Warum Liberale gegen Linke meist verlieren

“……Liberalismus und Kapitalismus wenden sich an den kühlen, ruhig abwägenden Verstand, sie gehen streng logisch vor, sie schalten mit Bewusstsein alles aus, was nur zum Gefühl spricht. Anders der Sozialismus. Er sucht durch Gefühlseindrücke zu wirken, will die logische Erwägung durch Erregung des Interesses vergewaltigen, die Stimme der Vernunft durch Erweckung primitiverer Instinkte übertönen. Das alles scheint dem Sozialismus schon bei den geistig Höherstehenden, den wenigen, die selbständigen Nachdenkens fähig sind, einen Vorsprung zu geben; bei den übrigen, bei der großen Masse, die nicht denken kann, könne, meint man, seine Stellung überhaupt nicht erschüttert werden. Wer die Instinkte der Massen aufpeitsche, habe immer mehr Aussicht auf Erfolg als der, der zu ihrem Verstand sprechen will. Die Aussichten des Liberalismus, im Kampf mit dem Sozialismus zu bestehen, seien daher recht ungünstig….” (Ludwig v. Mises, hier)

17 comments

  1. FDominicus

    Dazu sollte man einen Blick in “Thinking fast and slow” werfen. Die Sozialisten greifen auf primitivere Schichten zurück und sind deswegen so erfolgreich. Dies können Liberale einfach so nicht machen da sie die Sache “slow” durchdacht haben.

  2. Thomas Holzer

    @FDominicus
    Außerdem: die primitiveren Schichten werden immer die Mehrheit sein, auch wenn einmal alle -im Sinne der sozialistischen und demokratischen Gleichheit- ein Studium absolviert werden haben 😉

  3. Herr Karl jun.

    @waldsee
    Das gilt im Grunde für jede der großen Weltreligionen, die bekanntlich mit allzu heftigem Vernunftgebrauch in ihren Wirkungskreisen oft genug hadern.
    Und so blieb bei vielen die Erde recht lange eben eine Scheibe. Was Mises auszeichnete, war, dass er mit seinen Vernunftwerkzeugen die ideologischen Weltbilder sehr fein ziselierte. Schade, dass Ihre (rhetorische)Frage das nicht so erkennen ließ.

  4. Selbstdenker

    Den Wert der Freiheit erkennen viele eben erst dann (falls überhaupt), wenn es sie nicht mehr gibt.

    Trotzdem kann ich mich dem von manchen hier verbreiteten Pessimismus, wonach der Libearlismus “born to lose” sei, nicht anschließen. Würde das zutreffen, hätte es ihn seit gut hundert Jahren nirgendwo mehr geben dürfen.

    Der Liberalismus hat rund um den Erdball an verschiedensten Orten immer wieder eine Wiedergeburt erfahren; sogar in Deutschland nach der NS-Zeit und zum Teil auch in China nach dem Maoismus. Voraussetzung dafür war die Erkenntnis der breiten Bevölkerungsmasse, dass der Sozialismus in seinem Gang so nicht mehr weitergehen kann.

    Man sollte den Liberalismus wieder auf einer Ebene erklären, in dem sich das einzelne Individuum, der einzelne Bürger wiederfinden kann. Dinge wie z.B. Eigentumsschutz, Vertragsfreiheit und individuelle Verantwortung klingen abstrakt, die aktuellen Geschehnisse rund um den Erdball – insbesondere in Europa – würden aber mehr als genug Möglichkeiten bieten, wichtige liberale Prinzipien verständlich zu machen.

    Es ist die Ebene individueller Wertigkeiten, individueller Entscheidungen, individueller Erfahrungen und individueller Lebensläufe. Auf dieser Mikroebene sind die Menschen im Gegensatz zur Makroebene hochaggregierter Zahlen (welche vom pauschalen Ansatz eher sozialistisch tickt) sehr gut ansprechbar. Ich denke beim Institut für Wertewirtschaft hat man sich diese Sichtweise verstanden.

    Die Freiheit sollte nicht nur für Wohlstand, sondern auch für ein Lebensgefühl und eine Ästhetik stehen, die ich – so wie vermutlich viele andere – seit längere Zeit schmerzhaft vermisse.

    Es besteht sehr wohl ein großes Reservoir liberal denkender Bürger. Leider wird dieser vorhandene Kuchen auf die bestehenden (sozialistischen) Parteien aufgeteilt, indem sie jeweils nur einen liberalen Teilaspekt herausgreifen und so die Gesamtsystematik des Liberalismus vernebelt wird.

    Vielleicht sollte man den Spieß einmal umdrehen und angriffslustig bei den anderen Parteien “wildern”. Gelegenheiten dazu gäbe es zur Zeit mehr als genug.

  5. Thomas F.

    @ Herr Karl jun.
    “Die Kirche gibt ihren Mitgliedern ein Denkverbot auf.” (S. Freud)

  6. Manfred erzetic

    Der Liberalismus wird solange leben wie es Demokratien gibt.Die oberste Errungenschaft
    des Liberalismus ist die politische Freiheit.Ohne politischer Freiheit gibt es auch keine Demokratie.

  7. Herbert Manninger

    Klar, mit Scheuklappen bringt sie nichts vom linken Weg, auch wenn´s eine Sackgasse ist, an derem Ende sie stur und hirnlos verharren.

  8. Thomas Holzer

    Demokratie steht sowohl der politischen als auch der persönlichen Freiheit diametral entgegen!

  9. Marcel Elsener

    @Manfred erzetic
    Erlauben Sie, dass ich hier widerspreche. Freiheit und Demokratie sind zwei Dinge, die höchstens lose miteinander verbunden sind. Wir erleben hier in unseren demokratischen Staaten gerade, wie unsere Freiheit auf allen möglichen Gebieten eingeschränkt wird. Sogar welche Art von Beleuchtungskörper ich in die Lampenfassung schrauben darf oder welches Volumen mein Toilettenspülkasten haben darf, wollen mir die Demokraten vorschreiben. Der Staat zwingt mich, Fernsehgebühren zu zahlen, auch wenn ich den staatlichen TV-Schrott gar nicht sehen will. Quotenzwang bei privatrechtlichen Unternehmen soll gesetzlich implementiert werden und, und, und… Kurzum: der Bürger soll von der Wiege bis zur Bahre vollständig staatlich umsorgt, bevormundet und (um-)erzogen werden. Von den gigantischen Fiat-money-Manipulationen der Zentralbanken, die unsere gesamte Wirtschaft korrumpieren, will ich gar nicht erst anfangen. Es tut mir leid, aber mit der Freiheit ist es schlecht bestellt in unseren demokratischen Staaten.

    Dass der Liberalismus für die Freiheit ist, steht ausser Frage. Für eine Demokratie, die sich immer totalitärer gebärdet, ergreift der Liberalismus aber ebensowenig Partei wie für eine totalitäre Diktatur. Demokratie wurde von den Liberalen einst als Chance begriffen, die absolutistischen Monarchien zu beseitigen. Schon in der französischen Revolution hat sich aber gezeigt, dass die Demokratie nicht minder totalitär sein kann als die übelste Diktatur, womit sich diese Heilserwartungen an die Demokratie eigentlich bereits zerschlagen haben. Auch die Demokratie ist letzten Endes eine Diktatur – nämlich die Diktatur der Mehrheit über die Minderheit.

    Abgesehen davon kann man durchaus die Meinung vertreten, dass beispielsweise Deutschland oder auch Österreich allenfalls halbe Demokratien sind. Wenn gewählte Parlamente immer wieder gegen den Willen des sogenannten Demos Gesetze beschliessen, dann handelt es eben per definition um keine Demokratien.

    Die entscheidende Frage für den Liberalen ist somit nicht, ob eine Demokratie herrscht oder ein anderes politisches System, sondern wieviel Freiheit der Bürger in diesem politischen System besitzt. Als Faustregel gilt: je stärker der Staat sich einmischt, desto weniger Freiheit bleibt für das Individuum übrig. Ob der Staat demokratisch (mit Parlament und gewählter Regierung) oder monarchisch (mit König oder Kaiser von Gottes Gnaden) oder oligarchisch (mit einer politisch mächtigen Herrscherclique) oder diktatorisch (mit einem Diktator als Führungsfigur) aufgebaut ist, ist lediglich eine administrative Frage. Entscheidend ist vielmehr, wieviel Freiheit dem Bürger am Ende übrigbleibt.

    Der Grad der Macht der Obrigkeit ist fast immer proportional zum Bürokratisierungsgrad, denn egal, wer an der Spitze des Staates steht und welches Regierungssystem vorherrscht; ein totalitärer Staat benötigt zwingend eine ausufernde Bürokratie, die jede Kleinigkeit regelt. Somit ergibt sich mit dem Bürokratisierungsgrad eines Staates ein hervorragender Indikator, an dem man auch den Totalitarismusgrad eines Staates ablesen kann. Es ist deshalb kein Wunder, dass sich beispielsweise Ludwig von Mises intensiv mit der Bürokratie beschäftigt hat.

    Zum Text, auf den Herr Ortner verlinkt hat. Ich glaube, dass das die falsche Frontstellung ist: Liberale gegen Linke bzw. Sozialisten. Richtig sollte es heissen: Liberale gegen Etatisten.

    Etatisten umfassen nicht bloss die Sozialisten sondern durchaus auch konservative Etatisten, nationalistische Etatisten und sogar freisinnige Etatisten. Trotzdem stellen die Sozialisten wohl die deutliche absolute Mehrheit unter allen Etatisten. So gut wie jeder Sozialist, ist heutzutage Etatist; aber längst nicht jeder Konservative ist Etatist. Man könnte die Gruppierungen grob ordnen nach abnehmendem Etatismusgrad: Kommunisten (in ihren vielen Derivaten), Sozialisten/Sozialdemokraten, Nationalisten, Konservative, Liberale, Libertäre. Es zeigt sich hier auch, dass das heute proklamierte Links-Rechts-Schema nicht so recht greift.

    Es ist leider wieder ein sehr langer Text geworden. Ich bitte um Entschuldigung deswegen. Aber Herr Dominicus hat es bereits geschrieben: der Liberale muss die Sache ‘slow’ (d.h. gründlich) durchdenken, was zu entsprechend langen Texten führt.

  10. Selbstdenker

    @Marcel Elsener
    Der Text mag zwar ein bisschen länger sein – er bringt jedoch das Thema auf den Punkt. Vielen Dank!

    Für mich leitet sich daraus ab, dass es der Einsicht des Machthabers bedarf, dass Entscheidungen grundsätzlich besser auf der Mikroebene aufgehoben sind und dass Entscheidungen auf der Makroebene nur dort getroffen werden sollen, wo es um einen überparteilichen und für alle gültigen Ordnungsrahmen geht (innere und äussere Sicherheit, Justiz).

  11. Thomas Holzer

    Das Grundproblem: Wird es jemals jemand wagen, all diese schwachsinnigen Gesetze ersatzlos zu entsorgen, die verbleibenden Gesetze auf eine verständliche Sprache zu ändern und angemessene Paragraphenanzahl zu reduzieren?

  12. Rennziege

    4. September 2014 – 13:18 Marcel Elsener – See more at: http://www.ortneronline.at/?p=30845#comments
    Gibt es einen Preis für erstklassige Postings?
    Sie haben íhn verdient; selten kriegt man so etwas Solides und Ausgeschlafenes zu lesen. Allein Ihr Absatz …

    Die entscheidende Frage für den Liberalen ist somit nicht, ob eine Demokratie herrscht oder ein anderes politisches System, sondern wieviel Freiheit der Bürger in diesem politischen System besitzt. Als Faustregel gilt: je stärker der Staat sich einmischt, desto weniger Freiheit bleibt für das Individuum übrig. Ob der Staat demokratisch (mit Parlament und gewählter Regierung) oder monarchisch (mit König oder Kaiser von Gottes Gnaden) oder oligarchisch (mit einer politisch mächtigen Herrscherclique) oder diktatorisch (mit einem Diktator als Führungsfigur) aufgebaut ist, ist lediglich eine administrative Frage. Entscheidend ist vielmehr, wieviel Freiheit dem Bürger am Ende übrigbleibt.

    … verrät eine unaufgeregte Ein- und Weitsicht, von der wir alle hier uns mehr als eine Scheibe abschneiden sollten.
    Dürfen wir? Vielen Dank!

  13. Marcel Elsener

    @Rennziege und Selbstdenker
    Vielen Dank für die Blumen. Ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken. Die Gedanken aus meinem Text sind nicht von mir, sondern wurden natürlich von anderen, wahrhaft grossen Geistern schon vor langer Zeit erdacht und ausformuliert. Ich habe sie lediglich widergegeben. An dieser Stelle erlaube ich mir, ein Zitat des wohl grössten deutschsprachigen Liberalen der letzten 40 Jahre anzubringen, das den meines Erachtens wichtigsten Grundsatz des Liberalismus auf einen einzigen Satz reduziert:

    ‘Selbstbestimmung ist die Essenz der Freiheit, nicht Mitbestimmung.’
    Roland Baader

  14. Selbstdenker

    @Thomas Holzer:
    Ein möglicher Ansatz wäre die Implementierung einer Sunset Regulation für alle Gesetze, die mit einfacher Mehrheit beschlossen wurden.

    Alle neuen mit einfacher Mehrheit beschlossenen Gesetze sollten vorab beim VfGH einer strengen Prüfung unterzogen werden. Ohne ein positives Ergebnis dieser schnellen Prüfung auf eine grundsätzliche Verfassungsmäßigkeit, sollte es nicht möglich sein, dass ein Gesetz in Kraft tritt.

    Schon alleine mit diesen zwei Maßnahmen würde man sich einiges an Gesetzesschrott ersparen. Lanfristig würden dies zu einer tendenziellen Abnahme von Rechtsnormen bei gleichzeitiger Zunahme ihrer formellen und inhaltlichen Qualität führen.

    Derzeit gleicht unser Rechtsraum eher einer unaufgeräumten WG in der sich niemand zuständig fühlt das Chaos und den Müll, den andere hinterlassen haben, aufzuräumen und zu entsorgen.

  15. Thomas Holzer

    @Selbstdenker
    z.B.: alleine das Arbeitnehmerschutzgesetz in diesem Lande hat 1207 Paragraphen!
    Kein Wunder, daß jeder Unternehmer mit zumindest einem Fuß permanent im Kriminal steht

    Ihrer Idee folgend müsste dann der VfGH vorab mit neuen Kompetenzen ausgestattet werden, was in diesem Lande sicherlich unter den derzeitigen Prämissen nie passieren wird 🙁

    Ich wage zu behaupten, daß, wenn überhaupt, maximal 10% “unserer” Volksvertreter verstehen, worüber sie abstimmen, respektive, welchen Schwachsinn sie tagtäglich in die “Gesetzeswelt” setzen

  16. Thomas Holzer

    “‘Selbstbestimmung ist die Essenz der Freiheit, nicht Mitbestimmung.’ Roland Baader”

    Nicht nur insofern steht Demokratie der Freiheit diametral entgegen 😉

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