Zitat zum Tage

“Wer die Dinge zu illusionslos sieht, stirbt kinderlos – man denke an Figuren wie Leopardi, Schopenhauer, Nietzsche usw. Wir stammen nicht von Menschen ab, die nach den ersten Mißerfolgen den Kopf hängen ließen. Unsere Vorfahren sind eher robuste Frohnaturen, sanguinische Schwindler oder verbissene Bastler, die immer auf die nächste Chance wart eten. (…) Adam war ein Handlungsreisender, der neunundvierzig Mal vergeblich klingelte und doch überzeugt blieb, an der nächsten Tür sein Zeug an den Mann zu bringen. Das ist der Anfang des heiligen Buchs vom männlichen Mißerfolg. Wir existieren, weil wir Vorfahren hatten, die aus ihren Erfahrungen nichts lernten. Diese Burschen ließen die Niederlagen an sich abtropfen wie warmen Regen über der Savanne. Biologen nennen das: erotische Fitness aufgrund hoher Mißerfolgstoleranz. Im Alltag wird diese Haltung als Selbstüberschätzung oder als männliche Großspurigkeit mißinterpretiert. Man will nicht zugeben, daß Männer auf Ausgelachtwerden, Verhöhnung und Mißerfolg genetisch besser vorbereitet sind.”(Peter Sloterdijk, “Zeilen und Tage”)

2 comments

  1. Thomas F.

    Steve Jobs hat das besonders ausgeprägt gezeigt. Bei ihm nannten sie es sein ‘reality distortion field’.
    Ist aber früh daran gestorben.

  2. Astuga

    Gut, edel, geordnet und ästhetisch ist die reale welt leider nur soweit es zwingend notwendig ist. Vielleicht sogar nur soweit sie es sein kann… Denn es erfordert energie all das dem chaos und der entropie abzuringen. Und diese ist nur begrenzt verfügbar. Das ist eine wahrheit die auf vielen ebenen erkennbar ist.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .