110 Nobelpreisträger gegen Greenpeace – Was wissen die schon?

Von | 29. August 2016

“……Wir haben ja gerade darüber gebloggt, dass 110 Nobelpreisträger in einem offenen Brief Greenpeace wegen deren Ablehnung von Gentechnik im Allgemeinen und Goldenem Reis im Speziellen massiv angegriffen haben.

Bei den Reaktionen (unter anderem auf Facebook) ist uns ganz stark aufgefallen, dass den Nobelpreisträgern sehr gerne vorgeworfen wird, vom Thema einfach keine Ahnung zu haben…..” (hier)

13 Gedanken zu „110 Nobelpreisträger gegen Greenpeace – Was wissen die schon?

  1. Fragolin

    Mir stellt es sich so dar:
    Es gibt zwei Sorten von Fachleuten. Beide haben jahrelang studiert. Und dann kam der Tag der Wahrheit.
    Die einen waren fleißig am Lernen, haben sich Wissen und Fähigkeiten angeeignet und sich in Forschungsprojekte eingebracht. Sie haben gebüffelt, hatten vielleicht auch das Glück leicht zu verstehen und schnell zu erfassen; entsprechend haben sie nicht nur einen tollen Abschluss hingelegt sondern auch einen gut dotierten Job in einer Forschungsabteilung eines namhaften Unternehmens ergattern können. Dort nutzten sie die Forschungsmöglichkeiten bis hin zu bahnbrechenden Ergebnissen, die sogar mit international anerkannten Preisen vergoldet wurden.
    Die anderen haben weniger gelernt, vielleicht weil sie sich schwerer taten, vielleicht auch weil das Hirn bereits mit Ideologie verklebt war, die dem Lernstoff oder auch nur seiner nicht geschlechtergerechten Darbietung ablehnend gegenüberstand. Statt am Abend im Labor zu arbeiten sind sie lieber mit einem Plakat davor gestanden und haben gegen Tierversuche demonstriert, wobei die Frage, ob es solche dort überhaupt gibt, nachrangig war. Oder haben einen Flashmob organisiert um auf das Geschlechterungleichgewicht hinzuweisen, dass zwar 30% der Studierenden weiblich oder kreativgeschlechtlich seien, aber abends im Labor nur lauter Männer rumwuseln. Entsprechend war das Ergebnis des Studiums, nun ja, ausreichend, und die Nachfrage der renommierten Unternehmen enden wollend.
    Während die einen für die Ergebnisse ihrer Arbeit sofortige Anerkennung bekamen und sich dadurch bestätigen konnten, mussten die zweiten erst nach einer Bestätigungsmöglichkeit suchen. Und da es auf fachlicher Ebene einfach nicht funktioniert und der Mist, den sie zusammenerzählen, von wirklichen Fachleuten oftmals nicht einmal belächelt wird, muss eben die absolute Keule herhalten: die MORAL!
    Man erklärt einfach die Spitzenfachleute für allesamt bestochen und somit unfähig zur richtigen Bewertung – sie sind ja fachlich durchaus gut in ihrem Gebiet, also dieser menschenfeindlichen und von neoliberalen Großkonzernen finanzierten Wissenschaft, aber moralisch einfach nur gekaufte Armleuchter. Man selbst ist halt mindestens ebenso eine tolle Fachkraft, man hat ja auch studiert, aber man hat sich halt nicht zum Sklaven der Industrie machen lassen (ein beliebtes Argument der Arbeitsmarktversager) und stehe daher moralisch weit höher, denn man habe erkannt, dass der Mensch wichtiger ist als die Wissenschaft.
    Mit diesem Glaubenssatz, der impliziert, dass Wissenschaft der Feind des Menschen und daher der unfähigere Wissenschaftler der bessere Menschenfreund sei, geht man dann hausieren um endlich auch das Geld zu scheffeln, dass der beneidete und verhasste Studienkollege aus der Streberfraktion für seine Leistung bekommt. Zur Not eben aus Spenden und Fördergeldern. Denn die Kohle stinkt ja nicht.
    Wem ich persönlich aber eher glaube, kann man sich vielleicht denken.
    Übrigens liebe Grünlinge: Wenn euch die Unterstützung von Nobelpreisträgern zu wenig ist, weil die nicht alle vom Fach sind, wieso lasst ihr euch dann unterstützen von jedem Soziologiestudienabbrecher und rastaverklebten Totalversager? Ach ja, die haben ja die richtige Moral. Und dafür sind ja Religionen da, nicht wahr? Schon blöd, wenn man erkennen muss, dass man selbst historisch betrachtet nicht auf der Seite Galileos steht, sondern auf der der Inquisition…

  2. Karl Markt

    10000 Naturwissenschaftler und die NASA gehen Neoliberale – Was wissen die schon?

    bloomberg.com/graphics/2015-whats-warming-the-world/

  3. astuga

    Nobelpreisträger sind auch nicht klüger oder dümmer als die Leute bei Greenpeace (die ja teils ebenfalls Naturwissenschaftler sind).
    Watson und Crick beispielsweise haben sich den Nobelpreis eigentlich ergaunert, ebenso ein Kekule (Ringstruktur des Benzol), und der Erfinder der verbrecherischen Lobotomie hat ausgerechnet dafür den Nobelpreis bekommen.

    Der Goldene Reis wiederum ist ein reines Propagandaprojekt.
    Zielgebiet wäre ja Asien, und dort ist man der Gentechnik gegenüber ohnehin aufgeschlossen.
    Dennoch ist der Goldene Reis auch dort ein Rohrkrepierer.

  4. astuga

    @Karl Markt
    Die Debatte um die Klimaerwärmung gleicht tatsächlich jener der Gentechnik.

    Weil sie weniger von Wissenschaft, sondern von Ideologie und wirtschaftlichen Interessen geprägt ist.
    Und das auf beiden Seiten.

  5. astuga

    Die zukünftige Gefahr in der Gentechnik kommt wahrscheinlich ohnehin aus den Garagen und Hinterhof-Labors der Bio-Hacker.
    Die Technik wird immer einfacher, effektiver (siehe CRISPR/Cas) und biliger.
    In wenigen Jahrzehnten kann jeder Spinner dann die Umwelt mit gentechnisch veränderten Organismen “bereichern”.
    Inklusive Krankheitserreger oder Haustiere die in der Nacht leuchten.
    Das zu kontrollieren wird fast unmöglich sein.
    Und so manch spinnerte Sekte wird vielleicht versuchen Übermenschen zu züchten (wer Giftgas herstellt und Abtrünnige in einer riesigen Mikrowelle ermordet, wie diese Sekte damals in Japan, schreckt auch davor nicht zurück).

  6. Kluftinger

    @ astuga
    Zum Thema “Goldener Reis” sollten sie den Abschnitt im Buch von Horst DEMMLER lesen: “Wider den grünen Wahn”; Seiten 259 ff….

  7. astuga

    @Kluftinger
    Also deshalb kaufe ich mir jetzt sicher kein Buch. 😉
    Aber worum es geht: http://www.achgut.com/artikel/wider_den_gruenen_wahn

    Demmlers Argumente gehen allerdings ins Leere.
    Denn wie schon gesagt, in Asien läuft die Gentechnik-Debatte ohnehin anders.
    Aber selbst dort will niemand diesen Reis.
    Wahrscheinlich weil er schon aus kulturellen Gründen abgelehnt wird.
    Lokale Reissorten sind dort ein tägliches Grundnahrungsmittel, das ist so als wollte man uns Europäern vorschreiben, nur eine bestimmte neue Sorte Brot zu essen.

    Außerdem ist der Vitamin-Ansatz Unfug.
    Vitamin A kann man einfach mit etwas Gemüse und Obst ergänzen, dazu benötigt man keine eigene Reis-Sorte.
    Hat aber den Vorteil auch andere wichtige Vitamine und Nährstoffe der Nahrung zuzuführen, die der Reis aber nicht liefert.
    Fazit: die Asiaten verzichten auf den Goldenen Reis nicht etwa weil die Deutschen Gentechnik ablehnen, sondern weil sie ihn selbst weder brauchen noch wollen.

    Der Goldene Reis wurde aus politischen Gründen entwickelt, aber ohne zu überprüfen, ob es dafür überhaupt einen Markt und Abnehmer gibt.
    Erinnert mich ein wenig an den Transrapid…

  8. Christian Weiss

    “Vitamin A kann man einfach mit etwas Gemüse und Obst ergänzen, dazu benötigt man keine eigene Reis-Sorte.”

    Die Marie-Antoinette-Argumentation: “Was? Sie haben kein Brot? Dann sollen sie Kuchen essen!”

    Vitamin-A-Mangel ist eine der weltweit verbreitesten Formen von Mangelernährung. Und Kleinbauern, die praktisch in der Subsistenzwirtschaft leben, zu sagen, sie sollten halt mehr Obst und Gemüse essen, ist purer Hohn. “Sollen doch morgens in den Supermarkt gehen und sollen dort Karottensaft aus deutschem “Bio”-Anbau besorgen!”
    Ebenso purer Hohn ist es, zu behaupten, es gebe keine Nachfrage nach Golden Rice. Greenpeace versucht ja mit allen propagandistischen Mitteln, Angst vor diesem angeblich teuflischen Gewächs zu schüren.
    Wenn schon Länder, in denen sich die Einwohner ihrer hohen Bildung rühmen, sich von Greenpeace-Aktivisten und anderen pseudoumweltschützerischen Fanatikern einreden lassen, dass Gentechnik des Teufels sei, wie sieht es wohl in Ländern aus, in denen die Leute nur rudimentäre Schulbildung geniessen?

    Und was Ihre Sorge um böse Bio-Waffen aus dem Genlabor betrifft: Seit inzwischen über 100 Jahren betreiben Staaten auf der ganzen Welt ABC-Labore, wo mit allerlei Bakterien und Viren geforscht wird und wo weiter gezüchtet wird. Trotzdem blieben die grossen Biowaffen-Anschläge aus. Einer der wenigen ganz grossen Biowaffen-Einsätze liegt sogar einiges weiter als 100 Jahre zurück und war noch nicht mal Absicht: Die Spanier brachten einst Erreger nach Amerika, gegen die die Einheimischen (noch) keine Abwehrstoffe hatten.
    Die Sorge, dass die Gentechnik missbräuchlich für Schurkereien eingesetzt werden könnte, ist so begründet oder unbegründet wie bei allen anderen Technologien auch.

    Die legale Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen ist zudem wesentlich strenger reglementiert als die von Organismen konventioneller Zucht. Bei der konventionellen Zucht kann jeder Trottel Pflanzen kreuzen, deren Resultat er kaum abschätzen kann, weil er gar nicht nachvollziehen kann, was für einen Gen-Cocktail er zusammenstellt. Genau so bei der auch schon lange üblichen radioaktiven Bestrahlung von Saatgut, um Genmutationen zu erzwingen. Schon 1934 wurde die erste durch radioaktive Strahlung mutierte Nutzpflanze auf den Markt gebracht.

  9. Fragolin

    @Christian Weiss
    Dieter Nuhr hat die Irrationalität bei der Gen-Angst mal schön auf den Punkt gebracht: Veränderte Gene werden von mir genauso verdaut wie unveränderte; nur weil ich einen Apfel esse wächst mir doch kein Laub aus den Ohren! 😉

  10. astuga

    @Christian Weiss
    Hohn wäre es, arme Kleinbauern die von Subsistenzwirtschaft leben von Saatgutherstellern abhängig zu machen.
    Der Goldene Reis enthält Vitamin A, das war es aber auch schon, alle anderen positiven Eigenschaften die lokale Sorten auszeichnen und unterscheiden besitzt er aber nicht
    Mit ein Grund weshalb ihn keiner will.
    Ein Kleinbauer der dann eine oder zwei Missernten damit einfährt ist wirtschaftlich erledigt, da hilft ihm auch noch so viel Vitamin A nicht weiter.
    Und in den Tropen und Subtropen wächst Gemüse und Obst an jeder Ecke.
    Woran es dort in armen Bevölkerungsschichten eher mangelt sind grundlegende Kenntnisse über gesunde Ernährung, und weniger dass die Produkte nicht verfügbar wären (dieses Problem haben dort eher die armen Städter).

    Dass das Argument mit Greenpeace ins Leere geht sieht man aber auch bereits daran, dass diese Debatte hier im Westen geführt wird – um hier die Gentechnik zu pushen.
    Und gar nicht dort wo die angeblichen Abnehmer des Golden Rice sitzen – in Asien.
    Kleine Info zur “segensreichen” grünen Gentechnik, Google: Superweeds

  11. astuga

    Nachtrag: Das Argument weil in der Vergangenheit nichts passiert ist wird auch in Zukunft (noch dazu unter veränderten Bedingungen) nichts passieren, ist wie die Geschichte von dem Mann der von einem Wolkenkratzer springt, und der beim 10 Stockwerk sagt, “Bis hier her ging`s ja gut.”

    Technologie entwickelt sich eben weiter, und im Falle der Gentechnik wird dadurch der Missbrauch auch durch Privatpersonen immer wahrscheinlicher.
    Einfach weil die Methoden zuverlässiger, billiger und einfacher geworden sind.
    Aber typisch, dass Sie von allen Möglichkeiten ausgerechnet das unwahrscheinlichste Szenario als Beispiel gewählt haben, eben Biowaffen.

    Und der Vergleich von konventioneller Zucht und Gentechnik zeigt mir wiederum, wie wenig Ahnung sie in der Sache haben.

  12. Christian Weiss

    “Hohn wäre es, arme Kleinbauern die von Subsistenzwirtschaft leben von Saatgutherstellern abhängig zu machen.”

    Subsistzenzwirtschaftler kaufen kein Saatgut bei Saatgutherstellern ein. Dafür haben sie kein Geld. Sie müssen es selber ziehen. Was soll der Quatsch? Die Ertragssteigerung bei geringerem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, welche die Gentechnik bringt, hat nachweislich die Einkommenssituation von Kleinbauern in Indien verbessert. https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=4225 Wer besser produziert, verdient mehr. Arbeitsteilung ist seit jeher die Grundlage von Wohlstand. Das Argument der Abhängigkeit von Saatgutherstellern ist dabei genau so schwachsinnig, wie wenn man dem Maler Abhängigkeit vom Pinselhersteller unterstellt. Dafür haben wir in der zivilisierten Welt Wettbewerb, damit der Kunde zwischen verschiedenen Produkten wählen kann. Bauern werden übrigens auch nicht Abhängig von Landmaschinenherstellern, obwohl sie die Mähdrescher auch nicht selber zusammenbauen.

    Das mit dem “wenig Ahnung” gebe ich gerne zurück und setze noch einen drauf: Sie haben gar keine Ahnung. Auch konventionelle Zucht ist menschliche Beeinflussung des Erbguts, nur dass es sich dabei um Versuch und Hoffnung, statt um gezielte Einkreuzung der wirklich erwünschten Eigenschaften handelt wie bei der Gentechnik.
    Auf Gentechnik zu verzichten ist in der Endabrechnung noch dümmer, als wenn der Bauunternehmer auf den Bagger verzichtet und die Löcher wieder mit der Schaufel von Hand ausgräbt.

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