Ärzte, Chuzpe und Genossen

(A. UNTERBERGER) Wiens Ärzte haben in einer Urabstimmung den Vertrag von Gewerkschaft und Ärztekammer mit der Gemeinde Wien über Arbeitszeiten und Entlohnung abgelehnt. Tun sie das aus parteipolitischem Bestemm?
Das scheint nahezuliegen, weil ja die nun “gespritzte” Einigung zwischen einer SPÖ-Stadträtin und zwei SPÖ-Ärztevertretern ausgeschnapst worden ist. Genossen unter sich. Anscheinend erkennen etliche Ärzte nun, dass es doch nicht gar so klug war, in Wien einen gestandenen Genossen zum Ärztepräsidenten zu machen. Aber der Hauptgrund ist die Chuzpe der Gemeinde und ihres Krankenanstaltenverbundes: Zwar hat man den Spitalsärzten ein höheres Grundgehalt zugestanden, weil sie auf Grund einer neuen EU-Richtlinie viel weniger der (bisher das schlechte Einkommen kompensierenden) Nachtdienste machen dürfen. Nur: Die Gemeinde hat bei diesen Verhandlungen verschwiegen, dass sie zur Finanzierung der höheren Grundgehälter einfach 400 Ärzte weniger beschäftigen will. Eine gigantische Zahl. Durch diese Ärztereduktion wird nicht nur der Arbeitsdruck auf die verbliebenen Mediziner gewaltig erhöht. Damit reduziert sich unweigerlich auch die Qualität der ärztlichen Versorgung in Wien signifikant. Was die Patienten noch viel mehr als die Ärzte auf die Barrikaden bringen müsste. Jetzt müssen die Patienten halt hoffen, dass die Ärztegewerkschafter endlich doch mehr an das Gesundheitssystem als an die Partei denken. Sonst wird die Zweiklassenmedizin noch viel stärker und rascher Realität, als sie es ohnedies schon ist. (TB)

4 comments

  1. Christian Peter

    Man kann es nicht mehr hören : Ärztemangel. Seit Jahrzehnten wird dieses Totschlagargument von der Ärztelobby lanciert. Die Wahrheit : Es gibt viel zu viele Ärzte in Österreich, die Ärztedichte in Österreich ist mit 468 Ärzten auf 100.000 Einwohner die höchste in Europa.

  2. H.Trickler

    Schade dass nicht mehr Ärzte aus Österreich in der Schweiz arbeiten. Hier findet man in den Universitätsspitälern bald nur noch Deutsche.

  3. aneagle

    @ Christian Peter
    Man kann es nicht mehr hören: Die Vergleiche zwischen Äpfeln und Nüssen

    Es geht nicht um zu viele oder zu wenige Ärzte.
    Es geht um 400 (vierhundert !) Ärzte weniger in einem Spital in Wien. Zu Lasten der Anzahl an PatientInnen, zu Lasten des geplanten Qualitätsanspruchs für die PatientInnen, zu Lasten der möglichen Fallzahlen der Auslastung der teuer angeschafften technischen Infrastruktur und zu Lasten des Forschungs-outputs.

    Einem Spital, das für solche Erfordernisse mit Multimillionen an Steuergeldern ausgerüstet ist und in der jetzigen Betriebsvorstellung der Stadtväter Schmalspurbahn fahren kann.

    Macht ja nichts, es war eh nur unser Geld mit dem jetzt supermoderne sündteure Ausrüstungen Dornrösschen spielen und Forschung am besten nur noch auf
    doppelseitig beschriebenem Papier mit Bleistiftstummeln passiert.

    Zur besseren Vorstellung:
    Ein Bürgermeister baut aus dem Steuergeld seiner Bürger einen mehrstöckigen Palast, richtet ihn teuer und exquisit ein -die Bürger sollen sich ja wohlfühlen- betreibt dann aber nur ein Geschoß, da er sich nicht mehr als zwei Putzfrauen und einen Pförtner leisten will.Das Palais ist ungenutzt, das Baugeld ist dahin, die Bürger haben nichts davon und die Stadtverwaltung wird mit dem nassen Fetzen…… äh, erfreut sich weiterhin allseitiger Beliebtheit.

    Solche Planungen, erst Größenwahn im Einkauf und Lastenheft, dann Leistungsmangel trotz enormen Kosten, verursacht durch nicht angepasste Personalkostenplanung, sind im schönen Wien seit Beginn des AKH-Skandals vor nunmehr 40 Jahren Tradition. Die Berechnung von mehr als 2 Parametern, d.i.: Effektivität/ zu Effizienz/ zu benötigtem Personal, scheint wiener “Planungsexperten” bereits komplex zu überfordern. Nächstes Kapitel: SMZ-NORD

  4. Christian Peter

    @aneagle

    ‘400 Ärzte weniger im AKH’

    woher haben Sie diesen Schwachsinn ? Geplant ist, in Wien bis 2018 etwa rund 380 Stellen im öffentlichen Dienst einzusparen – meines Erachtens ein höchst löbliches Ansinnen. Überhaupt kommt es nicht auf die Anzahl der Ärzte an, sondern auf die Produktivität im Gesundheitswesen. Diesbezüglich herrschen in Österreich gewaltige Mängel, trotz höchster Ärztedichte in Europa und enormer Ausgaben im Gesundheitswesen lebt man in Österreich nicht gesünder.

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