Das Geheimnis des Heerlagers der Heiligen

(CHRISTIAN ORTNER)   Es kommt ja nicht wirklich oft vor, dass ein eher spröde geschriebener, düster gestimmter Roman, für den keinerlei Werbung gemacht wird, über den seit Jahren kaum freundliche (oder auch nur unfreundliche) Rezensionen erscheinen und der in einem eher unbedeutenden Verlag erschienen ist, auf Platz eins einer heimischen Bestsellerliste landet. Schon gar nicht, wenn dieser Roman keine Neuerscheinung ist, sondern bereits 1973 verfasst wurde und seither nur einigen wenigen besonderen Kennern der französischen Literatur geläufig war.

Genau das aber ist unlängst geschehen. “Das Heerlager der Heiligen”, vor 43 Jahren von Jean Raspail geschrieben und heuer erstmals wieder neu aufgelegt, führte jüngst die Bestsellerliste des großen Buchhändlers Thalia an, noch vor Hugo Portisch und der kommentierten Ausgabe von “Mein Kampf”. Das ist insofern bemerkenswert, als der seltsame späte Erfolg des Buches wohl einiges über die Stimmung im Land einerseits und die schwindende Deutungshoheit der herkömmlichen Medien andererseits lehrt.
Die Geschichte, die da in den 1970ern ausgedacht wurde, weckt geradezu groteske Assoziationen an die Gegenwart: Irgendwann machen sich eine Million Arme aus Indien auf 100 rostigen Schiffen auf nach Europa und landen schließlich an der Côte d’Azur, begleitet von einer wohlmeinenden Umerziehungskampagne von Zeitungen und TV; eine rauschhafte “Willkommenskultur” ergreift die Grande Nation. Als das Fernsehen Bilder vom Elend der Zuwanderer zeigt, entdecken “65.742 Lehrer in der selben Sekunde das Arbeitsthema für den Unterricht vom nächsten Tag: ‚Beschreibt das Leben an Bord der Schiffe der unglücklichen Armada. Schreibt, was für Gefühle ihr für sie hegt, wobei ihr zum Beispiel davon ausgeht, dass eine dieser verzweifelten Familien euch um Gastfreundschaft bittet.‘ 7212 Oberschullehrer wollen am folgenden Tag den Unterricht mit einer Aussprache über Rassismus beginnen.” Auch das kommt dem Leser nicht ganz unbekannt vor.

Geradezu prophetisch hat Raspail jenes Personal beschrieben, das man hierzulande seit dem Ausbruch der “Willkommenskultur” so gut kennt: Politiker, die opportunistisch gegen die Interessen ihres Landes handeln, wenn sie sich davon ein Quäntchen Popularität erwarten können; Medienschaffende, die sich zu den Großmogulen der politischen Korrektheit stilisieren; ein paar einsame Zweifler, die überbrüllt werden und schließlich resignieren – und ein Papst aus Südamerika, der im Roman Benedikt XVI. heißt und sich ebenfalls, ganz in der Tradition der Befreiungstheologie, an die Seite der Zuwanderer stellt, die völlig unbewaffnet Frankreich zu überrennen beginnen. Was ein wenig erbauliches Ende nimmt.

Eine Apokalypse, deren Zeit in der Befindlichkeit ziemlich vieler Leser offenbar gekommen zu sein scheint. Sonst wäre das Buch nicht, ohne jede Hilfe von Rezensionen und PR, zum späten Bestseller geworden. Das wurde es ganz offensichtlich fast ausschließlich mit Hilfe der Social Media, die damit die bisher fast nahtlose Kontrolle der herkömmlichen Medien darüber, was gelesen wird und was eher nicht, demoliert haben. Wer als Medium die unangenehme Wirklichkeit ignoriert, den straft das Leben eben. (WZ)

17 comments

  1. Ehrenmitglied der ÖBB

    Es gibt sie doch noch : die SEHER! Man denke an den Film (Roman) “In den Schuhen des Fischers” in dem lange vor der Zeit ein Papst aus dem kommunistischen Reich vorhergesagt wird etc…

  2. Mourawetz

    Amazon hat den Verlag ausgelistet, schon vor 2 Jahren, aus den üblich gewordenen Gründen unserer Zeit. Nach der Pirincci-Vernichtung hat es mir dann endgültig gereicht, ich kauf bei Amazon seitdem nichts mehr. Nur mehr direkt beim Verlag. Den Buchhandel, diesen Vollstrecker der Meinungsüberwachung, brauch ich nicht mehr.

  3. Thomas Holzer

    @Mourawetz
    Früher, natürlich leider auch noch in unseren Tagen, wurden und werden Bücher publikumswirksam verbrannt; im ach so aufgeklärten “Westen” genügt ein konzertierter, inszenierter Empörungssturm, und Bücher werden unter Beifall einfach “ausgelistet”; und manche “agieren” sogar in vorauseilendem Gehorsam.
    Die Art der Zensur unerheblich, Zensur bleibt Zensur

  4. Erich

    Ich habe das “Heerlager” schon Anfang 2015 gelesen und gesehen, wie sich, in leicht veränderter Form, die Ideen von Raspail verwirklichen. Das Ganze war vielleicht auch noch unter dem Eindruck des zunächst demokratisch legitimierten Aufstiegs der nationalen Sozialisten geschrieben.

    Ob der Hauptcharakter typisch für die Mehrheit ist? Der willenlose, faule und eher dumme Säufer und Weiberer, der nur zufällig Arbeit findet, vereinigt mir zu viele negative Seiten. Das erinnert mich an die diversen ORF-Serien und Krimis, in denen solche Typen durch die “Reichen”, die alle negativen Eigenschaften haben, die man sich nur denken kann, personifiziert werden.

    Mir fehlt allerdings ein noch besserer, gezielterer Schluss: vor der Machtübernahme durch den Islam hatten doch 25% der Franzosen “rechts”gerichtet gewählt. Es ist zu Krawallen und Kämpfen gekommen. Was ist mit diesem Bevölkerungsanteil?

    Vielleicht hat sich Raspail nicht getraut, die mögliche Konsequenz eines Bürgerkriegs durchzuspielen. Die wenigen Gegner im faszinierend geschriebenen Schlussteil werden halt von der eigenen Armee liquidiert. Aber könnte es nicht noch andere Widerstandsquellen gegeben haben? Und was ist mit den übrigen europäischen Ländern? Diese werden nur marginal erwähnt aber de fakto völlig ausgeklammert.

    Trotzdem sollte dieses Buch neben “1984” gelesen werden! Aber da wird in den Medien lieber der Hype um das Werk des Gröfaz mit künstlichem Schaudern zelebriert.

  5. Lisa

    Benedikt XVI? der war doch erst Jahrzehnte später?! Und aus Südamerika? Der ist erst heute dran…Ziemlich düster, seine Vision. Unter Schriftstellern gab es schon immer etliche Seher… Jules Verne, George Orwell, Aldous Huxley – um nur die zu nennen, die mir gerade so einfallen. . Oder sich doch lieber in Harry Potter- und Star Wars/Trek-Welten hineinphantasieren, um weiterträumen zu können und erst aufwachen, wenn irgendwelche in- oder ausländische Massen das eigene Haus stürmen? Fragt sich, ob man an Prädestination glaubt oder an Vernunft und Menschenliebe – und an (den) einen Gott, ders schon richten wird oder an ein gnädiges Schicksal… Oder sich schlicht der Bibelworte erinnert “In dieser Welt werdet ihr Leid haben”. Paradiese sind nicht fürs Diesseits. Lesenswert auch von Raspail: http://jeanraspail.free.fr/divers18.htm (Französisch)

  6. Erich

    Soeben einen gut geschriebenen Bericht gefunden:
    https://www.facebook.com/raphaele.lindemann/posts/1129635500380936?fref=nf

    Falls der Link nicht funktioniert, hier ein paar Auszüge, die für den Artikel so typisch sind:
    “Nach nun fast vier Wochen im Erstaufnahmelager, finde ich endlich mal die Zeit ein paar Zeilen zur wirklichen Situation vor Ort zu schreiben und diese in Absprache mit der Camp-Leitung hier zu veröffentlichen… Diese Menschen kommen in einem absolut desolaten und erbarmungswürdigen Zustand hier an. Sicher wird es manchen erstaunen, dass es sich nicht zu 90% um junge, gesunde Männer handelt. Das hat das Wanken der Nachzugsreglung erfolgreich zum Schlechteren gewendet. Ich sehe pro Schicht etwa 300-500 Flüchtlinge. Mindestens 40% davon sind KINDER!…Ich höre hier im Lager durchgehend weinende Kinder. Und ich weiß, dass sie dann halt vor unseren Grenzen weinen würden. Würden wir damit unsere Zivilisation retten?…Durch ihr „wir schaffen das“ hatte ich zum ersten Mal so was wie Respekt und Anerkennung für die Kanzlerin übrig. Weil sie ohne mit der Wimper zu zucken ihre politische Karriere riskiert hat, um eben jene Menschen nicht vor unseren Grenzen krepieren zu lassen…Ich möchte nicht „so was“ wie in Köln gutheißen und bin sehr wohl für Sicherheit und Ordnung und eine härtere Bestrafung bei Gewaltdelikten jeglicher Couleur….Und genau jetzt hat ein weltweiter Exodus begonnen, der ohne jedes Anwerben den wichtigsten Zukunftsrohstoff überhaupt zu hunderttausenden in unser Land schwemmt: Menschen im erwerbs- und zeugungsfähigen Alter….Letzte Nacht hatten wir unter vielen, vielen anderen Einzelschicksalen eine junge Schwangere im Lager, die keine Kindsbewegungen mehr gespürt hat. Sie sorgte sich, dass durch das lange Treiben im Mittelmeer – nachdem der Schleuserkutter gekentert war – nun auch ihr letztes Kind gestorben sei. Ihre zwei anderen Kinder sind bereits auf der Flucht im Meer ertrunken weil sie keine Kraft mehr hatte….So eine Sozialschmarotzerin aber auch!
    Menschen leiden und sterben. Jetzt. Und wir können das verhindern. Wir schaffen das”

    Mein Kommentar im F-book: >Sie lasen einen Bericht aus dem Kanzlerin-Hauptquartier<. Ich bin halt ein Böser.

  7. Falke

    In diesem Zusammenhang ist auch das Buch “Unterwerfung” von Michel Houellebecq absolut lesenswert – ein durchaus mögliches Szenario im Frankreich des Jahres 2022.

  8. Lisa

    @mourawetz: Wenn Sie Französisch können: das Buch gibts auch im Netz als pdf. “le Camp des Saints”
    @Erich. ich hatte den Bericht auch im Netz gelesen. Dazu sit zu bemerken, dass er als Arzt natürlich die Bedauernswertesten und Verletztesten und Kränksten trifft und nicht die gewaltbereiten Horden junger Männer. Ein Kinderarzt wird auch behaupten, die Kinder seine heute viel kränker als früher – er hats ja kaum mal mit gesundern zu tun!

  9. Fragolin

    @Erich
    Dass erst seine geliebte Kanzleuse mit ihren sirenenhaften Verlockungen von Geld und Haus und Rundumversorgung diese Frau und diese Kinder auf das Mittelmeer hinausgetrieben hat, wird dabei ausgeblendet. Dass fast alle Schlepperkähne von den Schleppern selbst versenkt werden, sobald ein Schiff der Küstenwache in Sichtweite kommt, weil sie dann laut int. Seerecht gerettet werden müssen, ebenso.
    Nochmal: diese Menschen müssen, wenn sie in der Türkei sind, vor nichts mehr flüchten. Der ganze Balkan-Triathlon Marke “Iron Refugee” ist ein widerliches menschenverachtendes Schauspiel der oberen Zehntausend, die damit einen für sie unterhaltsamen Weg gefunden haben, genau jene medialen Keulen geliefert zu bekommen, mit denen sie jede Kritik an ihrer Invasions- und Volksvernichtungspolitik niederknüppeln können.
    Und solche Propaganda-Postings, von den Medien dankbar aufgenommen, liefern dann das zusätzliche Futter für die sedierte ZIB-Gemeinde…

  10. sokrates9

    Asiaten und Osteuropäische Flüchtlinge wie die Ungarn mit Moslems zu vergleichen geht leider nicht! es hat leider einen Grund dass von ca 800 Nobelpreisträgern so ca 6 – 10 – genaue Zahlen bitte googeln! Moslems sind! Und diese Nobelpreise wurden in Literatur / Frieden verliehen! Somit ist das mit dem gewaltigen intellektuellen Potential sehr wohl zu hinterfragen!

  11. Wanderer

    Das sind großartige 414 Seiten. Von Merkel bis Orban findet man alle aktuellen Akteure wieder. Unsere Willkommenspolitiker dürften sich bei der Vorbereitung ihrer Aussagen fast im Wortlaut an Raspail gehalten haben. Ich habe mir im Text jene Abschnitte markiert, deren Inhalte gegenwärtig bereits eingetreten sind. Das Resultat ist besorgniserregend!

  12. astuga

    Eine Million Inder?
    Da wären wenigstens Hindus, Jains und Sikhs dabei, oder würden die Mehrzahl stellen.

    Aber Muslime…

  13. Thomas Holzer

    @astuga
    Leider schlagen sich auch in unseren Zeiten Hindus und Sikhs in größerer Zahl die Köpfe ein, zumindest in Indien

  14. gms

    Die Neuauflage von ‘Heerlager der Heiligen’ überzeugt durch vielerlei Umstände, last not least durch die nunmehrige Übersetzung ins Deutsche von Martin Lichtmesz [1], der wie wenige andere Publizisten frühzeitig die Relevanz dieser Schrift erkannte und vor Jahren schon Jean Raspail kontaktierte, mit dessen enger Abstimmung die Übersetzung dann erfolgte.

    Wer sich flankierendes Material gönnen möchte, dem sei ‘Das Philosophische Quartett |2006| Demographie als Schicksal – Das Drama der Geburtenraten’ nahegelegt [1]. Daß dabei Gunnar Heinsohn vor neun Jahren schon knockentrocken zutreffende Vorhersagen für 2015 und danach tätigte, ließ ihn prophetisch hinter Raspail nicht weit zurückstehen.

    [1] sezession.de/autoren/lichtmesz
    [2] youtube.com/watch?v=kZRnuHeqQjw

  15. Wanderer

    @gms
    Zu diesen wenigen zählt auch A. Mölzer, der schon vor Jahren die 1985er Übersetzung mehrmals thematisiert hat.

  16. gms

    Wanderer,

    [A.Mölzer] — Stimmt. Wollte man weitläufiger spekulieren, so scheinen Sozialisten und Konservative den historisch größeren Horizont zu haben, während rezenten Liberalen der geschichtliche Blick nach vorne eher fehlt. So sie ihn doch haben, bleibt der Fokus der Kritik auf dem aktuell Falschen, dem gegenwärtigen Prinzipienbruch, ohne dabei zugleich wirksam deren Folgen zu veranschaulichen.

    Gunnar Heinsohn tat dies bei anderen Gelegenheiten recht geschickt, indem er unaufgeregt die sozioökonomischen Folgen der Masseneinwanderung darlegte, mit dem Nachwort, eine derart infiltrierte Gesellschaft würde daraufhin nicht aufhören zu existieren, das Leben ginge weiter, bloß anders, und wenn solche Zustände politisch gewollt seien, so soll man sie auch offen kommuniziert anstreben.

  17. Astrid G.

    @Mourawetz
    Ich habe das Buch vor ein paar Monaten bei amazon.de gekauft und auf dem Kindle. Hat sich offenbar etwas geaendert seit Ihrer Erfahrung (wenn amazon es in der Zwischenzeit ausgelistet haette waere es auch von meinem Kindle geloescht worden durch amazon)

    Heinsohn-Lektuere, oder auch ihn zu hoeren (youtube) ist sehr empfehlenswert. Er nimmt sich des Themas sehr ehrlich und klug an.

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