Immer tiefer in die Klima-Planwirtschaft der EU

Von | 9. Januar 2021

(ANDREAS TÖGEL) Im 15. Jahrhundert hatte sich die Führung des damals dem Rest der Welt technologisch weit überlegenen Reichs der Mitte dazu entschlossen, seine gewaltige Hochseeflotte zu zerstören und es dadurch den Europäern ermöglicht, in den nachfolgenden Jahrhunderten die Welt zu erobern und unter sich aufzuteilen. 500 Jahre später haben sich die politischen Eliten der einst weltbeherrschenden Zivilisation Europas soeben darauf geeinigt, das Feld den Chinesen und allen anderen globalen Wettbewerben zu überlassen, indem sie sich daranmachen, die wirtschaftlichen Grundlagen Europas nachhaltig zu ruinieren. So vergeht der Ruhm der Welt…

Wenn die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union angeblich „ambitionierte“, in Wahrheit aber selbstzerstörerische Klimaziele definieren, die bis 2030 eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 55 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 1990 vorsehen, so liegt auf der Hand, dass das in einer nach wie vor auf der Verbrennung fossiler Energieträger aufbauenden Zivilisation einen Kahlschlag im Bereich energieintensiver Industrien (z. B. Stahl-, Aluminium-, Chemikalien- und Fahrzeugherstellung) und außerdem eine drastische Einschränkung der individuellen Mobilität bedeuten wird. Pkws mit Verbrennungsmotoren wird damit der Garaus gemacht. Teure Elektrofahrzeuge (mit hohem Eigengewicht, aber geringer Reichweite) werden sich viele Menschen aber nicht leisten können und daher künftig viel Zeit in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln zubringen. Das ist eine – gerade in Pandemiezeiten – nicht sonderlich verlockend erscheinende Aussicht.

Besonders absurd mutet das angeblich „ambitionierte“ Klimaziel der EU-Politnomenklatura an, wenn man die Größenordnungen der CO2-Produktion im internationalen Vergleich betrachtet: Europa ist für gerade einmal acht Prozent des weltweiten Kohldioxidausstoßes verantwortlich. China hingegen, bei steigender Tendenz, für rund 30 Prozent und damit für das etwa Fünfzehnfache Deutschlands. Dass die Klimahysterie ausgerechnet in der auf seine Automobil- und Maschinenbauindustrie angewiesenen wirtschaftlichen Zugmaschine Europas besonders intensiv gepflegt wird, ist genauso haarsträubend wie verwunderlich.

Zu der von der EU angepeilten – auf weltweit akkumulierte Zahlen bezogen – 4-prozentigen Reduktion der CO2-Produktion wird es aber deshalb nicht kommen, weil die Nachfrage nach Produkten, deren Erzeugung mit starken Treibhausgasemissionen verbunden ist, nicht verschwinden und daher lediglich der Ort ihrer Herstellung verlagert wird – nämlich nach Fernost. Und genau dort rangieren Klimaziele weit hinter dem Wunsch, ein im Westen längst selbstverständlich gewordenes Wohlstandsniveau zu erreichen.

Mit anderen Worten: Jene Industrien, die man mit ehrgeizigen Klimazielen in Europa zerstört oder vertreibt, werden an anderen Standorten, wo man für den „Klimaschutz“ nicht den geringsten Sinn hat, in Zukunft mehr CO2 produzieren als hier. Die internationale konsolidierte Bilanz der europäischen CO2-Veitstänze wird daher negativ ausfallen.

Was die europäischen Staatenlenker nicht im Mindesten anzufechten scheint, sind die katastrophalen Auswirkungen auf den Wohlstand in der Alten Welt, die von der zu erwartenden Desindustrialisierungswelle ausgehen werden. Das Bewusstsein dafür, dass der Reichtum der Nationen nicht aus der Notenpresse, sondern aus florierenden Betrieben kommt, scheint in den Tintenburgen des europäischen Bürokratiemonsters inzwischen völlig verlorengegangen zu sein.

China ist mit jährlich 11,5 Milliarden Tonnen der weltweit größte CO₂-Emittent. Der Bau von hinsichtlich ihres Kohlendioxidausstoßes besonders problematischen Kohlekraftwerken schreitet dort – gegen den internationalen Trend – weiter voran (siehe hier). Indien ist, bezogen auf das Referenzjahr 1990, bei der Steigerung seiner Treibhausgasproduktion sogar Weltmeister. Von 1990 bis 2018 hat sich der Ausstoß von CO2 dort um sagenhafte 330 Prozent erhöht. Menschen, die einen zumindest bescheidenen Wohlstand erreichen wollen, der sich etwa im Erwerb von stinkenden, mit Zweitaktmotoren ausgestatteten Motorrollern manifestiert, scheren sich naturgemäß nicht um die hierzulande kultivierten Klimaneurosen.

„Klimaschutz“, man kann es nicht oft genug wiederholen, ist ein Luxus, dem sich Gesellschaften erst dann zuwenden, wenn sie erst einmal ein gewisses Mindestwohlstandsniveau erreicht haben. Der Weg dahin ist indes – solange es keine alternativen, im großtechnischen Sinn praktikabel und in Hinblick auf die Kosten konkurrenzfähig einsetzbaren Primärenergiequellen gibt – mit der Verbrennung fossiler Energieträger und folglich mit der Freisetzung von CO2 verbunden. Ob das Greta Thunberg und anderen Klimaapokalyptikern nun gefällt oder nicht, wird das auch so bleiben -, ganz besonders in einem Land wie Deutschland, wo die Befürworter CO2-neutraler Atomkraftwerke gute Aussichten darauf haben, auf dem Scheiterhaufen zu landen.

Grundlage der autodestruktiven Aktivitäten des politisch-geldindustriellen Komplexes bildet das unermüdliche Streben nach totaler Kontrolle aller Lebensbereiche und das damit einhergehende Misstrauen gegenüber unregulierten Transaktionen der Wirtschaftssubjekte. Anders ausgedrückt: Die Ablehnung der freien Marktwirtschaft. Das wäre indes noch gar kein Malheur, wenn es den Regierungen und ihren Symbionten nicht längst gelungen wäre, auch Krethi und Plethi davon zu überzeugen, dass ohne politische Interventionen gar nichts mehr läuft. „Ohne den Staat – wer würde dann die Straßen bauen?“

Die Ökonomie, von Thomas Carlyle einst als „trostlose Wissenschaft“ gebrandmarkt, ist ein Feld, das der Durchschnittswähler lieber gar nicht erst betritt. So können Politkader, die von jeder wirtschaftlichen Fach- und Sachkenntnis zwar unbelastet, von ihrer unbeschränkten Weisheit aber absolut überzeugt sind, sich ungebremst und unter dem unentwegten Beifall korrupter Medien, nach Herzenslust ihren planwirtschaftlichen Phantasien hingeben und die letzten erkennbaren Reste privater Wirtschaftsinitiativen durch ein hochtoxisches Gemisch aus rotgrüner Ideologie und bürokratischer Kommandowirtschaft ersetzen.

Das Wissen darum, dass noch jede den Menschen dienliche Erfindung und Entwicklung von freien, staatsunabhängigen Geistern auf den Weg gebracht wurde, während staatliche Projekte stets nur kleinen Klüngeln Vorteile brachte (etwa den in der Rüstungs- oder in der Raumfahrtindustrie Tätigen), ist bedauerlicherweise weitgehend abhandengekommen.  (Quelle: Mises.de)

 

 

5 Gedanken zu „Immer tiefer in die Klima-Planwirtschaft der EU

  1. dna1

    Ja, sehr geehrter Hr. Tögel, dem ist nichts hinzuzufügen, alles logisch.
    Und so kompliziert ist das nicht, was sie geschrieben haben, das sollte auch jemand verstehen können, der gerade noch Matura geschafft hat. Irgendein durchschnittlich intelligenter Journalist sollte das auch kapieren und nachvollziehen können, genauso gut wie eine Physikerin, auch wenn sie ihr Studium an einer Ostuni mit – wie soll ich es höflich ausdrücken – „anderen Qualitätsanforderungen“ absolviert hat.
    Umso erstaunlicher, dass dem offenbar nicht so ist. Die Leute sind halt gelangweilt und faul und suchen nach einfacheren Dingen, mit denen sie sich beschäftigen können. Themen, wo man nichts können muss, außer überzeugend reden, und nichts zu erschaffen braucht, sondern sich in der Zerstörung, das ist immer einfacher, gut fühlen kann.

  2. aneagle

    Die zentrale Klimaplanwirtschaft Europas steht auf zwei tönernen Säulen:

    a: die Erfüllung des Narratives des World Economic Forums: „You will own nothing and you will be happy“
    b: die Bauernregel-wenn dem Esel zu wohl wird, dann geht er auf das Eis.

    Das einzige Produkt, das Europa noch selbst produziert, ist der selbstgerechte, bildungsferne, pseudodemokratische Politiker- wahrlich kein Exportschlager. Wurde er früher noch vorsorglich in Brüssel gehortet, werden die überflüssigen unbrauchbaren Politiker jetzt wieder über die europäischen Regierungen in die einzelnen Länder zurückgeflutet

    Deutschland hat sich bereits abgeschaltet, Europa ist dabei sich auszuschalten. Eine neue EU-Hymne ist angebracht: „Sic transit gloria mundi, über allen Gipfeln ist Ruh- die Welt und die Briten schauen zu“

  3. sokrates9

    Wie ist es möglich die akademische Schicht Europas (in der Regel wenig Politiker – falls mit zweifelhaften Plagiaten)diese Argumentation offensichtlich nicht nachvollziehen kann und in Österreich applaudiert wird
    wenn unsere tapferen Politiker die Pariser Klimaziele nochmals erhöhen um „die ganz Braven zu sein?“ Nirgendwo findet sich einer der diese Phantasten mit dem nassen Fetzten rauswirft!
    Wie kann es sein dass unsere Medien so korrumpiert werden dass die Masse der Journalisten diese Gedankengänge offensichtlich nicht nachvollziehen können und kein einziger sich da kritisch äußert? Wie kann es sein dass Vorstände von Konzernen mit Begeisterung den Ast absägen wollen, auf dem sie sitzen?

  4. CE___

    Der Unterschied zwischen der Zerstörung der eigenen Hochseeflotten (und der Verhinderung damit verbundener eigener organisierter kolonialer Expansion) durch einige chinesische Kaiser und der heutigen Zerstörung der europäischen Industrie und Wissenschaft durch den EU-Sowjet ist fundamental in den Ursachen und Zielen.

    Die jeweiligen chinesischen Kaiser sahen darin eine Stärkung der Stabilität (!!!) der eigenen Herrschaft bzw. Dynastie, sprich des Landes!

    So wie heute die totalitär herrschende Kommunistische Partei China’s, so auch die ganzen totalitär herrschenden Kaiser bis 1911, sahen in einem jeder in Übersee weilenden (und dort zu Reichtum und vielleicht sogar Gefolgschaft) kommenden Untertanan ein Gefährdungspotential für die eigene Herrschaft und Macht/Stabilität des Landes, welcher man am besten gleich das Holz unter dem Feuer wegzieht indem kein Chinese in Übersee weilen sollte (ja, und dennoch gab es viele Chinesen die über die Jahrhunderte emmigrierten, teils unter dem Radar der Machthaber die das gar nicht gerne sahen)

    Das heutige Regime denkt dieses Gefährdungspotential besser unter Kontrolle haben zu können einfach da die Welt durch die modernen Transportmittel „geschrumpft“ ist und durch die modernen Kommunikationsmittel besser eine totalitäre Kontrolle (und Bestrafung) der eigenen Leut‘ in Übersee aufrecht erhalten werden kann.

    Darum fühlt sich auch das Regime der VR China stabil genug um „über die eigenen Grenzen hinaus“ nun in die Welt zu expandieren und zu kolonisieren und diese im Sinne des chinesischen ur-kulturellen TianXia-Konzeptes umzubauen.

    Die (marxistische) Denke „unseres“ EU-Sowjets ist aber nicht die Stärkung oder der Erhalt der Stabilität eines westlichen freiheitlichen, demokratischen, soweit noch marktwirtschaftlichen Europas.

    Im Gegenteil, wir Europäer, unser „Kapitalisms“, „unser“ „Kolonialismus“, alles böse, unsere Art zu Leben und einen Staat und Gesellschaft zu gestalten, ist böse, und muss zerstört oder zumindest relativ zu anderen Kulturen und Gesellschaften massiv geschwächt werden. Am besten mit einen „Zurück zur Natur“ im Sinne von Öko-Khmers.

    Wie gesagt, ganz fundamentale Unterschiede und Ziele, in meinen Augen.

  5. Thomas Brandtner

    Vielleicht wäre es nützlich, sich zuerst einmal sachlich mit den Überlegungen der Europäischen Kommission auseinanderzusetzen, bevor man sie in Grund und Boden verdammt. Interessierten wäre insbesondere das Begleitdokument (eingehende Analyse) im Anhang zur grundlegenden Mitteilung von 2018 „Ein sauberer Planet für alle“ zu empfehlen. https://ec.europa.eu/clima/policies/strategies/2050_de
    Im übrigen sind die Probleme und Gefahren, die Herr Dr. Tögel anspricht, durchaus ernster Natur. Ich kann als Augenzeuge der Ereignisse in Brüssel bestätigen, daß alle diese Fragen in den Chefetagen der Europäischen Institutionen und in hochrangigen Expertengruppen jahrelang diskutiert worden sind. Beeindruckend war dabei der Optimismus und die Sachlichkeit der Vertreter der europäischen Industrie: da gibt es kein Lamentieren, die europäischen Spitzenunternehmer sind davon überzeugt, die Herausforderung der Dekarbonisierung und der Nachhaltigkeit erfolgreich bestehen zu können. Was sie aber einfordern, ist eine gute Koordination zwischen staatlichen und privaten Initiativen, denn nur so kann Planungssicherheit für die notwendigen großen Investitionen geschaffen werden. Wir sollten diese indikative, marktwirtschaftliche Form der Planung, die die Grundlage jeder erfolgreichen Unternehmensführung aber auch jeder sinnvollen Wirtschaftspolitik darstellt, nicht mit der Planwirtschaft unseligen Angedenkens verwechseln. In den letzten Wochen haben sich politische Aussagen von Spitzenrepräsentanten anderer wirtschaftlicher Großmächte gehäuft, die den Schluß nahelegen, daß auch die USA, China und Russland ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten werden. Und zwar natürlich nicht aus Nächstenliebe, sondern weil sie die Größe der Bedrohung erkannt haben, die der Klimawandel auch für ihre Staaten darstellt.

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