Lahme Ente statt Ende der Geschichte

(C.O.) Genau 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhanges und dem weitgehenden Verschwinden des Kommunismus stehen die liberalen westlichen Demokratien, damals scheinbar die Sieger im Krieg der Systeme, nun vor den Scherben ihres Triumphes. Den beiden großen geopolitischen Herausforderungen, dem sich radikalisierenden Islam im Süden und dem neuen russischen Imperialismus im Osten, stehen sie erschreckend ratlos gegenüber, erscheinen so schwach wie noch nie seit dem Ende des Weltkrieges und müssen sich von ihren Antagonisten als hilflose Weicheier vorführen lassen. Im Islamischen Staat köpfen hasserfüllte Gotteskrieger westliche Staatsbürger vor laufender Kamera, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, während Russlands Präsident Wladimir Putin maliziös höhnt: “Viele euroatlantische Länder (. . .) verleugnen ihre moralischen Prinzipien und alle traditionellen Identitäten: nationale, kulturelle, religiöse und sogar sexuelle. Sie machen eine Politik, die große Familien gleichstellt mit homosexuellen Partnerschaften, den Glauben an Gott mit dem Glauben an den Teufel.”

Dass den westlichen Demokratien, wirtschaftlich immerhin noch doppelt so potent wie Russland und China zusammengenommen, derart wenig Respekt entgegengebracht wird und ihr Einfluss aufs Weltgeschehen entsprechend rapide abnimmt, ist freilich weitgehend eigenem Versagen geschuldet.

Da sind einmal die riesigen Schuldenberge, die der Westen in den vergangenen Jahrzehnten ohne wirklich Not aufgetürmt hat – allein in den USA wurde unter Präsident Barack Obama so viel an Staatsschulden aufgenommen wie unter allen 43 Vorgängern zusammen; in Europa sieht es nicht besser aus, einzelnen EU-Mitgliedern musste der IWF zu Hilfe eilen, als handelte es sich um afrikanische Elendsstaaten. Der Westen taumelt in Wahrheit nahe an der Pleite dahin, was seine Fähigkeit, seine Interessen durchzusetzen, nicht eben stärkt und der Attraktivität des westlichen Gesellschaftssystems wenig dienlich ist.

Damit hängt indirekt zusammen, dass die Fähigkeit westlicher Demokratien, im Notfall militärisch gegen ihre Antagonisten vorzugehen, auch nicht eben sehr robust dimensioniert ist. Von kostspieligen, gescheiterten Engagements in Afghanistan und im Irak zermürbt, von kontraproduktiven Interventionen im vermeintlichen Arabischen Frühling verwirrt, erscheinen EU und USA äußerst unwillig, sich abermals auf Waffengänge einzulassen; selbst dort, wo sie allenfalls wirklich geboten erschienen. Dass Obama Syriens Diktator erst eine rote Linie zeichnete, deren Überschreiten er dann achselzuckend und konsequenzlos zur Kenntnis nahm, war wenig hilfreich. Daher ist fraglich, ob die Nato einer allfälligen militärischen Intervention Russlands im Baltikum nach dem Muster der Ostukraine tatsächlich so militärisch entgegenträte, wie sie das jetzt beteuert. Dass eine deutsche, französische oder US-Regierung ihrer Bevölkerung dies zumuten würde, ist nicht so sicher, was freilich das Ende der Nato bedeutete.

Der Westen hat die Wahl, sich selbst, seine Werte und Interessen wieder robust und glaubwürdig vertreten, auch wenn das in jeder Hinsicht hohe Kosten verursacht – oder der eigenen Marginalisierung achselzuckend zuzusehen. (“WZ”)

10 comments

  1. Thomas Braun

    Die Werte des Westens (Gender, Homo, Umverteilung, Multi-Kulti…) schließen den Wert “Zu seinen Werten stehen” aus. Denn dies würde auch die Werte Rückrat haben, Konsequenzen tragen, implizieren. Also bleibt nur die Marginalisierung des Westens. Ist ja auch die logische Folge solcher westlicher Werte.

    Und das im Beitrag angfeührte Zitat von Putin: Sagt er etwa die Unwahrheit?

  2. Urban Galler

    alle dekadenden, weichgespülten Völker werden irgendwann verachtet und verhöhnt. Beim “entwerteten Westen” ist dieser Zustand schon weit fortgeschritten. Putin hat doch vollkommen recht, dieser gutmenschen -und humanverdummte Westler geht doch seinem Untergang entgegen. Der Sozialismus und Relativismus haben ganze Arbeit geleistet.

  3. Thomas Holzer

    Nicht die “liberalen” westlichen Demokratien haben den “Sieg” über den Kommunismus errungen, sondern “nur” der damals noch rudimentär vorhandene Kapitalismus!
    Und natürlich sagt mit diesem Zitat Putin nicht! die Unwahrheit.
    Die ach so liberalen westlichen Demokratien, respektive deren vulgus populus, also die Mehrheit, haben Gott durch ein “ihr werdet sein wie Gott”, Klimawandel, veggy day Tschänderastentum, Quoten, no to racism und alle anderen (un)möglichen Religionen ersetzt.
    Die Folgen sind tagtäglich sichtbar

  4. Christian Peter

    Es gibt bereits genug westliche Länder, die den Schoßhund für die USA und Washingtoner Interessen spielen, das braucht man nicht zu intensivieren. Mittlerweile weiß so gut wie jeder : Sämtliches militärisches Engagement der jüngeren Geschichte unter Federführung der USA war für die Katze. Überall dort, wo interveniert wurde, herrschen heute weit schlimmere Verhältnisse, als davor.

  5. Rennziege

    Putin höhnt nicht, schon gar nicht maliziös oder respektlos. Er hält dem Westen einen Spiegel vor, der die Ursachen eines erbärmlichen, selbstverschuldeten Niedergangs nüchtern abbildet.

  6. gms

    “Dass Obama Syriens Diktator erst eine rote Linie zeichnete, deren Überschreiten er dann achselzuckend und konsequenzlos zur Kenntnis nahm, war wenig hilfreich.”

    UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon: “If you read the report, you will understand that there are no conclusions on where those rockets were fired from”

    “Syria chemical weapons attack blamed on Assad, but where’s the evidence?” [1]

    Obama legte dem Congress, achselzuckend oder nicht, einen nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Bericht vor (‘classified’), worauf der Congress sich gegen einen Militärschlag aussprach. Hilfreich ist das Honorieren von Fakten, eine Tugend, die auch hinsichtlich MH17 angebracht ist, nachdem unlängst hier im Blog wieder einmal der Abschuß einer Passagiermaschine Putin untergejubelt werden sollte, oder nicht minder lahm “ein neuer russischen Imperialismus”.

    [1] cbsnews.com/news/syria-chemical-weapons-attack-blamed-on-assad-but-wheres-the-evidence/

  7. Selbstdenker

    Das eigentlich Erschütternde daran ist, dass sich hier die Propaganda sogar an der Wahrheit orientieren kann. Putin hat recht, auch wenn seine Ziele dadurch nicht besser werden. Eigentlich weiß es jeder, doch man darf im “freien” Westen nicht offen die Wahrheit aussprechen. Weit haben wir es gebracht.

  8. Rennziege

    6. September 2014 – 11:38 Rennziege
    Ich muss nach ein wenig näherer Befassung mit dem postkommunistischen Russland hinzufügen:
    … Eines [gesamteuropäischen] Niedergangs, den Putin bedauert. Denn er hatte die langfristige islamische Bedrohung Europas (nicht nur durch “seine” Tsvchetschen et al.) schon erkannt, als sich Europas Politiker noch in gutmenschlicher Harmoniesüchtigkeit suhlten. In Europa sah er, schon in der Zeit der großen Zaren und Zarinnen begründet, einen Verbündeten zur Bewahrung abendländischer Kultur, Tradition und Substanz — der unbestritten erfolgreichsten Gesellschaft der Weltgeschichte, ohne deren Humanimport auch die Vereinigten Staaten sich weitaus träger entwickelt hätten.
    Ein im Kommunismus aufgewachsener Mensch wie Putin weiß, was Dekadenz ist. Und dass ein emotional, wirtschaftlich und kulturell erwünschter Verbündeter, der seine liberalen Traditionen einem zeitgeistigen laissez-faire, der Planwirtschaft und der Entmündigung seiner Bürger opfert — das kennt der wettergegerbte und zu einem erneuerten Russland aufbrechende Putin nur allzu gut, als dass er darauf einen Pfifferling (pardon: ein Eierschwammerl) geben würde.
    Also macht er zwangsläufig sein eigenes Ding, als alter Fuchs der Geopolitik wohlwissend, dass den zur Zeit für die Kulisse hyperventilierenden Europäern die wirtschaftliche, hypersoziale und militärische Puste längst ausgegangen ist. Und dass sie eines baldigen Tages heilfroh sein werden, sein Russland an ihrer Seite zu wissen. Allerdiings werden sie dafür zu Kreuze kriechen müssen. Und das haben sie sich redlich verdient.

  9. Karl Markt

    Was für eine Überraschung. Lauter Putin Versteher. Na dann geht halt rüber, wenn es hier so Scheiße ist.

  10. Thomas Braun

    @Karl Markt
    IHR Linken solltet auswandern! Ihr seid diejenigen, die ständig unsere Heimat verschlimmbessern wollen weil es hier so schlecht und ach so sozial ungerecht zugeht.

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