Nicht nur die Ungarn sind Ungarn…

(CHRISTIAN ORTNER) Wer draufkommt, dass er ein totes Pferd reitet, ist üblicherweise ganz gut beraten, abzusteigen und sich nach einem anderen Fortbewegungsmittel umzusehen. Umso bizarrer ist, was die EU-Kommission nach dem Ungarn-Referendum erklärte. Ein Sprecher verwies lapidar darauf, was der Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos schon vor dem Wochenende erklärt hatte: Die im Jahr 2015 (von der Mehrheit der Mitgliedstaaten) beschlossenen Pläne zur “fairen Verteilung” von 160.000 Flüchtlingen seien umzusetzen. Punkt. Andernfalls “behält sich die Kommission alle rechtlichen Schritte vor”.

Dass der Plan in der Realität schon längst gescheitert ist, scheint nicht zu interessieren. Nicht erst seit dem ungarischen Referendum ist jedem, der auch nur leidlich mit den Fakten vertraut ist, völlig klar, dass das Konzept der EU-weiten Quoten für die Zuweisung von Migranten auf alle Mitgliedstaaten nicht funktioniert, nicht funktionieren kann und nie funktionieren wird. Von den 160.000 Migranten, die binnen zweier Jahre verteilt werden sollen, sind bisher gerade 5000 tatsächlich dort, wo sie laut Quoten-Planwirtschaft sein sollen. Wird die Aufteilung der Zuwanderer weiter so erfolgreich betrieben, wird der letzte schon um das Jahr 2047 herum umgesiedelt sein.

Noch toter kann ein Pferd eigentlich nicht sein, aber die Fiktion “Gerechte Verteilung” wird in Brüssel wie auch in Berlin weiter unverdrossen als Lösung präsentiert, anstatt Alternativen zu entwickeln. Das ist ungefähr so erfolgversprechend wie eine medizinische Therapie, die evidentermaßen wirkungslos ist, stur fortzusetzen. Dass der Plan, Migranten “par ordre du Euro-Mufti” zu verteilen, gescheitert ist, hat einen überaus simplen Grund: Er ist in den meisten Staaten – mit Ausnahme jener, die davon profitieren würden, natürlich – von überschaubarer Popularität. Das mag man bedauerlich finden oder auch nicht, es ist Faktum. Was, etwa angesichts der Wahlen in Frankreich im kommenden Jahr und des europaweiten Erstarkens der politischen Rechten als Kollateralschaden der einstigen Willkommenskultur, kein ganz triviales Argument ist.

Es ist ja nicht so, dass nur die Ungarn das nicht wollen. Genauso wenig wollen die Migranten planwirtschaftlich umverteilt werden. Wer aus Nordafrika nach Europa kommt, der will natürlich dorthin, wo ihn die attraktivsten Lebensbedingungen erwarten, vor allem in materieller Hinsicht. Von Rumänien oder Bulgarien träumt deshalb kaum einer der Migranten. Eine “gerechte Verteilung” kann daher nicht klappen, außer mit eher unschönen Methoden, die niemand will. Menschen in Länder zu bringen, die diese Menschen nicht wollen und in die auch diese Menschen nicht wollen – dass das nichts wird, kann eigentlich nicht wirklich schwierig zu behirnen sein.

Daran ändert auch ein Mehrheitsbeschluss eines Brüsseler Gremiums nichts. Pferd tot, aber null Überraschung. Im Grunde hatte die Verteilungsfiktion nur einen einzigen politischen Nutzen: notdürftig zu camouflieren, dass es schwerstes Versagen war, 2015 nicht so schnell wie möglich die Außengrenzen der Union so robust zu sichern, dass 2016 gar kein Verteilungsplan notwendig geworden wäre. Aber das ist längst verschüttete Milch, leider. (WZ)

16 comments

  1. stiller Mitleser

    Postfaktisch betrachtet (dernier cri!) ist das Pferd nicht tot, und auch die verschüttete Milch ist immer noch da, irgendwie.

  2. Urban Galler

    die 5 Jahrespläne und sonstige Pläne des Politbüros hat bekanntlich schon die Sowjetunion zerstört. Hoffentlich planen die Brüsseler Muppets noch fleißig weiter, sodass diese Irrenanstalt baldigst in die Luft geht. Schaden wäre schon genug angerichtet.

  3. Kluftinger

    @ stiller Mitlesen
    Das “irgendwie” ist das welches mich so fasziniert! 🙂

  4. mariuslupus

    Lauter Optimisten am Werk. Der Gaul strotzt noch vor Kraft. Ob er, später doch in die Knie geht , ist ungewiss und unvorhersehbar. Die Erwartung dass der Gaul, nach einen Versuch, wiehernd zum Spruch anzusetzen, im Graben landen wird, gehört in den Bereich des Wunschdenkens.
    Braucht es noch einen Beweis, dass die Komissare in Brüssel nicht bereit sind zu lernen, d.h. die Realität zu akzeptieren. Das Ziel der Herrscher in Europa ist die Zerstörung von nationalen Strukturen und Identitäten, und der Ersatz durch eine amorphe Masse von “Sowjetmenschen”. War schon immer dass erklärte Ziel des ZK und des Politbüros der KP, die Schaffung eines neuen Sowjetmenschen. Dieses Ziel haben Merkel, Schulz¨, Juncker ohne Abstriche übernommen und sind dabei die Formung des vom Staat abhängigen, willenlosen, angepassten EU Menschen, durchzusetzen.

  5. sokrates9

    Wir haben das Problem dass wir in Brüssel derart qualifizierte Reiter haben, die in ihrer Arroganz gar nicht unterscheiden können ob sie ein Kamel, ein Pferd, einen Elefanten, Tod oder lebendig reiten! Man sitzt komfortabel auf erhöhter Position, sieht in die Ferne, hat einen gut gefüllten Geldsack eingesteckt und keinen Plan wohin man überhaupt will!

  6. fxs

    Und die RHI verlegt den Handelsplatz ihrer Aktien von Wien nach London. Wo doch den dummen Briten, nach dem Beschluss der EU den Rücken zu kehren der wirtschaftliche Absturz bevorsteht, wie wir immer wieder aus Brüssel hören.

  7. Mourawetz

    “Das ist ungefähr so erfolgversprechend wie eine medizinische Therapie, die evidentermaßen wirkungslos ist, stur fortzusetzen.”

    Das entspricht der Definition von Wahnsinn nach Albert Einstein: “Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.”

    Brüssel wie Berlin ist wahnsinnig nach Albert Einsteins Definition.

  8. Christian Peter

    Selbst wenn alle EU – Staaten bereit wären, illegale Einwanderer aufzunehmen : Glaubt jemand ernsthaft, Einwanderer aus dem Nahen Osten nehmen eine lange, beschwerliche, extrem teure und gefährliche Reise in Kauf, um in Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Litauen ihr Dasein zu fristen ? Dieser Plan scheitert schon daran, dass es sich bei 99 % der Einwanderer um Wirtschaftsflüchtlinge handelt, die sich Länder mit hohen Sozialstandards suchen und niemals in Länder mit niedrigen Sozialstandards auswandern werden.

  9. Falke

    Die Brüsseler Gremien (Rat, Kommission, Parlament) und deren Spitzenvetreter können und werden nie zugeben, dass sie einen Fehler begangen haben oder dass sie einer Fehleinschätzung aufgesessen sind – das wäre mit ihrem – vermeintlichen – Prestige nicht vereinbar. Deswegen werden halt alle Beschlüsse – wie unsinnig oder undurchführbar sie auch seien – mit konsequenter Sturheit bis zum bitteren Ende weiterverfolgt, auch wenn dadurch die EU ganz allgemein bei der Bevölkerung immer unpopulärer und unbeliebter wird – bis hin zum Austritt. Großbritannien macht da wohl nur den Anfang.

  10. Kluftinger

    @ stiller Mitleser
    Danke für den Link: so ist es.
    Aber was den Anonymus betrifft: eher Kommissar als Bayer.

  11. Rennziege

    Mittlerweile reiten europäische Politiker — mit winzigen Einschränkungen — auf so vielen toten Pferden, dass die Abdecker mit Nachfrage und Belieferung hoffnungslos überfordert sind. Was auch die letzten Pferdefleischhauer um Lohn und Brot bringt. 🙂
    Na, vielleicht eröffnen tote Kamele und Dromedare einen neuen Geschäftszweig. Diese Kadaver sind meines Wissens nicht minder halal als Rösser (so viel Zeit muss sein) aller 49 Geschlechter.

  12. Fragolin

    Das Pferd ist schon lange tot. Aber wir haben es mit prallen Geldsäcken auf Pump für 200 Jahre unterfüttert, Räder unter die Hufe geschraubt, einen CO2-neutralen Elektroantrieb angebaut, treiben den Windgenerator mit der warmen Luft an, die permanent von den Reitern vorn wie hinten abgelassen wird und so trudelt es, faulend und fortschreitend skelettiert, immer weiter voran. Und mit ihm die problemlose Elite, der der Pöbel und das Pack murrend hinterhertrotten dürfen. Mal sehen, wann die Menschen merken, dass sie in Ketten liegen und eigentlich nichts mehr zu verlieren haben als genau diese.
    Wohl erst, wenn sie die Unwichtigkeit von iPhone und Pokemon erkennen.
    Das kann dauern.

  13. Johannes

    Wer die immer häufiger werdenden Demos von Muslimen, wie kürzlich in der Kärntner Strasse beobachtet sieht, da gehen Menschen die genauso in Teheran, Bagdad, Riad, Kabul oder in einer von hundert anderen islamischen Hauptstädten gehen könnten. Wäre der Steffl nicht im Hintergrund könnte kein Mensch erkennen das dieser islamische Zug zum Gedenken eines Propheten in Wien stattfindet. Die Parallelgesellschaft hat sich etabliert sie zeigt sich offen und demonstriert ihre Macht. Da ist kein Funken irgend einer Art und Weise in der das Gastland zu erkennen wäre. Es sind Menschen die gekommen sind um so zu leben wie sie es auch in den oben erwähnten Städten ihrer Herkunftsländer tun würden.
    Jetzt frage ich mich welcher irre Geist liebe Politiker, speziell Wiener SPÖ und Grüne hat euch geritten, ich prophezeie euch schon jetzt so wie ihr drauf und dran seid das Sozialsystem an die Wand zu fahren werdet ihr im demographischen Wandel untergehen. Euer Multi-Kulti Wahn wird immer mehr zu einem Freibrief islamistischer demographischer Mehrheitsbildung durch Masseneinwanderung einer bestimmter religiöser Ethnie in dieses unser Österreich und so wird euer so hart erkämpftes politisches Weltbild zerbröseln.
    Ihr kämpft für das Recht eine Burka tragen zu dürfen und erkennt nicht das jene die sie tragen mit euch keine Toleranz haben werden.
    Immer öfter ertappe ich mich dabei Länder dieser Erde zu betrachten in die ich einmal – vielleicht schon bald gehen werde müssen.
    Es ist ernster als ihr denkt, ein enormer Umbruch ist im Gang.

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