Israel, Europa und die Waffen-Frage

Von | 25. Juli 2017

(ANDREAS TÖGEL) Sobald bei einem Verbrechen eine Schusswaffe im Spiel ist, ist für die meisten Politiker und Meinungsmacher auf der Stelle klar, dass der viel zu leichte Zugang zu Waffen dafür hauptverantwortlich zeichnet. Rufe nach einer Verschärfung des Waffengesetzes oder – noch besser – nach einem Totalverbot des Waffenbesitzes für Privatpersonen, folgen auf dem Fuße. Seltsamerweise neigen die derartige Forderungen ausstoßenden Herrschaften niemals zu dieser schlichten Art der Argumentation, wenn als Tatmittel bei einem Gewaltverbrechen etwa ein Kraftfahrzeug, eine Axt oder ein Messer eingesetzt wird. Letzteres erfreut sich als Mordwerkzeug bekanntlich besonders unter vielen der uns millionenfach geschenkten Kulturbereicherer aus dem Orient größter Beliebtheit. Merkwürdig, dass von einer Ausdehnung des Geltungsbereichs der Waffengesetze auf Küchenmesser, oder von einem allgemeinen Verkaufsverbot für Lastfahrzeuge, denen ja zweifelsfrei ein besonders hohes Gefährdungspotential innewohnt, bislang keine Rede ist.

An dieser Stelle soll das Augenmerk indes auf die Tatsache gelenkt werden, dass politischer Aktionismus und eine meist sinnfreie Anlassgesetzgebung, stets einseitig auf die Verhinderung möglicher oder herbeiphantasierter Schäden, niemals aber auf die Ermöglichung eines Nutzens gerichtet sind. Der Pharmabereich bietet dafür ein gutes Beispiel: Staatliche Regulierungsbehörden lassen sich – spätestens seit dem Contergan-Skandal – für ihre restriktive Zulassungspraxis feiern, die Patienten vor fatalen Arzneinebenwirkungen bewahren soll. Wie viele Patienten allerdings schwere Nachteile erleiden, weil sie auf ein Medikament verzichten müssen, das durch die Arzneimittelbürokratie vom Markt ferngehalten wird, erfährt kein Mensch. Über etwas, was nicht stattfindet, im beschriebenen Fall nämlich eine Heilung durch den Einsatz einer zurückgehaltenen Arznei, wird naturgemäß nicht berichtet.

Exakt gleich verhält es sich mit Waffen in der Hand von gesetzestreuen Privatpersonen (dass niemand die Toten beklagt, die einem von Staats wegen veranlassten Waffengebrauch geschuldet sind, steht auf einem anderen Blatt). Das Zeter und Mordio-Geschrei kennt keine Grenzen, wenn eine Privatperson mit ihrer legal erworbenen Schusswaffe Schaden stiftet. Schweigen im Walde herrscht dagegen dann, wenn eine in Privathand befindliche Schusswaffe dazu genutzt wird, ein Verbrechen zu verhindern oder seine Folgen abzumildern – indem der Kriminelle rechtzeitig damit gestoppt wird, ehe er noch größeres Unheil anrichten kann.

Aus Israel, wo man gelernt hat, mit unentwegt dräuendem Terror umzugehen, kennt man zahlreiche Fälle, in denen rechtmäßig bewaffnete Privatpersonen einem „Amoklauf“ durch gezielte Schüsse ein schnelles Ende bereitet haben. In Euroland, wo die Bürger durch ignorante  Regierungen beinahe vollständig entwaffnet und damit wehrlos gemacht wurden, kann das nicht passieren. Man denke an das Massaker im Bataclan, wo ein, zwei bewaffnete Besucher viel Leid hätten verhindern können.

Der Staat zieht mit der Waffengesetzgebung tiefe Gräben durch die Gesellschaft. Auf der einen Seite stehen seine Büttel mit der Lizenz zum Töten, jene Kriminellen, die sich ums Waffengesetz nicht scheren und Totalversager, die nichts zu verlieren haben. Auf der anderen Seite finden sich die Bürger, deren wirtschaftliche Existenz an ihrer Unbescholtenheit hängt und die es sich nicht leisten können, eine Vorstrafe wegen illegalen Waffenbesitzes zu riskieren.

Der Spruch „Besser von Zwölfen gerichtet als von Sechsen getragen“ ist einfacher dahingesagt, als in der Realität durchgehalten. Ob jemand dem Staat an dem Punkt seine Loyalität aufkündigen soll, an dem der ihn der Gewaltkriminalität schutzlos preisgibt, muss jeder für sich selbst beantworten. In Österreich ist der illegale Besitz von Büchsen und Flinten (Kategorien C und D) wenigstens nur eine Verwaltungsübertretung und kein gerichtlich strafbares Delikt.

 

Dieser Text erschien zuerst in der Zeitschrift „eigentümlich frei“, Nr. 175

22 Gedanken zu „Israel, Europa und die Waffen-Frage

  1. Der Realist

    Mit dem Waffenbesitz ist das so eine Sache. Was hilft mir die geladene, griffbereite Bockflinte, wenn ich nicht die Eier habe im Ernstfall den Zeigefinger krumm zu machen. Im schlimmsten Falle werde ich dann vom Angreifer mit meiner eigenen Waffe erschossen.

  2. Rado

    Hier gilt, wer nicht sill, muss nicht. Das mit dem Entreissen der eigenem Waffe ist ein beliebtes Phantasieszenario in Fernsehen. In der Realität gibt es das nicht wirklich.

  3. Thomas Holzer

    “Ob jemand dem Staat an dem Punkt seine Loyalität aufkündigen soll, an dem der ihn der Gewaltkriminalität schutzlos preisgibt, muss jeder für sich selbst beantworten”
    Dünnes Eis, Herr Tögel, bedenkend, daß vor ein paar Wochen ein eigener “Staatsverweigerer”-Paragraph vom Parlament “genehmigt” wurde 😉

  4. John Doe

    Es geht hier schlicht um das Recht, eine Waffe zu besitzen. Wenn ich mental nicht dazu bereit bin, in einer gerechtfertigten Notwehrsituation von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, zwingt mich ja niemand, eine Waffe zu besitzen – da werde ich dann halt vom Angreifer mit seiner eigenen Waffe ermordet. Wenn ich also die Wahl habe, werde ich mein Leben mit allen Mitteln verteidiigen, die mir zur Verfügung stehen.
    Wenn es Menschen gibt, die das anders sehen und Waffen grundsätzlich ablehnen, ist das deren Problem. Wenn aber der Gesetzgeber dem Bürger das verfassungsmäßige Recht auf Notwehr, auch i.S.d. §3 StGB einräumt, dann muss er ihm auch das adäquate Werkzeug dafür in die Hand geben. Nicht jeder ist rein körperlich dazu in der Lage, sich gegen – im schlimmsten Falle – mehrere Angreifer zur Wehr zu setzen.
    Wenn das ältere Ehepaar aus Linz eine Waffe gehabt hätte, vielleicht würden sie noch leben. Hätte der nette Herr aus Tunesien ihnen die Waffe entwunden – tja, umgebracht hätte er sie sowieso. Aber sie hätten wenigstens eine Chance gehabt – wie viele andere Opfer übrigens auch.

  5. stiller Mitleser

    weite Bevölkerungskreise, die nicht lesen und sich keine Sorgen machen, sind ohnehin bewaffnet…

  6. KTMTreiber

    Ich kann jedem Österreicher nur den Tipp geben eine WBK zu beantragen, sowie die Jagdprüfung zu absolvieren. Zu dem im Artikel behandelten Thema habe ich in det Vergangenheit bereits genug geschrieben.

  7. Rado

    Wer nich vorhat, jagen zu gehen und keinen Zugang zu einem Ausgang kann sich mM. die Jagdprüfung sparen. Mit der Jagdprüfung sponsert man nur Altbonzen im Kammersystem wie den Herrn Exvizekanzler Joschi P. Diese Jagdfunktionäre dienen nur sich selber.

  8. Der Realist

    @KTMTreiber
    Wozu brauche ich eine WBK? Glauben Sie, der Einbrecher verlangt eine? Und die Jagdprüfung braucht man nur zur Ausübung der Jagd, die Vorteile bezüglich Waffenbesitz sind minimal. Versuchen Sie einmal, mit einer in einer Tasche verwahrten Büchse mit der U-Bahn zum Büchsenmacher zu fahren, verboten ist es nicht.

  9. Der Realist

    @Rado
    Joschi P. sponsern sie damit nicht, als Landesjägermeister bekommt er nämlich kein Gehalt, aber ich würde in Bezug des Führens einer Waffe Bedenken anmelden.

  10. KTMTreiber

    @Rado:
    Kann man sehen wie man möchte. Ich persönlich habe in vielfacher Weise (Einstellung zur Jagd, Wissen und insbesondere sehr, sehr liebe u. nette Menschen kennen gelernt) davon profitiert.
    Wie bereits geschrieben, – meine persönliche Erfahrung (fairerweise muss ich angeben, dass die Jagd in unserer Familie Tradition hat – wir sind jedoch normale Leute und keine “Gspießenen” 😉 )

  11. TomM0880

    @KTMTrieber
    Punkt 1 bereits letztes Jahr gemacht.
    Zum Vorbereitungskurs zur Jagdprüfung im Jahr 2018 wird TomM heuer im Herbst angemeldet.

  12. KTMTreiber

    @Der Realist u. a. :

    Legt euch keine WBK und keine Waffe zu, wenn ihr nicht möchtet, oder besorgt euch wenn ihr doch wollt, eine AK47 oder eine Jarygin PJa, samt Munition (gibt es relativ günstig beim lokalen “Jugo-Veteran ” , eures Vertrauens. 😉

  13. sokrates9

    Waere interessant zu wissen wie viele TERRORTOTE in Israel dank der sofortigen Ausscltung der Attentaeter verhndert wurden!

  14. Rado

    @KTMTreiber
    Das eine hat mit dem anderen ja nichts zu tun. Und wenn der Joschi keinen Vorteil dabei hätte, würde er es nicht machen. Egal ob man es Gehalt, Aufwandsentschädigung, Honorar oder wie auch immer nennt. Manchen Wirtschaftsbaronen soll zu Zugang zu Politik wie zB einer grünen Umweltlandesrätin auch bares Geld wert gewesen sein. Dann gibts halt im Tauschgeschäft gegen eine Naturschutzrechtliche Bewilligung im Bundesland xy plötzlich keinen Schnepfenstrich oder keine Gatterjagd mehr.

  15. KTMTreiber

    @TomM:
    Ja
    @Realist :
    Gut
    @Rado:
    Der Joschi is mia egal

  16. TomM0880

    Ich denke in Europa werden zur Zeit mehr Menschen gemessert als durch LEGALE Waffen getötet.

    Für die Politiker ist es nach einem Anschlag leicht nach strengeren Waffengesetzen zu rufen.
    1) ist es medienwirksam
    2) nützt es ihnen, zum Schutz vor dem eigenen Volk
    3) könnten sie sonst nichts vorweisen, da Anschläge mit ILLEGALEN Waffen nicht verhindert werden können

    Deshalb sollte meiner Meinung nach jeder Polizist verpflichtet werden privat ebenso eine Waffe zu tragen, da er 24H, 365 Tage im Jahr Polizist ist, und nicht nur in der Dienstzeit.

    Nur weil es ein liberales Waffengesetz gibt, heißt es noch lange nicht, dass jeder Vollidiot eine Waffe bekommen soll. Das Gesetz wie es in Österreich gibt, funktioniert sehr gut und muss nicht verschärft werden. Im Gegenteil sollten viel mehr Waffenpässe verteilt werden.

    Jeder der eine Waffe haben will und unbescholten ist, bekommt auch eine, und das wäre auch gut so.

    Das Recht eine Waffe zu Besitzen sollte aber sofort entsagt werden, wenn die Zuverlässigkeit auch in anderen Situationen abgesprochen werden kann (Vorstrafen, Alkoholproblem, usw) – obwohl es das ja schon wird.

  17. TomM0880

    @KTMTreiber
    Dann sieht man sich vielleicht ab nächstes Jahr mal bei einer Jagd 😉

  18. Lisa

    Einigen kann man eben eine Waffe in die Hand, bzw. den Schrank geben, wenn er verantwortungsvoll damit umzugehen wiess. In der CH kann man als Militärangehöriger seine persönliche Waffe zwar unentgeltlich hinterlegen, wenn man zB Angst hat, sie könnte gestohlen werden oder wenn man sich selbst oder seinen Mitbewohnern nicht traut, aber die meisten bewahren sie zuhause auf. Selbstmorde werden damit am meisten verübt, aber auch Beziehungskonflikte (oder Wut auf eine Behörde!) liessen manchen zur Militär- (oder Jagd-)waffe greifen. Da die CH ohnehin schon immer Weltmeister – neben Japan – bez. Suizide war, muss man diese Zahl wohl etwas relativieren. Angesichts des Waffenarsenals in privaten Haushalten verwundert allerdings, dass da nicht noch mehr geschieht oder geschehen sit.

  19. Der Realist

    @Lisa
    in Österreich gibt es sehr viele Jäger, die meisten haben sogar mehrere Waffen, Gewaltverbrechen werden mit Jagdwaffen allerdings so gut wie keine begangen, diese scheinen nicht einmal in der Statistik auf

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