„Wir reden über die Köpfe der meisten Leute hinweg“

Der deutsche Grün-Politiker Boris Palmer schreibt auf seiner Facebook-Seite: „Was in Chemnitz passiert ist, ist in der Sache unstrittig. In jeder Hinsicht inakzeptable Aufmärsche von Nazis und zweifellos haben einige von ihnen auch mit Gewalt gegen Migranten gedroht und diese verjagt.
Die richtige Debatte wäre also: Was kann man dagegen tun, das Rechtsradikale sich organisieren und offen gegen den Staat stellen? Und was kann der Staat tun, um die viel zu hohe Zahl von schweren Straftaten bis hin zu Mord und Totschlag, die von Asylbewerbern begangen werden, zu verringern?
Stattdessen gibt es eine absurde Schlacht um die Deutungshoheit. Und da hat Maaßen einen Punkt, auf den ich aufmerksam gemacht habe. Wir sollten Informationen nicht ungeprüft verwenden, und zwar auch dann, wenn die Information etwas zu bestätigen scheint, was wir glauben, und nicht nur dann, wenn uns die Information missfällt.
Man sieht das, wenn man es umdreht: Was wäre wohl los, wenn der Regierungssprecher ungeprüft die Überschrift „Menschenjagd“ von einem 12 Sekunden-Video übernommen hätte, dass von „Nazi-Zeckenbiss“ ins Netz gestellt wurde, und zeigt, wie Syrer mit Metallstangen einen Club in Frankfurt/Oder stürmen? Und wenn das überprüft von allen großen Medien übernommen worden wäre?
Die Deutungsschlacht wurde von Steffen Seibert begonnen und die meisten Medien haben das ungeprüft übernommen. Das ist selbst dann falsch, wenn sich nachträglich heraus stellt, dass es zutrifft. Es gab keinen Grund, wenige Stunden nach der Tat eine solche Debatte loszutreten. So nährt man den Verdacht der Voreingenommenheit.
Und so unverständlich es ist, dass Maaßen die Debatte dahin gelenkt hat, ob das Video gefälscht war, so naheliegend ist seine These, dass „Antifa Zeckenbiss“ das Ziel hatte, die Debatte über die tödlichen Messerstiche durch eine Debatte über Nazis zu ersetzen. Erfolgreich.
Was bringt es jetzt, die Meta-Debatte um Maaßen immer weiter zu treiben? Die Menschen, die sowieso schon das Vertrauen in die Medien und die Politik verloren haben, werden sich darin bestätigt sehen, dass man nicht mehr sagen darf, was man denkt und dass nur eine Sicht auf die Ereignisse für zulässig erklärt werden soll.
Nach meiner Überzeugung hinterlässt das nur Verlierer. Und damit stelle ich mich nicht hinter oder gegen Maaßen. Ich halte nur die ganze Debatte für fehlgeleitet. Wir reden über die Köpfe der meisten Leute hinweg und führen eine Debatte im Politkkosmos, die vor dem Hintergrund von Messerattacken und Naziaufmärschen keinerlei Beitrag zur Lösung von Problemen leistet.“

9 comments

  1. Fugg Censors

    Seit RAF Zeiten terrorisiert der rote kriminelle Abschaum das ganze Land mit „Entglasung“ der Innenstädte, brennenden Autos und attackiert Bürger in Uniform. Bindet tausendfach Polizei, die eigentlich ihre Zeit für normale Kriminalitätsbekämpfung nutzen könnte.
    Jetzt wird ein Nazi Splitter sichtbar, aber der Antifa Balken im Auge wurde seit Jahren übersehen! Welch Heuchelei!
    Nichts macht das Versagen von Justitz und Presse deutlicher. Vom politischen Personal ganz zu Schweigen.

  2. Mona Rieboldt

    Boris Palmer wird von den meisten Grünen ins Abseits gestellt. Es gibt starke Kritik an ihm von seiner Partei. Da er aber OB von Tübingen ist, läßt man ihn, ignoriert ihn aber. Palmer ist für die Grünen, was Buschowski und Sarrazin für die SPD sind.

  3. Falke

    Vorsichtshalber verkündet Palmer gleich am Anfang ebenfalls eine – seiner Ansicht nach – „unstrittige“ Wahrheit (obwohl er ja selbst nicht dort gewesen ist): nämlich dass es „Aufmärsche von Nazis“ gegeben habe, und dass sie Migranten „verjagt“ hätten, also nichts anderes als die Ansichten seiner Partei und aller sonstigen Linken und Merkel-Speichellecker. Man sollte ihn also nicht über Gebühr loben, auch wenn er in der Folge doch etwas von der offiziell vorgegebenen Linie abweicht.

  4. Tomj

    Die Frage ist nur: Wie lange wird Palmer noch bei den Grünen sein? Leute mit Resthirn können die dort nicht brauchen.

  5. Johannes

    Nun die Führung der Bundespartei sieht das anders, die politische Ausrichtung der Grünen in Deutschland würde diese Aussage, käme sie von einem AfD Politiker oder einfach nur von einem deutschen Bürger, in die rechte Schublade ablegen.
    Es kann wohl nur so sein das die Bundesgrünen Herrn Palmer so sein lassen wie er ist um vielleicht in Gewässern zu fischen die für Grüne normalerweise tabu sind.

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