Was dürfen Gewerkschaften?

Im April 2018 streiken Gewerkschaften in Frankreichs Bahnen und Deutschlands Luftverkehr. Sie setzen ihre Macht für Arbeitsbedingungen ein, die meist deutlich über jenen anderer Arbeitenden stehen, und ihre Macht multipliziert sich durch den Netzcharakter der Dienste von Bahn und Flugverkehr. Hunderttausende, Millionen von Nutzern, Kunden sind betroffen. Ist das vertretbar? Wie baute sich diese Struktur auf? Wie sollte sie sein?   weiter hier

4 comments

  1. Selbstdenker

    Die Antwort zur Überschrift vom verlinkten Austria Institute-Artikel „Gewerkschaften – selbstorganisierte Interessenvertretungen oder staatlich abgeschirmter Korporatismus?“:

    Seit Jahrzehnten eindeutig letzteres.

    Zusätzlich neigen Gewerkschaften dazu sich in mafiaähnliche Organisationen auszuwachsen, wenn man ihnen gesetzlich zugesteht, sich in Bereiche zu betätigen, die nichts mit ihren ursprünglichen Aufgaben zu tun haben.

    Neben den oben beschriebenen und im Video erwähnten problematischen Grundtendenzen, haben sich die Gewerkschaften ideologisch völlig verrannt. Man kann sie aus mehreren Gründen glatt als Feinde der Produktiven bezeichnen:

    Ging es den Gewerkschaften vor 100 Jahren noch um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und um das Aushandeln besserer Tarife, so geht es den Gewerkschaften heute um radikale Ergebnisgleichheit und die Aufrechterhaltung möglichst abhängiger Arbeitsverhältnisse.

    Die Gewerkschaft verbaut qualifizierten Facharbeitern systematisch den Weg sich über eigene Leistung ökonomisch und sozial zu verbessern, sich Eigentum aufzubauen oder gar unabhängig zu machen.

    In einer auf den ersten Blick merkwürdigen Allianz von Gewerkschaften mit Großunternehmen, kämpfen sie gemeinsam gegen kleine und mittlere Unternehmen.

    Besonders deutlich wurde dies in den von roten Korporatisten im Nationalratswahlkampf 2017 beworbenen „Maschinen“-steuerplänen, die kleine Unternehmen steuerlich massiv belastet und traditionellerweise mit den Roten eng verbandelte Großunternehmen entlastet hätte.

    Die Gewerkschaften repräsentieren nur eine Minderheit in der Arbeitnehmerschaft: nämlich verhältnismäßig unproduktive Mitarbeiter, die über den Wege kollektivvertraglicher Einstufungen, verhältnismäßig produktive Mitarbeiter in gleiche Einkommenskategorien mit ihnen zwingen.

    Unproduktive, gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter prellen in einer partiellen Allianz mit Großunternehmen die produktiven Mitarbeiter um einen nennenswerten Anteil ihres – unter unverzerrten Marktbedingungen erzielbaren – Lohns.

    Durch immer weitere Einschränkungen (z.B. bei Überstunden), verbauen Gewerkschaften den Arbeitnehmern die Chance sich über eigene Leistung hochzuarbeiten. Aufstiegsmöglichkeiten werden damit immer weniger zu einer Frage erbrachter, wertvoller Leistungen und Fähigkeiten als vielmehr zum politischen Akt einer in der H.R. Abteilung angesiedelten Zuteilungsbürokratie, die nach „Kriterien“ wie Geschlecht, etnische Herkunft, sexueller Orientierung, etc. entscheidet.

    Solange die aufaddierte Differenz aus erzielbaren Markteinkommen in einem unverzerrten Markt minus der Löhne in einem kollektivvertraglich regulierten Markt höher ist als der Schaden, den unproduktive bzw. unqualifizierte Mitarbeiter aus einer draus geschützten Position anrichten können, spielen auch Großunternehmen mit.

    Das ist das erste (dreckige) Geheimnis und man nennt es Faschismus.

    Gewerkschaften definieren sich über eine falsche Dichotomie von Arbeit und Kapital.

    Bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne werden durch bessere Technologien und den damit zusammenhängenden Produktivitätszuwachs ermöglicht. Arbeit und Kapital sind damit nicht Faktoren, die sich gegenseitig auffressen, sondern sich gegenseitig verstärken. Dies zumindest dann, wenn diese Faktoren nicht dem Zugriff von Special Interest Groups über den Staat unterliegen.

    Auch hier haben sich die Gewerkschaften hoffnungslos vergaloppiert, da mit jeder bahnbrechenden technischen Neuerung dieser beschriebene Zusammenhang immer offenkundiger wird. Nichts würde die Gewerkschaften mehr erschüttern als die allgemein um sich greifende Erkenntnis, dass der vermeintliche Gegner (Kapital) in Wahrheit einer der engsten Freunde der Arbeit ist und dass die heutigen Scharfmacher niemand benötigt, weil sich ihr Geschäftsmodell überlebt hat.

    Anton Benya war der Zusammenhang zwischen Produktivitätszuwachs und den Möglichkeiten zu Lohnsteigerungen noch klar; vielleicht hat er heimlich Henry Hazlitt gelesen oder kannte diesen Zusammenhang aus der Praxis.

    Die heutigen Gewerkschaften sind hingegen – ähnlich wie die Arbeiterkammer – eine inzestuöse Brutstätte, in der sich intellektuell herausgeforderte Apparatschiks, die ihren innerbetrieblichen Kontrollzwang hinter einer Interessensvertretungs-Rhetorik verbergen, mit praxisfernen, ebenfalls intellektuell herausgeforderten Ideologen mit akademischen Titeln gegenseitig „befruchten“.

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