Multikulti: Vom Traum zum Trauma

(WERNER REICHEL) Von der einstigen Multikultieuphorie ist in diesen Tagen hierzulande wenig zu spüren. Die Propagandisten dieser Ideologe, linke Politiker, Künstler und Journalisten, geben sich zurückhaltend. Ihnen sind die Phrasen und Schlagworte, wie „Bereicherung“, „Vielfalt“ oder „Buntheit“ im Hals stecken geblieben. Die Rahmenbedingungen sind für sie derzeit nicht gerade günstig. Das naive Bild von Multikulti als fröhlich-buntes Straßenfest, lässt sich angesichts der Gräuelmeldungen aus den Regionen vor den offenen Toren Europas  kaum noch aufrecht erhalten.

Damit das politisch korrekt dressierte Volk aus ihren Multikultiträumen erwacht  oder zumindest in eine Art  Halbschlaf versetzt wird, war eine besonders starke Dosis von Nöten. Unter einem versuchten Genozid war offenbar nichts zu machen. Wichtig ist dabei auch, dass die Gotteskrieger im Nordirak (auch) gegen die religiöse Minderheit der Jesiden vorgehen. Denn das Schicksals von verfolgten und ermordeten Christen ist den politisch-korrekten Europäern bislang ziemlich egal gewesen. Seit Jahren werden Christen von Islamabad bis Abuja verfolgt, unterdrückt und ermordet. Bisher ohne großen Aufschrei europäischer Politiker und Medien. Und Boko Haram steht den IS-Terroristen in punkto Grausamkeit und Brutalität um nichts nach. Auch sie haben schon Tausende Menschen abgeschlachtet.

Nun scheint sich aber das Meinungsklima zu ändern, zumindest etwas. Natürlich  geht das nicht von heute auf morgen. Die politisch-korrekte Schafherde ist angesichts der näherkommenden Wölfe zwar beunruhigt, trotzdem schaut sie genau, wie sich ihre Leithammel verhalten. Aus der sicheren Deckung der Mehrheitsmeinung wagen sich nur wenige, wie etwa Nicolaus Fest von der Bild-Zeitung. Die politisch korrekten Meinungsführer müssen die Denk- und Marschrichtung vorgeben.

Nicht viele Menschen haben die Größe, sich selbst und ihren Mitmenschen einzugestehen, dass sie mit ihrer Meinung und mit ihre Haltung ein halbes Leben oder noch länger falsch gelegen sind.  Das kennt man auch aus der Nachkriegszeit. Deshalb warten die meisten ab, wie sich die allgemeine Stimmung  und das Befinden im Land entwickelt, um es danach  immer schon gewusst zu haben bzw. nichts gewusst zu haben.

Dass Multikulti bei den Linken nicht mehr oberste Priorität hat, ist nicht verwunderlich. Kommen doch die Einschläge immer näher. Selbst der 50jährigen Pädagogin, die seit mindestens 20 Jahren grüne Stammwählerin ist, scheint der fair gehandelte Kräutertee angesichts aktueller Meldungen und Bildern aus dem Nordirak oder Syrien nicht mehr so richtig zu schmecken. Instinktiv scheint sie zu spüren, dass das, was man ihr jahrelang vorgebetet hat und sie sich selbst jahrelang eingeredet hat, so nicht stimmen kann. Dass sich die Heilsversprechungen der Mainstreammedien und der politisch korrekten Vordenker von einer besseren, bunteren und vielfältigeren Welt mit glücklichen Menschen, wie man sie von den „Wachturm“-Covers  der Zeugen Jehovas her kennt, nicht erfüllen werden, ja sogar ins Gegenteil kippen könnten.

Vor allem, weil sich die Konflikte südlich und südöstlich von Europa  zunehmend vor ihrer eigenen Haustüre abspielen. Weil der Nahostkonflikt auch auf europäischen Straßen ausgetragen wird, türkische Wahlkämpfer europäische Stadien und Hallen füllen, die Extremistengruppe Islamischer Staat  auch mitten in Europa viele Anhänger hat und mittlerweile deutschsprachige Hochglanzmagazine herausbringt, weil in europäischen Städten Kämpfer für den heiligen Krieg in Syrien oder dem Nordirak erfolgreich rekrutiert werden und, wenn sie nicht im Kampf sterben, auch wieder in ihre Heimat zurückkehren. Und es wird nicht besser. Im Gegenteil. Groß Britanniens Premier David Cameron hat bereits gewarnt: „Wenn wir den Vormarsch dieser außerordentlich gefährlichen Terrorbewegung (IS) nicht stoppen, wird sie nur stärker, bis sie uns auf den Straßen Großbritanniens angreifen kann.“  Warum sollten ausgerechnet die Europäer, die immer weniger für ihre Sicherheit ausgeben (ein besonders drastisches Beispiel dafür ist das österreichische Bundesheer), davon verschont bleiben? Das spricht in  Deutschland oder Österreich zwar kein Spitzenpolitiker offen aus, aber das enorme Gefahrenpotential ist ihnen genauso wie er Bevölkerung bewusst, zumal es schon IS-Terrordrohungen gegen Deutschland gibt

Da helfen auch die unentwegten „Haltet den Dieb“-Rufe und das penetrante Nazi-Gekläffe der Linken nichts mehr. Gegen reale Extremisten verlieren die aufgeblasenen Feindbilder dramatisch an Wirkung. Den Mainstreammedien fällt es auch immer schwerer, die gängigen Erklärungsmuster aus der argumentative Mottenkiste anzubringen. Dass die meisten Gräuel- und Gewalttaten, die von Pakistan bis Algerien (inkl. Europa: London, Brüssel, etc.) verübt werden, vielleicht doch einen gemeinsamen Nenner haben könnten,  scheint immer mehr Linken zu dämmern. Bisher haben Gutmenschen für jeden Konflikt und jedes Massaker im islamischen Raum gleich mehrere  Erklärungsansätze und Begründungen aus dem Ärmel schütteln können, vom amerikanischen Imperialismus, über die koloniale Vergangenheit dieser Länder, der nicht vorhandenen Willkommenskultur  bis zur der Ausbeutung der Dritten Welt. Nur eines hat man tunlichst vermieden, den blutroten Faden, der sich durch all diese Kriege, Konflikte und Unruhen zieht, zu erkennen und zu benennen.  Das scheint nun immer schwieriger zu werden. Auch auf den Onlinetummelplätzen der Gutmenschen zeichnet sich ein Stimmungswechsel ab. In den Meinungsforen der Mainstreammedien scheint  die Fraktion „Der-Westen/Ami/Kapitalismus-ist-an-allem-schuld“ an Boden zu verlieren. Und die einstigen Propagandisten der Multikultgesellschaft, die ja so Multi gar nicht ist, haben ohnehin schon das sinkende Schiff verlassen und ein neues Betätigungsfeld gefunden, um ihre Utopien von einer besseren Gesellschaft und einem besseren Menschen in die Realität umzusetzen. Multikulti war gestern, Gendermainstreaming ist in. Den Karren, den man mit Schwung in den Dreck gefahren hat, sollen die anderen wieder herausziehen. Statt sich mit den Folgen verfehlter Einwanderungs- und Integrationspolitik ernsthaft auseinanderzusetzen, beschäftigen sich die Neosozialisten nun vor allem mit „geschlechtergerechter“  Sprache,  den Wünschen und Forderungen von Transgenderpersonen und Lesben, mit „Unisex-Toiletten“ oder der staatlich verordneter  Sexualisierung von Kindern. Das ist angesichts der auf Europa zukommenden Probleme und Herausforderungen eine besonders schwere Form von Eskapismus. Man flüchtet sich in die absurde Genderscheinwelt, die man mit Unsummen an Steuergeldern errichtet hat. Gelder, die man zuvor  unter anderem aus dem Sicherheitsbereich abgezogen hat. Das erinnert ein bisschen an das Märchen von den drei Schweinchen. Europa ist eine Strohhütte.

21 comments

  1. Ehrenmitglied der ÖBB

    @ FDominicus
    Ist ihr Beitrag ironisch gemeint?
    Wenn irgendetwas “nicht richtig” kommuniziert wird, an Herr Reichel kann es wohl nicht liegen?

  2. Selbstdenker

    Ausgezeichnete Analyse Herr Reichel!

    Ich hoffe, Sie bleiben diesem Blog noch lange erhalten, da Ihre Beiträge zu den besten zählen.

  3. Thomas Holzer

    Die von den “Neosozialisten” auserkorenen neuen Betätigungsfelder werden die Widerstandskraft der europäischen Völker gegen Fanatiker sicherlich stärken 🙂

    Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie das Conchita Wurst, eine auf facebook einen Herrn Gabalier belehrende Frau Heinisch-Hosek, ein Herr Fischer, welcher meistens, wenn klare Aussagen gefordert wären, an gewissen Orten untertaucht, ein an einer “ice-bucket challenge” teilnehmender “Y-Promi” namens Herr Rupprechter, ein Herr Faymann, welche bei Lächerlichkeiten im medialen Untertauchen einem Herrn Fischer um nichts nachsteht, ein sich auf beachvolleyball-Plätzen in der Sonne räkelnder Herr Klug, und all die anderen Tschänderasten und vereinigten Sozialisten, Antisemitismus und wirklichen(sic!) Angriffen auf die Freiheit, die -noch vorhandenen- Grundrechte in diesem Lande entgegentreten werden.

    Mir schwant Böses

  4. Menschmaschine

    auf den punkt gebracht.
    die, die den karren in den dreck gefahren haben, werden ihn sicher nicht herausziehen (müssen). das ist ja auch das unfaire an der demokratie: wer sch… baut und abgewählt wird, muß den eigenen saustall nicht aufräumen. das müssen dann andere.

  5. Schnabeltierfresser

    Was hat man diesem Herrn Reichel eigentlich angetan? So verbittert war schon lang kein Schreiberling mehr, vielleicht der Pretterebner.

  6. aneagle

    Zu viel Optimismus Herr Reichel ! Die KapitalistInnen, KollonialistInnen , westliche AusbeuterInnen MillionärInnen und unruhestiftenden Israelis(wie tschändert man das korrekt?) sind längst als die wahren Übeltäter entlarvt, es wird Jahrzehnte dauern bis sich vielleicht etwas bewegt, hoffentlich nicht so lange, wie der Islam brauchen wird, um festzustellen , dass Juden, Christen, Yesiden, Kurden und Milliarden anderer Ungläubiger “Kafirs” MENSCHEN sind.

  7. Selbstdenker

    Dumm gelaufen: da machen Linke – geleitet vom Motto “der Feind meines Feindes ist mein Freund” – die Tore nach Europa sperrangelweit auf, um – Überraschung!!! – nun feststellen zu müssen, dass der herbeigerufene “Zauberbesen” nicht zwischen “links” und “rechts” unterscheidet, sondern – seiner eigenen Logik folgend – den Nahen Osten, Europa und schließlich die ganze Welt von den Kuffars “säubern” möchte.

    Linke reagieren nun nach bekanntem Muster: sie suchen sich einerseits einen Schuldigen außerhalb der eigenen Reihen, dem sie das Versagen ihrer eigenen Ideologie andichten können und anderseits ein neues Thema, mit dem sie sich neu profilieren wollen.

  8. dieter

    @Selbstdenker:
    Die Linken sind selbst ein Sündenbock. Denn Wirtschaftlobbyisten, Ökonomen, Pensionexperten, Neoliberale, ÖVP, Kirchen und die politische Mitte, sie alle befürworteten diese Politik aus unterschiedlichsten ideologischen und ökonomischen Gründen.

    Z.B.: “Ein frommer Muslim in der Moschee ist mir lieber als ein besoffener Atheist im Freudenhaus.”, Norbert Blüm, CDU.
    Nicht nur glaubte Blüm, mit der Zuwanderung die Pensionen sichern zu können. Vom Islam erhofften sich viele konservative Christen und Bischöfe, dass er Europa respiritualisieren würde. Die von den Muslimen vorgelebte Praxis würde den Europäern das Christentum wieder Schmackhaft machen.

    Der linke Multikulturalismus war lange Zeit ein absolutes Randphänomen und wurde später zur Selbst-Beschwichtigung genutzt. Es war aber niemals das zentrale und alleinige Motiv.

    Weder sind die Linken für die real existierende Zuwanderung alleine verantwortlich, noch ist der Multikulturalismus an der Nicht-Assimilation schuld. Jene Zuwanderer, die ihre Parallelgesellschaften kultivieren, interessiert es kein bisschen, welche ideologischen Konstrukte und Hirngespinste unter den Einheimischen diskutiert werden. Sie leben nach ihrer Art und ihren Regeln.

  9. menschmaschine

    @ dieter
    “Sie leben nach ihrer Art und ihren Regeln.”
    und warum? weil wir sie lassen. und warum lassen wir sie? weil seit jahrzehnten jeder, der anpassung, ja vielleicht sogar – huch! – assimiliation als erstrebenswert ansieht, als nazi denunziert wird.
    und dafür können die linken nichts?
    süß.

  10. Selbstdenker

    @dieter:

    Der aggressiv betriebene Migrantismus der Linken ist sicherlich alles andere als eine Randerscheinung. Speziell in Ländern mit knappen politischen Mehrheitsverhältnissen machten linke Gruppierungen kein Geheimnis daraus, dass sie den abflauenden Zuspruch der Einheimischen bei Wahlgängen durch verstärkte Einbürgerungen und politische Angebote an die Zugewanderten auszugleichen versuchten (siehe rot-grün während der Ära Schröder oder Labour während der Ära Blair, etc.)

    Ich gebe Ihnen allerdings recht, was die Motivation von konservativen Christen und Bischöfen, die im Migrationsbusiness maßgeblich beteiligte Caritas, vielen konservativen Politikern sowie einigen Pensionsexperten und Wirtschaftslobbies anlangt.

    Die haben sich – so wie die Linken – alle verrechnet, wenn sie geglaubt haben, dass Ihnen die Zugewanderten jene Probleme lösen würden, die sie selbst nicht in den Griff bekommen bzw. Ihnen bei der Umsetzung ihrer unlauteren Agenda behilflich sein würden.

  11. dieter

    Ich meinte mit Randphänomen den Multikulturalismus im Speziellen. Die vorherrschende Meinung im Establishment war lange, dass die Zuwanderer bereits integriert und assimiliert wären, bzw. auf dem besten Wege dorthin wären. Die Zuwanderer wären österreichischer als die Österreicher, deutscher als die Deutschen, hieß es damals. Als Beispiel führten Politiker und Kommentatoren gerne gut integrierte Schulkameraden der eigenen Kinder an. Die Zahl der binationalen Ehen wurde gerne als Beleg der Integration angeführt. (In Wahrheit handelte es sich um arrangierte Importehen).

    Als der Begriff Parallelgesellschaft 2003 in die öffentliche Debatte kam, wurde das Phänomen zunächst verleugnet. Auch die Erkenntnis dass viele hier aufgewachsene Kinder religiöser sind, als die Eltern, verbreitete sich erst ab Ende der 2000er.

    Die Prognosen der Zuwanderungsbefürworter lagen also völlig daneben. Anstatt den Fehler einzugestehen, griff man auf die Ideologie des Multikulturalismus und des moralischen Relativismus zu, um sich den Zustand schön zu reden. Plötzlich hieß es, dass das Beibehalten der Sprache, Religion und Kultur des Ursprungslandes eine tolle Sache und überaus erwünscht wäre.

    Wenn sie einem Linken im Jahre 1990 erklärt hätten, dass die muslimischen Zuwanderer der dritten und vierten Generation religiös wären, vermehrt Kopftuch tragen würden und zuhause immer noch arabisch oder türkisch gesprochen würde, hätte er sie als paranoiden Spinner abgetan.

  12. dieter

    @menschmaschine:

    und warum? weil wir sie lassen. und warum lassen wir sie?

    Wie wollen sie es den Parallelgesellschaftlern denn verbieten? Die Konservative Kritik an linken Multikultis lenkt von der eigenen Ratlosigkeit ab.

  13. Dieter Zakel

    Ansichten von Helmut Schmidt, Altbundeskanzler (SPD) *1918 zum Thema Multi-Kulturismus

    Multi-Kulti: Vom Traum zum Trauma
    https://www.ortneronline.at/?p=30590

    “Die Vorstellung, dass eine moderne Gesellschaft in der Lage sein müsste, sich als multikulturelle Gesellschaft zu etablieren, mit möglichst vielen kulturellen Gruppen, halte ich für abwegig. Man kann aus Deutschland mit immerhin einer tausendjährigen Geschichte seit Otto I. NICHT NACHTRÄGLICH EINEN SCHMELZTIEGEL MACHEN.” – Frankfurter Rundschau, 12. September 1992, S. 8,

    “Die multikulturelle Gesellschaft ist eine ILLUISION von INTELLEKTUELLEN” – Die Zeit, Nr. 18/2004, 22. April 2004

    “Mit einer demokratischen Gesellschaft ist das Konzept von Multikulti schwer vereinbar. Vielleicht auf ganz lange Sicht. Aber wenn man fragt, wo denn multikulturelle Gesellschaften bislang funktioniert haben, kommt man sehr schnell zum Ergebnis, dass sie nur dort friedlich funktionieren, wo es einen starken Obrigkeitsstaat gibt. INSOFERN WAR ES EIN FEHLER, DASS WIR ZU BEGINN DER 60-ER JAHRE GASTARBEITER AUS FREMDEN KULTUREN INS LAND HOLTEN.” – Hamburger Abendblatt, 24. November 2004

    Ist Helmut Schmidt ausländerfeindlich? *nur-mal-so-frag*

  14. Mario Gut

    @dieter: Geldhähne mit überbordendem Förderventil und Tätscheln der “Andersdenkenden Verfechter der Religion des Friedens” langsam aber sicher abdrehen. Noch herrschen hier demokratische Mehrheiten, Versuche, wie das Scharia “Recht” einzuführen (in England bereits geschehen), sofort abwürgen und nicht bemühen mit gutmenschlichem Erklärungs-BlaBla die eigene Wirbelsäule grätenfrei zu machen – die Liste wird endlos…..

  15. gms

    FDominicus,

    “Ich wußte es doch. Wird alles falsch kommuniziert: [Zeit-Online]”

    Bemerkenswert ist die Inbrunst, mit welcher der Schreiberling dort sein Recht auf Dummheit zelebriert, die im abschließenden Statement ihren ultimativen Höhepunkt findet: “Ein schlechtes Zeichen ist, dass diese Übergriffe weiter als Einzelfälle wahrgenommen werden und nicht als Ausdruck eines strukturellen Hasses auf Ungläubige.”

    Wer sich nun irritiert die Augen reibt und die Dummheit sucht, der ersetze “Ungläubige” durch “Muslime”, denn so stand es tatsächlich im Artikel geschrieben.

    Seine Neigung zu grotesken Kopfständen lebt der Autor auch anderen Stellen aus, wie etwa hier: “Das Magazin Cicero fragt auf seinem aktuellen Titel: ‘Ist der Islam böse?’ Das angehängte Fragezeichen biegt den Satz gerade noch aus eben jener gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in eine vermeintliche journalistische Neugier.”

    Im Anlaßfall ist das Fragezeichen die einzige Möglichkeit ist, den Satz korrekt abzuschließen und das unterstellte Hinbiegen daher allein der deutschen Grammatik geschuldet.

    Danach geht es unmittelbar weiter: “Im Heftinneren muss dann die liberale Muslimin Lamya Kaddor Anwürfe abwehren, Islamismus und Islam seien ja doch irgendwie dasselbe.”

    Aha. Sie ‘muss’ also (*). Wie war das nochmal von wegen Hinbiegen? Zeitungen waren niemals die Gravitationszentren intellektueller Redlichkeit, aber was mitterdings bereits in jenen Schriften kursiert, die sich anders als der Boulevard eher an Gebildete wenden, stellt eine neue Dimensionen dar. Interessante Zeiten, in denen wir leben. Ein Karl Kraus hätte heute vermutlich schon resignierend die Feder geworfen.

    *) Lamya Kaddor [1] soll im ‘Cicero’ und an vielen anderen Stellen sonstwo ebenso ihre Sicht der Dinge darlegen, wie viele andere tatsächlich liberale Moslems ebenso. Ob der versuchte Beweis gelingt, der Islam sei mit der westlichen Kultur kompatibel, sei dahingestellt. Mit einer vielfach wiederholten Klage allerdings haben sie vollkommen recht: Jene von staatlicher Seite offiziell anerkannten Vereine und deren Sprecher vertreten definitiv nicht die Moderaten.

    [1] lamyakaddor.jimdo.com/

  16. Werner Deutsch

    Die aktuelle, dramatische Flüchtlingsproblematik sollte nicht in der Multikultibesoffenheit unserer Medien versinken. Diese hilft keiner Flüchtlingsfamilie. Egal, aus welcher Religion, aus welcher Ethnie Flüchtlinge kommen, wir haben sie als solche zu respektieren. Nur sollte man die Erkenntnisse der Ethnologie(n) sorgfältig beachten, bevor man undifferziert “Integration” als amtliches Allheilmittel verordert. Die Auswahl nach Religionszusammengehörigkeit mag nützlich sein, sie ist jedoch nicht ausreichend.

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