Im Bann der Inzidenz

Von | 8. März 2021

(CHRISTIAN EBNER) Der Lockdown bringt nicht die gewünschten Ergebnisse? Dann verlängern wir ihn halt. Der Lockdown raubt den Menschen Freiheit, Sozialleben und schädigt die psychische Gesundheit? Egal, das einzige, was zählt, ist der Inzidenz-Wert. Der Lockdown treibt uns in den wirtschaftlichen Ruin? Macht nichts, der Staat zahlt alles und das Geld kommt aus der Notenpresse. Die Tatsache, dass viele Bürger trotz Hilfen, die Ersparnisse von Jahren aufbrauchen, sehen die Entscheidungsträger mit Steuerzahler-finanziertem Fixgehalt offenbar ohnehin gelassen.
Wir alle müssen im Leben mit unzähligen Risiken zurechtkommen, alles was wir tun um Risiken zu kontrollieren, hat seinen Preis in Form von Verlust von Zeit, Geld, Freiheit und / oder Lebensfreude. In einem freien Land, entscheiden freie Bürger, wie sie mit Risiken umgehen und welchen Preis sie dafür bereit sind zu bezahlen. In einem autoritären Staat hingegen werden die Bürger zu Unmündigen degradiert, der Staat schreibt vor, was die Untertanen zu ihrem eigenen Wohle zu tun und zu lassen haben, Alkoholverbot, verpflichtender Morgensport oder eben willkürliche Lockdowns folglich gerechtfertigt.

Schon Immanuel Kant hat festgehalten, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt. Insofern ist es schon gerechtfertigt, dass es der Staat verbietet alkoholisiert mit dem Auto zu fahren oder auch Lockdowns zu verordnen, um das Gesundheitssystem vor der Überlastung zu bewahren, so wie dies im gültigen Covid-Gesetz vorgesehen ist. Dadurch wird verhindert, dass das Risikoverhalten bestimmter Personen, unbeteiligte Dritte massiv schädigt.

Nun will Anschober allerdings das Covid-Gesetz derart umbauen, dass er ermächtigt würde einen Lockdown zu verhängen, wenn Maßnahmen des Contact-Tracings nicht mehr greifen oder bestimmte Inzidenzwerte erreicht werden. Contact-Tracing ist ein staatliches Kontrollsystem. Bei der Inzidenz wird die Anzahl der positiven Getesteten pro 100.000 Einwohner gemessen. Der Wert sagt nichts darüber aus, wie viele Personen, wie stark an Corona erkranken. So hat Deutschland derzeit einen besseren Inzidenzwert als Österreich, aber mehr Tote. Die Erklärung ist einfach: Deutschland testet viel weniger, was zu weniger positiv Getesteten führt. Mit dem neuen Covid-Gesetz wäre also nicht mehr eine objektive Gefährdung der Mitbürger der Maßstab, sondern das Erreichen bestimmter willkürlich festgelegter, statistischer Werte oder das Funktionieren des staatlichen Kontrollsystems. Der Willkür des Gesundheitsministers würden Tür und Tor geöffnet.
Wenn ein Staat, der den Menschen im Detail vorschreibt, was sie zu tun haben und wie sie zu leben haben, funktionieren würde, dann hätte auch die Planwirtschaft funktioniert. Der Staat ist auch damit überfordert, den Bürgern und allen möglichen Organisationen im Detail vorzuschreiben, wie sie mit dem Corona-Risiko umzugehen haben.

Es braucht wieder mehr Eigenverantwortung. Der einzelne muss selbst entscheiden, wie er sich im der persönlichen Lebensführung am besten schützt und jene, die Zusammenkünfte von Personen organisieren, müssen in ihrem Bereich eigenverantwortlich für Sicherheitskonzepte sorgen, die je nach Gegebenheiten unterschiedliche Elemente umfassen können, wie Abstand- und Hygieneregeln, Tests und / oder Lüftungskonzepte. Das muss für Sportvereine, Konzertveranstalter, Gastronomiebetriebe, Hotels ebenso gelten, wie für andere Unternehmen.
Der Staat sollte sich auf stärker auf seine Kernkompetenzen konzentrieren: prüfen und informieren welche Sicherheitsmaßnahmen, Medikamente und Impfstoffe wirken und dafür sorgen, dass jene, die sich Impfen wollen, auch an Impfstoff rankommen können.

Der Autor ist Obmann von FreeMarkets.AT und Unternehmensberater

12 Gedanken zu „Im Bann der Inzidenz

  1. Martin Schoeppl

    Es wird immer unerträglicher, wie die Regierung mit uns umgeht. Totales Versagen bei der Corona App (im Übrigen die einzig sinnvolle Methode, um contact tracing effektiv zu gestalten), bei der Teststrategie im Herbst, Misskommunikation zum Ende der Lockdowns (das hat zum Vertrauensverlust vieler Bürger geführt) und zuletzt ein komplettes Versagen bei der Impfstrategie, sowohl auf EU als auch auf nationaler Ebene. Meine Tante mit 86 ist immer noch nicht geimpft. Diese Melange noch untermalt mit föderalem Theater ist mir und vielen anderen zu viel geworden. Ich höre nur mehr von Experten was nicht alles passieren könnte (ja, es kann immer was passieren), der Gesundheitsminister erklärt jeden zweiten Tag mit Kindergartenonkelstimme, warum was nicht funktioniert und dass wir seit 52 Wochen entscheidende vor uns haben, der Innenminister spielt auf Repression und der Kanzler versucht sich durchzuschummeln. In Summe ist das unerträglich, ich habe genug und lebe mit gegebener Vorsicht mein Leben weiter, mein Vertrauen ist aber futsch. Ich wünsche allen Geschädigten alles Gute und der ÖVP und den Grünen viel Glück. Meine Stimme ist für euch leider auch futsch.

  2. Sokrates9

    Es ist traurig dass es derzeit eigentlich keine wählbare Alternative gibt,Ist die aVernunft bei den Politikern ausgestorben?

  3. Allagut

    Der Staat zahlt alles, koste es, was es wolle. Ich frage mich nur, warum wir überhaupt noch arbeiten gehen.

  4. Kluftinger

    Das Problem der Inzidenz ist ein Problem der Mathematiker . Herr Anschober ist blindgläubig gegenüber seinen Beratern (sofern man sie im TV sieht).
    Die Vertreter der TU und Uni in Wien mögen ja ehrenwerte Zeitgenossen sein, sie sind aber (auch die sogenannten Komplexitätsforscher) auf einer Abstraktionsebene, welche die Realität nicht widerspiegelt.
    Dann ist zu vermuten, dass einerseits der Machbakeitswahn der Politik(er) mit ihrer seelischen Grundverfassung korreliert? : Problematisieren anstatt motivieren!
    Es gibt eine reihe von Fehlverhaltensweisen der Menschen in komplexen Situationen . Einige davon seien hier angeführt:
    1. Eingeschränkte und stationäre Situationsanalysen
    2.Annahme linearer Trends
    3. Planungsrigidität (siehe Inzidenz)
    4.Mangelhafte Nebenwirkungsanalysen
    5. Tendenz zur Übersteuerung
    6. Gewaltsame Lösungsversuche….
    und einige mehr.
    Erkennen sie die Handlungsweise der Regierung wieder?

  5. CE___

    Eigentlich ein sehr guter Artikel, bis auf den Unfall im zweiten Absatz.

    “…Insofern ist es schon gerechtfertigt, dass es der Staat verbietet alkoholisiert mit dem Auto zu fahren oder auch Lockdowns zu verordnen, um das Gesundheitssystem vor der Überlastung zu bewahren, so wie dies im gültigen Covid-Gesetz vorgesehen ist. ..”

    Ist doch hoffentlich kein Ernst des Autors, dass man den natürlichen biologischen Ein- und Aus-Atem-Vorgang von gesunden Lebewesen, hier des Menschen, gleichsetzt mit der Inbetriebnahme eines Kraftfahrzeuges im alkoholisierten Zustand.

    Und wer sagt das “Lockdowns” eine wissenschaftliche Begründung hätten?

    Im Gegenteil, die desaströsen Erfahrungen zeigen nun in der Realität dass es gegen eine Virusausbreitung nicht hilft, und gemessen an den real entstehenden Kollaterialschäden so ist wie mit einer Nuklearwaffe auf Spatzen zu schiessen.

    Die westliche Welt hüpft einfach dass nach, und sogar noch viel gründlicher (!!!), was der rotchinesische Diktator, möglicherweise in einer Zwei-Sekunden-Bauchentscheidung als politischer “strong man”, als typisch kommunistische Ho-Ruck-Maßnahme, für die Stadt Wuhan angeordnet hat, und welches, typisch für totalitäre Systeme, von den nachgeschaltenen rotchinesischen Propandamedien und hiesigen Fünften Kolonnen als angebliche “Wissenschaft” in die Welt hinaustrompetet wird, damit der Diktator sein Gesicht wahren kann, falls es schiefgeht bzw. falls die Kollaterialschäden spürbar werden.

    Affe (in China) macht etwas, Affe (im Westen) sieht und macht nach.

    DAS ist die ganze affige “Wissenschaft” hinter den Lockdowns.

    Natürlich fällt uns auch krachend auf den Schädel, kulturell gesehen, das wir uns im Westen seit Jahrzehnten ein Narrativ gegenüber Asien im gesamten, und “China” im speziellen, aufgebaut haben, wonach jeder, wirklich PARDON, dort gelassene Furz von irgendeinen Westler begierig aufgeschnuppert wird und an andere Westler freudig-erregt als neueste östliche Weisheit als Lösung und/oder Linderung für dies und jenes, weiterverhökert wird.

  6. Allahut

    Der Staat zahlt alles, koste es, was es wolle! Langsam werden sich die Leute fragen, wozu sie noch arbeiten gehen. Und zahlt der Staat nicht, haben wir ja noch immer die EU. Ist alles gar nicht so kompliziert.

  7. GeBa

    Ich glaube inzwischen, dass Lockdowns sogar dazu beitragen, dass die Epidemie verlängert wird.
    Gewollt? So weit will ich gar nicht gehen, auf jeden Fall aus Unkenntnis und Unwissen geboren.
    Nicht nur bei uns aber eben auch da. Feige Politik

  8. hausfrau

    Seltsam, daß das Thema separat angestoßen wird.
    Das war das Thema der Demos am Samstag und die Motivation der Teilnehmer – aber weil sie sich gegen die Regierung richtete, die all das verursacht – darf man den Zusammenhang nicht sehen?
    Oder gilt das nur wenn es jemand “richtiger” äußert?

  9. Thomas F.

    Der Staat nimmt uns auf herablassende Weise das Denken ab.
    Wie sagt der Kurz immer so gerne: “Bitte glauben sie mir!” … und hören sie auf selbst zu denken!

    Warum ich gerade ihm irgendetwas einfach nur glauben sollte, war für mich noch nie zu erkennen. Etwa seine Lebenserfahrung? Seine intellektuellen Leistungen (er hat es immerhin geschafft zu inskribieren)? Seine kluge Argumentation?

  10. Nightbird

    Wenn man Erwachsene wie Kinder oder Idioten behandelt anstatt wie halbwegs Erwachsene, ist es auch nachvollziehbar, daß die Lockdowns nicht das bringen, was man sich erwartet hat. Soviel ist mal sicher. Dazu gibt es nur 2 Lösungsmöglichkeiten: Entweder ist man nicht in der Lage, Klartext zu reden oder aber, man hat es gar nicht vor.

    Mich beschleicht sei längerem schon das Gefühl, daß letzteres eher zutrifft. Nichtssagende Fabulierungen eines Kurz’, klare Worte einer Merkel können sehr auskunftsreich sein, wenn man genau hinhört wie sie etwas sagen und was damit eigentlich gemeint ist. Und dabei auch die Körpersprache beachten. Gerade daß, wie sie es sagen und was sie dabei “nicht” sagen deutet für mich auf die eigentliche Absicht hin. Die angesprochene Eigenverantwortlichkeit des Volkes ist dabei bloß ein Hindernis, die es unbedingt zu verhindern gilt.

    Man könnte fast meinen, daß ein Lockdown bloß ein Experiment ist, um herauszufinden, inwieweit man die Bevölkerung mit Maßnahmen steuern kann, bis diese tut, was man im Grunde beabsichtigt. im Sinne eines Vorhabens, daß bewusst öffentlich nicht angesprochen wird. Corona bietet dazu die perfekte Eigenschaft daß man mit der Angst davor alles und jeden manipulieren kann. Und es natürlich auch tut.

    Was dieses eigentliche Vorhaben sein mag, kann man derzeit nur ganz, ganz leise zuhause andenken;-)
    Denn äussert man es, steht man ganz schnell in der Verschwörungsecke und wird medial runtergemacht.

  11. Falke

    Jetzt”genießen” wir den Lockdown seit über 4 Monaten, und die Regierung, vulgo der Gesundheitsminister, beklagt sich, dass er nichts bewirkt. Wenn ich etwas erreichen oder verhindern will und merke, dass es mit der bisher verwendeten Methode nicht funktioniert, dann lasse ich mir etwas anderes einfallen (tut sogar jeder Schimpanse). Nicht so die Kurz-Regierung; im Gegenteil, die erfolgslose Methode wird noch verschärft, frei nach dem Motto: more of the same. Da darf sie sich nicht wundern, wenn das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Problemlösungsfähigkeit rapide schwindet. Das meinige ist schon seit einiger Zeit bei Null, und da bin ich bei weitem nicht der einzige, auch wenn die Regierung versucht, ihre sinnlosen Vorschriften mit polizeistaatlichen Methoden durchzusetzen.

  12. Franz Biber

    2017 starben ca. 4.000 Personen an Influenza und in den nächsten Jahren ca. 1.500 bis 2.000 Personen jährlich, sehr bedauerlich, jedoch wurde kein Geschäft, keine Schule etc.. zu gesperrt. Nach 12 Monaten Corona Erfahrung sollte unsere Regierung wissen, dass regionale Cluster abgeschirmt gehören, aber nicht das ganze Land. An den Fehlern dieser Entscheidungen, werden noch unsere Kinder zahlen müssen. Jetzt rächt sich, dass wir ein Regierungsteam mit durchschnittlich 35 Jahren haben, die noch keine Lebenserfahrung sammeln konnten und in erster Linie auf Virologen etc.. hören, anstelle selbst die richtigen Entscheidung zu treffen. Armes Österreich.

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