Inflation ist Diebstahl

Von | 31. Juli 2021

(ANDREAS TÖGEL) Beiderseits des Atlantiks sind momentan beachtliche Preissteigerungen zu beobachten – vor allem auf dem Energiesektor. In den USA stiegen die Verbraucherpreise um mehr als fünf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Inflation wird gemeinhin als Teuerung – als allgemeine Steigerung der Preise für Waren und Dienstleistungen – wahrgenommen. Dass wir spätestens seit der Finanzkrise 2008 in immer stärker inflationären Zeiten leben, ist zumindest denjenigen klar, die täglich ihre Einkäufe erledigen und dafür ständig höhere Geldbeträge ausgeben müssen.

Über Wesen und Ursache der Inflation hat die breite Masse keine klaren Vorstellungen. Dass es sich dabei um ein primär monetäres Phänomen handelt, steht indes fest.

Der US-Ökonom Murray Rothbard bezeichnet sie als eine „betrügerische Verletzung des Eigentumsrechts“. Das trifft deshalb zu, weil Geld in einer arbeitsteiligen Wirtschaftsordnung nicht nur als Tauschmittel fungiert, sondern auch ein Äquivalent für geleistete Arbeit darstellt und der Wertaufbewahrung dient. Wenn es durch Inflation entwertet wird, hat das dieselbe Wirkung wie ein Diebstahl.

Sogar John Maynard Keynes, das Idol aller dem Privateigentum gegenüber grundsätzlich skeptisch eingestellten linken Kollektivisten, stellt fest, dass mittels anhaltender Inflation „…die Regierung heimlich und unbeobachtet einen wichtigen Teil des Wohlstands der Bürger konfiszieren kann.“ Während die dem Bürger durch direkte Steuern auferlegten Lasten unmittelbar wahrgenommen werden und daher nicht nach Belieben gesteigert werden können (auch wenn der Lohnzettel nicht die volle Wahrheit ausdrückt, weil der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung darauf nicht ausgewiesen wird), wirkt die Inflation wie eine unsichtbare Steuer.

Absolut zutreffend ist Keynes´ Feststellung, dass die Inflation „…viele verarmen läßt, während sie wenige bereichert“. Im Wesentlichen gibt es zwei Gründe, warum das so ist. Einer der beiden ist der nach dem aus Irland stammenden Ökonomen Richard Cantillon benannte „Cantillon-Effekt“. Dieser besagt, dass neu geschaffene Liquidität nicht gleichzeitig allen Geldnutzern zur Verfügung steht, sondern sich so ausbreitet, wie die Wellen um einen ins Wasser geworfenen Stein. Nahe an der Geldschöpfungsquelle agierende Kreise kommen als erste in ihren Genuß und können bei noch unverändertem Preisniveau einkaufen. Da das erhöhte Geldangebot (unter sonst gleichen Bedingungen) zu einem steigenden Preisniveau führt, spüren das diejenigen am stärksten, die sich am Rand des Wirtschaftssystems befinden und das neue Geld zuletzt erhalten.

Der zweite Grund besteht darin, dass ein erhöhtes Geldangebot besonders die Preise von Anlagegütern in die Höhe treibt, wie sich in den letzten Jahren anhand der Entwicklung von Aktienkursen und Immobilienpreisen zeigt. Eine Steigerung der Preise für Anlagegüter begünstigt allerdings diejenigen, die bereits über Immobilien und/oder Wertpapierportfolios verfügen, also die Wohlhabenden mit hohen Einkommen. Geringverdiener dagegen haben es zunehmend schwer, überhaupt (Wohnungs-)Eigentum zu bilden.

Die in Sonntagsreden häufig beklagte, zunehmende Ungleichverteilung der Vermögen, ist zum Großteil eine Konsequenz der anhaltenden Geldinflation und hat mit freier Marktwirtschaft und „Turbokapitalismus“ nicht das Geringste zu tun. Wer für das Auseinanderdriften der Vermögensverteilung Schuldige sucht, wird bei jenem politisch-geldindustriellen Komplex fündig, der sich selbst so gerne als Stabilitätsgarant und Beschützer der Unterprivilegierten darstellt, in Wahrheit aber deren schlimmster Feind ist.

Fazit: Inflation ist für die Gesellschaft selbst dann schädlich, wenn sie keine so verheerenden Ausmaße annimmt, wie in den frühen 1920er-Jahren. Zentralbanken, deren Aufgabe in der Erhaltung der Geldwertstabilität besteht, die sich aber dennoch „Inflationsziele“ geben (im Fall der EZB sind das neuerdings zwei Prozent+), sind in Wahrheit Inflationierungsbehörden, die mehr Schaden als Nutzen stiften.  (“EXXPRESS”)

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