Warum Geld drucken in Europa nicht klappt

(KATHRIN NACHBAUER) Zwischen den USA und Europa bestehen einige Unterschiede, wie jeder, der schon mal Fuß auf den nordamerikanischen Kontinent südlich von Kanada und nördlich von Mexiko gesetzt hat, auf den allerersten Blick erkennen kann.

Dort herrscht einigermaßen wirtschaftliche Freiheit – hier herrscht einigermaßen Sozialismus.

Dort sprechen alle Englisch, fühlen sich als Amerikaner und singen stolz ihre Hymne vor jeder größeren Veranstaltung – hier gibt es viele verschiedene Staaten, mit einer Vielfalt von Sprachen und einer Zurückhaltung beim Singen der Hymnen, insbesondere hierzulande. Zu tief sitzt die Unsicherheit nach den beiden Weltkriegen, wie stolz man auf sein Land sein darf.

Dort ist man immer noch Weltmacht, hat mit dem Dollar die Weltreservewährung, die Wirtschaft wächst und die Arbeitslosigkeit sinkt – hier erstickt die Wirtschaft in Bürokratie, kämpft um ihre Wettbewerbsfähigkeit und droht den Anschluss zu verlieren, nicht zuletzt durch die europäische Regulierungs-  und Geldpolitik. „Euroland ist abgebrannt“ schreibt die Wirtschaftswoche, während fast ganz Europa mit einer permanent steigenden Arbeitslosigkeit kämpft.

Dort werden alle Bundesstaatsschulden einmal im Jahr bei einer der 12 Feds getilgt, es gibt kein Bailout von Bundesstaaten und wenn ein Bundesstaat bankrott geht, muss er eben abspecken und sich sanieren – hier kann man auf ewig Schulden machen, Target 2 ermöglicht grenzenloses Anschreiben beim Steuerzahler anderer Staaten und man lässt weder einen Staat, noch ein Bundesland bankrott gehen, sondern wirft lieber die Notenpresse an, was die Dringlichkeit fürs Reformieren und Sparen sehr relativiert – vornehm ausgedrückt.

Aber warum springt unser Wirtschaftsmotor nicht an, wenn Draghi doch dieselben wundersamen Rezepte zur Geldvermehrung anwendet, wie die USA?

Als die Fed 2008 mit dem groß angelegten Quantitative Easing, also dem Gelddrucken, begann, lagen die Zinsen für 10-jährige Treasuries bei fast 4%. Die langfristigen Zinsen wurden durch das aggressive Programm der Fed auf 1.5% gedrückt. Die Folgen waren, vereinfacht ausgedrückt, vermehrte Aktienkäufe durch die Amerikaner, steigende Häuserpreise durch die niedrigen Hypothekenzinsen und eine deutliche Erhöhung der Nettovermögen der Haushalte. Konsum und Investitionen wurden angekurbelt, das BIP begann deutlich zu wachsen.

In Europa kann das nicht funktionieren, weil die langfristigen Zinsen bereits im Keller sind. Unsere zehnjährigen Staatsanleihen liegen, wie die deutschen, bei zirka 40 Basispunkten, dh 04%. Was will man hier noch drücken?

Draghi und die europäischen Schuldenmacher sollten endlich erkennen, dass sich Europa nicht durch weitere Schulden aus der Schuldenfalle befreien kann.

Freilich, auch die Amerikaner haben gewaltige Schulden. Seit Obamas Amtsantritt sind die Staatschulden um mehr als 70% gestiegen! Als Obama 2009 sein Präsidentenamt antrat, übernahm er die höchste Staatsschuld der USA in Friedenszeiten: 10,6 Billionen Dollar. Kürzlich haben die Staatsschulden die 18-Billionen-Dollar-Marke überschritten. Das ergibt eine Schuldenquote von 103 Prozent. Aber die Amerikaner können die Schulden so lange vor sich hertragen, so lange die Welt Treasuries kauft. Das geht mit dem Dollar als Weltwährung und dem Vertrauen auf den US-Konsum. Wie lange es freilich geht, weiß niemand.

Die langfristig gesündeste und einzig nachhaltige Lösung wäre – und so ehrlich will kaum ein Politiker sein – das Gesundschrumpfen des Staates, ein Zins, der sich am Markt bildet und die Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft, anstelle der Notenbank-gelenkten Politik, die wohl eher die Wohlstandsvermehrung einiger spekulativer Großbanken im Auge hat, als die der Bevölkerung

4 comments

  1. Heinrich Elsigan

    Gut, also ich finde Draghi tat nichts wirklich schlimmes,
    denn nicht nur die USA haben Q&E LTRO und Steigerung der Geldmengen betrieben,
    auch die Schweiz tat dies:
    SNB CHF M1:
    http://www.tradingeconomics.com/embed/?s=switzerlanmonsupm1&d1=20040101&d2=20151231&
    SNB Balance Sheet:
    http://www.tradingeconomics.com/embed/?s=switzerlancenbanbals&d1=20050101&d2=20151231

    Das viel schlimmere Verbrechen liegt meiner Meinung nach nicht bei Draghi, sondern bei den Regierungen, die mitten während der Finanzkrise 2.0 die Steuern und Abgaben deutlich anhoben.
    Wenn in der Krise die Realwirtschaft eh bereits geschwächt ist und strauchelt, da ist es doch Irrsinn die Steuern und Abgaben auf die eh gerade leditierte Realwirtschaft noch zu erhöhen, oder?

    Die €-Zone senkte nur die Steuer für Unternehmen [ http://goo.gl/fzbdTw ],
    aber erhöhte sowohl Einkommensteuer [ http://goo.gl/VaytXC ] als auch Mehrwertsteuer [ http://goo.gl/oPWcHN ] dafür gewaltig! Weiters muss man bedenken, dass trotz der Einführung von Obama Care die Sozialversicherungsabgabe in den USA sehr niedrig ist, siehe:
    http://www.tradingeconomics.com/united-states/social-security-rate

    Was hat also die €uro-Area gemacht?
    Sie hat den Leuten in Arbeit vom Einkommen ordentlich mehr weggenommen und sie hat die Preise für Produkte durch höhere Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer verteuert und damit den ganzen Binnenkonsum innerhalb von Europa in der Krise abgewürgt.

    Die Leistungsbilanz der €-Zone war die ganze Zeit während der Krise kein Problem: http://goo.gl/OPIktZ
    Die Bilanz aller Exporte aus €-Raum zusammen (Waren & Dienstleistungen) nach außen war stets positiv.

  2. gms

    Wollte man man einen Makel in der völlig richtig Darstellung finden, so liegt er darin: “Konsum und Investitionen wurden [in den USA] angekurbelt, das BIP begann deutlich zu wachsen.”

    Was auch immer der Einfluß geldpolitischer Expansion auf die Wirtschaft sein kann, beschränkt sich mittel- und langfristig immer auf eine *Ver*kurbelung mit Fehlanreizen, -allokationen und nachfolgenden Verwerfungen, aus denen einige Wenige als Gewinner (siehe Cantillon-Effekt) hervorgehen. There is no free lunch, denn Wohlstand läßt sich nun mal nicht drucken.

    Zwei weitere Unterschiede zwischen Europa und den USA seien ergänzend genannt: Die Bereitschaft, fallierende Banken abzuwickeln, sowie die Hauptfinanzierungsquellen der Wirtschaft, die jenseits des Atlantiks Private darstellen, hierzulande aber Banken. Aufgedoppelt um regulatorische Bestimmungen führt dies dazu, daß in den USA die Verkurbelung per Notenpresse wenigstens zu Geld in der Wirtschaft führt, das bei uns aber mehrheitlich in Staatshaushalten landet.

    Put simply: Grundfalsch ist auch auch das amerikanische Fiat-Geldwesen, aber einige grundlegende Designfehler hat man dort zumindest vermieden, wonach man heute eben einäugiger König unter Blinden ist.

  3. H.Trickler

    Kein Zweifel dass Draghis Geldschwemme bestenfalls nichts nützt, aber vermutlich in die totale Krise führt.

    Das scheint mir aber überhaupt kein guter Grund, das Finanzgebaren der USA als Vorbild darzustellen. Die Gründe, warum es dort momentan ein bisschen besser geht, sind komplex und nicht ganz klar. Und dass auch die USA, wenn auch als Leitwährung etwas später, unter der Dollarflut leiden werden, ist vorhersehbar.

    Nach uns die Sintflut ^_^

  4. sokrates9

    Solange der Dollar die Leitwährung ist und die ganze Welt ihre Güter gegen gedruckte Mickymousescheine liefert kann es keine Sanierung der Währungen geben!

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