“Waffenverbotszone” in Sachsen: Jetzt kann nix mehr passieren!

(ANDREAS TÖGEL) Bekanntlich treibt es die Gescheitesten und Besten nicht etwa an Werkbänke und Büros in der Privatwirtschaft, sondern in die Politik. Dort angekommen, sorgen Lichtgestalten wie Burkhard Jung (seines Zeichens Oberbürgermeister der Stadt Leipzig) und Roland Wöller (der amtierende sächsische Innenminister) dafür, dass die weniger Gescheiten sich allzeit pudelwohl – vor allem aber sicher wie in Abrahams Schoß fühlen können.

Um dem Sicherheitsbedürfnis vieler seit 2015 rätselhafterweise von irrationalen Ängsten gebeutelten Patienten – Pardon – Staatsbürger Vorschub zu leisten, braucht es allerdings einiges an Hirnschmalz. Da die Außengrenzen des Landes bekanntlich nicht gesichert werden können und es daher nicht möglich ist, allerlei seltsames Volk daran zu hindern, ins wohlfahrtsstaatliche Paradies einzusickern und dort zur Bedrohung für Krethi und Plethi zu mutieren, bedarf es zahlreicher interner Sicherheitsmaßnahmen. Die stilsichere Errichtung schmucker Beton- und Drahtverhaue an Fußgängerzonen, rund um Volksfeste und Weihnachtsmärkte, gehören dazu. Davon abgesehen, steht außer Frage, dass die allgemeine Sicherheit selbstverständlich und ausschließlich vom Gewaltmonopol garantiert wird, das zu jeder Zeit und an jedem Ort des Landes unermüdlich darauf wartet, die Ängste besorgter Bürger zerstreuen zu dürfen. Da im Fall der Fälle selten mehr als ein halbe Stunde bis zum Eintreffen der Freunde und Helfer vergeht, besteht niemals Grund zur Panik. Bis dahin verwickle man allfällige Gefährder in gute Gespräche und vermeide es, diese zu provozieren.

Mit der Einrichtung waffenfreier Zonen soll rigoros sichergestellt werden, dass kein Bürger auf die Idee kommt, am Ende selbst für seine Sicherheit zu sorgen. Denn Selbstverteidigung oder Notwehr bedeutet – nach dem Verständnis der Nomenklatura und ihrer Schergen – Selbstjustiz, und die zu unterbinden ist der auf sein Gewaltmonopol pochende Staat wild entschlossen.

Selbstverständlich sind mit der Einrichtung „waffenfreier Zonen“ auch Leviathans willige Vollstrecker einverstanden – wie der Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz.

Soeben sind die drei ehrenwerten Herren, inspiriert vom durchschlagenden Erfolg einschlägiger US-amerikanischer Vorbilder, dabei, in Leipzig jene Idee zu verwirklichen, die der öffentlichen Sicherheit in beispielhafter Weise auf die Sprünge helfen wird: Rund um die Eisenbahnstraße soll nach ihrem Willen eine „waffenfreie Zone“ eingerichtet werden, die mit stark beeindruckenden Warnschildern versehen wird. Das soll für Ruhe und Sicherheit sorgen. Die Vorstellungskraft Otto Normalverbrauchers dürfte zweifellos dafür ausreichen, sich auszumalen, wie bewaffnete Kriminelle, Irre oder potentielle Attentäter, die sich mit finstersten Absichten an die Sicherheitszone heranpirschen, augenblicklich ihre Waffen fallen lassen, sobald sie der Verbotsschilder gewahr werden. Denn unschuldige Leute umzubringen mag ja angehen, aber eine hoheitlich eingerichtete Waffenverbotszone zu verletzen, geht gar nicht. Klar soweit? Wer also absolute Sicherheit sucht: Auf zur Leipziger Bahnhofstraße!

Wer nun meint, von dem Verbot wären nur Schuss- oder Blankwaffen, erfasst, irrt: Die Vorschrift gilt nämlich für jeden Gegenstand, der als Waffe gebraucht werden kann. Außer Wattebäuschchen und Angorahäubchen dürfte das so ziemlich alles betreffen. Handwerker, die mit Messern, Scheren, spitzen Feilen oder Mehrzweckwerkzeugen unterwegs sind, sollten die Gegend daher meiden, sofern sie nicht scharf darauf sind, mit Bußgeld von bis zu 10.000 Euro (!) belegt zu werden. Auch Menschen, die einen Reizgasspray zur Hundeabwehr eingesteckt haben, werden sich in der „Zone“ künftig strafbar machen. Wo gehobelt wird, fallen eben Späne…

Fazit: Da Gewaltverbrecher und „Gefährder“ nicht dazu neigen, mit Reizgassprays zur Tat schreiten oder wegen kindischer Verbotsschilder ihre Kalaschnikows fallenzulassen, wird mit diesem Geniestreich – einmal mehr – eine wirksame Maßnahme zur Entwaffnung potentieller Opfer gesetzt. Die pflegen sich nämlich – besonders in einem mit so ausgeprägter Untertanenmentalität geschlagenen Land wie Deutschland – jeder noch so sinnfreien Anordnung der Obrigkeit widerspruchslos zu fügen. Fazit: Waffenverbotszonen dienen zweifellos der Sicherheit: Jener der Täter. Wenigstens die haben dadurch mehr vom Leben.

 

11 comments

  1. sokrates9

    Was will man von in der DDR sozialisierten Politikern sonst erwarten? Sachverstand hat dort nie eine Rolle gespielt!

  2. Mourawetz

    Wie im Wilden Westen , wo man seine Waffen im Saloon seine Waffen abgeben musste. Ansonsten galt natürlich das Faustrecht. Ist es das, was man der Öffentlichkeit damit vermitteln möchte? Bewaffnet euch und wehrt euch selbst, wir können für eure Sicherheit nicht mehr garantieren. Der Staat zieht sich zurück. Nur am Bahnhof ist noch ein Leo.

    Sehr ermutigend, aber ehrlich. Wo gibt man seine Waffen ab? Am Bahnhofschalter?

  3. Erich

    Ich sehe schon rund um die waffenfreien Zonen Sicherheitszugänge wie am Flughafen. Das belebt doch die Beschäftigung! Wer trotzdem mit gefährlichen Gegenständen (Liste liegt auf wie bei den Allergenen) in die Zone will muß nur einen Antrag stellen, in dem er genau alle Gründe angibt. Der Antrag ist selbstverständlich gebührenpflichtig; Erfahrungen liefert gerne Wien an Hand der Parkerlaubnis für Anrainer. Wird der Antrag bewilligt erhält man eine spezielle Warnweste. Ein Kontrollor (ich denke an Arbeitsinspektorat oder Fahnder der GKK) überprüft genau, ob sich der Antragsteller an die Genehmigung hält und nicht nebenbei auch tätig wird. Nachhaltig wäre übrigens eine Kombination von waffenfreier mit dieselfreier Zone – da wird die Überprüfung billiger. Die DDR hat ja Methoden entwickelt, wie man auch PKWs gründlich durchleuchten kann.

    Für linke Demos oder die Antifa gibt es Ausnahmeregelungen. Es muß nur dafür gesorgt werden, dass sich nicht Andersdenkende in die Reihen der Demonstranten schmuggeln und so unkontrolliert in die Zonen gelangen. Mir fällt allerdings derzeit nicht ein, wie das funktionieren könnte.

  4. Triumph Cruiser

    Also mich (persönlich) tangiert diese Entwicklung, dieser Blödsinn in keiner Weise. Wenn ich mich tagtäglich über derartigen Schwachsinn aufregen müsste, dann hätte ich in drei Jahren, den fünften, oder sechsten “stent”, oder das zweite Spenderherz. Leute genießt die Show. Die “Titanic” ist mittlerweile so leckgeschlagen, – da geht nichts mehr …
    Deutschland “hat fertig”. Österreich, Italien, Schweden, Frankreich u. a. ebenso … – Europa wird vernichtet und “sie” liegen gut im Plan ! 😉

  5. GeBa

    Hoffentlich sind die Tafeln Anfang und Ende der waffenfreien Zone in vielen Sprachen, damit es die, die damit angesprochen werden, es auch verstehen.
    Sehr viel mehr an Lächerlichkeit kann sich D bald nicht mehr leisten.

  6. fxs

    “Welche Regierung würde es wagen, die politische Freiheit anzutasten, wenn jeder Bürger ein Gewehr und fünfzig scharfe Patronen zu Hause liegen hat?“ (Friedrich Engels, 1887)

  7. Triumph Cruiser

    @fxs:

    … das war einmal … – heute könnte man alle Deutschen, die, die schon länger in D leben, bis an die Zähne bewaffnen, – es machte keinen Unterschied. Jahrzehntelange (Links) Indoktrinierung und 68er Schule haben aus den deutschen Männern (dem Großteil) ein Heer von veganverschwulten Eunuchen gemacht. Die, jene noch in der Lage und Willens wären, stellen keine Gefahr für den Staat dar.

    Abschließend, seien wir doch mal ehrlich. Die Natur wird das regeln, – frei nach Darwin. 😉

  8. Falke

    Ich nehme an, diese Zonen sind sorgfältig eingezäunt, und an den Eingängen steht einschlägig ausgebildees Personal, das alle eintretenden Personen genau nach Waffen bzw. spitzen und scharfen Gegenständen (wie am Flughafen) absucht, während allfällige Taschen oder Rucksäcke durch den Scanner geleitet werden. Wer die Absicht hat, jemanden abzustechen, wartet bei den Ausgängen.

  9. Triumph Cruiser

    @Falke:

    Das “Abstechen” (von Autochthonen) ist nur Personen mit (nachgewiesenem) Migrationshintergrund und ist an Werktagen der Zeit von 12:30 h – 00:30 h gestattet. An Wochenenden i.d.Zeit von 00:00 h – 24:00 h. Eine Zuwiderhandlung stellt eine Verwaltungsübertretung dar, welche mit einer Geldbuße i.d.H.v. bis zu EUR 180.-, oder im Nichteinbringungsfall, einer Haftstrafe von 90 Minuten zu ahnden ist.

  10. astuga

    Wie erfolgreich rigorose Waffenverbote sind konnte man heuer wieder in Großbritannien sehen. Dort ist faktisch jedes Messer und jeder Gegenstand der als Waffe benutzt werden könnte in der Öffentlichkeit verboten (vom Pfefferspray über Schweizer Taschenmesser bis zum Schraubenzieher bei Nichthandwerkern). Was aber zahlreiche Messermorde und Säureanschläge auch nicht verhindert. Terroranschläge ohnehin nicht.
    Gleiches gilt übrigens für den urbanen Bereich in Schweden. Dennoch liegen dort scheinbar immer wieder Handgranaten herum.
    Wahrscheinlich hat die Pippi Langstrumpf vergessen…

  11. Johannes

    Soviel ich weiß war das Einstechen mit Messern auf Menschen auch schon vorher verboten. Haben sich halt nicht daran gehalten – jene – welche gestochen haben.
    Aber es könnte funktionieren, wenn das Waffen-Tragen verboten wird werden die Messerstecher zwar weiterhin zustechen wollen aber, oh Schreck, sie werden kein Messer dabei haben.
    Sozusagen nur “Luftgitarre “ spielen, pantomimische Slapstick-Szenen einer Messerstecherei werden die waffenfreien Zonen zu einem Event für Familienausflüge mit Unterhaltungscharakter machen.

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