Die SPÖ auf den Spuren der SPD

Von | 2. Oktober 2017

(GEORG VETTER) Wenn aus SPÖ-Kreisen Facebook-Seiten Pro und Kontra Sebastian Kurz betrieben werden, erscheint dies nicht wirklich verwunderlich. Es passt vielmehr ins Bild. Als der ORF vor ein paar Jahren Taxiunternehmen für Neonazis spielte, um reißerische Bilder von einer FPÖ-Wahlveranstaltung zu senden, war dies offensichtlich nur die Spitze eines Eisberges. Eines Eisberges von mehreren. Auf der Linken kennt man offensichtlich keinen Genierer, wenn man den genüsslich verbreiteten Antisemitismus-Vorwürfen etwas nachhelfen muss, damit die eigene Propaganda glaubhaft wirkt. Die Arbeitsteilung ist bemerkenswert: Die einen agitieren gegen Antisemitismus und Fake-News, die anderen erfinden sie.

Bemerkenswert erscheint in diesem Licht auch Kerns seinerzeitiges Video anlässlich der Trennung von Tal Silberstein. Dieser war, so Kern damals, bloß für Umfragen und deren Analysen zuständig. Die nunmehr aufgekommene Schlaumeierei der sozialdemokratischen Wahlhelfer legt eher den Schluss nahe, dass es Silberstein doch um die Beeinflussung der Umfragen und deren Analysen ging. Ob das Christian Kern eh so gemeint hat?

Als Kaiser Franz Josef 1859 den Oberbefehl über die Armee übernahm und diese in eine grauenvolle Niederlage bei Solferino führte, sprach man von einem Esel, der eine Herde von Löwen anführte. Bei der SPÖ hat man heute den Eindruck, dass ein Papagei eine Herde von Pinguinen führt. Pinguine, die sich so ziemlich alles gefallen lassen.

Christian Kern lässt in seinem merkwürdigen Wahlkampf kaum eine Peinlichkeit aus: Tal Silberstein, Baustopp am Ballhausplatz, Vollhollerkritik an der Sperre der Mittelmeerroute, CETA, Dirty Campaining, Glyphosat, Interviewverbot, Eitelkeitsbestätigungen, Inseratenstopp etc. Doris Bures wird in ihrer seinerzeitigen Politikunfähigkeitsanalyse täglich bestätigt.

Dass die Nerven blank liegen, zeigt sich auch an den Umgangsformen der Sozialdemokraten untereinander. War es vor ein paar Wochen noch eine Prügelei von Mitarbeitern, die als Einzelfall herabgespielt werde sollte, hat jüngst die bundesdeutsche Arbeitsministerin Nahles der SPD auf ihrem Erneuerungsweg den Rat gegeben, den anderen “in die Fresse” zu hauen.

Der SPÖ wird in Zukunft voraussichtlich gar nichts anderes übrig bleiben, als sich an der SPD zumindest teilweise zu orientieren. Einerseits wird sie, wenn sie die letzten Tage vor der Wahl ihren Modus beibehält, die 20 Prozent der Schwesterpartei kaum erreichen, andererseits wird die strategische Überlegung zwangsläufig dieselbe sein: Ab in die Opposition zum Zwecke der Erneuerung. In jeder Beziehung.

 

17 Gedanken zu „Die SPÖ auf den Spuren der SPD

  1. Rado

    Das kann man annehmen, dass die ORF-Neonazi Affähre nur die Spitze eines Eisberges war. Wer danach welchen darauffolgenden Prozess gewonnen hat, ist inzwischen völlig irrelevant.
    Jeder rechte Rülpser und jedes Naziposting mit FPÖ-Bezug irgendwo und irgendwann muss inzwischen auf eine hochprofessionelle False-Flag Operation mit Millionenbudget samt Bestechung untersucht werden.

  2. Falke

    Burgenlands LH Niessl hat noch eines draufgelegt und hinter der ganzen Affäre die ÖVP vermutet.

  3. Thomas Holzer

    Proleten bleiben eben Proleten, auch wenn sie slim-fit Anzüge tragen und ein Studium absolviert haben

  4. KTMTreiber

    … in der Regel werden über 99 % der Hakenkreuze von linken Antifanten an Fassaden und Wahlplakate geschmiert (ein Großteil sogar falsch – diesbezüglich bestünde Nachholbedarf) … – derartige Taten kommen jedoch einer gewissen Statistik sehr entgegen … 😉

  5. Christian Peter

    Naja, in Sachen Dirty Campaigning schenken sich die Parteien in Österreich nichts. Es war allerdings doof von der SPÖ, sich bei einer derartigen Aktion erwischen zu lassen.

  6. Der Realist

    @KTMTreiber
    das ist nur Arbeitsbeschaffung für den dubiosen Verein “ZARA”, dieser wird ja mit Steuergeld großzügig unterstützt, als Leistungsnachweis genügt, wenn in der Statistik 50 an Fassaden gemalte Hakenkreuze aufscheinen.

  7. Selbstdenker

    An der Reaktion der SPÖ kann man recht deutlich erkennen, wie knietief die in dem Skandal drinnenstecken. Die Taktik, sich als Opfer hinzustellen, hatten sie auch damals beim BAWAG-Skandal angewendet.

    Hundsdorfer meinte damals (wenn ich mich nicht täusche), dass man ihm den Beschluss zur BAWAG-Haftungsübernahme untergejubelt hätte und er nur die Anwesenheitsliste unterschrieben hätte.

    Nach den geplatzten Karibik-Geschäften der Gewerkschaftsbank entdeckte man plötzlich den “Neoliberalismus” als eigentliche Ursache für die eigenen Unfähigkeit.

    Die SPÖ tickt nach der “Logik” eines Spielsüchtigen, der glaubt, dass er alles zurückgewinnen könnte, wenn er bei jedem Verlust den Einsatz erhöht. Und: sie haben ein Moralempfinden wie ein pathologischer Lügner.

  8. Selbstdenker

    Der SPÖ gewidmet:

    “You can fool all the people some of the time, and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time.”
    (Abraham Lincoln)

  9. Gandalf

    ich erinnere mich noch lebhaft wie vor ein paar Jahren anlässlich einer Wahl in Tirol Juso das eigene Vereinsheim anzündete um es erfundenen Rechtsextremisten unterzuschieben – das hat anscheinend mittlerweile Schule gemacht

  10. Rennziege

    P.S.: … und übersieht Dinge, die er eigentlich wissen sollte. Also bitte auch den zugehörigen Thread lesen.

  11. Selbstdenker

    @Rennziege:
    Die SPÖ betreibt nun eine Vernebelungskampagne um von ihren skandalösen Praktiken abzulenken. Wie tief diese Partei drinnen hängt, kann man an den eingesetzen Methoden erkennen.

    Fakt ist, dass die SPÖ bereits in der Vergangenheit ähnliche Kampagnen mit zum Teil ähnlichen Netzwerken durchgezogen hat.

    Die SPÖ versucht sich nun als Opfer eines “Maulwurfes” darzustellen um davon abzulenken, dass in ihren Einflussbereich mehrere Dinge mit möglicherweise strafrechtlicher Relevanz passiert sind. Das ist ihre gängige Taktik.

    Selbst wenn ein “Maulwurf” (passender wäre die Bezeichnung Whistleblower) Informationen “geleaked” hätte, so gibt es eine einfache Frage, die sich jeder stellen kann:

    Was ist verwerflicher: der Machterhalt unter Einsatz derartiger Methoden oder das Leaken von Informationen über solche Methoden?

    Dem Plagiats-“Spezialisten” traue ich auch nur sehr begrenzt. Wie kommt es, dass er plötzlich jetzt auftaucht und wer hat ihn engagiert?

    Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass dem Plagiats-“Spezialisten” eher an einer äquidistanten Vernebelung als an einer sauberen Aufklärung gelegen ist.

    Mit seinen Hinweis auf postmoderne Wahlkampfmethoden hat er allerdings recht. Erwähnenswert ist aber, dass derartige Methoden überwiegend in linken akademischen Kreisen ausgebrütet werden. Was wieder einige Rückschlüsse zulässt.

    Hillary Clinton “glaubt” ja auch immer noch den Wahlkampf wegen den Russen und der vielen “Sexisten” und “Rassisten” verloren zu haben.

    Auf die Idee, die Schuld einmal bei sich selbst zu suchen, kommen diese Heuchler erst gar nicht.

  12. Rennziege

    2. Oktober 2017 – 19:04 — Selbstdenker
    Sie haben völlig recht. Die beiden jahrzehntelang dominanten Koalitionsparteien haben ihre Netzwerke flächendeckend und dauerhaft gesponnen — die kleineren Parteien womöglich auch, aber das entzieht sich meiner Kenntnis. Was mir aber aus Studientagen in Wien schon vor etlichen Jahren auffiel: Die fetteste Spinne sitzt in Wien, im Wasserkopf der Republik, wo sie sogar die Hochschulen bleibend eingesponnen hat. (Was auch zum unaufhaltsamen Niedergang der österreichischen Unis im internationalen Ranking geführt hat: Forschung und Lehre wurden systematisch ihrer Freiheit beraubt und werden durch rotgrüne Ideologie gelähmt.)
    Die äquidistante Vernebelung, die Sie erwähnen, findet freilich statt; das Internet ist hilfreich, und Portale wie Twitter, Facebook et al. verdienen mühelose Penunzen mit Polit-Akteuren aller Sorten. Die mussten früher für Hungerlohn Plakate kleben und den Souverän (das Volk) auf der Straße überzeugen. Heute sitzen sie an Bildschirmen und beziehen ihren Schandlohn für Lügen, Entstellungen und Gerüchte; dies wurde ja nicht erst durch Tal Silberstein zu einem neuen, fürstlich entlohnten Berufszweig.
    Schuld bei sich selbst suchen? Wo denken wir hin, wir altmodischen Demokraten? Heuchler sind niemals schuld, stets nur die anderen.
    That’s the name of the game, sir. Aber dieses politische Gangstertum wird durch seine einsetzende Entlarvung entweder die Segel für eine Weile streichen …
    … oder, was wahrscheinlicher ist, seine Plumpheit ablegen und raffinierter agieren: unauffälliger, aber gerade dadurch wirksamer.

  13. Fragolin

    Die SPÖ hat keine Inhalte und keine Kompetenzen mehr. Deshalb setzt sie nicht mehr auf die positive Selbstdarstellung (da ist nichts mehr zu finden) sondern nur noch auf das verzerrte Bild der Konkurrenz. Damit der Einäugige König werden kann, mixt er einen giftigen Trank, der alle Konkurrenten erblinden lässt.
    Wer solche Methoden im Wahlkampf einsetzt, setzt solche Methoden auch ein, um zu regieren.

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