Trump, Kaiser Wilhelm und die Medien

Von | 28. Juni 2017

(ANDREAS UNTERBERGER) Ich habe wieder in einem der faszinierendsten Bücher der letzten Jahre geschmökert. Dabei ist mir plötzlich eine unglaubliche Ähnlichkeit zwischen dem Deutschland vor dem ersten Weltkrieg und dem heutigen Amerika aufgestoßen. Beziehungsweise zwischen den beiden jeweiligen Staatsoberhäuptern. Aber auch die Ähnlichkeiten zwischen der jeweiligen Einheitsdenke des journalistisch/historischen Mainstreams sind verblüffend.

Das Buch ist Christopher Clarks “Die Schlafwandler”. Und die beiden Staatsoberhäupter sind der deutsche Kaiser Wilhelm II. und Donald Trump.

Beide zeichneten und zeichnen sich durch unabgesprochene, emotionale und oft sehr naive wie kontraproduktive Vorstöße im Alleingang aus. Der Kaiser etwa hat bei Begegnungen mit ausländischen Staatsgästen immer wieder im Smalltalk plötzlich die gemeinsame Besetzung eines (ständig anderen) Gebietes in oft völlig fremden Weltgegenden von China bis Brasilien und Mesopotamien vorgeschlagen. Der US-Präsident agiert ähnlich wie ein ungelenktes Geschoß durch seine oft völlig willkürlich aus dem Bauch kommenden Tweets.

Beide sind daher zum absoluten Gottseibeiuns der schreibenden Zünfte geworden. Wilhelm ist angesichts seiner Sprüche für unzählige Historiker der Haupt- oder Alleinschuldige am ersten Weltkrieg. Trump ist das für fast alle heutigen Journalisten in Hinblick auf alles Böse in der Welt (unter den großen Weltmedien scheint lediglich die britische BBC – bei aller kritischen Distanz – zu einem halbwegs um Objektivität bemühten fairen Bild imstande; bei allen anderen regiert der einseitige und undifferenzierte Hass).

Clark arbeitet aber sehr überzeugend heraus, dass die Beelzebub-Rolle für Wilhelm eine völlig verkürzte Interpretation ist. Das gilt in Wahrheit ganz ähnlich auch für das heutige Amerika.

Erstens, so Clark, war der Kaiser stets ein Zögerer und Zauderer, der nur phantasierte und den Krieg nie wirklich wollte. Und zweitens hat der gesamte Regierungsapparat des Deutschen Reichs den Kaiser meist ignoriert und fast immer ganz anders und durchaus verantwortungsbewusst agiert. Die Worte des Staatsoberhaupts waren nach innen immer nur irrelevantes Gebell, wurden nach außen aber oft ernst genommen. Deutschland war bei genauerer historischer Analyse in Wahrheit keineswegs der Hauptschuldige am ersten Weltkrieg. Russland, Serbien, Italien, Frankreich, England und Österreich trugen mindestens ebenso Schuld daran. So Clark.

Dennoch ist Wilhelm auf Grund seiner zahllosen überlieferten Aussagen zum absoluten Minusmann geworden, viel weniger hingegen die anderen Akteure. Daran kann wohl auch das Clark-Buch nichts ändern. Zu mächtig und änderungsresistent ist der Mainstream der historischen Zunft.

Trump scheint es heute in Hinblick auf die journalistische Zunft nicht anders zu ergehen. In welche Zeitung man auch immer blickt: Man erfährt von einem kriminellen Grenzidioten im Weißen Haus und von Lichtgestalten in Brüssel, Paris und Berlin. Dabei setzt die US-Regierung etliche sehr vernünftige Akzente. Dabei würde das, was Trump jetzt gerade als zentrales Megadelikt vorgeworfen wird, nämlich die Bitte an den Chef der Kriminalpolizei, einen dubiosen Vorwurf nicht zu verfolgen, in keinem europäischen Land als ungewöhnlich oder gar kriminell auffallen. Dabei findet das, was vorige Woche das amerikanische Megadelikt war, nämlich die Aufkündigung des Klimaabkommens, bei vielen vernünftigen Menschen jenseits der politmedialen Blase Unterstützung. Ebenso wie das davorliegende Megadelikt, nämlich die Einreisesperre für Bürger besonders instabiler Länder.

Umso interessanter ist, wie sehr sich geschichtliche Abläufe ähneln. Aber spätestens seit Rudolf Burger wissen wir ja: Geschichte und Geschichtsschreibung sind zwei komplett verschiedene Paar Schuhe. (TB)

23 Gedanken zu „Trump, Kaiser Wilhelm und die Medien

  1. Fragolin

    Trump wurde vom politischen System der USA bereits assimiliert und macht genau dort weiter, wo Obama aufgehört hat. Ich glaube, die Macht des US-Präsidenten wird gnadenlos überschätzt, der Mann begreift erst jetzt langsam, dass er nur der Kasper auf der Bühne ist und die eigentliche Politik auf einer anderen Ebene stattfindet. Das wird den US-Amerikanern aber keiner erzählen, dass ihre angebliche Wahl alle 4 Jahre eigentlich eine Farce ist und es nur um den Fressnapf für bestimmte Clans geht, die sauer reagieren, wenn sie nicht wie erhofft versorgt werden.
    Kann man schön am Beispiel Syrien-Politik verfolgen:
    http://frafuno.blogspot.com/2017/06/interessante-zeiten_28.html

  2. Weninger

    @Fragolin
    Man muss schon ganz schön von der einen oder anderen Seite verblendet sein, um das nicht so zu sehen wie Sie. Gilt analog für SPÖ und ÖVP. Jeder redet sich immer auf den anderen raus, dass er wegen dem bösen Koaltionspartner die Wünsche seiner Wähler nicht erfüllen kann. Das wird unter VP-FP oder SP-FP nicht anders sein.

  3. humanist

    touche, werter Fragolin.
    wat nu?
    m.E. ist der allerorten allmächtige – trotz oder gerade wegen überblähung gut auf dem Pferd ausbalancierte – apparatus “demokratisch” nicht mehr vom umlagefinanzierten Futtertrog zu kriegen. sondern nur mehr über A: einen intelligenten UND gewieften “kasper auf der bühne” oder B: die konsequente (!) verweigerung der umlageabdrückung (nötigenfalls durch temporäre Auswanderung) durch die massiv steuerzahlenden restdeppen vom Pferd zu kriegen, bevor dieses elend verendet.

  4. KTMTreiber

    “Umso interessanter ist, wie sehr sich geschichtliche Abläufe ähneln.” – Nun gut, “Lunten” wurden in der jüngsten Vergangenheit genug gelegt, – es ist “angerichtet”, – fehlt nur noch das (für die “dumpfe” Masse) einleuchtende, ultimative Szenario, dass das (alternativlose) Entzünden einer, oder mehrerer Lunten rechtfertigt …

  5. KTMTreiber

    … übrigens, ein sehr lesenswertes Buch (Die Schlafwandler), wenn mitunter ab- und an etwas “fordernd” …

  6. mariuslupus

    Der Unterschied zwischen Willem zwo und Donald T. ist, der zweite wurde gewählt, der erste war ausserwählt.
    Eins stimmt, Willy, Niki und Berti wollten keinen Krieg. Kein Krieg unter Verwandten. Ausserdem, Willy hat es schwer gehabt. Der Enkel von Queen Victoria zu sein, ist nicht lustig. Die eigentlichen Kriegstreiber, haben vorsorglich die stärkste Armee auf dem Globus aufgestellt, Frankreich.
    Trump wurde gewählt. Die Demokraten, eigentlich eine links-sozialistische Partei, können es Trump nicht verzeihen dass er in einer korrekten demokratischen Wahl gesiegt hat.. Zuerst wurde er lächerlich gemacht, dann verunglimpft, als Hitler, Antisemit, Rassist, Frauenhasser, Diktator, bezeichnet. Bei den Beschimpfungen wurde die Sippenhaft, nach alten faschistischen Muster, auch nicht vergessen.
    Niemand, so weit es den Medien zu entnehmen ist, hat Trump wirklich zugehört. Es wurde alles hereininterpretiert was die linken Medien, CNN, NYT, WP, CBS, heraushören wollten. Der Hass der linken steigert sich von Tag zu Tag. Tatsache ist, dass Trump praktisch alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe widerlegen konnte. Die Journalisten sind schon längst zu Aktivisten eines linken Meinungskartells verkommen. Was bleibt, sind die heiligen Kühe der Demokraten die unangreifbar sind, beide Clintons, Obama, Schumer, Pelosi, Loretta Lynch, Susan Price, Kathy Griffin.

  7. Mona Rieboldt

    mariuslupus
    Was Trump angeht, bin ich ganz Ihrer Meinung. Ich sehe auch nicht, was er falsch macht. Mir macht der Größenwahn aktueller deutscher Politiker Angst. Dagegen ist Trump ein Waisenknabe. Merkel bekämpft die Visegradstaaten über die EU, weil sie nicht so wollen wie Merkel, alle deutschen Parteien außer AFD machen mit. Und mit Hilfe von Macron sollen die Visegradstaaten weniger Geld aus der EU bekommen, weil sie halt nicht “gehorchen”.

    Das wird aber nicht thematisiert in der Presse, es geht nur um Trump-Bashing,
    Merkel dagegen ist ja eine Linke, daher gut.

  8. Weninger

    “Die eigentlichen Kriegstreiber, haben vorsorglich die stärkste Armee auf dem Globus aufgestellt, Frankreich.”
    Das ist so nicht richtig, das franzöische stehende Heer hat die Stärke des deutschen Heeres vor dem 1. Weltkrieg nie überschritten. http://www.bpb.de/izpb/142137/1880-bis-1914?type=galerie&show=image&k=5
    Außerdem war das deutsche Heer technisch und organisatorisch wesentlich besser aufgestellt. Die Franzosen zogen 1914 noch mit den rotblauen Uniformen ins Feld > Scheibenschießen vs. Feldgraue Uniformen der Deutschen

  9. mariuslupus

    @Weninger
    Zu Klärung:
    Frankreich: Population – 36.000.000 ; Heer – 4.000.000, d.h. 2.02% der Bevölkerung beim Heer
    Deutschland: Population – 67.000.000; Heer – 4.500.000, d.h. 1.31 der Bevölkerung beim Heer
    Missverständlich ausgedrückt.
    Frankreich hat als einziges Land vor 1914 einen casus belli gehabt, Elsass-Lothringen. Folgen, der unsinnigen Annexion durch das Kaiserreich nach 1871.

  10. mariuslupus

    @Mona Rieboldt
    Der Unterschied zwischen Merkel und Trump ist die Einhaltung der bestehenden Gesetze und der Schutz der eigenen Bevölkerung.
    Merkel ist eine Gefahr für die Bevölkerung, weil sie beschlossen hat sich an geltende Gesetze nicht zu halten. Merkel hat alle Kontrollorgane der Macht ausgeschaltet, so etwas wie checks and balances, gibt es nicht mehr, das first amendment wurde im Merkelistan beseitigt

  11. Mona Rieboldt

    mariuslupus
    Hitler brauchte noch ein Ermächtigungsgesetz, um machen zu können, was er wollte. Merkel brauchte dafür nicht mal das, alle Parteien wie SPD, Grüne machten mit.

  12. raindancer

    mich erstaunt nach wie vor, dass Merkel keine einzige Klage wegen Hochverrat bekommen hat.

  13. Oliver H.

    mariuslupus

    “Der Unterschied zwischen Willem zwo und Donald T. ist, der zweite wurde gewählt, der erste war ausserwählt.”

    Königsmacher gibt es auch in den USA, Trump war eingedenk dessen das beste Hedging, das man der alleinigen ‘Wahl’ zwischen Cola und Pepsi angedeihen lassen konnte.

    @Mona Rieboldt

    “Was Trump angeht, bin ich ganz Ihrer Meinung. Ich sehe auch nicht, was er falsch macht.”

    Falsch in wessem Sinne? Er hat das Pentagon-Budget sofort um 10% auf inzwischen 660 Mrd USD erhöht, den Saudis Waffen in gigantischem Ausmaß versprochen und steht in der rezenten Zündelei in Syrien zumindest nicht erkennbar in Opposition zum ‘tiefen Staat’ und dessen bellizistischen Umtrieben. Ob Trump assimiliert wurde oder nicht, die Streichhölzer wandern immer näher zu den Lunten, und wenn’s final scheppert, wissen die kommenden Geschichtsbücher zu berichten, die Linken hätten alles Erdenkliche versucht zum Abwenden des Chaos.

  14. raindancer

    auch lustig ..Deutschland wird überrannt aber das Hauptthema ist die Schwulenehe..lassen sich die Deutschen echt so verar…..?

  15. astuga

    Wie bereits um 1900 gegen Deutschland und Österreich gehetzt wurde zeigt diese alte Postkarte (wohl französisch oder britisch).
    http://tv.orf.at/orf3/stories/2654686/

    Im selben Jahr forderte man ausgerechnet in Großbritannien: “Germans to the front…”
    Und zwar um gemeinsam China wegens des Boxeraufstandes abzustrafen, was ja dann auch zur sog. Hunnenrede des dt. Kaisers und ua. zur Besetzung von Tsingtao führte (die deutsche Bierbrauerei gleichen Namens gibt es dort noch immer).
    https://de.wikipedia.org/wiki/Hunnenrede
    Im 1. WK. haben dann die Briten deshalb die Deutschen als “Huns” (Hunnen) bezeichnet.

    Pardon, entmenschlicht wurden die Kriegsgegner damals natürlich nur in Österreich und Deutschland, nicht bei den anderen…
    Eine große Leuchte war Kaiser Willi wohl nicht (ebensowenig wie unser Kaiser), aber dass er mitunter von irgendwelchen “Besetzungen” redete ist nachvollziehbar.
    Auch angesichts der beiden “Marokko-Krisen” – die als Vorläufer des 1. WK. gelten dürfen.
    Wird wohl eher nicht in der Schule gelehrt.

    Bismarck hätte ihn vor solchen Abenteuern gewarnt, und vor falschem Vertrauen in seine Verwandten in Russland und England.
    Aber egal, Geschichte eben und vorbei…

  16. bill47

    Georg Friedman von Strategieinstitut Stratfor hat offen erklärt, dass es seit langem, Ziel der US-Außenpolitik war und ist, eine Kooperation Europäischer Mächte unter Ausschluss er USA, insbesonderer einer solchen zwischen Deutschland und Russland, unter allen Umständen zu verhindern. Sie fühlen sich hier als Nachfolger der Briten. Für die Briten war es mehr als dreihundert Jahre lang essentiell, das Erstarken von europäischen Kontinentalmächten zu verhindern und diese nach dem Motto der „Balance of Power“ gegeneinander auszuspielen.
    Trump wollte hier wohl “Nägel mit Köpfen” machen, und seinerseits Kooperationen mit den Russen suchen. Die im Kalten Krieg steckengebliebenen Führungskader in Politik, Armee und Geheimdiensten verhindern das jedoch.

  17. mariuslupus

    @Fragolin
    Stimmt, Trump hat nicht den notwendigen Stallgeruch. Die ganzen “Eliten” in Washington waren vom nächsten Sieg ihrer Leute und der Spenderin von Incentivs überzeugt.
    Sie haben zwei Faktoren falsch eingeschätzt. Die Arroganz von HRH, die cca 20% der Stimmen gekostet hat, davon sehr viele Frauen, die eigentlich in das Resultat bereits fest eingeplant waren. Die Zähigkeit von Donald Trump und seine Fähigkeit gerade die deplorables in der Mitte der Union anzusprechen. Damit ist eigentlich die Frage beantwortet, wer ist für die Zukunft der USA bestimmend, die sog.”Eliten” an den Küsten, oder die Menschen die in der Mitte der Union, hart arbeiten und bis jetzt von den Eliten weitgehend ignoriert wurden.
    Wie überzeugt die Linke vom Wahlsieg überzeugt war, ist zwei Situationen in 2016 zu entnehmen.
    Obama wusste bereits im August 2016 von dem Abhören der Kandidaten durch die Russen. Hat nicht reagiert. Im Oktober hat Obama behauptet, dass es keine Möglichkeit gibt, dass die Wahlen beeinflusst werden könnten, being rigged. Nach der Wahlen wurden die Fakten verdreht und es resultierte eine riesige Medienkampagne gegen Trump, in der der gewählte Präsident als Geisel Putins bezeichnet wurde. Diese ganzen Anschuldigungen, die Russen haben in den Wahlen Trump unterstützt, konnten nie bewiesen werden und haben sich als propagandistische Lüge herausgestellt.
    Eine völlige Fehleinschätzung der Situation und auch der beiden Protagonisten. Trump hat die Unterstützung Russlands nicht nötig, wurde ausreichend von Clintons unterstützt, und Putin ist alles andere als blöd. Hätte Clinton die Wahl gewonnen, wäre sie erpressbar gewesen. Eine bessere Ausgangslage für einen KGB Oberst kann es nicht geben. Ein Traum.

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