Wer sind hier die guten Europäer?

(ANDREAS TÖGEL) Der im heurigen Jahr zum 15. Mal im Haus der Industrie über die Bühne gegangene, internationale „Vienna Cngress com.sult“, konnte wieder mit einer Fülle interessanter Redner aufwarten. Com.sult sieht sich in der Tradition des nach dem Ende der napoleonischen Wirren abgehaltenen Wiener Kongresses und setzt es sich zur Aufgabe, führende Köpfe aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen, um an gemeinsamen Zielen zu arbeiten.

Generalthema der diesjährigen Veranstaltung, war der laut Erweiterungsagenda geplante Beitritt einiger Staaten des westlichen Balkans zur EU: Serbien, Mazedonien und Kosovo.

Noch vor den Statements der Gäste aus den genannten Ländern, wurde das zahlreich anwesende Publikum aufgefordert, über einige für die weitere Entwicklung der Union relevante Fragen abzustimmen. Das Resultat in wenigen Worten zusammengefasst lautet: EU ist super. Selbstbestimmung der Nationalstaaten ist schlecht. Es kann gar nicht genug Euro-Zentralismus geben! Ein angesichts der verheerenden Realpolitik der EU-Nomenklatura, erschreckender Befund. Die von allen Meinungsführern ebenso konsequent wie penetrant betriebene, unkritisch zentralisierungsfreundliche Propaganda, zeigt eben Wirkung.

So konnte es auch nicht verwundern, dass die Wortmeldungen der einzigen Dissidenten auf dem Podium, Václav Klaus und Nigel Farage, zum Teil heftig ablehnende Publikumsreaktionen auslösten. Der ehemalige Staatspräsident Tschechiens, Klaus, verwies auf seine negativen Erfahrungen mit totalitärer Fremdbestimmung und betonte, dass die Einzigartigkeit und der überwältigende historische Erfolg Europas, auf seiner Diversität und nicht auf einer zentralistisch organisierten Gleichschaltung beruhte. Außerdem äußerte er sich kritisch zu den zeitgeistigen Phänomenen Klimareligion, Feminismus, Genderwahn und Schwulenehe. Er ortete eine in der EU herrschende Tendenz zur Atomisierung der Gesellschaften sowie zur – im übelsten Wortsinn – totalen Individualisierung und der Zertrümmerung jeglicher identitätsstiftender Bindungen. An dieser Stelle reagierten Teile des Publikums mit lautstarken Buh-Rufen.

Farage, die treibende Kraft hinter dem „Brexit“, betonte in seinem Referat, dass man im UK auch nach dem Austritt aus der Union nicht daran denke, die Zugbrücke hochzuziehen. Es wäre absurd zu glauben, dass die erste globalisierte Macht der Welt, sich plötzlich auf seine Insel zurückziehen und Mauern hochziehen werde. Großbritannien habe immer vom Welthandel gelebt und werde das weiterhin tun. Wer die EU als Freihandelsorganisation betrachte, sei im Irrtum. Der EU gehe es nicht um Freihandel, sondern um Korporatismus – um den Schutz der Privilegien eines Klüngels von überbezahlten und in keiner Weise demokratisch legitimierten Bürokraten und deren Symbionten in der staatsnahen Industrie. Freier Wettbewerb zwischen Staaten und Unternehmen sei stets die treibende Kraft des Fortschritts gewesen, niemals aber gewaltbewehrter Zentralismus und oktroyierte Gleichschaltung. Auch Farage wurde für seine Ausführungen ausgebuht. Jahrzehntelange linke Gehirnwäsche wirkt eben – offensichtlich auch bei einer ihrem Selbstverständnis nach bürgerlichen Elite.

Wer sich jemals mit liberalem Gedankengut auseinandergesetzt und die Schriften seiner wichtigsten Protagonisten studiert (und verstanden!) hat, wird erkennen, dass Klaus und Farage mit jedem ihrer Worte recht haben. Dass ein Publikum, das mehrheitlich nicht etwa aus Soziologiestudenten, Gewerkschaftern, Umverteilungsbürokraten und grünen Jakobinern, sondern aus Menschen mit wirtschaftlichem Grundverständnis besteht, das nicht zu erkennen imstande ist, läßt für die Zukunft Europas nichts Gutes erwarten.

Gravitationskräfte wachsen bekanntlich mit der Zunahme der Masse von Körpern. Das gilt nicht nur in der Astronomie, sondern auch für politische Entitäten. Die größte kosmische Kraft geht indes von „schwarzen Löchern“ aus, die jeden Himmelskörper zerstören, der sich ihnen zu weit annähert. Brüssel bildet ein schwarzes Loch inmitten Europas. Doch anders als bei kosmischen schwarzen Löchern, ist seine zerstörerische Kraft nicht unbeugsam. Die bloße Besinnung auf eine Grundforderung der Aufklärung reicht, um ihr zu entgehen: Hirn einschalten und den Verstand gebrauchen. Imperien sind immer nur gut für deren Herrscher und ihre wenigen Günstlinge. Alle anderen Insassen dagegen haben nicht viel davon zu erwarten – jedenfalls nichts Gutes.

18 comments

  1. astuga

    Die Liste der Redner ist dazu geeignet lautes Auflachen hervorzurufen…
    http://comsult.create-connections.com/positionen/

    Ich wollte immer schon, dass mir ein Markus Rogan oder eine ehemalige öst. Eisschnellläuferin wie Hunyady Europa erklären.
    Aber auch von renommierten Naturwissenschaftlern erwarte ich mir da keine besonderen Einsichten, abseits ihrer Profession sind viele auch bloß so klug wie jedermann – mitunter sogar dümmer.
    Von abgehalfterten Politikern ganz zu schweigen.

    Da müssen Francis Ford Copola und der Disney Chef Eisner schon gar nicht mehr fürs Unterhaltungsprogramm sorgen.
    Eine Menge Worthülsen sind garantiert.

  2. Mourawetz

    Das Publikum im Haus der Industrie. Eurozentralisten! Es wäre interessant zu wissen, was die Eurozentralisten von den jüngsten Entwicklungen in Spanien halten. Ob sie auch auf die Seperatistenbewegung Kataloniens mit Buhrufen reagieren, weil sie den Madrider Zentralismus mit seinen gewaltsamen Verhinderungsversuchen des Unabhängigkeitsreferendums befürworten.

    Diese Sklavenmentalität! Zentralisten im Haus der Industrie, ich habe anderes erwartet, ich bin enttäuscht. Wo sind die Bürger geblieben, die noch frei und unabhängig sind? Gibt es überhaupt noch welche?

  3. Reini

    Keine Sorge,… bis jetzt hat noch kein Großreich in Europa gehalten,…
    Die Sprecher müssen doch Pro Europäisch sein,… sind doch die Meisten Finanziell davon abhängig!

  4. Gerald Steinbach

    Dieses dumme und dämliche Buhrufen und ähnliche Auswüchse sind mir zutiefst zuwider und ist immer im linken Spektrum zu finden, derjenige hat eine andere Meinung und damit hat es sich!

    Taxifahrer habe ich auch erblickt auf der Liste von astuga

  5. sokrates9

    Die Intellektuellen sind am Aussterben! Vom heutigen Nachwuchs indoktriniert von Universitäten mit linksradikalen Gedankengut kann man nichts mehr erwarten! Die Medien beherrschen die „intellektuelle Landschaft“ Österreichs! Da reicht eine einzige Zeile eines Liederbuchs (sonst wurde inklusive Bilder nichts inkriminierendes gefunden) aus eine Mediensau 1 Woche durch ganz Österreich zu treiben und alle rechtsstaatlichen Prinzipien wie Prüfung durch unabhängige Gerichte usw, voll außer Kraft zu setzen. Auch Orban bekommt in diesem aufgeheizten Klima seine medialen Watschen – Der BP lässt sich vor den Karren spannen! Armselig!

  6. Christian Peter

    Was darf man sich erwarten in einem Land wie Österreich, in dem ausschließliche EU – hörige Parteien im Parlament vertreten sind ? Wie beschränkt muss das Wahlvolk sein, eine Rattenfängerpartei wie die FPÖ zu unterstützen, obwohl sich das Parteiprogramm der FPÖ in allen wichtigen Punkten nicht von dem der anderen Parteien unterscheidet und in Österreich daher keine politische Opposition existiert ?

  7. CE___

    Wenn die österreichische Industrie, oder allgemein Exportwirtschaft, meint, ihre Produkte und Dienstleistungen in Europa nur mehr verkaufen zu können aufgrund eines Verbleibs Österreichs in der EU, also dann möchte ich nicht wissen welcher Schund in meiner Heimat leider nur mehr hergestellt wird, damit sich andere Europäer für einen Kauf erbarmen.

    Wenn Österreichs‘ Wirtschaft Produkte und Dienstleistungen zu einem wettbewerbsfähigen Preis/Leistungs-Verhältnis anbietet, ist es irrelevant ob wir in der EU sind oder nicht, siehe Schweiz.

    Und wenn wir uns ein paar Prozentpunkte mehr Export nur damit erkaufen, weiter in diesem rechtsbrecherischen Saftladen EU/Euro dabei zu sein, wo in meinen Augen mittlerweile, zumindest seit 2010, die Nachteile im Gesamten die Vorteile weit überwiegen, also dann pfeif‘ ich persönlich herzlich auf diese paar Punkte.

  8. Andreas Tögel

    Ad C. Peter: Mit dem Begriff „Rattenfänger“ sollten Sie vorsichtiger umgehen. Er richtet sich nämlich im von Ihnen gebrauchten Kontext nicht gegen ihn, sondern gegen die Wähler – und damit gegen die Demokratie (respektive das, was wir heute Demokratie nennen). Menschen als Ratten – also als Ungeziefer – zu bezeichnen, ist nicht sehr elegant. Stellen Sie sich vor, irgendjemand käme auf die Idee, die Wähler linker Parteien Ratten zu nennen. Das würden Sie wohl unerträglich finden, oder?

  9. Astuga

    @christian peter – opposition? Wir haben doch Sie, gründen Sie doch eine partei oder zumindest eine bewegung. 😉

  10. Falke

    @astuga
    Es gibt auf dieser Liste auch noch einige andere Geistesgrößen, die geeignet sind, mir (und dem restlichen dummen Volk) Europa zu erklären, etwa Gregor Gysi, Michael Häupl und vor allem Werner Faymann.

  11. KTMtreiber

    Wer sind hier die guten Europäer? – Die guten Europäer sind heute in der Minderheit und werden, wenn sie die Wahrheit aussprechen, als Nazis diffamiert.

  12. Christian Peter

    @Andreas Tögel

    Der Begriff ,Rattenfänger‘ bedeutet ,Volksverführer‘ und bezieht sich keineswegs auf die Opfer derartiger Personen / Parteien.

  13. Christian Peter

    @Andreas Tögel

    Was natürlich auch an den Wählern liegt : Österreicher lieben es offenbar, von politischen Parteien systematisch belogen, betrogen und hinters Licht geführt zu werden. In keiner westlichen Demokratie gibt es einen derartigen Missbrauch der Macht durch politische Parteien wie in Österreich.

  14. Astuga

    Der begriff rattenfänger (wohl nach dem rattenfänger von hameln) ist so sinnvoll wie der des populisten. Was man bei sich selbst als tugend sieht, gilt beim gegner als politische sünde.

  15. Christian Peter

    Man erinnere sich bloß, mit welchen Lügen und leeren Versprechungen die österreichische Bevölkerung von ÖVP und SPÖ 1994 bei der Volksabstimmung in die EU gelotst wurden. Wären die Bürger damals seriös informiert worden, hätte es niemals einen Beitritt Österreichs zur EU gegeben.

  16. Thomas Holzer

    Ich bin schon pro-europäisch, weil ich eben auf die Traditionen, die Errungenschaften unsere Vorgängergenerationen stolz und dankbar bin und eben versuche, diese hochzuhalten. Und diese meine Haltung schließt daher eine Befürwortung dieser EU und deren Vertreter, welche beileibe keine Eliten sind, aus, stehen sie doch den tradierten Werten des Abendlandes diametral entgegen.

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