“Verpiss Dich, Du Ungläubiger”

(C.O.) Für seine mittels Twitter an Bundeskanzler Kern gerichtete volkstümliche Aufforderung “Verpiss Dich, Du Ungläubiger” sind wir dem Erdogan-Berater Burhan Kuzu zu einigem Dank verpflichtet. Indem er nicht nur herzhaft formuliert, sondern auch eine religiöse Dimension in den Konflikt zwischen Ankara und Wien einführt, weist er uns auf einen bisher eher unterschätzten Aspekt des derzeitigen “Putsches von oben nach dem Putsch” hin. Denn in der Türkei wird nicht nur die Demokratie zügig entsorgt, auch der Laizismus der türkischen Republik wird von Präsident Erdogan sukzessive zugunsten einer islamisch fundierten Realverfassung gekippt.

Noch ist die Türkei kein Gottesstaat – aber sie bewegt sich in diese Richtung. “Ungläubiger” wird deshalb plötzlich wieder eine politische Kategorie. Massiv unter Druck gerät damit aber vor allem auch eine Annahme, an der sich viele Intellektuelle im Westen seit dem sogenannten Arabischen Frühling klammern: dass der Islam und die Demokratie durchaus kompatibel seien. Zwar, so wurde regelmäßig argumentiert, gäbe es in keinem der 56 Mitgliedsländer der “Organisation Islamischer Staaten” eine wirklich ernstzunehmende Demokratie – aber in der gewichtigen Türkei eben doch. Also seien Demokratie und Islam zumindest grundsätzlich vereinbar, ein Muster für die islamische Welt sozusagen.

Eine Illusion, die gerade in sich zusammenbricht. Demokratie scheint in der Türkei eher eine Art Übergangsphase auf dem Weg in einen autoritär-islamischen Staat gewesen zu sein, der mit Demokratie ungefähr so viel am Hut hat wie Putins Russland, dafür viel mit Religion. Als Argument für die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie taugt die Türkei jedenfalls von Tag zu Tag weniger. (Ähnliches gilt übrigens auch für Indonesien, ebenfalls lange als Ausnahmefall einer muslimischen Demokratie gehandelt. Auch dort tritt immer mehr Scharia-Recht an die Stelle des Rechtsstaates, wird in der Region Aceh wieder gesteinigt und ausgepeitscht.)

Bleibt als einziger, denkbar fragiler Versuch, Islam und Demokratie unter einen Hut zu bringen, nur noch das kleine Tunesien in einer islamischen Welt von mehr als einer Milliarde Menschen. Und auch dort ist das Überleben der Demokratie mehr als ungewiss. Daraus folgt leider: Die Vorstellung, eine muslimische Demokratie sei möglich, politisch stabil und nachhaltig denkbar, ist realitätsferner denn je zuvor.

Warum das so ist, hat der mittlerweile pensionierte Papst Benedikt schon vor ein paar Jahren so formuliert: “Der Islam hat eine ganz andere Totalität der Lebensordnung, er umgreift einfach alles, und seine Lebensordnung ist anders als die unsere. Es gibt eine ganz deutliche Unterordnung der Frau unter den Mann, es gibt eine sehr fest gefügte und unseren modernen Gesellschaftsvorstellungen entgegengesetzte Ordnung des Strafrechts, der ganzen Lebensbezüge. Darüber muss man sich klar sein, dass er nicht einfach eine Konfession ist, die man auch in den freiheitlichen Raum der pluralistischen Gesellschaft einbezieht.” Die Türkei hat versucht, das Gegenteil zu beweisen. Der Versuch ist leider als gescheitert zu betrachten. (“WZ”)

19 comments

  1. waldsee

    ich kann den schwachsinn der diskussion islam-demokratie nicht mehr hören.islam hat mit unterwerfung zu tun,die alle lebensbereiche umfasst.islam und sozialismus stehen sich nahe. und das individuum wird durch beide sehr bedroht. demokratie ist ohne die freiheit des einzelnen nicht möglich.

  2. Carl Schurz

    Demokratie ist die grundsätzliche Voraussetzung für die legitime Entwicklung und Errichtung eines totalitären Systems ohne oder mit geringer Anwendung von Waffengewalt.
    Das ist die große Schwäche der Demokratie. Sie funktioniert nur auf Dauer, wenn harte Regeln zur Machtbegrenzung gelten und effektive Machtkontrolle durch die Bürger und unabhängige Institutionen mit wechselnden Besetzungen angewendet werden. Ad hoc fallen mir drei Staaten ein, die das aktuell am besten beherrschen. GB, USA und Schweiz. Deutschland sehe ich abgeschlagen. Denn hier wirken die parteiübergreifenden Allianzen, die ineffektive Machtkontrolle des Bundesrates, eine freiwillige angepasste, unterwürfige Mainstreampresse und die Wahl eines Bundeskanzlers quasi auf Lebenszeit unheilvoll.

  3. Der leiwaunde Johnny

    Na und? Wir bekommen vermutlich auch bald einen Präsidenten, der einer auf Platz 1 gelandeten FPÖ keinen Auftrag zur Regierungsbildung geben würde. Ob die das dann schaffen würde oder nicht sei mal dahingestellt. Aber über das Demokratieverständnis von VdB spricht das Bände. Und für die Linken ist Demokratie sowieso nur so lange ein Wert, solange sie die Mehrheit stellen.

  4. stiller Mitleser

    Sehr schöner Kommentar, danke!
    (das absolut Autoritative und Zwingende des Islam. Gottesbildes wird nicht nur in all den peniblen Vorschriften für den Alltag deutlich, sondern auch in der ästhet. Gestaltung der Moscheen aber auch im Privaten: das zwingende Wort in martialischen Siegeln dargestellt. Daneben sind nur Ornamente erlaubt, keine Portraits.)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Bilderverbot_im_Islam
    https://www.google.at/search?q=islamische+wandbilder&biw=1366&bih=644&source=lnms&tbm=isch&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwiSwKH9tsDOAhVHXCwKHey2D5gQ_AUIBigB#

  5. Gerald

    Diesem Rat sich zu verpissen kann ich mich nur anschließen, wenn auch nicht wegen der vermuteten Ungläubigkeit sondern wegen der bestätigten Unfähigkeit im Amt.
    Aber die klare Sprache ist ein untrügerisches Zeichen, dass die Islamisierung einen bedeutenden Schritt weitergekommen ist. Man verliert keine Zeit mehr mit Verstecken und täuschen.
    Unsere Politiker haben es bislang noch nicht verstanden, dass wir uns im Krieg befinden. Zwar konkurrieren noch die drei “Glaubensrichtungen” iranischer Schiitismus, saudischer Wahabismus und der selbsternannte türkische Kalif Erdogan um die sowohl religiöse aber hauptsächlich weltliche Vorherrschaft in Europa, aber es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie. Möglich gemacht wurde das durch die politisch hervorgerufene Schwäche Europas. Vor Jahrhunderten war es kein Thema dem Islam auf europäischer Ebene durch gegenseitigen Beistand militärisch Einhalt zu gebieten. Heute haben wir die Verräter in den eigenen Reihen sitzen.

  6. mariuslupus

    Merkel bemüht sich redlich dass sie nicht der gleichen Aufforderung “Verpiss dich, du Ungläubige”, folgen muss.
    Noch hat sie Erdogans Bannstrahl nicht getroffen, aber es ist ihr klar`, dass sie sich Erdogan auf Gedeih, und Verderb, ausgeliefert hat. Sollte sie versuchen, was sie aber nicht vorhat, etwas an ihrer “Asylantenpolitik” ändern, zeigt ihr Erdogan, wie eng ihr Entscheidungsspielraum ist.

  7. astuga

    Wobei es in der Türkei niemals einen Laizismus oder Säkularismus gegeben hat.
    Ata Türk hat damals lediglich den Islam nationalisiert und verstaatlicht (echter Türke = sunnitscher Muslim).
    Das ist etwas völig anderes als Laizismus, wie etwa in Frankreich.

    Es gibt ein Religionsministerium mit staatlich angestellten Imamen – das Ministerium befasst sich aber nur mit dem Islam (und das auch im Ausland als DITIB und ATIB).
    Der sunnitsche Religionsunterricht ist ein Pflichtfach (!) an den Schulen.
    Orthodoxe Christen (griechische, syro-aramäische), Aleviten, Shiiten, Juden etc. sind bloß geduldet, und ihre freie Religionsausübung wird eingeschränkt (keine Priesterweihe, keine Neubauten, Enteignungen).
    Katholiken und Protestanen haben sogar noch weniger Rechte und Möglichkeiten.
    Aber gut, heute gibt es ohnehin nur mehr rund 0.3 % Christen in der Türkei
    Nein, nicht 3 % – sondern 0.3 %, vor hundert Jahren waren es noch 30 %.

    Besonders amüsant, gerade die EU hat unter dem Titel “Beitrittsperspektive” Erdogan und Gülen geholfen, den sog. tiefen Staat (Militär, Polizei, Justiz) mit Islamisten zu unterwandern.
    Und damit sogar den kleinen Ansatz für einen zukünftigen Säkularismus zu vernichten.
    Und jetzt tauscht Erdogan gerade die Gülen-Islamisten gegen eigene Anhänger aus.

  8. Gerald Steinbach

    “Verpiss dich du…..”
    Obwohl, wenn ich so nachdenke so unrecht. …

  9. astuga

    @Gerald Steinbach
    Mitunter sagt eben der Falsche aus den falschen Gründen das Richtige. 😉

  10. Fragolin

    Die Muselmimosen bekommen ja schon einen Koller, wenn man in einer Schlagzeile nur genau das berichtet, was ihr größenwahnsinniger Kalif gerade beschlossen hat.
    https://www.austrianwings.info/2016/08/flughafen-wien-knickt-nach-tuerkischen-protesten-ein/
    Auf der einen Seite feiern sie das Recht, offiziell mit 12-jährigen Kindern v*geln zu können und auf der anderen regen sie sich auf, wenn man das Pädophilie nennt.
    Tja, liebe Dauerempörte: genau das isses! Wenn ein erwachsener Mann ein minderjähriges Mädchen vom Puppenbett holt und auf dem Diwan knallt, ist er ein Pädophiler. Sorry, ich bin nur der Überbringer der Nachricht, für die Tatsachen sorgt Ihr selbst!
    Interessant am Rande, dass Kinderhehen in der EU bereits fakisch anerkannt werden, wenn sie außerhalb der EU geschlossen wurden. Während der erwachsene Europäer bereits ein Verbrecher ist, wenn er sich ein Foto vom nackten Busen einer 16-jährigen anschaut, darf sein muselmanischer Nachbar seine 14-jährige “Ehefrau” knallen. Krank!

  11. Fragolin

    Übrigens wäre interessant, welche Reaktionen es hervorrufen würde, wenn sich z.B. Ostermayers Pförtner mit der Aussage “Verpiss dich, du Götzendiener!” per twitter an den Kalifen gerichtet hätte…

  12. gms

    C.O.: “Für seine mittels Twitter an Bundeskanzler Kern gerichtete volkstümliche Aufforderung „Verpiss Dich, Du Ungläubiger“ sind wir dem Erdogan-Berater Burhan Kuzu zu einigem Dank verpflichtet.”

    Wofür? Weil der Surensohn es zwischernd gegenüber seiner hier ansässigen Schwester im Geiste kollektivistischer Ideologien an der gebotenen politischen Verdrecktheit mangeln läßt? Dank gebührte Popcorn-Liferanten oder jenen, die diesen Bruderzwist im halbmondsternroten Kosmos beim Namen nennen.

    Erdogan ist ein Bastard? Kern ist ein Bastard? Ja, nein, wurscht, solange es unser Bastard ist und er mit einem anderen Bastard, der zurzeit nicht unsrer ist, im Clinch liegt. Mit dem Versprechen, das Volk über einen EU-Beitritt der Türkei zu befragen, läßt sich demoskopisch aktuell zu Sonderangebotspreisen punkten. Wollte man den roten ungewählten Kanzler aber tatsächlich in Verlegenheit bringen, drängt sich ein ihm abzuringendes Bekenntnis auf nach einem Referendum über eine allfällige Kern-Union (no pun intended). Über “Lissabon” wurde ja auch abgestimmt, no?

    Wie, werter Hausherr? Hierbei liegt jede Menge streng riechender Demokraturismus in der Luft, oder gar — mon dieu — putinmäßige Selbstermächtigung? Leicht gar so wie bei Kerns verbindlicher Affirmation zur europäischen Sicherheitsdoktrin im Juni dieses Jahres, worüber die ansonst emsig schnatterenden Medienpfeifen keinen einzigen Ton verloren hatten?

    Wer “Demokratie” in die Schreibmaschine hämmert, will zumeist betrügen, sei’s nun bei Politikfiguren oder jenen Gestalten die ‘Irgendwas mit Medien’ auf den Türschildern führen.

  13. Fragolin

    @Gerald Steinbach
    Und das rein zufällig während des Parteikonvents der AfD in Kassel. Ein Schelm wer Böses denkt.
    Aber es kann natürlich ein Zufall sein, wäre ja nicht das erste Mal dass unsere Atomphysiker und Hirnchirurgen beim Umgang mit einer einfachen Kochplatte komplett versagen. Ebenso wie bei deren Reinigung, weshalb sich die zentimeterdicke Kruste angebrannter Speisereste schon mal über der ausglühenden Herdplatte entzünden kann…

  14. Hanna

    @gms: “Surensohn”! Danke! Wahrwort des Jahres, im Verband mit “Sprenggläubiger”.

  15. Alfred Reisenberger

    Und Benedikt hat uns den linken Kommunistenpapst beschert, der den Islam gerade hoffähig macht. Ihn hier zu zitieren ist schon etwas kühn, zumal er nicht unter uns weilt.

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