5 nach 12, sagt die Uhr des Thomas D.

(von Christian Tomaschek) „Genosse Drozda: Auch auf Deiner Rolex ist es 5 vor 12“, stand noch auf einem Transparent zum 1. Mai, dem Jubeltag der Arbeiterbewegung. Zum Jubeln gibt es mittlerweile wenig, denn nach dem vorgestrigen High-Noon im Sitzungssaal des Parlaments haben sich die Zeiger auch auf diesem Nobel-Chronographen gefährlich weitergedreht.

Denn dass unser Land die jetzt beginnenden Verhandlungen auf EU-Ebene für die Zeit nach dem Brexit maximal mit einem  B-Team bestreiten wird, war der SPÖ sehr wohl bewusst. Wahrscheinlich auch der Umstand, dass Kurz und Blümel gewichtigere Verhandler gewesen wären. Dass Österreich nicht höhere Beiträge nach einem vollzogenen Brexit zahlen will, hatten die Herren bereits unmissverständlich in Brüssel deponiert. Dass Österreich bei der Auswahl des EU-Kommissionspräsidenten eine große Rolle spielen wird, ist nun noch unwahrscheinlicher als an sich schon.  Wenig wahrscheinlich ist nun auch  dass die wechselseitige Wahlkampfunterstützung zwischen dem Spitzenkandidaten der EVP Manfred Weber und Sebastian Kurz noch Erfolge auf zweiter Ebene für unser Land zeitigen könne. In Summe ein hoher Preis für wenig politischen Nutzen.

Staatstragend Sebastian Kurz nach dem Greuel-Video die Hand zu reichen, war offenbar nicht möglich. Sich aus den Niederungen der Wadelbeißerei zu erheben, doch zu visionär. Damit hat die SPÖ eventuell ihre letzte Chance verspielt außerhalb ihrer Funktionärsblase ernst genommen zu werden. Oder kommt jetzt die rot-blaue Koalition?

5 comments

  1. sokrates9

    Greuel – Video? Das was Strache da im Drogenrausch von sich gibt ist doch 100% Realität bei allen Politikern! da sich zu entrüsten und eine Koalition platzen zu lassen ist einfach kindisch und wird doch nur vorgeschoben!
    Unsere Topleute müssten alle ins Kloster gehen wenn sie die Skrupellosigkeit eines Trump, Macron, Merkel, Putin sehen , denen sie freudig die Hand schütteln!

  2. CE___

    Ich möchte weder einer SPÖ noch einer FPÖ das Wort reden, jedoch lässt mich dieses pseudo-“staatstragende” Gerede und Getue einer ÖVP sehr verständnislos zurück.

    Der Herr Ex-Kanzler hätte doch selber staatstragend an diesem gewissen einen Samstag handeln können; am Vormittag den Rücktritt zweier Problembären akzeptieren, und schon am Nachmittag mit einer voll funktionsfähigen Regierung in all die weiteren EU-oder-was-weiss-ich-noch-Verhandlungen-und-Wahlkämpfe gehen können.

    Der Herr Ex-Kanzler hat sich halt entschlossen einen Schritt weiter zu tun, auf welches Antreiben und Motivation nun auch immer hin, den Kopf eines weiteren Koalitionspartners zu fordern, und der Schritt hat halt das Eis zum brechen gebracht.

    Schlecht spekuliert, ein Schritt zuviel, kann halt passieren.

    Nur nun sollen sich FPÖ und SPÖ hinknien und zum eigenen Schaden (von aktuellen und vergangenen Koalitionsbrüchen) noch ein freundliches Gesicht machen und “staatsmännsich” “die Hand zu reichen” (und sich vielleicht auf die nächste Watsche freuen)?

    Also um DAS von anderen anzunehmen bzw. zu verlangen muss man schon sehr frech und unverfroren sein, einem Kurz-Führerkult huldigen, oder selbstkritiklos tiefschwarz sein, oder gleich alles zusammen.

  3. Thomas F.

    In mindestens gleichem Maße ist auch Kurz der Vorwurf zu machen, dass das Aufkündigen der Koalition nicht wirklich notwendig war. Und für Kickls Absetzung gab es auch keinen dringenden Grund. Wobei uns hier eigentlich Herr Bellen eine Rechtfertigung schuldet. Denn er hat ihn entlassen. Kurz konnte es ja nur vorschlagen.

  4. sokrates9

    ThomasF@Gründe der Entlassung von Kickl durch VdB? – Ganz einfach, passt doch überhaupt nicht in ein grünes Regierungsprogramm!
    CE@ Kurz hat perfekt den Ast abgeschnitten auf dem er saß! Waren es ein paar Prozentpunkte mehr di er erwartet – Molterer hat sich da ja auch perfekt in das Knie geschossen, oder waren es diverse Einsager der ÖVP die vielleicht im Hintergrund kokettieren so den Kurz wegzubringen?

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