Warum SPÖ und ÖVP abgewählt gehören

Wir haben verloren, man kann es leider nicht anders sagen. Wir – das sind in diesem betrüblichen Falle mittlerweile schon ein paar Generationen von Journalisten, von (Oppositions-)Politikern mit mehr oder weniger redlicher Absicht und, mit hoher Wahrscheinlichkeit, ungefähr 99Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher.

Genauer gesagt: Wahrscheinlich überhaupt alle Österreicher, die nicht zufällig selbst leitende Mitarbeiter der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) sind, mit solchen verwandt oder verschwägert sind oder zumindest realistische Hoffnungen hegen können, irgendwann zu einem dieser beiden Personenkreise gehören zu können. Alle anderen nämlich finden es nun schon seit ungefähr dem Abzug des letzten Sowjetsoldaten aus Österreich unanständig, widerlich und ziemlich empörend, dass SPÖ und ÖVP die höchst komfortabel dotierten und nicht übermäßig vom Burn-out-Syndrom bedrohten Führungsjobs in der OeNB – und anderen Geschützten Werkstätten – vergeben, als handelte es sich dabei um Posten für Parteiangestellte und nicht um öffentliche Ämter, die vom Steuerzahler bezahlt werden müssen. Es ist dies eine Art der Postenvergabe an Günstlinge, deren wichtigste Qualifikation offenbar darin besteht, Günstlinge zu sein. Wichtige Jobs so zu besetzen kommt dem politischen Äquivalent zum strafrechtlichen Delikt der Untreue schon ziemlich nahe.

Dass erst dieser Tage wieder Führungspositionen in der OeNB (und der ihr verwandten Finanzmarktaufsicht FMA) erneut nach genau diesem Modus vergeben wurden, zeigt, dass SPÖ und ÖVP aus der jahrzehntelangen öffentlichen Kritik an diesen Missständen durchaus gelernt haben: Sie haben gelernt, dass man die hiesige Öffentlichkeit in nahezu unbegrenztem Ausmaß verhöhnen kann, ohne dafür in nennenswerter Weise zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Da ein bissige Glosse, dort ein paar Zeilen Häme – und das war’s auch schon wieder. SPÖ, ÖVP und deren Günstlinge haben gewonnen, alle anderen haben verloren. Business as usual halt – und jetzt gehen Sie bitte weiter, liebe Wählerschafe, es gibt hier nichts zu sehen.

Wer weiter die Hoffnung pflegt, SPÖ und ÖVP könnten sich in dieser Hinsicht irgendwann einmal besinnen (und solche Jobs international ausschreiben lassen und nach Qualifikation vergeben), der braucht dazu einen bemerkenswerten Dachschaden. Bekanntlich hat ja nicht einmal der triumphale Aufstieg Jörg Haiders – der diesen Skandal immer wieder angeprangert hatte – an dem skandalösen Zustand irgendetwas geändert.

Also haben wir eben verloren, können wir daraus aber etwas lernen? Wenn der Souverän Wert darauf legt, dass SPÖ und ÖVP künftig nicht weiter die jeweiligen politischen Prinzlinge unverschämt protegieren, wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als diese beiden Parteien bei der kommenden Nationalratswahl abzuwählen. Nur wenn ihnen der Wähler die Verfügungsgewalt über die OeNB und die anderen Geschützten Werkstätten der Republik entzieht, wird Abhilfe zu schaffen sein.

SPÖ und ÖVP eine derartige Niederlage zuzufügen, wird eine ganze Reihe anderer, erheblicher Probleme schaffen. Aber manchmal kann man eben nur zwischen verschiedenen unerfreulichen Optionen wählen – bei Wahlen ganz besonders. (“Presse“)

 

16 comments

  1. Behaimb

    Ob das was ändert wenn statt roten und schwarzen Bonzen ein blauer oder grüner dort sitzt? Siehe Seibersdorf, Asfinag, Graz AG etc etc.

  2. WRL

    Ich vermute mal dass die Wahlbeteiligung in Felix Austria ebenso im Sinkflug begriffen ist wie in Deutschland – wer trifft schon gerne eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera?

  3. rubens

    Hoffentlich kommt das bei den Wähler an und der Wähler entscheidet mal mutig. Dieser Mut zeichnet erfolgreiche Menschen aus, nicht Herdenverhalten und Rückzug.

  4. Thomas F.

    “solche Jobs international ausschreiben lassen und nach Qualifikation vergeben” – Es gibt dafür in Wirklichkeit keine Qualifikation, denn diese Jobs sind überflüssig und gehören abgeschafft. Es wird hier als Fachwissen eine Pseudowissenschaft vorgeschoben, die im Grunde immer nur auf Planwirtschaft hinausläuft.

  5. Christian Peter

    Österreicher lieben Besatzungszustände. Nach den Habsburgern Austrofaschisten,
    nach den Nationalsozialisten Sozial- und Christdemokraten. Wann wird auch dem
    schönen Österreich endlich ein freies Land ?

  6. Christian Peter

    Österreicher lieben Besatzungszustände. Nach den Habsburgern Austrofaschis –
    ten, nach den Nationalsozialisten Sozialdemokraten und Christdemokraten.
    Wann wird aus dem schönen Österreich endlich ein freies Land ?

  7. Zaungast

    SPÖVP repräsentieren das Volk. Der eine braucht eine günstige Gemeindewohnung, der nächste einen Posten für die Tochter, einen frühen Pensionsantritt, eine Subvention fürs Fitschigogerln usw. usf.

    Korrupte Leute wählen ein korruptes System.

    Das bricht dann zusammen, wenn der Futtertrog leergefressen ist und die Versprechungen auf Wiederauffüllung nicht mehr geglaubt werden.

  8. FDominicus

    Thomas F. :
    “solche Jobs international ausschreiben lassen und nach Qualifikation vergeben” – Es gibt dafür in Wirklichkeit keine Qualifikation, denn diese Jobs sind überflüssig und gehören abgeschafft. Es wird hier als Fachwissen eine Pseudowissenschaft vorgeschoben, die im Grunde immer nur auf Planwirtschaft hinausläuft.

    Das ist der passendste Kommentar. Zentralbanken zu erhalten ist schlicht und einfach D A S Hauptproblem.

  9. Gerhard

    Die wichtigen Entscheidungen werden nicht mehr in der ÖNB bzw. dem österr. Parlament getroffen, denn wir “dürfen” die Richtlinien der EZB bzw. von EU-Kommission nur mehr “durchwinken”!

  10. Rennziege

    @Gerhard

    Dass wir EZB- und EU-Richtlinien noch durchwinken dürfen, liegt daran, dass wir uns erst in der U-Haft der EU befinden. Sobald unser Prozess durch vorhersehbare Knebel-Entscheidungen diverser Verfassungsgerichte und des EuGH abgeschlossen ist, dürfen wir dem Rest der freien Welt nur noch zuwinken — durch ESM-unzerstörbar vergitterte Fenster.

  11. hartamwind

    sind die schlechter als Fayman? Politische Seilschaften gehören gebrochen zumindest alle 5 Jahre, dann können sich nicht derart große Schäden aufbauen wie durch SPÖVP, auch der Ersatz nur einer dieser Parteien am Trog ändert wenig, beide müssen weg und durch andere ersetzt werden. Sie können sich ja dann wieder qualifizieren.
    @Behaimb

  12. Karl Markt

    Wer findet, dass die Demokratie weggehört, findet natürlich auch, dass SPÖ und ÖVP weggehören, das ist keine Kunst.

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