Wer braucht schon Industrie…

„….Der Schiefergas-Boom gab nur den letzten Anstoß. Es ist eine Summe an Fakten: In Europa kostet die Megawattstunde Gas 25 bis 35 Euro, in den USA 8,50 Euro. Bei Strom liegen wir in Österreich bei 60 Euro pro MWh, in den USA bei 40 Euro. Industriegrundstücke kosten hier und in der EU 100 bis 200 Euro pro Quadratmeter, in den USA zehn Euro. Ein Facharbeiter kostet in Oberösterreich 49.000 Euro pro Jahr, im Süden der USA 37.000 Euro. Die Umweltstandards sind in den USA wie in Europa, nur CO2 ausgenommen. Da geht man einen anderen Weg….“ (Wolfgang Eder, CEO der VOEST, in der „Presse“ über den Industriestandort USA v. Europa)

24 comments

  1. Nattl

    Sie habens noch immer nicht verstanden, Herr Ortner. Wir leben in einer Dienstleistungsgesellschaft, in der PoWi/SoWi/Gender-Akademiker sich gegenseitig Dienstleistungen wie Trommelkurse, Übersetzungen Deutsch/Gender Gender/Gender, gen- und atomfreie Nahrung und ähnliches anbieten. Alle Teilnehmenden kollaborieren miteinander, Hierarchien gibt es in dieser schönen, neuen Welt nicht. So etwas wie Industrie, Arbeit, Leistung gibt es in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nicht mehr. Und wenn uns eine Entwicklung nicht in den Kram passt, dann verbieten wir sie einfach.

  2. Torsten

    Zum Glück wird der EU-Beauftragte Obama dafür sorgen, dass es der überseeischen Wirtschaft nicht allzu gut geht.

  3. Klaus Kastner

    Die De-Industrialisierung der USA in den letzten 3 Jahrzehnten war m. E. ein ganz wesentlicher Meilenstein auf dem Weg zur heutigen weltweiten Finanzsituation/-krise. Die Amerikaner hatten sich zunehmend daran gewöhnt, dass das Leben angenehmer ist, wenn man – statt selbst zu schuften – die Asiaten schuften lässt und ihnen dafür Schuldscheine ausstellt. Und die enormen Überschüsse, die dadurch anderswo entstanden, mussten irgendwie ge-recyled werden und damit wären wir bei den verschiedenen Blasen.

    Wenn also jetzt Amerika als Industriestandort in der Tat wieder attraktiv wird, dann kann das auf Sicht nur gut für den Rest der Welt sein. Der Rest der Welt wird dann nicht mehr so rasch wachsen, aber es wird ein nachhaltigeres Wachstum sein.

    Wenn… So überzeugt bin ich (noch) nicht, dass Amerika jetzt wirklich zu einem Top-Wirtschaftsstandort wird.

  4. Gerhard

    Wolfgang Eder hat zwar die alte VöEST gerettet, vertritt aber ausschliesslich Industrieinteressen. So will er nun auch Teile seiner Kapazitäten in die von ihm hochgelobte USA verlegen. Da wird er schon merken, was es da in der Praxis für Vor- aber auch Nachteile gibt. Natürlich verfügt die USA infolge ihrer Größe noch über viele brachliegende und günstige Grundstücke mit fehlender Infrastruktur. Die Ausage bezüglich der dortigen gleichen Umweltstandards wie in Europa ist im Zusammenhang mit der Schiefergasproduktion ein auch von ihm nachgeplappertes Märchen.
    Da ist vieles nicht vergleichbar. So ist z.B. in einer Autowerkstätte das dort verwendete Werkzeug (Großgeräte ausgenommen) im jeweiligen Besitz des Mechanikers.
    In den USA ist nicht alles Gold. Leider verkehrt Herr Eder bei seinen USA-Besuchen nur mit Gleichgesinnten und steigt in noblen Hotels ab bzw. spist in teuren Restaurants. Da sollte er einmal in die nunmehrige Ruinenstadt Detroit fahren, wo unzählige Fabrikshallen und Wohnhäuser leer stehen, teilweise schon verfallen sind und mit den dortigen vielen ie Arbeitslosen sprechen. Da sieht er dann auch das „andere“ Amerika.

  5. Kassandra

    @Gerhard
    Bezüglich Facharbeiter: sind die Standards überhaupt vergleichbar? So viel ich weiß müssen die Leute angelernt werden.

  6. Gerhard

    @Kassandra
    Genaua so ist es. Dort wird man „on-the-job“ angelernt, kann daher später nur die erforderlichen Fähigkeiten und muss bei Veränderungen wieder bei Null (square one) beginnen. Daher sind in den USA breit ausgebildete Handwerker aus Europa sehr gefragt. Auch die Uni-Absolventen beherrschen ihr Fachgebiet sehr gut, es fehlt aber das Allgemeinwissen (aber auch das Interesse) an angrenzenden Bereichen – werden daher auchoft „Fachidioten“ genannt. Daher braucht es auch universell (fächerübergreifend) denkende Menschen, welche mehr in der Breite, aber dafür weniger in die Tiefe ausgebildet wurden.

  7. Karl Markt

    “ Ein Facharbeiter kostet in Oberösterreich 49.000 Euro pro Jahr, im Süden der USA 37.000 Euro“

    Ja, es soll Zeiten gegeben haben, da kostete ein Facharbeiter im Süden der USA 00.000 Euro.

    Danke für dieses wunderbare Beispiel, dass es für die „Industrie“ nichts attraktiveres gibt, als Armut.
    Je ärmer die Leute, desto besser lässt sich die Arbeitskraft ausbeuten.

  8. menschmaschine

    @Gerhard
    klar ist vieles nicht vergleichbar, aber wenn zb. porsche ein neues werk statt in europa in den usa eröffnet, ist das sinnvoll, weil die produktionskosten niedriger sind und die usa ein wichtiger markt für porsche sind. wenn die voest da mitzieht, ist das nur logisch. für europa ist diese entwicklung negativ, aber europa tut wirklich alles, um die industrie zu vergraulen. fein, bald haben wir keine mehr.

  9. Torsten

    Ja, es soll Zeiten gegeben haben, da kostete ein Facharbeiter im Süden der USA 00.000 Euro.

    Klar, Leibeigenschaft gab es in Europa nie. Nur die Amerikaner machen Sauereien. Und für den Beitrag ist das auch so wahnsinnig relevant.

  10. Rennziege

    @Torsten

    Gut gegeben: „Und für den Beitrag ist das auch so wahnsinnig relevant.“
    Sie können von Glück reden, dass Karl Markt Ihnen nicht auch das Alte Testament, die Kreuzzüge, die pöhsen Banker und das Liebesleben der Maikäfer vor die Füße geworfen hat.

  11. Gerhard

    @menschmaschine
    Porsche produziert auch deswegen in den USA, weil sich dort viele potentielle Kunden befinden. Ein in Europa gekaufter Porsche kommt meist aus einem europäischen Werk. Das ist auch eine Frage der Transportkosten und Logistik.

    @Karl Markt
    Es gibt zwar in den US-Südstaaten keine Sklaven mehr, aber genug legale (und auch illegale) Einwanderer aus Kuba und anderen mittel- und südamerikanischen Staaten, welche deren Arbeitskraft sehr billig verkaufen (müssen).

  12. Ehrenmitglied der ÖBB

    @Rennziege
    K.M. hat wahrscheinlich frei, weil die Kampfposter der Linken während der Bundesheer-Volksbefragung zu viele Überstunden gemacht haben?

  13. Gerhard

    Man darf in den USA auch nicht die günstigeren Treibstoffpreise vergessen. So kostet in NYC zur Zeit Regular 3,50 – 4,50, Premium 3,90 – 4,90 und Diesel 4,00 – 5,00 US$ per Gallone. „Am Land“ sind sie oft um ca. 10 bis 15 % niedriger.
    Wenn man nun den derzeit gerundeten Umrechnungsfaktor 5 (für Gallone auf Liter und US-Dollar auf Euros) verwendet, ergibt dies:
    Normal € 0,70 – 0,90, Super € 0,78 – 0,98 und Diesel € 0,80 – 1,00.
    Dies spüren nun auch die SUV-Fahrer mit dem grossen Treibstoffverbrauch schon kräftig, denn auch dort sind die goldenen Zeiten endgültig vorbei. Daher der Trend zu kleineren Autos. Übrigens: Diesel ist im Gegensatz zu Europa – in Lastwagen kaum üblich.
    Aber man könnte auch nach Venezuela, Iran oder Ägypten auswandern, dort sind die Preise – zumindest für unsere Verhältnisse – lächerlich niedrig.

  14. Kassandra

    @menschmaschine
    Es ist aber nicht so einfach. Die Frage ist immer wohin exportiert wird. Wenn das Zeugs dann in den USA landet, macht eine energieintensive Produktion dort auf alle Fälle einen Sinn. Bei Porsche und dergleichen handelt es sich oft um Montagewerke. Karosserie wird dort erzeugt, alles andere kommt von weltweiten Produktionsstätten.
    Woran es in Europa krankt ist der Mangel an wirklich guten Innovationen. Da investiert man lieber in Uralttechnologien wie Windmühlen, Kohlekraftwerke. Es wurde in den letzten Jahren sehr viel verteufelt: Gentechnologie, alles was mit Radiaktivität zu tun hat usw.

  15. menschmaschine

    @Kassandra
    soviel ich weiß ist transport heute eine fast vernachlässigbare größe. es ist daher fast egal, wo produziert wird. also wird aufgrund von kostenvorteilen bei energie und lohnkosten in den usa produziert statt in europa.
    mit den innovationen haben sie recht. woher kommen diese? von schlauen köpfen. wohin gehen die schlauen köpfe? nicht nach europa.

  16. Rennziege

    @Gerhard
    „Dies spüren nun auch die SUV-Fahrer mit dem grossen Treibstoffverbrauch schon kräftig, denn auch dort sind die goldenen Zeiten endgültig vorbei. Daher der Trend zu kleineren Autos.“

    Diesen Trend gibt es nicht, Gerhard. Das meistverkaufte Auto in den USA ist seit vielen Jahren der Ford F-150 Pickup Truck, unangefochten:
    http://www.ford.com/trucks/f150/

    Bei Einstiegspreisen um $ 25,000 ist das auch nicht verwunderlich. Mehr Auto für dieses wenige Geld gibt’s weltweit nicht. Die Kiste ist, nicht ganz üblich für Ami-Verhältnisse, auch solide verarbeitet und hält ewig. Und es macht einen Riesenspaß, damit zu fahren. Bei diesen Anschaffungskosten (hierzulande kriegen Sie keinen VW Polo dafür) kann man sich Spritpreise, die immer noch ~80% unter den europäischen liegen — Tendenz: allmählich fallend —, entspannt leisten.

    Wer dort 100.000 Greenbacks für einen Tesla oder Fisker hinlegt und verschmurgelnde Li-Ion-Akkus nicht scheut, ist entweder Hollywood-Star, Scientology-Anhänger oder bescheuert. (Alle drei Merkmale finden sich häufig in einer Person vereint.)

  17. Gerhard

    @Rennziege
    Das mit dem „meistverkaufen“ Auto lassen wir dahingestellt. Sicher ist der genannte Wagen (offene Ladeflläche hinten) zum transportieren am Land sehr braauchbar, aber als Fahrer habe ich jeden heute üblichen Komfort vermisst.
    Meine Bekannten in den Staaten sind auf manche Sparschiene umgestiegen. Natürlich wird dort noch viele Energie und auch anderes Zeug verschwendet, z.B. doppelt so hoher WC-Papier-Verbrauch infolge der Knöllchenmethode. 🙂

    @menschmaschine
    Die Transportkosten beim weltweiten Versand sind nur bei sehr hochwertigen Produkten (Wert zu Gewicht) – z.B. Smartphones und Laptops – vernachlässigbar. Bei Autoversand um die Welt müssen die Frachtkosten durch viel günstigere lokale Arbeits- und Energiekosten wettgemacht werden.

  18. menschmaschine

    @Gerhard
    sorry, das habe ich anders gehört. und zwar von einem österreichischen unternehmer, der backwaren bzw. backmischungen herstellt. also keine hochwertigen produkte in ihrem sinne.

  19. Rennziege

    @Gerhard
    „Das mit dem “meistverkaufen” Auto lassen wir dahingestellt.“

    Hier die ersten 12, Stand April 2012:

    Rank Vehicle April 2012 % Change Year To Date YTD % Change

    #1 Ford F-Series 47,453 + 4.4% 191,280 + 11.2%
    #2 Toyota Camry 36,820 + 20.9% 142,225 + 32.6%
    #3 Honda Accord 35,385 + 25.6% 96,517 + 2.3%
    #4 Chevrolet Silverado 30,749 + 4.8% 126,387 + 3.8%
    #5 Toyota Prius Family 25,168 + 102% 86,027 + 55.7%
    #6 Toyota Corolla/Matrix 24,804 + 2.4% 93,232 – 7.6%
    #7 Honda Civic 24,423 – 8.8% 101,592 + 10.7%
    #8 Honda CR-V 23,627 + 9.0% 98,214 + 24.1%
    #9 Chevrolet Malibu 21,906 – 11.3% 80,456 + 9.5%
    #10 Ford Fusion 21,610 + 2.0% 85,559 – 0.8%
    #11 Dodge Ram 21,126 + 19.5% 88,590 + 25.8%
    #12 Hyundai Sonata 20,521 – 5.6% 75,716 + 2.9%

    Komplette Rangliste und weitere Daten unter:
    http://www.goodcarbadcar.net/2012/05/us-best-selling-vehicles-april-2012.html

    (Klopapier floss in die Liste nicht ein. :-))

  20. Gerhard

    @Rennziege
    Liebe Rennziege!
    Im US-English wird zwischen „vehicle“ und „car“ unterschieden. Während der genannte Ford aus den schon viele Jahrzehnte erzeugten F-Series (nun schon in der 12. Version) zur ersten Gruppe – wie alle Pritschenwagen – gehört, sind die PKWs unter den „cars“ zu finden. Und da hat im Jahr 2012 in den USA der Toyota Camry mit großem Abstand die Spitze erreicht. Davon können Sie sich auf der von Ihnen zitierten Webseite überzeugen (http://www.goodcarbadcar.net/2013/01/usa-best-selling-cars-2012-year-end.html). Übrigens hatten Sie nur das alte Monatsergebnis der Vehicles vom April 2012 zitiert, wo tatsächlich der Pick-up von Ford die erste Stelle eingenommen hat und auch weiterhin hält.
    Es steht also 1:1 🙂

    Übrigens: in der Schweiz werden alle Autobusse als Car bezeichnet.

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