des Hauses Lehman auch für das ganze globale Finanzwesen und damit für die Weltwirtschaft. Nur knapp, sehr knapp sogar konnte damals eine finanzielle Kernschmelze wie in den 1930er-Jahren verhindert werden und damit eine ganz große Depression wie damals.

Zum zehnten Jahrestag dieser Ereignisse ist sich ein ganz großer Teil der veröffentlichten Meinung einig, dass wir hier es hier mit einem monumentalen Versagen des Kapitalismus zu tun hatten, mit einem Exzess der Gier und des Profitstrebens und den Folgen einer „neoliberalen“ Laissez-Faire-Gesinnung.

Das Ansehen des Konzeptes der freien Marktwirtschaft hat seit den dramatischen Tagen des Lehmann-Krachs erheblich gelitten. Dass heute sogar in den USA und in Großbritannien, grundsätzlich erzliberalen Gesellschaften, sozialistisches Gedankengut vor allem unter den Jungen wieder en vogue ist, hängt nicht zuletzt damit zusammen.

Nun wird man sich in der Tat etwas schwertun, die Finanzkrise von 2008 als Sternstunde des Kapitalismus zu beschreiben; dass Gier und Profitexzesse mit Schuld an dem Debakel waren, ist nicht zu bestreiten.

Regelmäßig wird freilich ein ganz anderer, wesentlicher Auslöser dieses Crashs ausgespart, gerade in vielen Analysen zu dessen zehntem Jubiläum: dass wir es hier auch mit massivem Staatsversagen und den Folgen staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft zu tun hatten.

Denn am Anfang dieser Krise stand die Politik der Regierung Clinton, Banken dazu zu bewegen, Immobilienkredite an Menschen aus den untersten sozialen Schichten zu vergeben, die nicht einmal annähernd imstande waren, diese Kredite auch ordnungsgemäß zu bedienen.

Es war eben nicht „freie Marktwirtschaft“, die am Anfang der Krise stand, sondern deren genaues Gegenteil: ein grober Staatseingriff in die Finanzindustrie zum Zwecke der Stimmenoptimierung durch die Clinton-Regierung.

Ähnliches spielte sich in der Folge auch auf der anderen Seite des Atlantik ab. Denn die US-Banken verkauften die toxischen Kreditpakete mit großem Erfolg ihren europäischen Kollegen. Aber nicht irgendwelchen. „In Europa schaufelten gerade jene Institutionen, die als Wandler zwischen privater und staatlicher Welt lebten, Milliardengräber: etwa die Landesbanken in Österreich oder Deutschland. Die Hypo Alpe Adria hätte ohne die schützende Hand eines Bundeslandes nie zu einem Desaster solchen Ausmaßes anwachsen können,“ analysiert der Ökonom Lukas Sustala vom Thinktank „Agenda Austria“ völlig korrekt. Es waren tatsächlich vor allem staatsnahe Institute in Europa, die sich mit den vergifteten Kredit-Paketen aus Amerika vollsaugten.

Es ist nicht ohne Ironie, dass jene durch Staatsversagen (mit-)ausgelöste Krise der Jahre 2008 f.f. letztlich weltweit ausgerechnet jenen populistischen Bewegungen rund um die Welt Auftrieb verschafft haben, die selbst meist eher staatsinterventionistisch, protektionistisch und marktskeptisch veranlagt sind. Das gilt für Donald Trump genauso wie für die populistischen Parteien der Neuen Rechten in Europa – deren Erfolg kann man nicht nur, aber eben auch als Folge der Weltwirtschaftskrise und deren falscher Erklärung als „Marktversagen“ erklären.

Sollte, was leider überhaupt nicht ausgeschlossen werden kann, Staatsinterventionismus, und Protektionismus wieder salonfähig werden, dann wäre das so ziemlich genau die verkehrteste Lehre, die man aus dem Lehman-Krach und den Folgen ziehen könnte. So würde nämlich eine solide Grundlage für den nächsten großen Krach gelegt.

9 comments

  1. Faktenguru

    Lieber Herr Ortner — Sie sprechen mir (wieder) einmal so etwas von aus der Seele!!!! Danke. Die Politik hat es halt geschafft, ihr monumentales Versagen den Banken umzuhängen, die sich das auch gefallen lassen mussten. Dafür haben wir jetzt absurde Regularien für die Finanzwirtschaft und einen komplett verzerrten und manipulierten Preis (=„Zinsen“) des wichtigsten Gutes der Wet — nämlich Geld bzw. Kredit.

  2. Johannes

    „`Banken dazu zu bewegen„ Ja und nein. Banken, vor allem in den USA, sind keine Befehlsempfänger der Politik.
    Ich denke es ist eher umgekehrt. Die Gier war es die alles in die Höhe trieb.
    Das ist das ewige Spiel der Spekulation, sie bildet Blasen die nach einiger Zeit platzen, seit Beginn der Industrialisierung gab es periodisch diese Erscheinungen. Schlaue Menschen, wie zB. Soros durchschauen diese sich anbahnenden Überhitzungen und wenn noch alle anderen dumm verdienen wollen an einem System das schon kollabiert, investieren die schlauen Spekulanten in Dinge die sie als Krisengewinnler Milliarden verdienen lassen.
    Das halte ich soweit für in Ordnung als sie nicht selbst zuvor an diesem Zusammenbruch aktiv mitgearbeitet haben um dann daran zu verdienen. (Beim Pfund ist es gelungen beim Rubel eher nicht. Bei der Krise 2008 hat Herr S. ein Vermögen mit Gold verdient.) Es muss ein unglaubliches Gefühl der Überlegenheit sein wenn die ganze Welt verliert und man selber unermesslich reich dadurch wird.

    Die Gier war dafür verantwortlich das linke und nicht linke Regierungen gutes Geld der Bürger in Fremdwährungskrediten verzockt haben, das Transportunternehmen die dem Staat gehören von einer deutschen Bank Haftungen übernahmen welche diese deutsche Bank ebenfalls von amerikanischen Banken übernommen hatte. Die Übernahme der Haftungen versprach fette Renditen das sie schlagend werden könnten hat niemand bedacht. Die Gier war zu groß und der Verstand zu klein.

    Es hat etwas mit Erziehung zu tun, mit Charakter und Bodenständigkeit ob man dieses Spiel mitspielen will oder ob man mit Verantwortung, zwar nicht spektakulär, aber dafür wertbeständig politisch, für die Menschen tätig ist.

  3. Maria Kiel

    @ Falke
    „Mein Gott, Ortner! „… spiegelte wiEder…“! Das lernen sogar die Migranten richtig!“

    na, dann lernen die Migranten eben etwas Falsches (von wem wohl?)! Schlag nach bei Duden, es heißt „WIDERspiegeln“. Der Spiegel macht nicht „wieder“ etwas, sondern er wirft ein Spiegelbild von jemandem, von etwas, ZURÜCK – also „wider“.
    mein Gott, Falke!

  4. elfenzauberin

    Dass die leichtfertig und staatlich angeordnete Kreditvergabe an Personen mit geringer Bonität die Ursache für den Finanzcrash waren, ist bekannt, hat sich, wie Ch. Ortner richrtig bemerkt, noch wenig herumgesprochen.

    Noch weniger ist allerdings über die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren bekannt. Auch für die damalige Krise wird ausufernder Kapitalismus und unstillbare Gier nach Geld als Ursache angegeben. Die Wahrheit erfährt man kaum. Nur an ganz wenigen Stellen erfährt man, dass auch der damaligen Wirtschaftskrise staatliche Interventionen zugrunde lagen. Man erfährt allerdings nicht, welche Maßnahmen das waren.

    Vielleicht kann irgendwer besser als ich recherchieren und solche kritisch-informative Artikel rausfinden, um sie besser bekannt zu machen. Interessant wäre auch an dieser Stelle, wie F. A. Hayek die damalige Krise beurteilt hat. Kann da irgendwer mit einer Buchempfehlung nachhelfen?

  5. elfenzauberin

    Es stimmt wohl, dass rechtspopulistische Parteien mitunter einer dirigistischen Wirtschaftspolitik das Wort reden. Doch sollte man fairerweise hinzufügen, dass es – speziell in Europa – praktisch nirgendwo eine Partei mit streng libertärem Wirtschaftsprogramm gibt. Sieht man von Marine Le Pen ab, die wirtschaftspolitische Ideen hat, für die sich auch S. Wagenknecht erwärmen kann, sind rechtspopulistische Parteien wohl noch eher als libertär/liberal einzustufen als die rot-grünen Konkurrenzparteien. Gerade die AFD mit Alice Weidel an der Spitze steht eher für ein libertäres Wirtschaftskonzept.

  6. Falke

    @Maria Kiel
    So ganz verstehen Sie offenbar nicht, was Sie lesen und schreiben: Ortner hat gerade „spielegelt WiEder“ (lesen Sie die letzte Zeile des ersten Absatzes – oder ist das zu schwer?) geschrieben, genau deswegen habe ich mich „Mein Gott, Ortner“ entsetzt. Es heißt tasächlich richtig „wIderspielgeln“ – und das weiß Ortner nicht, deswegen habe ich darauf hingewiesen. Da haben Sie offenbar alles nicht (bzw. verkehrt )verstanden: lassen Sie sich das nächste Mal die Texte von einem des Lesens und Verstehens Kundigen erklären.

  7. fxs

    @Falke
    Natürlich ist die korrekte Rechtschreibung wichtiger als der Inhalt, zumindest für die Deutschlehrer.

  8. aneagle

    Alle machen heutzutage Flüchtigkeitsfehler. Glücklicherweise kann man dafür die Smartphone-Tastatur verantwortlich machen. Wichtiger ist das sinnerfassende Lesen und Schreiben. Dabei zeigt der Hausherr keine sichtbaren Schwächen. 🙂

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