Der Spekulant der Muttergottes

(C.O.) Florian Homm als schillernde Person zu beschreiben, wäre vermutlich die Untertreibung des Jahrzehntes. 1959 als Sohn eines Gewerbetreibenden im deutschen Bad Homburg geboren, Wirtschaftsstudium in Harvard, mit zarten 19 Jahren Gründer eines Investmentfonds, steile Karriere bei US-Banken, Gründer und Eigner höchst erfolgreicher Anlage-Firmen, am Höhepunkt seiner Karriere wohl einige Milliarden Euro schwer, gehörte er einst zu den 300 reichsten Deutschen. Er leistet sich gleich zwei private Jets, raucht Zigarren im Wert von 5000 Euro pro Monat und wird in der Finanzbranche respektvoll “Der Plattmacher” genannt. Seine Spezialität: verborgene Schwächen börsennotierter Unternehmen herausfinden, auf sinkende Kurse setzen, diese Schwierigkeiten publik machen und anschließend abkassieren.
Mittellos im Ruhrgebiet

Und dann der Absturz: 2007 kommt einer seiner Fonds gehörig unter Druck, Homm taucht unter, Gläubiger setzen ein Kopfgeld von 1,5 Millionen aus, er wird in Südamerika, der Karibik und Liberia vermutet. 2013 wird der mittlerweile an Multipler Sklerose Erkrankte von der Polizei in den Uffizien in Florenz verhaftet, verbringt über ein Jahr in U-Haft und wird schließlich freigelassen.

In den USA drohen ihm 225 Jahre Knast, heute lebt er, angeblich völlig mittellos, in einem schäbigen Haus im Ruhrgebiet und ist strenggläubiger Christ geworden, der mehrmals täglich zur Heiligen Mutter Maria betet. Sagt er. Und er versucht, sein zweifellos erhebliches Know-how in Gelddingen nun wieder zu Geld zu machen.

Dieses Mal allerdings nicht, indem er Reichen hilft, noch reicher zu werden, sondern indem er “Otto Normalverbraucher” beisteht, “die Kernschmelze des Finanzsystems zu überstehen”, wie es im Untertitel seines gerade erschienenen Buches “Endspiel” heißt. Denn davon, dass wir mit Volldampf den nächsten großen Crash ansteuern, und zwar schon 2017 oder 2018, davon ist Homm felsenfest überzeugt: “Was auf uns zukommt, ist ein unaufhaltsames wirtschaftliches Debakel. Ich rede nicht über ein Wehwehchen, ich rede über eine Sache, die fetter wird als 2008”, sagt er.

“Ich rede über ein fettes Endspiel.” Nie zuvor seien die Verschuldung der Staaten und der Privathaushalte so hoch gewesen wie heute, was früher oder später zur Katastrophe führen müsse. “2025 werden Studenten Witze machen, wie blöd die Menschen sein konnten, diesem System zu vertrauen.” Es sei, so Homm, “nur eine Frage der Zeit, wann sich die Entwertung (des Geldes) beschleunigt und es zu einer Währungsreform kommt”.

Besonders auf die Jungen kämen schwere Zeiten zu, prophezeit er: “Es tut mir wahnsinnig leid, dass meine Generation, die 50- bis 70-Jährigen, euch einen solchen Saustall hinterlassen hat. Wir sind die Ursache dieser perversen Überschuldung, mit der ihr jetzt klarkommen müsst. Wir haben jahrzehntelang über unsere Verhältnisse gelebt, und ihr müsst diesen Scheiß jetzt ausbaden.”

Nachdem er den etwa halben Umfang des Buches erschreckend überzeugend und intellektuell belastbar argumentiert, warum gröberer Ungemach ökonomischer Art droht, versucht Homm in der zweiten Hälfte von “Endspiel”, dem durchschnittlichen Sparer und Anleger zu zeigen, wie er diesen Crash möglichst unbeschadet übersteht.

Immobilien absturzgefährdet

Dass er keine Patentrezepte hat und dies auch freimütig eingesteht, mag ja durchaus redlich sein, wird aber manche Leser enttäuschen. Manches ist eher wenig originell, etwa der Hinweis “Wenn es zum Chaos kommt, ist Gold wirklich Gold wert” und der daraus resultierenden Empfehlung, etwas Gold in einem Schließfach zu halten. Dass er im Gegensatz zu den meisten anderen Crash-Propheten auch Immobilien für absturzgefährdet hält, mag stimmen, taugt aber auch nicht wirklich als Geheimtipp gegen Krisen. Redlich, manchmal auch witzig erörtert Homm so die Vor- und Nachteile aller möglichen Anlageformen im Krisenfall, ohne dass sich daraus eine wirklich konkrete Handlungsanleitung für den Leser ergibt.

Bestenfalls kurios mutet an, was der emeritierte Milliardär seinen Lesern politisch empfiehlt: “Die einzige Partei, die Ihre Interessen vertritt, ist die Linke. Gysi, Wagenknecht und Konsorten… In gewissen Wirtschaftsfragen ist die Linke ohnehin kompetenter und ehrlicher als die Mainstream-Parteien.” Und wenn das nicht hilft, kann man ja als ratloser Anleger noch immer die Heilige Mutter Maria um Hilfe bitten, so wie Herr Homm. (WZ)

Information
Florian Homm: Endspiel, Finanzbuchverlag 2016, 192 Seiten, 14,99 Euro

6 comments

  1. Christian Peter

    Der Crash kommt, die Frage ist bloß wann. Nach Berechnungen von Finanzexperten findet ein Kreditsystem nach spätestens 70 – 80 Jahren unweigerlich sein natürliches Ende, weil die Schulden nicht mehr bedient werden können.

  2. Michael Haberler

    erinnert mich an den Herrn George Soros

    der ist ja übrigens auch so ein Lückenpressen-non-Thema

  3. waldsee

    ..””Wir sind die Ursache dieser perversen Überschuldung, mit der ihr jetzt klarkommen müsst.””
    ich konnte es nicht verhindern,das ist richtig. ich würde die schuldfrage an die kreiskywähler und die nachfolger dieses erfolgsmodells richten.
    sozialismus ist neid als politik.

  4. Hausfrau

    Wenn Homm alle seine früheren Untaten bereut – also aus einem Saulus ein Paulus wurde -, dann ist ihm aus christlicher Sicht verziehen. Die irdische Justiz hat aber andern Maßstäbe und auch entsprechende Strafen. Ob das eben erhältliche Buch wirklich eine Hilfe für die Menschen – oder doch nur eine Einnahmequelle für Momm – ist, kann ich nicht beurteilen.
    Als Nichtkatholikin würde ich es aber besser finden, Gott bzw. Jesus Christus anzubeten, denn das Gebet zu Verstorbenen wird von der Bibel abgelehnt. Dies gilt auch für die Mutter Maria, welche zwar ein besonderer Mensch war, aber ihre Himmelfahrt wurde erst viel später vom Klerus “entdeckt” und 1950 zum Dogma erklärt. Dies ist auch der Grund, warum in der christlichen Bidel davon nichts erwähnt wird.

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