Ein alternativloses Verbrechen

(NATASCHA CHROBOK)  Die “Presse” titelt heute: ‘IWF will alle Sparer enteignen!’  (siehe auch den Beitrag hier weiter unten) Um das fragile Konstrukt Euro noch ein paar Monate länger aufrechtzuerhalten und das unvermeidliche noch einmal hinauszuzögern schlägt der IWF vor, eine einmalige Zwangsabgabe von 10% auf alle Sparguthaben einzuheben. Aus Solidarität. Wir erinnern uns, im Frühjahr wurde ähnliches in Zypern bereits durchexerziert, und schon damals wurde prophezeit, dass dies nur eine Generalprobe, ein erster Test sei, um zu sehen, wie das Volk mit solchen Neuigkeiten umgeht.

Leider sind bei uns die meisten bereits so verblödet, dass sie nicht in der Lage sind, zu begreifen, was los ist, bis es zu spät ist. Und diejenigen, die halbwegs in der Lage wären, die Umstände zu erkennen, spielen entweder auf Twitter Dauerempörte oder bekriegen sich in diversen Foren und Blogs gegenseitig.

Also ist kein wirklicher Widerstand zu erwarten, bis eines Tages die Banken geschlossen sind und dies für einige Tage bleiben, damit die Guthaben brav konfisziert werden können. Dabei ist eigentlich nur mehr interessant, was dann als Sparguthaben gilt: nur klassische Sparprodukte oder sämtliche private Bankguthaben.

Ich bin mir sicher, dass es hier wieder eine Menge Leute gibt, die relativieren und meinen: ‘naja, wenn es dann danach besser ist, zahlen wir halt, man kann eh nix machen.’ Manche werden die Maßnahmen sogar als alternativlos verteidigen. Schließlich und endlich ist es doch eine Einmalmaßnahme. Nur sollte man sich nicht täuschen lassen: von 10 % konfiszierten Vermögen bleiben 90% über, die man später einbehalten kann. Es soll sich niemand der Illusion hingeben, dass angekündigte Einmalmaßnahmen auch tatsächlich Einmalmaßnahmen bleiben.

Man soll sich auch nicht täuschen lassen, dass Immoblilienbesitz sicherer sei: denn auch Immobilienbesitz kann man enteignen. Ist schon früher passiert und wird wieder passieren. Von der Wertanlage in Gold und Silber ganz zu schweigen, diese wird sowieso früher oder später für illegal erklärt.

Nun fragt man sich, warum die Maßnahmen noch nicht losgegangen sind, wenn das Gerücht doch ohnedies schon seit Monaten durch diverse Medien geistert: erstens muss eine derartige Aktion EU-weit koordiniert ablaufen, damit vorzeitig niemand gewarnt wird. Und zweitens muss den wirklich Reichen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Vermögen rechtzeitig entsprechend umzuschichten. Wenn dann durch die Enteignungswelle halbwegs wieder Luft ist, kann man weitermachen wie zuvor.

Es besteht die nicht ganz unrealistische Wahrscheinlichkeit, dass das von vielen so gelobte Friedensprojekt EU letztendlich an solchen Maßnahmen scheitern wird. Es ist nicht die Frage, ob es passiert, sondern wann. Der Irrsinn kann nächstes Jahr vorbei sein oder noch zehn, fünfzehn Jahre weitergehen. Aber was auch immer passieren wird, es ist ganz sicher alternativlos!

14 comments

  1. Thomas Holzer

    Als Termin würde sich z.B. der Zeitraum kurz nach der Inauguration der “neuen” deutschen Bundesregierung, Weihnachten und/oder der Jahreswechsel, oder ein neuerlicher Hilferuf einer der sich immer noch in “Not” befindlichen Euro-Staaten, in welchen dann die restlichen -sich in Not befindlichen- Euro-Staaten einstimmen, wenn möglich noch verbunden mit einem Ruf nach Geld von den europäischen “Gro0banken”. Ideal wäre natürlich, würde zur gleichen Zeit ein Herr Snowden publikumswirksam in Deutschland vor einem U-Ausschuss tagelang aussagen 😉

  2. Thomas Holzer

    @Super_Mario
    Die “beste” Aussage in diesem Video stammt meiner Meinung nach von der jungen Dame mit rotem Mantel und schwarzer Brille; sinngemäß: “einfach mehr Geld drucken, um die Schulden zu bezahlen”
    Ich schlage diese junge Frau als neue Finanzministerin für Österreich vor 😉

  3. Reinhard

    Die meisten Leute werden sagen “Ajoh, i hob eh nix am Biachl” und sich nicht weiter kümmern. Erst wenn der Bausparer geplündert und die Lebensversicherung abgeräumt wird, werden sie begreifen, dass “Sparguthaben” mehr ist als ein paar Kröten “am Biachl”…

  4. Reinhard

    @Thomas Holzer
    “einfach mehr Geld drucken, um die Schulden zu bezahlen”
    Da sehen Sie doch, dass die gelenkte Volksverblödung große Fortschritte macht.

  5. Super_Mario

    @Thomas Holzer
    Genau auf diese Dame hat sich auch meine Aussage von vorhin bezogen 🙂
    Aber wenn dann schon gleich EZB-Chefin, solches Denken ist zu Höherem bestimmt 😉

  6. Thomas Holzer

    @Reinhard
    Aber bitte! Nicht so despektierlich!
    Diese junge Frau hat sicherlich unzählige VWL-Seminare an der WU-Wien besucht und beim Herrn Schulmeister im Wifo ein vom Finanzministerium finanziertes Praktikum mit Auszeichnung absolviert 😉

  7. Christian Peter

    Die Ursachen der Krise liegen im Geldsystem : Geldvermögen und Schulden stehen in einem Zusammenhang. Das Geld auf Bankkonten ist nur ein Scheinvermögen, da es durch Schulden gedeckt ist, die niemals zurückbezahlt werden können. Die vermeintlichen Ersparnisse sind längst in spanische Immobilien geflossen, die heute als wertlose Bauruinen vor sich gammeln oder als griechische Beamtenpensionen ausbezahlt worden. Irgendwann muss der Offenbarungseid geleistet werden, denn unser Wohlstand ist eine Illusion.

    http://www.welt.de/print/warms/finanzen/article121482765/Und-sie-wollen-alle-an-unser-Geld.html

  8. nometa

    @Super_Mario: 1:04: “Europas künftige Zentralbankchefin. Früh übt sich, wer stehlen will.” Geh, die weiß doch gar nicht, dass Gelddrucken denselben Effekt wie eine Steuer hat. Nicht überall gleich den “Dieb” wittern.

  9. Reinhard

    @Thomas Holzer
    Das ist die fortgeschrittene Form der Volksverblödung: Ein halbes Leben auf Schulbänken den Hintern breit gesessen, eine Liste von hochtrabenden Titeln vor dem Doppelnamen, so dass man für das Namensschild die Tür verbreitern muss, und dabei dumm wie ein Schnürsenkel.
    Ist doch auch besser so. Lieber die Dummheit über das Bildungssystem kontinuierlich zwischen die Ohren implantieren als sich auf Medienkonsum allein verlassen. Wirkt nachhaltiger.

  10. Thomas Holzer

    @Reinhard
    Sie sind aber wirklich sehr böse! 😉 🙂
    Die(sic!) wollen doch alle nur das Beste für uns!
    Wir sollten endlich unser Haupt senken, dieses mit Asche bestreuen, unsere Unzulänglichkeit coram publico eingestehen und die “neuen, alten Weisen” für uns entscheiden lassen 😉
    Dann, erst dann wird Alles gut!

  11. Heinrich Elsigan

    Das führt zu Problemen
    Die Gläubiger und Schuldner haben miteinander Probleme.
    Jetzt versucht einer der Gläubiger, der IWF sich seinen Teil von den Sparern zuholen. Das sind griechische Steuerhinterzieher, KMUs, normale Sparer, ausländische Anleger gleichsam.
    Ich hab auch ein Problem als Gläubiger und Schuldner gleichzeitig. Darf ich mein Gläubiger Problem lösen, indem ich in der Umgebung 10% Schutzgeld kassiere?

  12. Heinrich Elsigan

    aber Herr Ortner, sie wissen, dass es keine einfache Lösung gibt.
    Ich habe schon über eine Target-2 Tax nachgedacht, die sobald die Zahlungsbilanzen zwischen den €uro-Staaten ins Ungleichgewicht geraten, auf die Zahlungen über einer gewissen Genze ein Steuer eingehoben wird und damit ein Ausgleichsfond finanziert wird, der auch Anleihen an die Zentralbanken ausgibt. Das sollte dazu führen, dass auf Steuerflucht aus den Südländern nach Deutschland eine Steuer kassiert wird und die Deutschen ihr Geld im Inland investieren, was zu einer Lohnerhöhung in Deutschland führen würde und damit die Südländer wieder wettbewerbsfähiger machen könnte.
    Die Deutschen Banken haben Ansprüche an die Südländer, die nie erfüllt werden können, die Guthaben aller Reichen der €uro-Zone liegen aber dafür hauptsächlich in Deutschland herum. Es gibt für diese beschissene Währungsunion, die schlechter konstruiert wurde als Bretton Woods oder FED Districts ab 1920 keine einfache Lösung.
    Ich weiß, dass es so nicht weiter gehen kann. Der Club Med will inflationieren, andere Länder wollen Geldwertstabilität, die Hälfte der Banken in der €-Zone ist aufgrund der Finanzkrise 2008 bankrott (Bad american nonvalue assets) und dafür solls eine einfache Lösung geben?

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