Je suis Zynismus

Von | 27. März 2016

(CHRISTIAN ORTNER) Wenn wieder einmal, wie diese Woche in Brüssel, muslimische Terroristen ein Blutbad unter den Kufar anrichten, dann wird eine mittlerweile recht routinierte Betroffenheitsmaschine angeworfen. In die zahllosen “Je sui . . .”-Motivbildchen muss bloß noch der jeweilige Ort des Geschehens eingetragen werden, Facebook bietet die jeweiligen Nationalfarben als müheloses Bekenntnis-Tool an, und sämtliche Politiker schalten tapfer in den “Wir lassen uns unsere Werte nicht von denen nehmen”-Modus um.

Das war’s dann, bis zum nächsten Mal. Die Bekenntnisrituale westlicher Staatsspitzen gewönnen freilich deutlich an Glaubwürdigkeit, kuschelten sie nicht mit zunehmender Intensität mit genau jenen Regimes, die mehr oder weniger direkt zu den Paten jenes Terrors gezählt werden können. So gilt etwa die große Moschee von Brüssel nicht eben als Zentrum der Deradikalisierung junger muslimischer Männer mit erhöhtem Jungfrauen-Bedarf. Ganz im Gegenteil: “Saudische Imame verbreiten von dieser Moschee aus die Lehre des Wahhabismus. Diese ultraorthodoxe Form des Islams ist ein Nährboden für Radikalisierung”, meint die belgische Parlamentarierin Yamila Idrissi.

Finanziert wird dieser Inkubator des Dschihadismus seit Jahrzehnten von Saudi-Arabien, ohne dass je einer der belgischen Betroffenheitspolitiker dem Spuk robust ein Ende gesetzt hätte. Der Grund ist simpel: Saudi-Arabien ist ein wichtiger Markt für westliche Produkte und ein geostrategischer Verbündeter des Westens. Da wird man doch wohl in Brüssel ein kleines Terrornest bezahlen dürfen.

Auch das Bekenntnis der französischen Eliten zu den unverhandelbaren Werten des Westens leidet ein wenig unter dem prostituiertenhaften Gehabe der abgetakelten Grande Nation gegenüber dem stinkreichen Gas-Scheichtum Katar. Dort ist zwar Sklavenarbeit an der Tagesordnung, werden Schwule ausgepeitscht und spricht sogar die US-Regierung von einem Hotspot der Terrorfinanzierung – aber dafür springt Katar immer gerne und großzügig ein, wenn die Regierung in Paris wieder einmal klamm ist. Dass keine französische Regierung angesichts dieser delikaten Gemengelage einen allzu indiskreten Blick auf die Terror-Connections der Kataris wirft, erstaunt nicht wirklich.

Einem nicht unähnlichen Muster folgen ja auch die jüngsten Zugeständnisse der EU gegenüber der Türkei. Nur dass es in diesem Fall nicht um Geld geht, sondern um den Job des Türstehers, den Ankara für Berlin erledigen soll. Dass einer jüngst veröffentlichten Umfrage zufolge 20 Prozent der Türken religiöse Gewalt, wie sie der IS ausübt, für ganz okay halten, hindert die EU nicht, diese Leute in Zukunft unbürokratisch und visumfrei nach Europa einreisen zu lassen. Das wird sicher ein enormer Beitrag zur Bekämpfung des Terrors werden.

Wir haben es letztlich mit immer neuen Variationen des immer gleichen Problems zu tun: Ein ökonomisch, aber auch habituell immer schwächeres Europa ist immer stärker auf die Hilfe derartiger Regimes angewiesen, um weiter in seiner Komfort-Illusion leben zu können, eine Zeit lang noch. Und beim nächsten Terroranschlag kann man ja wieder seine Betroffenheit raushängen lassen. (WZ)

10 Gedanken zu „Je suis Zynismus

  1. sokrates

    Finde es liegt an dieser absolut rueckgradlosen Politikergeneration die derzeit an der Macht ist und deren einziges Ziel eigentlich nur im persoenlichen Machterhalt (ob fremdbestimmt oder nicht) liegt.
    Belgien und Frankreich wuerden auch ohne Katar und Saudiarabien ueberleben Merkel koennte mit Unterscheidug Wirtschaftsfluechtlinge / Kriegsfluechtlinge mit der Mehrheit der Bevoelkerung im Ruecken innerhalbkurzer Zeit Erdogan den Stinkefinger zeigen…

  2. Erich

    Leider aktuell: Pater Thomas am Karfreitag gekreuzigt!!
    http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/chronik/sn/artikel/pater-thomas-im-jemen-gekreuzigt-189366/

    Ist 1) weit weg und hat 2) wahrscheinlich nichts mit dem wahren Islam zu tun, sodass wir 3) weder Kerzerln anzünden, noch 4) Menschenketten bilden müssen sowie 5) die bösen Rechtsradikalen das nicht gegen die unschuldigen 1,5 Millionen Migranten verwenden können. Nur Papst Franziskus wird wohl für den armen Pater beten und UNS nochmals zu mehr Toleranz und Liebe aufrufen.

  3. carambolage

    Danke @ Erich für den Link.
    Bin so empört über diese Mörder, kann das zimmerrein gar nicht ausdrücken.

  4. Der Realist

    dieser Betroffenheitswettlauf geht mir schon seit geraumer Zeit auf die Nerven, und die Pflichtübung der Politiker, solche Anschläge zu verurteilen, ist so notwendig wie ein Kropf.

  5. Mourawetz

    20 Prozent der Türken finden Gewalt im Namen der Religion für ganz ok. Geben das in einem Interview zu Protokoll. Denken sich die nichts dabei? Wieviele sind wohl bei den restlichen 80 Prozent, die irgendwie ahnen, dass jemand im Westen daran vielleicht Anstoß nehmen könnte. Und wie sähe gleiche Umfrage im fundamentalistischen Saudi-Arabien aus?

  6. Falke

    Nach jedem Terrorangriff erleben wir die gleiche Zeremonie: Spitzenpolitiker versammeln sich zur gemeinsamen Trauer, setzen die übliche Betroffenheitsmaske auf, dabei ist immer auch der unvermeidliche Küsserkönig Junker, der die betroffen dreinschauenden Politiker reihenweise abbusselt, aber natürlich nicht die wahrhaft Betroffenen, nämlich die Angehörigen der Opfer (wobei ich nicht glaube, dass sich diese einen Junker-Kuss überhaupt wünschen). Dann die üblichen Blumen, Kerzen und Kränze am Ort des Attentats; nun würde man annehmen, dass die Politiker anschließend alles tun, um weitere derartige Terroraktionen zu verhindern. Aber weit gefehlt! Deren einzige Sorge ist der “Kampf” gegen die nach derartigen Attentaten stärker aufkommende ” “Islamophobie” und den “Rechtspopulismus”. Bis zum nächsten Attentat; dann beginnt der oben beschriebene Ablauf wieder von vorne.

  7. Mona Rieboldt

    Nun haben ja die katholischen Bischöfe zu Ostern verkündet, wir sollten den Terroristen “mit Liebe begegnen” und nicht mit Hass.
    Der Priester im Jemen hat da die moslemische Realität erlebt.

    Die Katholiken sind nicht in der Lage, sich mit anderen christlichen Religionen wie Evangelische und die orthoxe Kirche im Osten zu verbünden. Aber sie werfen sich geradezu an den Islam heran und unterstützen da Moscheebauten, dass in manchen Städten von der Moschee gebrüllt werden darf etc. Man muss sich schon fragen, sind diese Bischöfe noch ganz bei Verstand.

  8. Der Realist

    @Mona Rieboldt
    diese sogenannten “Brückenbauer” waren mir schon immer sehr suspekt, sind wohl eher dem Zeitgeist und linker Ideologie angepasst, viele Bischöfe brauchen ihren Stab ja nur um aufrecht gehen zu können. Vielfach wird ein Besuch in einer Moschee als wichtiger angesehen, als sich um das Wohl der eigenen Schäfchen zu kümmern.

  9. mariuslupus

    “Unverhandelbare Werte des Westens”, dazu fällt mir ein hier abgedruckter Spruch ein: ” Those are my principles and if you don`t like them……well, I have others” Zitat nach Karl Marx Das Kapital S. 518.
    So standfest und tapfer begegnen die charakterfesten europäischen Eliten den Verlockungen aus dem Morgenland. Unisono tönt es aus Brüssel und Berlin bis hier und nicht weiter. Und Erdogan erblasst, kriegt zittrige Knie.
    Nicht unterschätzt im Kampf für europäische Werte ist die Appeasment Anpassungs Fähigkeit des Pontifex. Kniet vor Flüchtlingen, sendet liebliche Botschaften and die lieben Muftis, bedauert die Islamisten. Ein paar tausend Christen die ermordet werden, sind nicht Wert sie zu erwähnen. Pius XII wurde gegeiselt für seine angebliche Versäumnisse die Verfolgten zu schützen. Allerdings befindet sich der aktuelle Papst der die verfolgten Christen nicht erwähnt, in einer komfortablen Situation, nicht zu vergleichen mit der Situation, in der Pacelli war.
    PS Entschuldigung, falsch zitiert. War halt ein anderer Marx.

  10. aneagle

    und die EU? -die schaut zu!
    Seit langem weiss man um Belgien, den failed State im Zentrum der EU. Seit langem macht man: genau nichts! Wie bei allen anderen EU “Krisen”
    Europa wird an Krisen und Staatsversagen als bussines as usual gewöhnt. Die heutigen, im Staatsversagen erfahrenen Politiker der Einzelstaaten stehen bereit, Kompetenzen an den Zentralstaat abzugeben. Als wäre zentrales Staatsversagen weniger folgenreich als lokales. Was für ein Irrsinn! Welch hidden Agenda!
    Längst ist die EU nicht mehr Vorbild sondern Abbild Belgiens. Hat die Konversion schon gewonnen? Kann ein liberaler Europäer in der EU noch etwas bewirken?

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