Wie China seinen Einfluss in Europa ausbaut

“…..Im Gegensatz zu Russland sorgt Pekings Einmischung in Europa kaum je für Aufsehen. China geht dabei deutlich subtiler – und effektiver – vor.” (hier)

5 comments

  1. CE___

    Sehr guter Artikel, und ein gutes Zeichen dass so ein Artikel in der NZZ erscheint.

    Das diktatorisch-kommunistische Peking-China, als Gegenspieler zum demokratisch-marktwirtschaftlichen Taipei-China, kann zwar viel Werbung machen, aber schmutzige Sachen kommen irgendwann hervor und heraus.

    Egal ob es darum geht dass es sich um eine lehrbuchmässige kommunistische Diktatur (mit zugelassener Marktwirtschaft in eng eingehegten Bereichen, welche aber sofort zurückgekommen wird wenn es der Diktatur zur Stabilität nötig erscheint, welche aber zum Überleben des Kommunismus benötigt wird) handelt, als auch dass sie auch nur mit Wasser kochen, und das Vermögen hauptsächlich aus Dollarbeständen mit, naja, zweifelhalften langfristigen Wert besteht, auf denen dann die eigene Fiatwährung aufgebaut ist, von der in vielen Orten versauten Umwelt überhaupt abgesehen.

    Würde man in Europa eine rechtlose Bevölkerung auch so herum- und beseiteschieben können wie in Rotchina, dann hätten wir auch schon unsere Staudämme, Autobahnen und Schnellzugstrecken quer durch die Wohnzimmer und Schlafzimmer der Bürger, und zwar in deutscher Ingenieurs-Rekordbauzeit.

    Rotchina profitiert derzeit einzig davon quasi (wieder) am Anfang zu stehen, seine Muskeln zu flexen und die Krallen einmal in der Umgebung auszufahren, aber dadurch ist man auch noch nicht in grosse internationale diplomatische Minenfelder hineingekommen. Das kommt schon noch, mit den entsprechenden Lackschäden.

    Und Reziprozität ist ein riesen Thema, auf das ja auch Trump, vollkommen zu Recht und zur richtigen Zeit, aufbaut.

    Warum haben Rotchinesen und rotchinesiche Unternehmen vollen Marktzugang bei uns (Westen), rechtliche Gleichstellung, bekommen keine Technologietransfers aufgezwungen, dürfen in fast jeden Bereich investieren, während dies für ausländische Bürger und Unternehmen in Rotchina NICHT gegeben ist (die berühmten Einzelfälle wo ausländische Unternehmen vor rotchinesischen Gerichten Recht bekommen, einmal abgesehen)?

    Das wurde vielleicht noch mit einem nachsichtigen Auge betrachtet als Rotchina-Unternehmen noch nicht so massiv auf Weltmärkten als Konkurrent aufgetreten sind und auch die Regierung sich nicht viel in Dinge weit abseits des Heimatlandes einmischte, aber heute, mit weltweiter Einflussnahme, kann man dies nicht mehr beseite schieben.

    Der in der westlichen Wirtschaft wieder vorherrschende Glaube “was wir nicht für Geld verdienen können wenn wir jedem Chinesen 1 cm mehr Rockstoff verkaufen” kommt ja auch schön langsam ins Bröckeln, siehe diverse Aussendungen der europäischen Handelskammern. Diese nicht eintretende Hoffnung hatten schon die Fabriksbesitzer Englands in 19. Jahrhundert, also nicht neues.

  2. Selbstdenker

    @CE___:
    Ich teile auf ganzer Linie Ihre Einschätzung.

    Westliche Unternehmen werden mit zum Teil künstlich niedrig gehaltenen Herstellkosten und dem vermeintlich gigantischen Absatzmarkt nach China gelockt. Mit dem Know-how Transfer über Joint Ventures werden chinesische Konkurrenten aufgebaut und die westlichen Firmen dann wieder mehr oder wenig unsanft aus dem chinesischen Markt rausgedrängt.

    China schiebt zahlreiche ungelöste Probleme vor sich her, die aktuell nur von der propsperierenden Wirtschaft überdeckt werden:
    – innere Spannungen und Abspaltungsbestrebungen
    – massives Wohlstandsgefälle zwischen Stadt und Land bzw. Ost und West
    – Umweltprobleme
    – Altlasten jeglicher Form aus der Zeit vor den marktwirtschaftlichen Reformen
    – Korruption
    – eine massive Immobilienblase … was Büros und Wohnungen – nicht die Grundstücke 😉 – anlangt
    – Schattenbanken
    – Aggressiv konkurrierende, problematische und zum Teil feindselige Nachbarn
    – eine rasch alternde Bevölkerung

    Das gegenwärtige Geschäftsmodell der CPC (de facto eine Aristokratie ungewählter Bürokraten): wir bieten Euch den “Chinese Dream” und ihr haltet dafür die Füße still. Sobald dieser Traum zerplatzt, ist ein Rückfall in das Muster der alten KP-Herrschaft durchwegs realistisch.

    Trump hat völlig Recht, wenn er die (fehlende) Reziprozität in den Beziehungen mit China kritisiert. Die chinesischen Machthaber setzen – durchwegs der taoistischen Tradition entsprechend – auf Polarität statt Reziprozität.

    Sichtbar wird dies unter anderem bei der neuen Seidenstrasse: ein Zweig führt nach Afrika und der andere nach Europa. In Afrika sichern sich die Chinesen den Zugang zu Rohstoffen und in Europa den Zugang zu westlichen Know-how.

    Das Prinzip der Polarität lässt sogar Rückschlüsse zu was China im Ausland treibt: nämlich alles, was im Inland nicht gewünscht ist.

  3. Thomas F.

    China erobert oder besetzt eben keine fremden Gebiete.
    Solange es investiert ist das wenig besorgniserregend. Es gab mal eine Zeit, als große Abhängigkeitsszenarien gemalt wurden, weil Japan überall in der Welt alles mögliche aufkaufte. Am Ende haben sie bloß einen Haufen Geld abgelegt dabei.

  4. CE___

    @ Thomas F.

    “China erobert oder besetzt eben keine fremden Gebiete.”

    Naja, naja, Stichwort Tibet.

    Man begnügt sich einmal in der unmittelbaren Umgebung da man derzeit noch nicht an den drei westlich orientierten “unversenkbaren Flugzeugträgern” vorbeikommt (Taipei-China, Japan, Südkorea).

    Dafür wurde aber eine pragmatische und geniale Lösung gefunden.

    Rotchina schüttet sich einfach seine eigenen “unversenkbaren Flugzeugträger” im Südchinesichen Meer auf und erklärt frech das ganze Gebiet bis fast hinunter nach Singapur zu seiner exklusiven Wirtschaftszone in dem alle Anrainerstaaten nichts, im wahrsten Sinne des Wortes, zu suchen hätten.

    Mal sehen ob Frechheit wieder einmal siegt oder nicht.

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