Afrika für Campino

(Werner REICHEL)  Egal ob Hungersnöte, Kriege, Genozid oder Epidemien, nichts kann Menschen davon abhalten, selbst aus den verheerendsten Katastrophen und größten Tragödien noch Profit für sich herauszuschlagen. Damit sind aber nicht nur Menschen- und Waffenhändler oder Potentaten und Kriegstreiber gemeint, wann immer es Leid und Elend auf der Welt gibt, sind wie die Aasgeier auch die notorischen Mahner, die Berufshelfer, die stets Gutmeinenden und die moralischen Erpresser zur Stelle, um Gerechtigkeit, Solidarität und vor allem Geld einzufordern.

Darunter gibt es natürlich etliche, vor allem jene, die sich nicht penetrant ins Rampenlicht drängen, die aus echter Überzeugung heraus handeln. Viele andere meinen es zwar gut, aber vor allem mit sich selbst. Sie leben oder profitieren vom Leid anderer, nutzen es zu ihrem eigenen Vorteil und das unter dem Deckmantel von Menschlich- und Selbstlosigkeit. Solche Menschen trifft man zum einen in der wild wuchernden Asyl- und Sozialindustrie, zum anderen in der Medien-, Show- und Unterhaltungsbranche. Hier benötigt man kranke, verfolgte oder hungernde Menschen für eine gute PR-Strategie, für das eigene Image und die Karriere und damit als indirekte Geldquelle. Das klingt nicht nur widerlich und zynisch, das ist es auch.

Ein Paradebeispiel für diesen Typus und quasi der Erfinder dieses Geschäftsmodells ist Bob Geldof. Der Ire fällt Anfang der 1980er Jahre in ein Karriereloch und hat schließlich eine geniale Idee: „Band Aid“. Internationale Popstars singen gemeinsam das schmalzige Weihnachtslied „Do The Know It’s Christmas?“ für einen guten Zweck. Der Song wird ein Hit, die Aktion macht Bob Geldof endlich berühmt, für die Hungernden in Afrika fällt etwas Geld ab und Nachahmerprojekte schießen wie Pilze aus dem Boden , von „USA for Africa“ über „Austria für Afrika“ bis zum „One World Project“. Jeder der eine Gitarre halten kann, kämpft plötzlich für die Unterdrückten und Hungernden auf dieser Welt.

Geldofs Geschäftsmodell macht Schule und hat sich vor allem bei alternden Stars, bei Künstlern, deren Karriere nicht mehr so richtig läuft oder bei Musikern, die ein neues Album oder eine Tour promoten müssen, als preisgünstiges PR-Tool bewährt. Gemeinsam mit Kollegen, die ebenfalls einen kleinen Karrierekick brauchen, kann man mithilfe von Charitykonzerten, Charitysongs, rührseligen Interviews und Presseterminen, trotz sinkender Popularität und steigender Bedeutungslosigkeit, noch ein mehr oder weniger großes Publikum erreichen. Ein karitativer Karriereturbo und allemal besser, sich als guter, hilfsbereiter und edler Menschen zu präsentieren, als Maden oder Känguruhoden in irgendeiner Ekelshow für C-Promis verspeisen zu müssen.

Das eine ist nur kulinarisch, das andere moralisch zweifelhaft. Egal, es erhöht die Bekanntheit, bringt Sympathiepunkte und diejenigen, um die es eigentlich gehen sollte, spielen dabei nur eine Statistenrolle. Sie dürfen sich dankbar mit den Stars ablichten lassen. Sie sind lediglich Mittel zum Zweck. Wahre Meister dieser unwürdigen PR-Strategie sind Bono von U2 und Campino von den Toten Hosen. Die penetranten Rockopas, die immer mehr Accessoires und Verkleidungen benötigen, um noch irgendwie als cool durchzugehen, setzen sich immer dann mit erhobenem Zeigefinger und besorgter Miene in Szene, wann und wo immer Menschen in Not geraten. Erst vor kurzem haben die Campino und Claudia Roth, die deutschen Meister der moralischen Erpressung, eine Reform der “menschenunwürdigen” europäischen Flüchtlingspolitik gefordert.

Die sei für Herrn Campino nämlich unerträglich. Der traut sich was, so kann auch ein angepasster politisch-korrekter Streber sein Image als unbequemer Revoluzzer pflegen und das, ohne sich anstrengen und ohne etwas von seinen Millionen abgeben zu müssen. Ein paar hohle Phrasen aus dem breiten Repertoire der Gutmenschen reichen da völlig aus. Zumindest bisher.

Denn mittlerweile gehen die alternden Popstars mit ihrem oberlehrerhaften und moralinsauren Getue immer mehr Menschen einfach nur noch auf den Geist. Das Geschäft mit der moralischen Erpressung läuft nicht mehr so rund wie bisher. Vor allem, wenn das altruistische Getue schwerreicher Entertainer ihre wahren Absichten kaum noch verbergen kann. Bob Geldof hat sich jetzt mit seiner Neuauflage von „Band Aid“ eine blutige Nase geholt. Als Vorwand für das Wir-retten-die-Welt-Spektakel kam dem Charityking Ebola gerade recht. Doch die meisten echten Stars, wie etwa Adele, haben Geldof einen Korb gegeben und prominente afrikanische Künstler haben das Projekt als kontraproduktiv und scheinheilig bezeichnet.

Weshalb nun auch die biederen politisch-korrekten Mainstreammedien in unseren Breiten über „Band Aid 30“, Geldof und Campino, der für die deutsche Version des Charitysongs verantwortlich ist, lästern dürfen.

Doch die Häme und die Kritik greifen zu kurz, Geldof und Campino sind mit ihrem Band-Aid-Projekt ja nur der schrillste Auswuchs und eine  poppige Variante des westlichen Gutmenschentums, das Menschlichkeit und Solidarität immer nur heuchelt und für seine  eigne Ziele und den eigenen Vorteil missbraucht und instrumentalisiert. Sobald jemand Solidarität und Gerechtigkeit einfordert, egal ob ältlicher Unterhaltungssänger, NGO-Keiler oder linker Politiker, ist höchste Vorsicht geboten. Sie wollen immer nur unser Geld, unsere Leistung, Aufmerksamkeit, Freiheit oder unsere Rechte. Aber es ist zumindest ein Anfang, wenn Menschen wie Campino, die diese Schmierenkomödie bisher so meisterhaft beherrscht haben, plötzlich nicht mehr ernst genommen und kritisiert werden. Jetzt muss man nur noch ein zwei Schritte weiterdenken.

13 comments

  1. Rado

    “Band Aid”? Da war doch mal was!
    Nämlich mit der Finanzierung von Waffen für afrikanische Warlords mittels Band Aid- Spendengeldern.
    http://www.dailymail.co.uk/news/article-1259061/Sorry-Bob-Geldof-Band-Aid-millions-DID-pay-guns.html
    BBC musste damals nach massiven Drohungen aus der Branche und der Politik zurückziehen.
    http://www.bbc.co.uk/blogs/legacy/theeditors/2010/03/ethiopia.html
    Das Luxusgehalt von Almaz Böhm (Menschen für Menschen) ist vergleichsweise eh nur Nebbich.

  2. Christian Peter

    Da ist was dran. Vor allem lässt sich Armut weder durch Geldgeschenke und noch weniger durch Migration beseitigen, ganz im Gegenteil, Migration ist einer der Hauptursachen von Armut, denn 80 – 90 % der gebildeten Menschen wandern aus den Entwicklungsländern ab. Experten wie der auf der Universität Oxford lehrende Ökonom Paul Collier fordern daher eine radikale Veränderung der Einwanderungspolitik, vor allem um die Herkunftsländer vor den negativen Auswirkungen der Auswanderung zu schützen. Ein Konzept wäre, junge Talente aus Entwicklungsländern auszubilden, unter der Bedingung, dass diese danach wieder in ihre Heimatländer zurückkehren.

  3. G. Anderl

    Hervorragender Artikel , wie fast immer bei ORTNER online !
    Auf Österreich bezogen, fällt einem sofort die abgehalfterte “Österreichische Popszene” wie OstbahnKurti und Konsorten ein , die nur noch durch Asyl- Gutmenschentum und ähnlichen Schmarren mit ihren Songs in die “Charts” kommen …
    Nicht zu vergessen die Agitatoren rund um den Lifeball , die es verstehen, uns mit schlechtem Gewissen verstummen zu lassen , damit wir ja nicht nachfragen, wieviele Spendenmillionen für die ” Gute Sache ” in ausländische Stiftungen etc. transferiert werden ( Stichwort : jährliche Clinton -Privatjet – Cash – Kurzvisite )?

  4. rider650

    Wer anderen Ländern helfen will, kauft möglichst viel aus diesen. Am meisten hilft, wer dorthin reist und dort richtig viel Kohle ausgibt, oder gleich Betriebe gründet. Die Kohle bekommen dann dort weder die Diktatoren noch die, die nur faul auf ihrem Arsch sitzen – sondern die Fleissigen, Motivierten, die etwas schaffen. Diese können dann wieder andere beschäftigen, andere inspirieren. Das hilft wirklich. Ironischerweise haben die Chinesen so Afrika in kurzer Zeit weiter gebracht, als der Westen mit seiner kontraproduktiven “Entwicklungshilfe” (=Taschengeld für Diktatoren) und Showbizfuzzies mit ihrem Tropfen-auf-den-heissen-Stein Charity Zeugs.

  5. Gernot Haider

    rider650: Glauben Sie das wirklich? Rhodesien war z.B. vor 50 Jahren die Kornkammer Afrikas. Es wurde viel Geld, viel Arbeitskraft, viel know how investiert. Die Eingeborenen schlachteten jeden Leistungsträger und gleich in einem Aufwaschen seine Frau, seine Kinder und seine schwarzen(!!!) Angestellten ab, ruinierten und raubten alles. Heute ist Zimbawe wirtschaftlich dort, wo es vor 2000 Jahren auch schon war. So viel Geld könnte ich gar nicht haben, daß ich auf diesem Kontinent auch nur einen Cent investierte!

  6. Menschmaschine

    bitte nicht zu hart sein mit dem herrn campino.
    als berufsjugendlicher, der sich mit 50 so kleidet wie ein 15jähriger und seit jahrzehnten immer dieselben lieder spielt, hat man es ja auch nicht leicht. das schlägt halt irgendwann aufs gemüt und auf die intelligenz. wobei ich einige 15jährige kenne, die zweifellos intelligenter als campino oder geldof sind.

  7. rider650

    @Gernot Haider

    Ja, was Sie beschreiben ist das Kernproblem Afrikas: zu hohe Zeitpräferenz und zu geringe Anerkennung der Bedeutung von Eigentumsrechten. Aber diese beiden Dinge müssen sich mit der Zeit bei den Menschen dort entwickeln, so wie es bei uns auch war, das geht nur nach und nach. Von der primitiven Stammesgesellschaft, in der es kein Privateigentum, erst recht kein Grundeigentum, und entsprechend auch kein Kapital gibt, weswegen die Produktivität und die Arbeitsteilung verglichen mit uns minimal ist, bis zur Industriegesellschaft geht es nunmal nicht von heute auf morgen.

    Das Cecil Rhodes- oder Burenmodell konfrontierte die Schwarzen mit weissen Zeitpräferenzraten und Eigentumsmodellen, die aber noch nicht den ihren entsprachen und die sie deswegen ablehnten. Die Weissen in Afrika haben dank der Bodenschätze und Fruchtbarkeit dort eine sehr hohe Produktivität erreicht, deren Ursprung die Schwarzen aber nicht verstanden haben – sie waren eben noch von ihrem Stammeskommunismus und von-der-Hand-in-den-Mund-leben überzeugt, deswegen konnten die Weissen dort ihr Ding nur mit Gewalt gegen die Schwarzen durchziehen. Und sobald die Weissen die Herrschaft abgaben, kamen die Mugabes und haben ruckzuck die Gesellschaft wieder mit den Präferenzen des Duchschnittsafrikaners in Einklang gebracht, und das Land für Weisse entsprechend unbewohnbar gemacht.

    Dem langsamen Lernprozess der Schwarzen schadet man aber durch Förderung der Gewalttätigen (Entwicklungshilfe) und Faulen (Spenden). Und man hilft ihm durch Handel. Investments vor Ort müssen es ja nicht gleich sein. In Zimbabwe würde ich auch nicht investieren, aber z.B. in Botswana sind die Chinesen sehr erfolgreich. Namibia soll auch vergleichsweise angenehm sein.

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