Achtung, dies ist ein Uberfall!

(C.O.) Es war wohl das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass sich ein Streik nicht gegen finstere Kapitalisten, sondern gegen ein simples Computerprogramm, nämlich eine Handy-App, richtete, als diese Woche Taxifahrer in Berlin, London und Paris für einige Stunden den Verkehr lahmlegten. Sie protestierten gegen Uber, eine App, die in den USA höchst erfolgreich private Anbieter von Fahrten mit Kunden zusammenbringt und nun beginnt, Europa zu erobern. Jeder, der Zeit und ein Auto hat und ein paar Minimalbedingungen erfüllt, kann über Uber seine Dienste anbieten. Für die Kunden ist das oft billiger und schneller als ein herkömmliches Taxi, was deren Betreiber natürlich nicht sehr lustig finden.

Derartige Auseinandersetzungen zwischen etablierten Gewerben und digitalen Marktplätzen werden immer häufiger. So leidet etwa die Hotellerie zunehmend unter der erfolgreichen Plattform AirBnB, wo Private Wohnungen oder auch nur Zimmer kurfristig an Touristen und Geschäftsleute vermieten können; das System ist derart beliebt, dass AirBnB heuer schon mehr Umsatz generiert als die großen globalen Hotelketten. Und dass Amazon nicht nur dem Buchhandel das Leben zur Hölle macht, sondern sukzessive auch andere Bereiche des Handels erobert, gehört zu den Standard-Beschwerden der ortsfesten Händler.

Branche für Branche, Kontinent für Kontinent greifen digitale Plattformen traditionelle Dienstleistungsanbieter an, in den meisten Fällen mit großem Erfolg. Das freut die Kunden, ohne die solche Umwälzungen nicht möglich wären, bedroht aber die Existenz von hunderttausenden, wenn nicht gar Millionen Europäern.

Die Politik steht vor der schwierigen Frage: Soll sie sich an die Seite der potenziellen Modernisierungsverlierer stellen und die neuen Anbieter gesetzlich auf Distanz halten – oder den freien Markt entscheiden lassen und damit erhebliche soziale Verwerfungen riskieren?

Wenig überraschend neigt sie in Europa dort, wo die Debatte – anders als in Österreich – schon intensiv geführt wird, eher zur etatistischen Abschottung. Uber wird bereits in einigen Städten Europas regulatorisch so bedrängt, dass die App de facto verboten ist. Auch AirBnB und seinen vielen Kunden wird vor allem in Deutschland das Geschäft tendenziell immer schwerer gemacht.

So verständlich diese Reaktion sein mag, so falsch und volkswirtschaftlich schädlich ist sie. Innovationen zu verbieten oder gesetzlich über das vernünftige Maß hinaus zu behindern, rettet auf lange Sicht keine Arbeitsplätze, behinderte aber die Innovationskraft und damit die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes langfristig erheblich.

Dass etwa die englischen Kohle-Heizer in den 1970ern erzwangen, auch auf E-Loks Dienst zu tun, hat zwar einige Jobs einige Jahre gerettet, der britischen Wirtschaft aber geschadet – was heute nicht anders wäre, setzten sich die Gegner der digitalen Innovationen wie Uber durch. Anstatt sich ihr töricht und regulatorisch entgegenzusetzen, sollte die Politik sie sich ungestört entfalten lassen – und ihren unvermeidlichen Opfern mit den Mitteln eines der voluminösesten Sozialstaaten der Welt dort helfen, wo das aus sozialen Gründen nötig ist. Uber übrigens hat vom Streik der Taxler profitiert – wenig überraschend vervielfachten sich die Umsätze an diesem Tag. (“WZ”)

17 comments

  1. Thomas Holzer

    1.) Ich denke nicht, daß irgendeinem Taxler verboten wird (außer vielleicht, natürlich von seiner Innung) für Uber zu arbeiten
    2.) Auch die Zerstörung der Webstühle hat den Einsatz derselben nicht aufhalten können.
    3.) Die Politik möge sich bitte raushalten, um gröberes Unheil zu verhindern, was aber leider nicht geschehen wird

  2. Gerhard Huemer

    Ein Ortner Kommentar, dem man nur voll Zustimmen kann. Dafür noch eine kleine Anekdote derselben Art: Als die Eisenbahn Linz Budweis gebaut wurde, erzwangen die Pferdefuhrwerker, dass die Bahnhöfe 5 km außerhalb der Orte errichtet werden mussten. Manche (Freistadt, St. Oswald) leiden noch heute darunter.

  3. Nettozahler

    Das Problem ist der freie Wettbewer. Wenn die Hotellerie sich mit hunderten – sehr teuren – sehr streng kontrollierten – gesetzlichen Bestimmungen auseinandersetzen muss, wenn das Taxigewerbe mit sich ebensolchen hunderten Auflagen, Versicherungen, Haftungen etc.konfrontiert sieht, dann liegt halt im Vergleich mit den so tollen neuen “Anbietern” eine gewaltige, zerstörerische Wettbewerbsverzerrung vor. Bei den privaten Zimmeranbietern und den privaten Beförderungen fliest halt der gesamte Umsatz und Gewinn am Fiskus vorbei. Das kann man zwar eh cool finden – so wie ich – ist aber auch ganz schön unfair. @ Thomas Holzer: Ja, die Politik sollte sich heraushalten. Aber vorher eine tatsächliche und effektive Entfesselung der Wirtschaft in Angriff nehmen.

  4. Christian Peter

    Das sehe ich anders. Denn multinationale Konzerne wie Amazon (und wie sonst noch alle heißen) lukrieren in Österreich und anderen Ländern zwar gewaltige Umsätze, zahlen vor Ort jedoch keinerlei Steuern, während einheimische kleine und mittelständische Unternehmen netto für mehr als 80 % des Steueraufkommens sorgen : Der Gesetzgeber ist verpflichtet, regulativ einzugreifen, um die Interessen des heimischen Wirtschaft zu wahren.

  5. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    Sie wollen! es anscheinend nicht verstehen; die Personen, welche für Uber arbeiten, fahren in Wien und zahlen in Wien Steuern, da braucht der Staat überhaupt nicht einzugreifen.
    Aber für Sie als gestandenen Etatisten ist das Aufkommen neuer, nicht vom Staat subventionierter Geschäftsideen, natürlich Teufelszeug

  6. gms

    Nettozahler,

    “Wenn die Hotellerie sich mit hunderten – sehr teuren – sehr streng kontrollierten – gesetzlichen Bestimmungen auseinandersetzen muss, wenn das Taxigewerbe mit sich ebensolchen hunderten Auflagen, Versicherungen, Haftungen etc.konfrontiert sieht, dann liegt halt im Vergleich mit den so tollen neuen “Anbietern” eine gewaltige, zerstörerische Wettbewerbsverzerrung vor.”

    Naja. Das Taxigewerbe ist in Austriachstan sowieso eine eigentümliche Angelegenheit, die einer Aufmischung von aussen dringendst bedarf.

    In Sachen AirBnB vs. Hotellerie sieht die Sache etwas anders aus, können doch — und dies ist der entscheidende Punkt — private Nächtigungsanbieter ihre eigenen Aufwände nicht steuerlich geltend machen. Hinzu kommt generell, wonach für Gewerbliche diverse Auflagen auch etwas Positives haben: Sie halten die Konkurrenz fern und stützen damit mittelbar die Preise. Damit kommen wir mittelbar zu Skaleneffekten, welche Aufwände für behördliche Vorgaben zusätzlich erträglicher machen.

    Extrapoliert man die aktuelle Digitalisierung des Alltages in die Zukunft, so ist eine generelle Erosion des Gewerblichen absehbar. Der Private besucht zunehmend Tauschbörsen, kauft und verkauft auf Ebay knapp unterhalb der Schwelle zur Steuerpflicht, 3D-Drucker ersetzen den Weg ins Geschäft und digitale Währungen sorgen dafür, daß der große Bruder keinen Wind davon bekommt, wenn das Selbstgedruckte entgeltlich den Eigentümer wechselt.

    Dem Bürger öffnet sich damit ein zusätzliches Universum. Das bestehende wird von oben (i.e. jüngste EU-Verbraucherschutzrichtlinie) zunehmend engmaschiger, doch wer sich davon bessere Leistungen oder fallende Preise erwartet, hat den Wettbewerb der Ideen nicht verstanden.
    Erstmalig gibt es nun echte Systemkonkurrenz, die nicht nur die Auswahl zwischen ident behördlich drangsalierten Anbietern erlaubt, sondern auf der Ebene darüber die Freiheit, sich entweder dem vorgeblichen Susi-Sorglos-Paket unter der Lupe des Leviathans anzuvertrauen, oder aber er schließt nach eigener Abschätzung allfälliger Chancen und Risiken ein Geschäft ab.

    Mit diversen Konsumentenschutzgesetzen begann vor Jahrzehnten die zunehmende Entmündigung des privaten Bürgers in dessen Rolle als Käufer. Diese faktische Entrechtung, über die Konditionen seiner Erwerbungen im Wesentlichen mitbestimmen zu dürfen, findet nun ein längst überfälliges Entlastungsventil. Wer weder ein Rücktritts- noch Umtrauschrecht braucht und auf Gewährleistung pfeift und sich nicht darum sorgt, ob das gekaufte Gut nach drei Jahren explodieren könnte und deshalb der Importeur auf dem Wege der Produkhaftung gewürgt werden dürfte, der hat nun vermehrt die Möglichkeit dazu.

    Eine freie Wirtschaft ist nun mal definitiv nicht unternehmensfreudlich. Firmen, Kammern und sonstige Interessenvertretungen können daraus die Konsequenzen ziehen und sich gegen ihr eigenes zunehmend straffer geschnürtes und stützendes Zwangskorsett aussprechen, oder sie unterliegen zunehmend der Konkurrenz eines Systems, das sowohl die Nach- wie auch die Vorteile der Freiheit ungehindert atmen darf und daher auf lange Sicht erfolgreicher sein wird.

  7. Frage24

    Taxifahrt in Wien am 10.6. um ca. 16 Uhr von der Station U1 “Kaisermühlen/VIC” mit einem dort wartenden Taxi zum “Gänsehäufel”. Es ist das größte Bad in Wien (Alte Donau) und eine Fahrt dorthin bei großer Hitze wie am 10.6. nicht ungewöhnlich; es ist nur etwa 1 km von der Station “Kaisermühlen/VIC” entfernt. Taxifahrer bedauert (mit Akzent), das “Gänsehäufel” nicht zu kennen! Ich muss ihm den Weg weisen. Rückfahrt mit angefordertem Taxi. Dieser Taxifahrer kennt die Station “Kaisermühlen/VIC”; er erklärt mir (mit Akzent), dass ein Taxifahrer das “Gänsehäufel” nicht kennen muss, denn es ist nur “drei Monate” in Betrieb. Und Taxifahren soll streng reguliert sein? Man kann sich nur wundern …

  8. Christian Peter

    Österreichische Parlamentarier werden gewählt, um die Interessen der österreichischen Wirtschaft/Bevölkerung zu vertreten, nicht die ausländischer Konzerne.

    Dabei geht es keineswegs um ‘Modernisierungsverlierer’, sondern um die Ungleichbehandlung von Konzernen und die mittelständische Wirtschaft. Heimische Unternehmen, welche einer Steuerquote von etwa 50 % unterliegen, sind chancenlos, im Wettbewerb gegen Konzerne mit Firmensitz in Steueroasen zu bestehen.

  9. Reinhard

    @Christian Peter

    Sorry, aber diese Aussage ist Humbug.
    Wäre es so, gäbe es keine heimischen Unternehmen mehr. Sie sind nicht chancenlos, zu bestehen, sondern nur chancenlos, eine so dicke Fettschicht abzuschöpfen, da der Staat sie als erreichbare Melkkuh in seinen fiskalischen Würgegriff nimmt.
    Könnte der Staat den anderen auch mehr abknöpfen, würde er der Steuerlast der heimischen Wirtschaft nicht einen einzigen Cent nachlassen. Eher verzichtet ein Junkie auf einen sicheren Schuss als der Staat auf einen einzigen Cent.

    Außerdem ist es Humbug, zu glauben, Abgeordnete würden sich um andere Interessen kümmern als um ihre eigenen. Die sind einfach nicht besser als ihre durchschnittlichen Wähler.

  10. Christian Peter

    @Reinhard

    machen Sie sich nicht zum nützlichen Idioten multinationaler Konzerne und deren Lobbyisten. Großunternehmen und Konzerne zahlen nicht nur keine Steuern, sondern werden auch noch – auf Kosten der mittelständischen Wirtschaft – mit Milliardensubventionen gemästet.

  11. Reinhard

    @Christian Peter

    Ich weiß, dass Ihnen nichts einfällt als das Abspulen Ihrer Stehsätze.
    Aber was ändert deren langweilende Wiederholung am Inhalt meiner Sätze?

    Ich habe nirgends behauptet, dass es keine Ungerechtigkeiten gibt (ganz im Gegenteil bin ich der festen Überzeugung, dass es so etwas wie Gerechtigkeit nicht gibt und nicht geben kann). Ich bin nur der festen Überzeugung, dass es selbst bei höchster Steuerlast für Konzerne keinen einzigen Cent Nachlass für den Mittelstand geben würde. (Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was unsere Politiker mit den lukrierten Millarden anstellen würden).

    Ansonsten dürfte meine Überzeugung, dass jede Form staatlicher Subvention und Intervention abzuschaffen sei, auch Ihnen inzwischen bekannt sein; wir schreiben ja hier nicht erst seit gestern.

    Aber Sprüche der Marke “unser Mittelstand wird umgebracht” sind propagandistischer Schrott von der Qualität der gewerkschaftlichen Paniksprüche, wenn die Läden mal wieder eine halbe Stunde länger aufmachen wollen. Wie viele Mttelstandsbetriebe liefern der Industrie zu? Könnten sie mit ihren Kosten gegen chinesische Billig-Zulieferer bestehen, wenn Großkonzerne nicht angelockt würden? Bestes Beispiel die Zuckerl für Magna in Graz von Stadt, Land und Bund, um die E-Car-Entwicklung in der Steiermark zu halten. Hunderte kleine Betriebe partizipieren daran (und finanzieren indirekt das eigene Fortbestehen mit). Es ist nicht so einfach Schwarzweiß, wie Sie es gerne darstellen.

    Und zu glauben, Abgeordnete würden das Wohl Anderer (wen auch immer) über das persönliche Wohl stellen, kann nur als Tagträumer bezeichnet werden.

  12. Christian Peter

    @Christian Ortner

    Wie sieht es mit dem Bereich der Printmedien aus, in dem Sie arbeiten ? Irre ich in der Annahme, dass dieser Sektor nur durch Unsummen an Subventionen aus öffentlichen Mitteln künstlich am Leben erhalten wird ?

  13. Christian Ortner

    Sie irren weitgehend; substantielle Zahlungen gehen als Inserate an die drei Boulevardzeitungen des Landes. Der Rest ist im Vergleich dazu geringfügig.

  14. Christian Peter

    @Christian Ortner

    in keinem Land der Erde wandern mehr Gelder aus öffentlichen Mitteln an die Presse, als in Österreich (ob unter dem Titel ‘Presseförderung’, ‘Vertriebsförderung’, ‘Regierungsinserate’ oder was auch immer ist dem Steuerzahler herzlich egal). Umso ärgerlich ist dies, als es sich beim Printjournalismus um ein Auslaufmodell handelt, der ohne staatliche Unterstützung nicht mehr finanzierbar ist.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .