Wehrdienst: Alles wird bleiben, wie es ist

(von ANDREAS TÖGEL)  Adolf („Adi“) Pinter, einst ein recht erfolgreicher Fußballtrainer, verdanken wir den wenig schmeichelhaften Befund, wonach es „zwei Prozent Genies und 98 Prozent Naturdeppen“ gibt. Ob er damit die Menschheit im Allgemeinen oder nur die in Kakanien beheimateten Stämme gemeint hatte, ist unbekannt.

Es scheint, daß die These zumindest für Österreich stimmt, sofern die inhaltliche Qualität der hierzulande geführten politischen Auseinandersetzungen zur deren Beurteilung herangezogen wird. Die Debatte im Vorfeld der am kommenden Sonntag anstehenden Abstimmung zur Frage Wehrpflicht oder Berufsheer?, führt deutlich vor Augen, wie die politische Klasse des Landes die Wähler einschätzt: Offensichtlich als Naturdeppen. So nimmt man in den beiden staatstragenden Parteien, SPÖ und ÖVP (angesichts des gewaltigen Lochs, das diese beiden Organisationen dem Steuerzahler in die Brieftasche reißen, sollte eher von „vom Staat getragenen Parteien“ gesprochen werden!) etwa an, daß die Bürger bereits vergessen haben, wie sie ihre jeweils über Jahrzehnte gepflegten Standpunkte vertauscht und ihre Strategie um 180° gewendet haben.

Die Wehrpflicht, bis zur zurückliegenden Wiener Gemeinderatswahl für die Sozialisten „in Stein gemeißelt“ (34-Jahr – ehschowissen!), ist nun – von einem Tag auf den anderen – „unzeitgemäß“. Der Zivildienst, von den Schwarzen stets als Vehikel zur Drückebergerei gebrandmarkt, dient nun mit einem Male als eines deren Hauptargumente gegen die Einführung einer Berufsarmee. Derartiges ist im Grunde nur den „Kevins und Jessicas“ in einer Prolokratie (© Christian Ortner) zuzumuten…

Die Debatte zu dieser – zumindest außerhalb Österreichs, wo noch Einsicht in die Notwendigkeit zu einen gewissen Minimum an Wehrfähigkeit herrscht – keineswegs belanglosen Frage, stellt den absoluten Tiefpunkt der politischen Kultur der Zweiten Republik dar. Die Liste an im Zuge der „Diskussion“ aufgebotenen Unwahrheiten, unbeweisbaren Behauptungen, Kuriositäten und glatten Lügen, ließe sich seitenlang fortsetzen. So unsachlich, so blöd, so verlogen und so derart durch die Kampagne der Unterschichtmedien korrumpiert, war kein Wahlkampf zuvor – und das will etwas heißen! Wer heute daran geht, das voraussichtliche Ergebnis der Abstimmung abzuschätzen, sollte sich weniger auf die (vermutlich ohnehin getürkten) Umfrageergebnisse, sondern eher auf seinen gesunden Hausverstand verlassen.

Es sind schließlich nur wenige entscheidende Überlegungen, von denen der Ausgang der Wahl abhängt:

► Die Österreicher lieben den Status quo ► Fragen der Landesverteidigung interessieren den Durchschnittswähler ungefähr so sehr wie die Höhe des Milchpreises in Timbuktu ► Vielen Wählern ist gefühlsmäßig klar, daß die von den Roten beschworenen „Profis“ mehr kosten werden, als die von ihnen heruntergemachten, wehrpflichtigen „Amateure“ ► Die Bereitschaft, für die Landesverteidigung mehr auszugeben als bisher, ist genauso groß wie die Begeisterung für einen Beitritt zu NATO, der mit dem Umstieg auf ein Berufsheer sehr wahrscheinlich verbunden wäre: Null. ► Auch die „Kronenzeitung“, vor welcher der Kanzler so artig zu kuschen pflegt, hat bereits mehr als einmal aufs falsche Pferd gesetzt (der dunkelrote ORF tut das das sogar dauernd).

Fazit: Alles wird wohl so bleiben wie es ist. Ernsthafte Landesverteidigung wird´s weiterhin nicht spielen. Indessen werden junge Männer auch künftig damit leben müssen – anders als die holde Weiblichkeit, denn Frauen sind ja bekanntlich an allen möglichen Fronten so sagenhaft benachteiligt – ein paar Monate ihres Lebens dem „Gemeinwohl“ zu opfern gezwungen zu sein… Tagebuch

21 comments

  1. Roms

    Einen guten Kommentar zur Propagandawalze die seitens der SPÖ derzeit läuft, habe ich hier entdeckt (bemerkenswerterweise von einer Frau!).
    http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=2583

    Zitat:
    “ …Auch das zeigt, dass die SPÖ nicht mit sauberen Mitteln arbeitet, dass sie Ziele verfolgt, zu denen sie sich nicht offen bekennt, dass sie gegen alle vorgehen lässt, die diese Ziele dennoch erkennen und benennen. Sie steht für absolute Grausamkeit, Skrupellosigkeit und Brutalität allen gegenüber, die sich in den Weg stellen – die dies aus Verantwortung für Österreich tun, für die Neutralität und dafür, dass keine „Buben“ und „Dirndln“ in Zinksärgen aus Kampfeinsätzen heimkommen…..“

  2. rubens

    Herr Tögel, in Bezug auf Frauen irren Sie dann doch. Frauen, die Kinder aufziehen, sind rein materiell betrachtet, benachteiligt, genauso wie die Familien, warum sollen diese dann auch noch gerechterweise zum WEhrdienst eingezogen werden?

  3. Roms

    @rubens
    Was ist mit jenen Frauen, die keine Kinder haben?

    Ergänzen möchte ich zur SPÖ, dass man die Prioritäten und Ziele dieser Partei spätestens seit der Waldheim Kampagne und den EU-Sanktionen sattsam kennt. Österreich ist denen völlig wurscht.

  4. Manuel Leitgeb

    ad rubens:
    Entschuldigen Sie, aber da muß ich Ihnen widersprechen. Solange der Staat Frauen nicht zwingt, Kinder zu bekommen ist dieser Vergleich absurd, denn es ist eine freiwillige Entscheidung.
    Zudem ist es ja auch eine „gewisse“ Freude Kinder zu haben, oder nicht? 🙂
    Oder wie Leser gms einmal geschrieben hat (oder so ähnlich): „Wer heutzutage bei den Erwachsenen mitspielen will, sollte besser keinen Weibchenbonus reklamieren. Life’s a bitch“.

  5. menschmaschine

    hat jemand am montag die diskussionssendung auf puls4 zum thema wehrpflicht gesehen?
    vor allem eine person war dort unfaßbar: frau mikl-leitner. mir war diese dame nie sympathisch, ich sage nur „her mit dem zaster“, aber seit vorgestern weiß ich ganz genau, warum. wenn es nicht eingeblendet gewesen wäre, man hätte es nicht glauben können, daß diese frau von der övp entsandt wurde. die övp, die älteren unter uns werden sich vielleicht noch dunkel erinnern, war einst eine partei, der wirtschaftsnähe nachgesagt wurde.
    was frau mikl-leitner abgesondert hat, waren hingegen hauptsächlich primitiv-sozialistische plattitüden. allein das wort solidarität verwendete sie gefühlte 100 mal, während ihr gegenüber, spö-minister hundstorfer, es nie in den mund nahm. auch sonst hatte sie wenig zu sagen, ihren punkt „viele junge menschen kommen während des (zwangs)zivildienstes drauf, daß ihnen das gefällt“ wiederholte sie in endlosschleife.
    ich werde gegen die wehrpflicht stimmen. darabos, häupl und konsorten bemühen sich mit ihrer dumm-propaganda zwar redlich, mich umzustimmen, aber bis jetzt ist es ihnen noch nicht gelungen.

  6. Gerhard

    Ich habe mir die Mühe gemacht, die 4 jeweils fast eine Stunde langen TV-Debatten nachträglich in der TVthek des ORF anzuhsehen/-hören. Sowohl Wehrdienstbefürworter als auch Berufsheerenthusiasten werfen großteils fadenscheinige Argumente in die Schlacht. Die Befürworter des derzeitigen Bundesheeres hatten den Nachteil, dass sie keine redegewandten Fachleute auftreten liessen, denn Spindelegger, Mikl-Leitner, Sorger und Chmelar waren den Vertretern der anderen Gruppe medial einfach unterlegen. Es ist einfach zu wenig, immer wieder den in sich widersprüchlichen Satz herunterzuleiern: „Bewährtes soll behalten, aber gleichzitig doch verbessert werden“.
    Besser wäre es, die vielen Millionen an Wehrpflichtigen (welche dann nie mehr gebraucht wurden) sowie die jetzigen und Exzivildiener zu befragen, als viele uninformierte Ununiformierte.

  7. Gerhard

    menschmaschine :

    ich werde gegen die wehrpflicht stimmen. darabos, häupl und konsorten bemühen sich mit ihrer dumm-propaganda zwar redlich, mich umzustimmen, aber bis jetzt ist es ihnen noch nicht gelungen.

    War dies ein sog. Freud’scher Versprecher oder machen Sie – wie eben Franz Vranitzky – eine 180 Grad-Kehrtwende? Vielleicht bekommt Ihre Maschine später auch noch Großbuchstaben installiert. ;-(

  8. menschmaschine

    @Gerhard
    nein, der satz stimmt so, ist aber etwas sarkastisch gemeint.
    erklärung: ich werde gegen die wehrpflicht stimmen, obwohl ich damit auf der linie der von mir wenig geschätzten spö bin. wenn aber häupl etc. mir noch ein paar bescheuerte propaganda-briefe schicken, überlege ich es mir vielleicht noch.

  9. rubens

    Wenn ich alleine bedenke, wieviel Mitspracherecht Österreich beim ESM bekommen hat, nämlich NULL, dann stelle ich mir gerade vor, wenn zum Kriege zB vom kriegslüsternen Frankreich einberufen wird, wie viel Mitsprache wir haben werden, nämlich auch genau NULL.

  10. Anton Volpini

    @menschmaschine

    Ist das jetzt Satire?

    Ich hab mir vorgenommen fünf Menschen zur Volksabstimmung zu bewegen und sie für die Wehrpflicht zu bewegen.
    Die sind die/der Vierte.

    Anders als die Frage des Glaubens,die ich jetzt nicht diskutieren will, ist die Frage der Selbstverteidigung auf dieser Welt für uns von existenzieller Bedeutung:
    Wollen Sie, daß wir als österreichische Gesellschaft verteidigungsbereit bleiben, und das aus eigenem Willen heraus.
    Wollen Sie, daß wir unser Land, unsere Kinder aus eigener Kraft heraus verteidigen können, oder wollen Sie das anderen überlassen, deren Entwicklung wir nicht steuern können.
    Wenn Sie das Erstere mit Ja beantworten können, dann negierene Sie einfach Leute wie diese Mikl Leitner.

  11. Rennziege

    @Anton Volpini

    Mein fesches Mannsbild (Reserveleutnant) und ich haben unsere Auslands-Ösi-Wahlkarten schon Ende Dez. nach Spittal/Drau geschickt: pro Wehrpflicht, versteht sich.

  12. menschmaschine

    @Anton Volpini
    satire? nein. nur eine prise sarkasmus.
    österreich soll ein heer haben, keine frage. dazu sind wir ja auch mittels staatsvertrag verpflichtet. aber es muß kein heer mit wehrpflicht sein. man könnte für ein berufsheer ja ev. auch mehr geld in die hand nehmen. österreichs militärbudget ist traditionell sehr klein, das muß nicht so bleiben.

  13. Passant

    @Anton Volpini
    „Ich hab mir vorgenommen fünf Menschen zur Volksabstimmung zu bewegen und sie für die Wehrpflicht zu bewegen.“

    Versuchen Sie es bei mir gar nicht, ich werde nicht hingehen!

    Ich bin überzeugter Verfechter der Wehrpflicht und bin dieser über 30 Jahre lang nachgekommen. Aber auch der Gedanke eines Berufsheeres, wie von der ÖVP seinerzeit angedacht, ist im Hinblick auf die Bündnissituation ernsthaft diskutabel.

    Jedoch bei dieser Volksbefragung geht es nicht um ein Verteidigungssystem, sondern einerseits darum, die Destruktion, die Darabos unter den Augen des Koalitionspartners betrieben hat, zu finalisieren (SPÖ-Variante) oder
    die bisherige Wehrpflicht beizubehalten, um Systemerhalter (für welches System?), vor allem aber Wehrdienstverweigerer für den Zivildienst zu gewinnen (ÖVP-Variante). Von einem Wehrkonzept ist in beiden Fällen nicht einmal andeutungsweise die Rede. Der eine Vorschlag ist Geldverschwendung, der andere, die Wehrpflicht nur wegen der Nebeneffekte beizubehalten ein glatter Missbrauch, denn eine Restrukturierung ist gar nicht vorgesehen, vielleicht gar nicht mehr möglich.

    Da hinzugehen und sich das noch als „direkte Demokratie“ andrehen zu lassen, verbietet die Selbstachtung!

  14. Weninger

    @Passant
    Völlig richtig, diese Haltung, obwohl ich mich entschlossen habe für die Wehrpflicht zu stimmen, als Modell mit dem geringeren Schaden und weniger NATO-Integration.

  15. rubens

    @Passant
    Stimmen Sie für die Wehrpflicht, gehen Sie hin. Beim Kampf um eine richtige direkte Demokratie stehen wir doch erst am Anfang. Gut Ding braucht Weile.

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