Bombenleger, bestens integriert

Von | 9. April 2016

(Christian Ortner) Einen kleinen, aber aufschlussreichen Blick in das Weltbild der Obama-Administration gewährte uns jüngst eher unfreiwillig eine Sprecherin des US-Außenministeriums. Der Krieg gegen den “Islamischen Staat”, so erläuterte Marie Harf vom Washingtoner “State Departement” in einem TV-Interview, könne nicht ausschließlich militärisch gewonnen werden, sondern nur, indem dessen Wurzeln und Ursachen angegangen würden, “etwa ein Mangel an Jobs”.

Die Dame steht damit fest in der Tradition amerikanischer Außenpolitik, religiösen Terror nicht als religiösen Terror zu verstehen. Schon Bill Clinton hatte ja als Präsident in Bezug auf die Mordkampagne der Islamisten von Boko Haram gemeint, “Ungleichheit und Armut” würden “all das Zeugs schüren”. Joblosigkeit und andere soziale Miseren als Entstehungsursache von Terror und Selbstmordkommandos – das ist eine These, die seit den Anschlägen von Brüssel wieder recht populär geworden ist. “So ist die Jugend fast aller uns bisher bekannter Attentäter durch Abrutschen in Kleinkriminalität, oft verbunden mit Drogenmissbrauch, durch häufige Arbeitslosigkeit und natürlich durch soziale Diskriminierung gekennzeichnet”, diagnostizierte etwa Peter Michael Lingens im “profil”.

Klingt nicht unplausibel, ist aber wissenschaftlich nicht im Geringsten nachvollziehbar. Ganz im Gegenteil. In der bisher vermutlich größten Studie über den Zusammenhang von Terrorismus und sozialen Problemen kam der (politisch eher linksstehende) Princeton-Professor Alan Krueger schon vor einigen Jahren zum Schluss: “Jede Verbindung zwischen Armut, Ausbildung und Terrorismus ist indirekt und vermutlich nur schwach.” Das zeigte sich auch bei den Attentaten von Paris und Brüssel. Der in Paris getötete Terrorist Abdelhamid Abaaoud etwa wurde von seinen Eltern auf eine besonders renommierte Schule im feinen Brüsseler Stadtteil Uccle geschickt, wo ihn Kommilitonen als gut integrierten Schüler beschrieben, der sich mit allen verstanden, mit einigen Jungen Fußball gespielt und Stimmung in die Klasse gebracht habe. Sein Terror-Kollege Sallah Abdeslam wiederum war bis 2011 bei den Brüsseler Verkehrsbetrieben “STIB” als Mechaniker beschäftigt, ein guter Job, den er erst verlor, weil er immer öfter unbegründet nicht an seinem Arbeitsplatz erschien.
Dass Terroristen, entgegen dem nun populären Klischee, nicht aus Not der Radikalisierung anheimfallen, belegt eine mittlerweile umfangreiche Liste von einschlägigen Tätern: etwa die Tsarnaev-Brüder (Anschlag auf den Boston-Marathon), Syed Farook (San-Bernardino-Killer) oder Bilal Abdullah, jener britische muslimische Arzt, der den Flughafen Glasgow sprengen wollte. Genauso wie bei den 9/11-Tätern haben wir es immer wieder mit bestens integrierten Personen zu tun, die weder unter einem Mangel an Lebenschancen leiden noch sonst irgendwie unter jener “sozialen Diskriminierung”, die nicht nur Lingens als (mit-)ursächlich für die Entscheidung sieht, einen Sprengstoffgürtel umzuschnallen.

Hier geht es deshalb nicht um Integration, hier geht es um Religion und Ideologie. Nicht westliche Abneigung gegen den Islam, sondern die Abneigung des Islam gegen den westlichen “Way of Life” und seine philosophischen Fundamente sind eine Wurzel des Terrors. So wichtig die Integration von in Europa lebenden Muslimen ist, so wenig ist sie geeignet, das Problem Terror zu lösen.

9 Gedanken zu „Bombenleger, bestens integriert

  1. Fragolin

    Verfehlte Kolonialpolitik, brutale Kriege gegen die Völker, Zerstörung der Infrastruktur, Unterstützung aggressiver Ideologien durch westliche Staaten führen zwangsläufig zu Terror.
    Das weiß doch jedes Kind.
    Man denke nur an die zigtausenden Toten durch die brutalen Terroranschläge der Vietnamesen in Frankreich und den USA.
    Und ganz Deutschland zittert vor Angst, immerhin leben über 100.000 Vietnamesen dort.
    Ach, den vietnamesischen Terror gibt es gar nicht? Dann muss ich meine Aussage revidieren. Es weiß doch nicht jedes Kind. Vietnamesischen Kindern zum Beispiel hat es scheinbar keiner beigebracht…

  2. Goetz

    Der Islam in seiner derzeitigen Auslegung ist spätestens seit dem Sechstagekrieg 1967, mit der “Zerschlagung” der panarabischen Idee von einer Religion im Lauf der Zeit zur Ideologie geworden. Indoktrinierte Ideologen kannn man zwar in den Alltag integrieren, jedoch ihre Weltanschauung nicht beeinflussen. Integration im Sinne von Eingliederung in unsere Kultur wird daher niemals gelingen.

  3. Falke

    Die allseits bekannte Schnapsdrossel und Ex-Bischöfin Margot Käßmann, die ja inzwischen ganz auf die islamische Seite hinübergewechselt ist, hat ja das richtige Rezept für den Umgang mit den Terroristen: Man müsse mit dem IS freundlich und mitfühlend reden, dann wird alles gut.

  4. Christian Peter

    ‘Hier geht es nicht um Integration, sondern um Religion und Ideologie’

    Auf jeden Fall. Die Opfer – Theorie ist doch nur ein plumper Versuch der Linken, um Mitleid oder gar Verständnis für Terroristen zu erheischen. Das entspricht voll und ganz der linken Ideologie : Straftäter sind niemals verantwortlich für ihre Taten, sondern stets tragische Opfer ihrer Lebensumstände.

  5. Fragolin

    @Christian Peter
    Doch, eine Ausnahme gibt es: Bei Straftaten gegen das Verbotsgesetz. Das ist immer und grundsätzlich tiefste individuelle Schuld und mit Höchststrafe zu ahnden…

  6. astuga

    Mitglieder der Muslim-Bruderschaft (Ikwahn al-Muslimun) mit guten Kontakten zum Weißen Haus.
    http://i63.tinypic.com/15zp0g5.jpg

    Die Kooperation zwischen der Muslimbruderschaft und div. US-Regierungen geht bis auf die Frühzeit des Kalten Krieges zurück.
    Und die Kooperation mit Islamisten in Deutschland bis auf die Nazi-Zeit (Buch: Eine Moschee in Deutschland, Stefan Meining).

  7. perry

    @goetz
    der islam war von anfang an religion und ideologie, wie die die taten seines edlen begründers ja belegen. gewalt und intoleranz sind unveräußerliche bestandteile dieser “religion”, weshalb wir auch gar nicht die bezeichnung “islamismus” für besonders scheußliche auswüchse bemühen müssen.

  8. Johannes

    Ein Peter M. Lingens wird das glauben was er schreibt. Die Fakten wie oben angeführt wiederlegen seine Meinung, natürlich werden sich in der Vielzahl der mittlerweile begangenen Terroranschläge auch Personen finden die seine Vorstellungen entsprechen. Ganz interessant das die jetzt gefassten Terroristen, sich ihre nützlichen Idioten direkt vom Bahnhof in Budabest abholten und nach Paris und Brüssel chauffierten wo sie sich dann aus Dankbarkeit in die Luft sprengten. Diese Terroristen hatten gar keine Zeit Ungleichheit und Armut abzuwarten, einziges Ziel ihrer Einreise war so viele unschuldige Menschen wie möglich in den Tod zu reißen.
    Ich fürchte auch Menschen wie Lingens werden erst dann vollkommen fassungslos vor neuen Realitäten stehen wenn es zu spät ist. Es ist für viele Menschen verdammt schwer ihr Weltbild kritisch zu hinterfragen solange es einem nicht direkt betrifft ist es eigentlich auch nicht real passiert. Das Anwachsen einer Bevölkerungsgruppe mit klaren undemokratischen Ansichten ist kein Problem solange sich die Veränderung nicht zeigt. Wenn sie sich zeigt liebe Verharmloser ist es vorbei dann habt ihr schon verloren und mit euch all jene die gewarnt haben und dafür von euch mit allen linken Methoden die es gibt geprügelt wurden.

  9. aneagle

    Studien, wie sehr Armut und Bildungsmangel den Terrorismus fördern, gibt es zum Abwinken. Beweise wie falsch diese, sichtlich durch keinen Beweis widerlegbare Ansicht ist, gibt es in Deutschland spätestens durch die RAF, respektive durch Figuren wie Kohn-Bendit und Christian Ströbele
    Wovon wenig die Rede ist, sind Untersuchungen über die Auswirkungen von verschiedenen Lebensentwürfen anhand der jeweils überlieferten mitverantwortlichen Kultur und den Werten, die ein Mensch durch seine soziale Umgebung, Ausbildung (Indoktrinierung?) etc. mitbekommt.
    Warum hat eine massive Einschränkung der persönlichen Freiheiten z.B. durch ein Leben im strenggläubigen Islam ein Mehr an Depressionen, Aggressionen und schlimmeren geistigen Verwirrtheitszuständen bis hin zur manifesten Geisteskrankheit zur Folge, als eine ebenso enge strenge und arme Existenz in der Mitte der chinesischen Minderheit? Man hört in Europa relativ wenig über die Selbstmordattentate von bettelarmen bis zum Umfallen arbeitenden Asiaten, frommen Juden und ebensolchen Christen. Scheinbar legt ihnen ihr hartes Los und ihre Ansichten die Sprengung von Unbeteiligten nicht als erstrebenswertes Ziel nahe.
    Das heißt aber im Umkehrschluss, man kann sein Schicksal auch ohne gewaltsame Destruktion aushalten, sofern man nicht die falschen Ziele hat.
    Es hat also, horribile dictu, doch etwas mit dem Islam zu tun ! Sarrazin hat einfach recht.
    Das würde schon drei Tatsachen erklären:
    1.) Warum egal wo etwas passiert, sofort ein ungebetener Haufen Gutmenschen auf der Matte stehen, die sich beeilen, jedem, der es hören will oder auch nicht, zweifelsfrei zu erklären, das hätte nichts mit dem Islam zu tun, leider aber für das warum nicht, keine Erklärung bieten können.
    2.) Dass in diesem Haufen Feministinnen sonder Zahl sind, die zu den verübten Gewalttaten, die ihrem existentiellen Selbstzweck entschieden entgegen stehen, nur dröhnend schweigen.
    3.) Dass natürlich viele Moslems keine Terroristen, aber fast alle Terroristen Moslems sind.

    Fazit. Solange diese drei Ansätze nicht widerlegt sind, hat es sehr wohl mit dem Islam zu tun.

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