Wie man Wohlstand vernichtet

Von | 11. Dezember 2017

(ANDREAS TÖGEL) Eine jüngst von der „Agenda Austria“ veröffentlichte Statistik zeigt dramatische Veränderung der Arbeitswelt in den OECD-Staaten, die zwischen 1995 und 2015 stattgefunden haben. Kurz zusammengefasst: In der Warenproduktion gehen Arbeitsplätze verloren, während der Dienstleistungssektor boomt. Auffällig sind sowohl die Zuwächse im Immobilien- Gastronomie- und Finanzsektor, als auch die Rückgänge in der Textilproduktion und der Holzverarbeitung.

Der Niedergang der Güterfertigung, ist die Konsequenz der Verlagerung vieler Industriestandorte (namentlich im Bereich der Grundstoffe, wie z. B. von Stahl und Chemieprodukten) in den Fernen Osten. China ist auf dem besten Wege, zur Werkbank der ganzen Welt zu werden, wie auch an der sprunghaft ansteigenden Zahl von Patenanmeldungen chinesischer Firmen abzulesen ist. US-Präsident Trump hat seinen Wahlsieg nicht zuletzt dem von ihm im Wahlkampf abgegebenen Versprechen zu verdanken, der Abwanderung von Arbeitsplätzen aus den USA ins Ausland, entgegentreten zu wollen.

Die Ursachen der Standortveränderungen sind vielfältig. Zu nennen ist etwa die „erfolgreiche“ Arbeit der Gewerkschaften, die Arbeit in den westlichen Industrieändern, sukzessive aus dem Markt preist. Ferner die notorische Regulierungswut von Regierungen und Bürokraten, die den Unternehmen zunehmend die Luft abschnürt. Auch exzessive Steuerforderungen und eine geradezu verheerende Umwelt- Energie- und Klimapolitik, tragen ihren Teil zur Unternehmensvertreibung bei. Wer zwar seine Staatsfinanzen nicht im Griff hat, aber allen Ernstes verspricht, mittels einer dubiosen „Energiewende“ das Weltklima beeinflussen zu können, sollte sich klar machen, dass er damit die Axt an die Wurzeln des Massenwohlstands legt.

Eine von den meisten Politikern und Bürokraten selten beachtete Erkenntnis der Wirtschaftswissenschaften ist es, dass die Produktivität von Unternehmen, sowie die Wertschöpfung pro Beschäftigtem, die bestimmenden Größen für die Arbeitseinkommen bilden. Die Wertschöpfung pro Beschäftigtem und die Löhne korrelieren miteinander. Es ist kein Zufall, dass die Löhne und Gehälter in der Fahrzeugindustrie, diejenigen in der Gastronomie, in der Hotellerie oder im Reinigungsgewerbe bei weitem übersteigen. Ein hoher Kapitaleinsatz pro Beschäftigten, liefert den Hebel, der die Einkommen hebt. Und der Kapitaleinsatz im Maschinenbau, bewegt sich nun einmal in anderen Dimensionen als der im Friseurgewerbe.

Ein einfaches Beispiel: Ein Schuhmacher fertigt seine Produkte ausschließlich von Hand. Er benötigt drei Tage für die Fertigstellung eines Paars Schuhe. Mehr geht nicht. Dann entschließt er sich zur Anschaffung einiger Maschinen, die ihm nicht nur die Arbeit erleichtern, sondern auch seine Fertigungskapazität entscheidend steigern. Er kann jetzt in drei Tagen fünf Paar Schuhe herstellen. Der Kapitaleinsatz hat seine Produktivität – und damit auch sein Einkommen – dramatisch erhöht.

Die von den Regierungen vieler OECD-Staaten betriebene Politik, die – in Erfüllung der Forderungen von Gewerkschaftern und Umweltaktivisten – zu einer dramatischen Entindustrialisierung geführt hat, ist dafür verantwortlich, dass die Einkommen sinken. Das Gejammer über die schwindende Massenkaufkraft, ist unter diesem Gesichtspunkt zu beurteilen.

Das Wachstum des Finanzsektors verdient insofern Beachtung, weil es sich vom oben beschriebenen Zusammenhang zwischen Wertschöpfung und Einkommen abkoppelt. Es handelt sich um die Konsequenz einer der staatlichen Geldproduktion und -Manipulation geschuldeten Verzerrung. Der Finanzsektor im Fiat-Money-System schafft zwar keine Werte, ermöglicht aber dennoch weit überdurchschnittliche Einkommen – zu Lasten aller übrigen Werktätigen.

Manche Zeitgenossen – darunter bevorzugt Gewerkschafter oder Agenten der Armutsbewirtschaftungsindustrie – beschuldigen die Unternehmen, ihren Mitarbeitern „gerechte“ Löhne vorzuenthalten und ihre Gewinne zum Großteil für sich zu behalten. Sie fordern Löhne, von denen man „in Würde leben kann“. Klingt ungemein sympathisch. Was sie allerdings übersehen ist, dass Arbeitseinkommen nicht aus Träumen, sondern aus betrieblicher Wertschöpfung resultieren. Der selbst fahrende Taxiunternehmer, der zwei weitere Fahrer beschäftigt, verfügt nämlich über kein wesentlich höheres Einkommen als seine Angestellten. Sein Verdienst wird von jenem Preis begrenzt, den seine Fahrgäste bereit sind, für seinen Service zu bezahlen. Er daher kann seinen Mitarbeiten (und sich selbst!) einfach keine höheren Löhne bezahlen, als der Markt hergibt.

Wer also 1.500,- Euro Mindestlohn für alle durchsetzt, richtet im Niedriglohnsektor einen Kahlschlag an, weil die dafür erforderliche Wertschöpfung – etwa im Reinigungs- oder Personenbeförderungsgewerbe – nicht erbracht werden kann.

Fazit: um die Erosion der Massenkaufkraft zu stoppen, ist eine Reindustrialisierung erforderlich. Die Produktion hochwertiger Güter – und nicht die Erbringung einfacher Dienstleistungen – ermöglicht hohe Einkommen.

7 Gedanken zu „Wie man Wohlstand vernichtet

  1. Selbstdenker

    @Andreas Tögel:
    Sie sind zu meinem Lieblingsautor auf Ortner Online aufgestiegen!

    „ Eine von den meisten Politikern und Bürokraten selten beachtete Erkenntnis der Wirtschaftswissenschaften ist es, dass die Produktivität von Unternehmen, sowie die Wertschöpfung pro Beschäftigtem, die bestimmenden Größen für die Arbeitseinkommen bilden. Die Wertschöpfung pro Beschäftigtem und die Löhne korrelieren miteinander. Es ist kein Zufall, dass die Löhne und Gehälter in der Fahrzeugindustrie, diejenigen in der Gastronomie, in der Hotellerie oder im Reinigungsgewerbe bei weitem übersteigen. Ein hoher Kapitaleinsatz pro Beschäftigten, liefert den Hebel, der die Einkommen hebt. Und der Kapitaleinsatz im Maschinenbau, bewegt sich nun einmal in anderen Dimensionen als der im Friseurgewerbe.“

    Ich habe schon zahlreiche Produktionsunternehmen in den USA, in Europa und in China von innen gesehen und die Praxis belegt genau diesen von Ihnen beschriebenen Zusammenhang. Man könnte auch sagen: höhere Löhne sind im Produktionssektor dort möglich, wo die Wertschöpfung des Unternehmens und der Mitarbeiter durch den Kapitaleinsatz und die Wettbewerbsfähigkeit dieses Unternehmens (Anlagen, Know-how, Sozialkapital, etc.) gehoben wird.

    „Die von den Regierungen vieler OECD-Staaten betriebene Politik, die – in Erfüllung der Forderungen von Gewerkschaftern und Umweltaktivisten – zu einer dramatischen Entindustrialisierung geführt hat, ist dafür verantwortlich, dass die Einkommen sinken.“

    Aus dem Vertreiben von produzierenden Unternehmen aus dem Westen, die erheblich der „sozial“-„demokratischen“ Politik geschuldet ist, konstruieren diese den Narrativ vom „Ende der Arbeit“. In Wahrheit geht die Arbeit nicht aus, sie wird stattdessen von den Roten gezielt verunmöglicht.

    Auffällig ist, dass die Chinesen geradezu das spiegelbildliche Gegenteil von dem praktizieren, was die neoprogressiv verseuchten „Sozial“-„Demokraten“ in Europa bzw. die „Democrats“ in den USA treiben.

    „Der Finanzsektor im Fiat-Money-System schafft zwar keine Werte, ermöglicht aber dennoch weit überdurchschnittliche Einkommen – zu Lasten aller übrigen Werktätigen.“

    Dieser Effekt ist in den USA aufgrund steuerpolitischer und mittlerweile struktureller Besonderheiten noch ausgeprägter als in Europa. Hier hat Trump mit seiner Einschätzung völlig recht.

    Was ist eigentlich das Ziel der westlichen Linken? Es ist die Schaffung eines gesinnungsrassistischen totalitären Staates in dem sie als „Philosophenkönige“ ihre Utopie auf Kosten vom Rest der Gesellschaft, die vollständig in die politische Abhängigkeit gedrängt und untereinander ausgespielt wird, träumen können.

  2. Thomas Holzer

    Aus dem Artikel: “Der Kapitaleinsatz hat seine Produktivität – und damit auch sein Einkommen – dramatisch erhöht.”

    Nein, noch nicht!
    Erst wenn er auch die 5 Paar Schuhe und mehr verkauft hat und der Kapitaleinsatz amortisiert wurde

  3. G

    Wenn der Schuster dann den strategischen Fehler begeht, einen Arbeitnehmer anzustellen, dann ist es um seine Existenz geschehen, dann trifft ihn die volle Härte des Staates? Er mutiert zum Ausbeuter der Massen und muss aus gesamtgesellschaftlichem Interesse kontrolliert, drangsaliert und vernichtet werden. (AK, WK, Arbeitsinspektorat, Gewerbeaufsicht, Finanzamt etc.)

  4. Falke

    @G
    Völlig richtig! Ich bin ja neugierig, ob die künftige schwarz/türkis-blaue Regierung daran etwas ändert. Wenn man die einschlägigen “Leistungen” der vorigen schwarz-blauen Regierung betrachtet, muss man leider pessimistisch sein. Schon allein die Ankündigung, dass sich am Kammernsystem nichts ändern wird, ist ein eindeutiges Signal in die falsche Richtung.

  5. G.

    @ Selbstdenker, Falke
    Ich wollte der neuen Regierung nicht vorgreifen, denn die Hoffnung dass zumindest die Kassen zusammengelegt werden gebe ich noch nicht auf. Die Kammern werden wohl leider in der heutigen Form überleben. Wenn der AK Chef dem Kurz in den Arsch kriechen will, schaut schon der WK Präsident heraus.
    Was leider völlig eingeschlafen scheint, ist die Demontage des unützen ORF, da warte ich auf die Verkündung der Frohbotschaft, dass diese Parasiten sich mit Servus Tv um die Fördergelder matchen dürfen.

  6. bill47

    Prof. Rainer Mausfeld erinnert in seinem Artikel “On the Phenomenon of Bullshit Jobs” an, die von Sir John Maynard Keynes 1930 getätigte Prognose, dass wegen der Automatisierung in der Produktion sich die wöchentliche Arbeitszeit bis zum letzten Jahrtausendwechsel auf 15 Stunden wöchentlich reduziere. Prof. Mausfeld stellt fest, dass im Jahre 2000 tatsächlich nur noch 29% der Beschäftigten an Arbeitsplätzen arbeiteten, die es 1930 schon gab. Alle anderen arbeiten in Jobs, die seit 1930 neu “erfunden” wurden. Was er von diesen Jobs hält, sagt der Titel seines Artikels.

  7. bill47

    Sorry!
    Nicht Prof Rainer Mausfeld ist der Autor von “The Phenomenon of Bullshit Jobs”, sondern Prof. David Graeber.

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