Der rote Suizid

(von Jürgen POCK) Ein Blick auf den aktuellen Befund informiert über den Zustand der Patientin: Die Betroffene leidet an einem geringen Selbstwertgefühl, Gefühlsschwankungen und starker Abneigung gegen sich selbst. Der tiefe Eigenhass reicht von Selbstzerstörung und Verstümmelung bis hin zu Suizidversuchen. Therapien erweisen sich als schwierig bis unwirksam. Diagnose: Akute Persönlichkeitsstörung. Patient: Die Sozialdemokratie.
Die fatale Lust der Altpartei an Selbstzerstörung und Suizid ist historisch gewachsen und gekennzeichnet durch Ignoranz gegenüber allen politischen Warnzeichen, die den sozialdemokratischen Tiefflug seit langem ankündigen und der im Zuge der Präsidentschaftswahl letztlich im Totalabsturz kulminieren wird. An der Spitze dieser Demontage von innen steht Parteichef Werner Faymann, der sich seit geraumer Zeit nur mehr mit den Gehhilfen des Gewerkschaftsbundes auf den Beinen halten kann. Der Schwenk vom Willkommensklatscher hin zum Schutzpatron der heimischen Bevölkerung kurz vor Beginn des Wahlkampfes, entblößt einmal mehr einen weiteren verzweifelten Versuch, die verbliebenen Futtertröge für seine Genossen in Reichweite zu halten.
Der Weg des großen Scheiterns ist lange geebnet, bloß das Ziel scheint über mehrere Irrwege erreichbar: Von Selbstgefälligkeit aufgebläht, von Partikularinteressen zerrissen und von individuellen Eitelkeiten zerfressen, flüchten sich die SPÖ-Parteioberen in ihr frustriertes Ego und suchen ihr Heil nun in einer innerparteilichen Fehde. Die Wiener Willkommensneurotiker rund um die Sozialstadträtin Sonja Wehsely und ihre politisch korrekten Gender-Getreuen stellen sich gegen Faymann und seinen linken Bruder im Geiste, Michael Häupl, und fordern eine Rückkehr zur Gutmenschengesinnung. Die unendliche Polit-Farce der Sozialdemokratie gipfelt nun im eigenen Zerfall und wird begleitet von der üblichen Unfähigkeit zur Reflexion und der Begrenztheit ihres Horizonts.
Die sozialdemokratische Störung manifestiert sich auch in der SPÖ-Kandidatur für das Bundespräsidentenamt. Just jene Verkörperung von Präpotenz und Einfältigkeit, erstarkt durch Parteibuch und Proporz, Rudolf Hundstorfer, welcher als ehemaliges Regierungsmitglied mitverantwortlich für die politische Misere im Land ist, wird von der SPÖ in den Wahlkampf geschickt. Vergessen seine Inkompetenz als Minister, vergessen der Scherbenhaufen sozialistischer Politik, den er zurückgelassen hat. Wegräumen und sauber machen müssen die anderen, Kandidat Hundstorfer versucht indes, die unvermeidliche SPÖ-Ablöse in der Hofburg zu verhindern. Betont überheblich und affektiert präsentiert er sich auch im Wahlkampf, der, angesichts der Horrorzahlen in Umfragen, symptomatisch für die Sozialdemokratische Partei, ums Überleben kämpft.
Der Niedergang der Sozialdemokratie kennt indes keine Grenzen. Die SPÖ steht mit ihrem Elend in Europa nicht alleine da. Von Schweden bis Spanien siecht die Genossenschaft dahin und hängt an den letzten dünnen Seilen ihres auf Machterhalt konditionierten Parteiapparates. Betäubt und gelähmt hangelt man sich von einer Wahlschlappe zur nächsten. Demütigende Wahlergebnisse werden mit Hilfe von Worthülsen relativiert, Machterhalt mit allen Mitteln.
Zu lange hat der Staat unter der sozialdemokratischen Persönlichkeitsstörung  gelitten. Das System schreit nach Befreiung von diesen Fesseln. Hilfe kommt dabei von der Sozialdemokratie selbst: Sie rinnt nach diversen Suizidversuchen bereits nach allen Seiten aus. Man darf sich also lustvoll an ihrem politischen Exodus ergötzen.

10 comments

  1. astuga

    Dieses rote Schwächeln ist doch bloß ein Übergangsphänomen.
    In Deutschland wie in Österreich.

    Die gerade zu Hunderttausenden neu importieren Wählerschichten (samt Familiennachzug) wissen schon, bei wem sie in einigen Jahren ihr Kreuzerl machen werden.
    Und die Partei weiß, was sie versprechen muss.
    Also mittelfristig – langfristig braucht es dann gar keine demokratischen Parteien mehr, eine einzige islamische reicht.

  2. Thomas Holzer

    Nachdem ÖVP, NEOS, Grüne, TS, FPÖ sozialistische und etatistische Positionen der SPÖ übernommen und geradezu verschärft haben, weint der SPÖ niemand eine Träne nach, da ja der Sozialismus und Etatismus weiter zumindest existiert, wenn nicht gar ausgebaut wird

  3. sokrates9

    Astuga@ Glaube dass schon mittelfristig islamische Parteien entstehen werden! Somit geht auch hier die Taktik der SPÖ durch Wählerimport Stimmen zu erhalten nicht auf!

  4. Reini

    Mit neuen Schulden kann eine jede Partei Sozialistisch glänzen und sich die Wählerstimmen erkaufen, damit sich Politiker ihren Posten festigen, …
    bin schon gespannt wenn die Überschuldung eintrifft, ihre lieben roten Beamten entlassen müssen, die Arbeitslosigkeit steigt, harte Einsparungen vorgenommen werden, die Gewerkschaften Kopf stehen, usw,…

    Wird noch interessant wie weit “Rechts” sich die SPÖ hinauslehnt, bzw. hinauslehnen muss um dabei zu bleiben???

  5. Alexandra Bader

    Man kann Vorgänge in der SPÖ nur dann verstehen, wenn man die Verbandelung der “refugees welcome”-Roten mit den Grünen, der “Zivilgesellschaft” und allen, die auch in den Medien diese Linie vertreten berücksichtigt. Was zB Wehsely tut und sagt, ist weder links noch feministisch; sie erinnert mich eher an den Film “Die Frauen von Stepford” und spricht für Andreas Schieder. Zugleich ist die SPÖ Burgenland nicht rechts, auch wenn der ORF Hans Niessl in der Anmoderation zur gestrigen ZIB 2 als “rechten Roten”, der in der Partei “immer mehr Einfluss gewinnt” bezeichnet hat. Hierzu siehe https://alexandrabader.wordpress.com/2016/04/18/spoe-richtungsentscheidung-steht-bevor/ und zu den Parteitagen in Wien und im Burgenland https://alexandrabader.wordpress.com/2016/04/16/burgenland-und-wien-zweimal-spoe-parteitag/

  6. Herr Karl jun.

    Nein, es nicht Suizid, dazu fehlt es an Mut, Entschlossenheit und Tatkraft. Die von “Sozialisten” zu “SozialdemokratenInnen” Umetikettierten leiden an schlichter Altersschwäche. Gemessen an ihren nicht nachhaltigen und mitunter faulen politischen Früchten (und den gegnerischen Toten aus Zeit ihrer Flegeljahre) führten sie letztlich ein “potschertes Leben” (wie einst Hanse Orsolics, den sie ja zu den ihren zählten). Geblieben sind welke und wehmütige Erinnerungen an Parteibuch-Marken, Maiaufmärsche und einstens wählerbestechende Füllhörner. Heute verspüren sie rundherum eine politische Impotenz, leiden unter ideologischen Irrungen und Demenzen und ihr gegenderter Politsprech gemahnt allzuoft an altersbedingter Inkontinenz. In ein paar Jahren ist es vorbei.

  7. Rennziege

    Es gibt Selbstmorde, die man akzeptieren kann — handelt es sich doch um lebende Leichen, die den letzten Schritt gehen, ihres selbstverschuldeten Scheiterns bewusst. Wären die Sozen die einzigen, die über die Klippe der Lemminge springen, wäre das ja noch erfreulich verständlich. Aber so? Die meisten Parteien Europas haben mit Füßen getreten, was sie dereinst attraktiv und wählbar machte, und arbeiten nur noch für die Bewahrung ihrer Pfründen und Privilegien, die sie — vom sozial sedierten Stimmvieh unbemerkt — in Gesetzen und sogar Verfassungen verankert haben; ganz zu schweigen von den sich royal wähnenden geistigen und körperlichen Fettwänsten der EU.
    Was Thomas Stearns Eliot (übrigens wie sein Landmann W.H.Auden ein Liebhaber Österreichs, seiner Landschaft und Leute) in seinem Gedicht “The Hollow Men” (1925) prophezeite, wird nun vollends wahr:

    This is the way the world ends
    This is the way the world ends
    This is the way the world ends
    Not with a bang but a whimper.

    Dieses Greinen, Wimmern oder Winseln hört man in Europa schon aus jedem Mülleimer oder Mikrofon (medial betrachtet: Synonyme).

  8. Thomas F.

    Tatsache ist, dass die Bevölkerung, und das nicht nur hierzulande, immer mehr nach links tendiert. Nicht links zu sein ist ja bereits anrüchig und so etwas ignorant primitiv, auf jeden Fall rückständig. Das Wort “Freiheit” hat man längst aus dem Vokabular der politischen Diskussion entsorgt. Es hat eher einen egoistischen Beigeschmack.
    Eine verwöhntere Generation nach der anderen betrachtet es als selbstverständlich, dass irgendjemand anderer für sie sorgen soll. Man hat ja wohl ein “Recht” darauf. Und alles mögliche muss “gefördert” werden (also jemand anderer gezwungen werden, es unentgeltlich bereitzustellen) oder “gratis” sein.
    In diesem zeitgeistigen Umfeld sind die sozialistischen Parteien immer selbstgefälliger und träger geworden, bis sie von den vorgeblich konservativen Pareien links überholt wurden, allen voran Merkel…
    Der Mensch erkennt den Wert der Freiheit üblicherweise erst, wenn er sie verloren hat. Dann ist es meist zu spät, sie zu verteidigen.
    Geschichtlich betrachtet hat seit der Sesshaftwerdung bis vor kurzem immer eine kleine Minderheit der Bevölkerung von der expliziten oder indirekten Sklavenarbeit des Großteils der Bevölkerung gelebt. Das sollte uns zu denken geben, die Freiheit und Möglichkeit zur selbstbestimmten Verwendung der Früchte unserer Arbeit beharrlich zu verteidigen.

  9. mariuslupus

    Irrtum, der Sozialdemokratie, geht es gut. Und es geht ihr um so besser, um so mehr sie nach links abdriftet.. In Deutschland wurde die Sozialdemokratie von links, durch eine SED Aktivistin erfolgreich unterwandert und übernommen. Der Erfolg gibt ihr Recht. Von 80% Stimmen bei geheimer Wahl hätte sich Erich H. nie träumen gewagt. Er und sein Vorgänger, Walter U. wussten genau, warum sie nie freie Wahlen zugelassen haben. Aber Merkel kann sich freie Wahlen nicht nur erlauben, sondern , sie gewinnt sie auch noch.

  10. Sozialrat

    @ Astuga: St. Pölten hat es uns genau gezeigt. Die SPÖist auf gutem Weg, baut die Absolute noch aus. Am Montag nach der GR Wahl postet auf Facebook ein Ali Firat Jubel über das tolle SP Wahlergebnis und bekommt innerhalb kürzester Zeit 400 Likes und Unmengen an Jubelkommentaren – aber – alle in türkischer Sprache. So what?

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