Weg mit den Agrar-Subventionen!

„….Die volkswirtschaftlichen Kosten der auf Abschottung ausgerichteten Landwirtschaftspolitik übertreffen die milliardenschweren jährlichen Direktsubventionen um ein Vielfaches. Die Öffnung des Agrarsektors ist ein längst fälliger Schritt….“ (hier)

10 comments

  1. Christian Peter

    Warum sollten die Schweizer ihren Agrarsektor öffnen ? Damit es ausländische multinationale Konzerne leichter haben, ihre minderwertigen Waren in der Schweiz zu verkaufen ? Außerdem sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass Freihandel nur wenigen Vorteile bringt, ganz Europa leidet unter einem Binnenmarkt, der nicht funktioniert.

  2. Selbstdenker

    Der verlinkte NZZ-Artikel enthält einige Fehler bzw. Fehlannahmen. Aus Zeitgründen werde ich nur auf ein paar Argumente eingehen, obwohl weitaus mehr zu kritisieren wäre.

    Die Autorin spricht von einem „kostspieligen Subventionsmonster“, geht aber nur sehr oberflächlich darauf ein, in welcher Form Subventionen für welchen Zweck an wen gezahlt werden.

    Dieses Spiel kennen wir auch in Österreich: zunächst alles in einen Topf werfen, kräftig umrühren und dann die Behauptung aufstellen, dass „die Bauern“ im Durchschnitt den Betrag X an Subventionen erhalten. Das ist zwar inhaltlich nicht korrekt, erspart aber tiefergehende Recherchen und lässt sich von hochsubventionierten „Medienschaffenden“ mit maximaler Erregung mit direkten und indirekten Kosten zu Lasten anderer gut vermarkten.

    Um die eigentlichen Probleme hinreichend genau beschreiben zu können, wäre es angemessen die Empfänger von Agrarsubventionen in Aggregate nach Sektor und Betriebsgröße aufzuschlüsseln. Die in Österreich ausbezahlten „Agrarsubventionen“ gehen zum überwiegenden Teil an Unternehmen und Organisationen, die wenig bis kaum etwas mit Landwirtschaft zu tun haben. Zum Beispiel Pharma-Konzerne, lebensmittelverarbeitende Betriebe, Vermarktungsorganisationen und sogar die ÖBB.

    Der Müller-Milch Konzern in Deutschland wird beispielsweise massiv subventioniert, womit er dann in die Lage gebracht wird, bislang mit weitaus weniger Subventionen operierende lokale Erzeugungs-, Verarbeitungs- und Vermarktungsketten preislich zu unterbieten und aus dem Markt zu drängen.

    „…für die agrarprotektionistisch verteuerten Milch- und Getreiderohstoffe entschädigt.“

    Die Wurzel des Problems – zumindest innerhalb der EU – liegt darin, dass das Agrarförderwesen strukturell immer noch sehr stark von der Nachkriegszeit geprägt ist:

    Damals herrschte in zahlreichen europäischen Ländern eine Lebensmittelknappheit, die man mit mengenbezogenen Subventionen und gezielten Förderungen immer größerer Betriebe bekämpft hat.

    Dieser Markteingriff führte dazu, dass die produzierten Mengen rasant anstiegen und die Erzeugerpreise in einem Ausmaß künstlich nach unten gedrückt wurden, die viele kleinere und mittlere Betriebe in ihrer Existenz bedrohte.

    Im traditionell kleinstrukturierten alpinen Raum, der sich über Teile von Frankreich, Italien, Schweiz, Österreich und Deutschland erstreckt, bilden die lokalen Wertschöpfungsketten im landwirtschaftlichen Bereich die ökonomische Basis ganzer Regionen.

    Um ein Absterben dieser Wertschöpfungsketten und somit ganzer Regionen – inklusive des Tourismus, der seine Existenz dieser Kulturlandschaft zu verdanken hat – zu verhindern, mussten wiederum Förderprogramme ausgebaut werden, die ein Überleben dieser Wertschöpfungsketten in einem Umfeld künstlich niedrig gehaltener Erzeugerpreise ermöglichte.

    Die unerwünschten „Nebenwirkungen“ jedes Markteingriffes wurde nicht durch das Abbauen vom ursprünglichen Markteingriff behoben, sondern mit weiteren Markteingriffen „kompensiert“, die wiederum Markteingriffe erforderlich machten. Ein ganzes Konglomerat von Nutznießern – allen voran Heerscharen von Beamten -, verdankt seine Existenz der Verwaltung dieser Markteingriffe und ihrer Auswirkungen.

    Der durchschnittliche Bauer kriegt hingegen nur einen sehr kleinen Anteil der eigesetzten Mittel.

    Die vielleicht einigen noch bekannten Milchseen und Butterberge der EU führten zu einem verstärkten Ausbau der Exportaktivitäten, die wiederum gefördert wurden.

    Es handelt sich um eine klassische Interventionsspirale, wie wir sie auch aus anderen Wirtschaftszweigen kennen. Die Autorin pickt sich jedoch nur einen Teil heraus und hängt „den Bauern“ auf eine sehr unterschwellige Art und Weise Probleme um, für die sie meiner Meinung nach wenig bis gar nichts dafür können.

  3. Christian Peter

    Man braucht sich nur anzusehen, was die Marktöffnung in Osteuropa bewirkte : Dort gibt es fast keine einheimischen Bauern mehr, während ausländische Konzerne seit einem Jahrzehnt Landraub im großen Stil betreiben, um an ausreichend landwirtschaftliche Flächen für genmanipulierten Müll zu gelangen.

  4. Selbstdenker

    „Dies bremst das Wachstum der Schweizer Unternehmen und benachteiligt diese gegenüber Konkurrenten anderer Länder mit weitgehenden Freihandelsverträgen. Laut Avenir Suisse dürften sich diese Opportunitätskosten auf mehrere Milliarden Franken belaufen.“

    Mit Partikularismus gegen vermeintlichen Partikularismus könnte man hier sagen. Es wäre ein Gebot der intellektuellen Redlichkeit, die ökonomischen und sozialen Kosten für andere Sektoren mit in die Opportunitätskostenrechnung aufzunehmen.

    „Hinzu kommen erhebliche Umweltschäden durch die intensiv produzierende Landwirtschaft.“
    Dieses Argument ist geradezu bizarr.

    Als ob die Umwelt davon profitieren würde, wenn man die Produktion landwirtschaftlicher Güter zentral in Länder ansiedeln würde, in denen die extremsten Formen agrarindustrieller Produktionsweisen mit minimalen Standards praktiziert werden? Gegen die damit verbundenen strukturellen Verwerfungen ist der reduzierte Mehrwertsteuersatz geradezu eine vernachlässigbare Randnotiz.

    „…das sich selbst perpetuierende System zu durchbrechen und die Innovationskraft der Bauern zu stärken.“

    Bei dem sich selbst perpetuierende System handelt es sich in Wahrheit um die in meinem vorherigen Kommentar beschriebene Interventionsspirale in das Preis-Mengengefüge. Das hat im ersten Schritt noch nichts mit der Innovationskraft der Bauern zu tun.

  5. Selbstdenker

    Zum Abschluss der letzte Teil meiner Tri­lo­gie. Die wertvolle Zeit, die mich diese NZZ-Redakteurin gekostet hat, werde ich der NZZ in Rechnung stellen.

    Der Markt für landwirtschaftliche Güter ist durch interventionistische Eingriffe in zahlreichen Ländern extrem verzerrt. Unter Berücksichtigung sämtlicher ökonomischer, ökologischer und sozialer Folgekosten kann ich nur davor warnen, die Landwirtschaft einseitig und pauschal über die Klinge springen zu lassen, um sich multilaterale Freihandelsabkommen für andere Sektoren erkaufen zu können.

    Was wäre aus meiner Sicht der richtige Weg um diesen gordischen Knoten mittel- bis langfristig auflösen zu können?

    1. Schrittweiser Abbau mengenbezogener Förderungen in allen Ländern vom Freihandelsabkommen
    2. Förderungen nur mehr für benachteiligte Gebiete sowie die Kompensation von Etragseinbußen für den Erhalt landschaftlich und ökologisch wertvoller Flächen
    3. Stärkung der Eigentümerrechte: Landwirte sollten daran verdienen können, wenn sie Flächen vertragsbasierend für den Tourismus oder andere Zwecke zur Verfügung stellen; dies ist entgegen der allgemeinen Meinung heute nur sehr eingeschränkt der Fall

    Meiner Meinung nach sollte man sich vom Konzept der ferngesteuerten Massenproduktion in Großbetrieben lösen und die Landwirtschaft als unternehmerische Bewirtschaftung klein bis mittelgroß strukturierter Flächen im Sinne von Produktion und Dienstleistung begreifen.

    Auch bei der Landwirtschaft zeigt sich, dass dieser Bereich am besten dezentral strukturiert ist.

    Es spricht natürlich nichts dagegen, dass Nischenprodukte oder lokal nicht vorhandene Produkte global getauscht werden. Der Sinn einer agrarindustriellen Zentralisierung der Landwirtschaft erschließt sich mir allerdings nicht. Wer jetzt schon die Abhängigkeit des Westens vom Öl der Golfstaaten problematisch findet, sollte sich überlegen, was es heißen würde, wenn wir in Sachen Weizen ausschließlich von den USA und in Sachen Fleischprodukte ausschließlich von Brasilien abhängig wären.

  6. Johannes

    Die Ausgaben für Ernährung für den Konsumenten sind im Vergleich zum Einkommen sukzessiv kleiner geworden.
    Es ist ein Verdienst der Modernisierung und konnte nur durch ein massives schrumpfen der Betriebe, sodass die verbleibenden größer wurden, erreicht werden.
    Landwirtschaft ist die Wurzel jedes Landes, wer so wie im Artikel schreibt, gräbt seine eigenen Wurzeln das Wasser ab. Schon bald wird man wieder froh sein eine Landwirtschaft im Land zu haben welche die Bevölkerung mit Lebensmittel versorgt. Wenn nämlich der Euro tatsächlich zerbrechen würde wäre die Versorgung mit Lebensmittel das oberste Gebot.
    Landwirtschaft eignet sich nicht für Spielchen, mag sein das Herr Ortner das anders sieht aber die Versorgung mit Lebensmittel so wie wir es in Österreich und der Schweiz garantiert haben ist nicht selbstverständlich.
    Wie würde ihr geliebtes Ausseerland den aussehen Herr Ortner wenn das gesamte Umfeld nicht von der Landwirtschaft so nebenbei und gratis für Sie gepflegt werden würde.
    Ich habe diesen Lobbyismus für Landwirtschaft die den Regenwald rodet unendlich satt, denn nichts anderes ist die Aufgabe der eigenen Landwirtschaft als das Brasilien und die USA in diese sich auftuende Lücke mit aller Gewalt und mit allen Chemiekeulen hineinfahren möchten.
    Wenn dann nur ein Kilo zuwenig am Weltmarkt ist werden Sie erfahren was Lebensmittel wirklich kosten.

  7. Johannes

    Selbstdenker@: Herzlichen Dank ! Es geht wohl tatsächlich um ein, wie Sie richtig schreiben, Tauschgeschäft bei dem die Landwirtschaft über die Klinge springen muss. Nicole Rütti schreibt meiner Meinung nach oberflächlich, ohne echte Sachkenntnis mit einer martialischen Sprache, – Bauern als Subventionsmonster mit Pranken –
    allein diese Formulierung zeigt die emotionelle Voreingenommenheit dieser Journalistin, nach meiner Meinung.
    Die Streichung aller Zahlungen für zB. biologische Landwirtschaft muss wenn man ein echter Liberaler wie Herr Ortner zu sein glaubt mit der Streichung aller Umweltauflagen einhergehen. Tut man dies nicht lügt man sich in den eigenen Sack. Wer Produkte importiert die mit allen Giften erzeugt wurden die es da gibt, die selben Methoden aber im eigenen Land verbietet kann nicht vom freien Wettbewerb sprechen das ist Blödsinn. Ich kann mir bei aller Liberalala nicht vorstellen das Herr Ortner gerne Gift essen will. So und jetzt höre ich auf sonst komme ich noch in Rage:-; wenn ich es noch nicht bin.

  8. fxs

    Übersteigt die Agrarförderung eigentlich noch die Medienförderung inklusive Inserate der öffentlichen Hände und der ORF Zwangsabgaben?

  9. Rado

    Die Leute werden sich über das tägliche Essen aus China noch wundern. Da meine ich nicht nur die Qualität.

  10. Ländler

    @Rado Ich hatte in letzter Zeit öfters das „Vergnügen“, Convinientfood aus China, Mitbringsel von Kollegen, verkosten zu dürfen. Da fress ich lieber den Putz von der Wand, als meinen Verdauungsorganen diesen Dreck nochmal abzutun!

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