Albtraum Selbstständigkeit

Zu meinem Artikel über die drohende steuerliche Schlechterstellung von Selbständigen erreicht mich eine höchst anschauliche Leserreaktion:   “Ich komme aus Italien, und dort klagen die Selbstständiger seit Jahren, die Melkkühe der Nation zu sein und in ihrem (beruflichen) Alltag derart von Hindernissen und Burokratie geplagt zu sein, dass im Endeffekt das Leben (und nicht nur das berufliche Leben) unmöglich gemacht wird.
Als ich nach Österreich kam (vor etwa 20 Jahren), dachte ich ins Paradies angekommen zu sein.
Jedes behördliche Schreiben war mit (konkreten) Kontaktdaten versehen (so dass man wusste, mit wem man sprechen sollte), die Behördewege (obgleich sie vorhanden) waren noch nicht so beschwerlich, der Staat sah seine Bürger vertrauensvoll an (und erst wenn sie ertappt werden, “böses” zu tun, werden sie genauer unter die Lupe genommen und kontrolliert, sieh zB. Steuererklärung usw usf.)

Nun erwäge ich ernsthaft wieder nach Italien zurückzukehren.
Denn:
Von 120 Euro, die ich meinen Kunden in Rechnung stellen kann, gehen:
20 an den Staat (MwSt).
18,50 an die SVA (Pension)
7,65 an die SVA (Krankenversicherung, wobei bitte ich nur 80% der Leistung erhalte, bei 20% Selbstbehalt – was die unselbstständige NICHT belastet)
1,53 wieder an die SVA (Selbstständigenvorsorge… was soll das? Zahle ich mir selber meine Abfindung?)
8,83 wieder an die SVA (Unfallversicherung….)

Es bleiben also: 63,49 Euro als “Einkommen” zum Leben.
Davon muss ich wiederum mindestens 36% an den Staat (Einkommensteuer) liefern
Es bleiben 40 Euro. also gerade mal 1/3 der in Rechnung gestellten Arbeitsleistung.
Davon soll ich nicht nur mein Lebenerhalt zahlen: Miete, Essen, Strom, andere effektiv Betriebliche Kosten, die aber NICHT als Betriebsabgabe vom Finanzamt akzeptiert sind…)
Die WK kommt immer wieder auf uns EPU zu, mit dem Vorschlag, wir sollen doch Personal einstellen, die WK würde uns mit einer in etwa 20% Gebührenbegünstigung HELFEN, damit WIR Arbeitsplätze schaffen….
Glauben die Herrschaften wirklich, ich kann mir leisten ein/e MItarbeiter/in anzustellen, die durch die AK und dem Gesetz einen 200% Schutz genießt, keine Haftung oder Verantwortung für die eventuelle Fehler trägt (das liegt immer beim Betrieb, also beim Unternehmer), kaum kündbar ist, auf geregelten Arbeitszeiten RECHT hat, wie auch auf BEZAHLTEN Urlaub, Krankenstand, Karenz usw. usw…??

Darüber hinaus habe ich meinen “WK-Beitrag” zu leisten, für eine Unternehmervertretung, die sich ruhmt (!!!), Krankengeld für Selbstständigeerreicht zu haben = erst ab den 1. Tag nach 6 wöchigen Krankenstand (!!!) bekommt der Selbstständige 28,- Euro/Tag
(Frage: welcher Selbstständige kann sich leisten, 6 wochen krank zu sein?? und übrigens, das Geld kommt aus einem TOpf der WK, den WIR Selbstständige gefüllt haben…)
Nun kommt (seit ein paar Jahren) auch die sogennanten “Tourismusabgabe”: egal was man für eine Art von Betrieb führt, MUSS man diese Abgabe leisten, denn angeblich (im Sinne der Gesetzerfinder) man IMMER vom Tourismus profitiert….)

Für uns Mutterschutz? nada – Urlaubsgeld? njet – Bezahlter Krankenstand? vom Wegen…
ganz zu schweigen von geregelten Arbeitszeit, oder 13. oder gar 14. Gehalt…..

Und wir geniessen noch immer – unter der Mehrheit der Bevölkerung – das Image der “Steuerhinterzieher”.

Ich habe mittlerweile an die 23 “Beitragsjahre” in die Kassen eingezahlt. Ob ich irgendwann in Pension gehen kann/darf und auch noch vom “Pension” leben kann, das ist noch offen…..”

 

62 comments

  1. Bobo

    Ich schäme mich zutiefst für die verbal gewalttätigen Kommentatoren hier.
    Und ich weigere mich, liberal mit egoistisch gleichzusetzen.
    Aber ich hätte es bei der Hypo-Alpe-Adria wirklich gerne einmal live gesehen, wenn man den Markt entscheiden und die Bank krachen geschickt hätte:
    Neoliberal ist für mich nur der, der das wirklich schon einmal am eigenen Sparbuch, respektive Leibe schmerzlich mitbekommen hat und nachher immer noch dazu steht.

  2. Dominik L.

    Hier werden ein paar wirklich gute Punkte angesprochen! Gefällt mir. Das Leben als Kleinunternehmer in Österreich ist wirklich kein Zuckerschlecken.

  3. Hugo Baer

    In dem Kommentar stimmt ja einiges, aber dass Mitarbeiter “kaum kündbar” sind ist ein Blödsinn. In Österreich gibt es in der Privatwirtschaft praktisch keinen Kündigungsschutz.

  4. Hermann

    naja – so ganz stimmt das nicht. die 20% MWSt zahlt ja der Endkunde und nicht der Dienstleister – sie wird nur durchgeschleift… und die Sozialversicherung zahlt ein Unselbständiger genauso – nur scheint es halt nirgends explizit auf….
    Italien soll besser sein???? Haha…. ja, dort gibts eine Finazpolizei und wenn man nicht brav steuern zahlt wirst inhaftiert….. also GANZ SCHLECHTES BEISPIEL

  5. ITSAB

    @ Hermann: die MWST zahlt der Kunde? nicht wirklich, das kommt darauf an. es gibt in der mikroökonomie mehrere möglichkeiten: der unternehmer kann zu dem preis (120%) weniger absetzten und zahlt drauf, der kunde muss den kompletten preis zahlen oder er wird aufgeteilt. in der mikroökonomie nennt man dies einen wohlfahrtsverlust durch die umsatzsteuer. wie der aufgeteilt wird kann man nur schwer sagen. abführen muss ihn der unternehmer auch wenn er vom kunden bezahlt wird…. also würde ich ihn eher dem unternehmer zurechnen…. weil er hätte ohne steuer ja auch 20% mehr für seine leistung verlangen können….. nur mal so….

  6. Lino

    Die 20% mwst zahlt zwar der endkunde jedoch den kunden hat der selbstständige aquiriert, sprich ein selbstständiger ist ein geldeintreiber des staates. Man geht in vorleistung und weiß in gewissen fällen nicht ob man überhaupt für seine leistung etwas bekommt. Ein Angestellter geht täglich in die arbeit ob er tatsächlich 8 stunden arbeitet oder nicht, er wird dafür entlohnt. An alle unselbstständigen denkt mal drüber nach was ihr schreibt, ihr müsst nicht um jeden auftrag bzw. Kunden kämpfen.

  7. Weinreich Astrid

    Also ich habe mich im Jahre 1982 in Südtirol Italy selbstständig gemacht. Das ging gut bis der Euro kam.
    Es wurde lieberalisiert. Zudem wurden die verschiedenen Lizenzen abgeschafft und übrig blieben die Lebensmittel- und nicht Lebensmittellizenzen. Das Chaos war perfekt. Nach 25 Jahren Selbstständigkeit-
    nur wer selbst selbstständig ist und war, weiß was das überhaupt heißt- habe ich aufgegeben. Nicht gerne. Bis zuletzt habe ich wie eine Löwin gekämpft- mit Ämtern- Verbänden aber ich wurde nur ausgelacht.
    Letztlich hatte ich es nur mehr mit Rechtsanwälten zu tun- bis ich bei meiner ersten Pfändung das Fernsehen einschalten wollte . Um den vielen anderen Verzweifelten zu helfen- um einfach Zeichen zu setzen um auf unsere schlimme Lage aufmerksam zu machen. Die Lage war so zugespitzt- dass ich um die Politik wachzurütteln- ein Bestattungsunternehmen anrief und mir einen Sarg liefern liess. Dann bestellte ich das ORF Fernsehen zu mir ins Geschäft- der Sarg wurde vor dem Eingang aufgestellt und ich stieg hinein. Der Wortlauf des ORF war..ein spektakulärer Fall hat sich heute in Eppan zugetragen. Astrid Weinreich Kauffrau- legt sich aus Protest in den Sarg.!!! (Habe auch das Video dazu)
    Der Bericht dazu und das Video hätte eigentlich alle Verantwortlichen wachrütteln sollen- anstattdessen wurde der Ernst der Lage total verkannt. Für mich habe ich es nicht getan- dann ich weiss mir jederzeit du helfen- aber die vielen anderen Kollegen und Kolleginnen- die vielen die freiwillig aus dem Leben geschieden sind- für sie und alle Geleimten wollte ich Zeichen setzen- Mut machen…….
    Abgesehen- dass Italien das absolut schlimmste Abzockerland der Welt ist- muss ich noch eines los werden….
    Alles ist gewollt- und zwar bis zum bitteren Ende. Der Mittelstand muss weg- die EU will das so. Das habe ich damals vor 7 Jahren leider noch nicht begriffen. Es läge an unseren Politikern- die Wirtschaft zu fördern und nicht abzuwürgen. Das Geld kommt aus der Wirtschaft und dem Tourismus. Wer soll das alles bezahlen- wenn es keine Wirtschaftstreibenden mehr gibt? Und ganz nebenbei….nie kranksein können und dürfen- 15 Stunden arbeiten bis zum Umfallen- keinen Urlaub- höchstens 2 oder 3 Tage- nur zahlen können- immer und überall-
    täglich Termine und wöchentliche Fixtermine- ausgesaugt zu werden wie eine Zitrone…..auf das normale Familienleben verzichten müssen..und dann wieder den Kredit erhöhen lassen müssen.. und und. Aber das alles ist selbstverständlich für unsere Politiker und für die EU. Es ist europaweit eine Schande.!!! Wenn die EU uns Menschen so hegen und pflegen würde- wie ich damals meine Kunden- dann hätten wir heute in ganz Europa kein Problem.!! Aber Achtung..nicht den Kopf hängen lassen….wir sind zäh….nicht verwöhnt..bekommen keinen Rinderwahn…….und wir wissen uns zu helfen……und es gibt tatsächlich Auswege………herzliche Grüsse –

  8. Michael Roth

    Natürlich ist nicht alles eitel Wonne in der Selbständigkeit, aber mann muss schon mal die Kirche im Dorf lassen. An deiner Rechnung stimmt nämlich einiges so nicht :
    Erstens solltest Du als Basis nicht von dem Ausgehen, was du in Rechnung stellst, denn die Mehrwertsteuer ist nunmal eine unternehmensspezifische Abgabe, die auf deinen kalkulatorischen Preis aufzuschlagen ist (du kannst sie also schwerlich für dich als “Verlust” verbuchen); Außerdem kannst du dafür um die Umsatzsteuer reduziert deine betriebsnotwendigen Waren und Dienstleistungen einkaufen (womit du dann selbst 20% sparst, oder wie du es in deiner Logik ausdrücken müsstest: “die vom Staat an dich gehen”).
    Zweitens ist es falsch, wenn du behauptest, dass alle anderen keinen Selbstbehalt hätten. Auch andere Kassen haben 20% Selbstbehalt, z.B. die BVA für alle öffentlich Bediensteten. Das kann man mögen oder nicht, aber die Streichung des Selbstbehalts würde wohl zu noch höheren Beiträgen führen (oder willst du ganz auf eine Krankenversicherung verzichten? Ich nicht!).
    Als Selbständiger zahlst du natürlich den Gesamtbeitrag an Kranken- und Pensionsversicherung (bei Angestellten wird er zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geteilt). Aber das solltest du natürlich in deine Preiskalkulation einbeziehen! Die Beitragssätze zu Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherungen pro Versicherten sind übrigens bei allen Kassen annähernd gleich.
    Drittens: ja, du zahlst mit 1,53% für Selbständigenvorsorge “deine eigene Abfindung”, wie Du sagst, bzw. eine Verbesserung deiner Pensionsvorsorge. Über den Sinn dieser Maßnahme kann man sicher streiten. Ebenso über die (von dir nicht erwähnte) Kammerumlage, falls du eine zahlst.
    Auf jeden Fall solltest du dich aber mal über das Steuerwesen informieren: Du zahlst nicht von deinem Ertrag mindestens 36% wie du schreibst, sondern deine ersten 11.000 € sind steuerfrei! Nur die Beträge darüber werden (mit mindestens 36%) besteuert.
    Ich weiss ja nicht, welche Laus dir gerade über die Leber gelaufen ist, aber du solltest schon bei der Wahrheit bleiben und nicht glauben, dass es Menschen in Fixanstellungen so fürchterlich viel besser geht! Die Abgabenquote in Österreich ist insgesamt relativ hoch (ich bezweifle aber, dass sie in Italien wesentlich niedriger ist, wenn du dort korrekt deine Abgaben zahlst) und sie bevorzugt derzeit die Vermögenden. Aber Selbständige gegen Fixangestellte so generell gegeneinander ausspielen zu wollen ist Blödsinn! Der Neid ist hier völlig an der falschen Stelle! Es gilt vielmehr, die generelle Schieflage zugunsten der Großverdiener bzw. Vermögenden zu beseitigen (z.B. durch Vermögenssteuern), um den “kleinen” (egal ob EPU oder Angestellt) wieder mehr Luft zu verschaffen!

  9. Liselotte

    Also hier muss ich auch mal etwas dazu sagen! Mir ist schon bewusst, dass es den “kleinen” selbständigen nicht gut geht! Es läuft alles darauf hin, dass nur noch Grossunternehmer und große Konzerne überleben! Das selbe hatten wir in der Landwirtschaft vor zig Jahren. Die kleinen Nebenerwerbslandwirte wurden regelrecht hingerichtet…. man stieg zur Massenproduktion um …. und wer erhält die Eu-Förderungen? Natürlich diejenigen, die das meiste nach dem Niedergang der Klein- und Kleinstbauern, an sich gerafft haben. Darunter eben Landwirte, die heute entsprechend groß geworden sind, weil die Grundflächen zu Schnäppchenpreisen zu haben waren und die Grosskonzerne die landwirtschaftliche Produkte verarbeiten. Tja und nun macht man weiter bei den nächsten! Eben den kleinen Selbständigen, sowie den Gasthausbetreibern, denen auch ganz erheblich auf die Zehen getreten wird mit allen möglichen Schikanierereien.
    Leider steckt hier in jedem Fall eine Lobby dahinter und der gute Österreicher sagt noch immer zu allem ja und ahmen…. weil er sich vor lauter Neid dem anderen gegenüber lieber still hält als sich endlich mal mit allen anderen zusammentut und auf die Barikaden geht!
    Nur eins muss ich hier mal massiv bekritteln: Die Arbeitnehmer sind nicht in der goldenen Postition so wie hier dargestellt! 1) Hat der Unternehmer kein Geld, bekommt auch der Arbeitnehmer irgendwann nix mehr! 2) Kann der Unternehmer nicht mehr, hat auch der Arbeitnehmer keinen Arbeitsplatz mehr! 3) Leider schon ein paar Mal miterlebt: Geht der Unternehmer in Konkurs sieht es schlecht aus, dass der Arbeitnehmer seinen Lohn noch bekommt – auch wenn es einen Insolvenztopf gibt, so wird hier nie alles bezahlt was offen ist, bekommst dann kein Arbeitslosengeld für Urlaubszeiten, die du dir nehmen musst…weil die Firma in Konkurs ist …. den ich mir unter anderen Umständen vielleicht nicht genommen hätte oder anders eingeteilt hätte…. und und und… es gibt eine ganze Menge Nachteile … das geht sogar soweit dass du unter umständen in der Firma, welche in Konkurs ist aber noch weiter produziert, nicht mal Kündigen darfst für eine gewisse Zeit! Fein, wennst gerade in dieser Zeit dann vielleicht eine andere Arbeit bekämst und nicht annehmen darfst, bis du dann darfst, ist die Stelle sicher anderweitig besetzt! Tja und von wegen Kündigungsschutz – Kündbar ist heute so gut wie jeder Arbeitnehmer… und einen Grund findet sich jeder Arbeitgeber, wenn er das so haben will. Die Vertretung der AK betreffend: Na irgend ein Recht auf sein Sauerverdientes wird der Arbeitgeber wohl noch haben. Wie oft habe ich das bei meinen Kindern (alle 4 im Gastgewerbe tätig) schon erlebt, dass sich die Hotels / Gasthäuser massiv dagegen sträuben, unmengen von Überstunden wenigstens einigermaßen abzugelten! Gibt auch andere….. wo es keinerlei Probleme gibt und der Arbeitseinsatz wirklich fair entlohnt wird. Aber wenn ich z.B. auf Saison schon 60-80 Stunden jede Woche ohne Murren arbeite, dann steht mir auch eine entsprechende Entlohnung zu!

  10. Gerhard

    Nicht jammern, handeln! Das wäre schon seit vielen Legislaturperioden eine mögliche Waffe, wenn man wollte. “es gibt keine Alternative“ ist der Tenor der Feigen und Bequemen, um dann wieder zu jammern. Zeichen zu setzen ist gefragt, dass bringt Regierungen und EU unter Zugzwang. Einigkeit zeigen und zusammenstehen, lautet die Devise, nicht sich und ganze Berufsgruppen gegeneinander
    ausspielen lassen, wie es von unseren Regierungen praktiziert wird, um vom Wesentlichen abzulenken. Wir
    müssen wieder einig werden, das ist
    unsere einzige Chance, um
    unsere STAATSDIENER an ihre tatsächliche Aufgabe zu erinnern. HANDELN, NICHT JAMMERN!

  11. Patrick

    Ich stimme dem Beitrag grundsätzlich zu, dass die Belastungen zu hoch sind. Bin selbst Unternehmer aber auch der Meinung, es muss die richtige Balance geben. Lieber Lohnnebenkosten runter, dann brauche ich den Freibetrag ja gar nicht.

    Hier wurden in den Kommentaren ein Beispiel in der Gastronomie mit nicht bezahlten Überstunden, 60-80 Stunden Wochen aufgeführt.

    Es mag diesen schwarzen Schafe geben, wenig erschließt es sich mir der Grund, warum ein Mitarbeiter dort weiterhin arbeitet?
    In der Gastronomie sehe ich keinen Überschuss an guten Arbeitskräften, sondern das Gegenteil ist der Fall. Somit brauche ich als Mitarbeiter keine Angst um meinen Job zu haben – gehe ich, finde ich sehr schnell einen neuen – und es gibt sie! In der Gastronomie gibt es viele gute Betriebe – die auch gute Mitarbeiter suchen – wir tun uns schwer und müssen viel suchen. Und ich könnte es mir nicht erlauben, 60-80 Stunden die Woche zu verlangen – geschweige denn das noch unbezahlt – ohne damit rechnen zu müssen, dass ich von der AK ein Schreiben erhalte. Die Zeiten, dass man in der Hauptsaison Wochenlang auf freie Tage verzichten muss – sind doch wohl schon lange vorbei…

    Das mag früher anders gewesen sein – aber unter Druck bringen kann ich jemanden nur, wenn er Angst hat, arbeitslos zu sein, das ist in der Gastronomie definitiv nicht der Fall – braucht man nur eine Jobplattform öffnen und schauen, wie viele offene Stellen ständig gesucht werden.

    Und daher ist die Balance in meinen Augen sehr wichtig.
    Die Bürokratie in Österreich ist ein Horror. Zum Dienstplan – es wird kaum ein Unternehmer in der Gastronomie einen korrekten einwandfreien Dienstplan zusammenbekommen, wenn er am Leben bleiben will (das geht nämlich nur, wenn man mind. 30 % mehr Angestellte hat, die sich in 80 % der Zeit dann langweilen – da zu wenig arbeit ist, geschweige denn, dass sich ein Unternehmer das jemals leisten könnte.)

    Zu den Kollektivverträgen – verschachtelt, tausend Zusätze – und wenn ein Arbeitsinspektor etwas als Gesetz ansieht, darf auch im Einklang mit dem Mitarbeiter nicht daran gerüttelt werden. Und schon so schlimm formuliert, dass sogar das Lohnbüro einen zur WKO verweist, weil sie die zweideutigen Aussagen selbst nicht verstehen und meinen – wenn die es schriftlich bestätigen – müssen die dann wenigstens im Fall der Fälle darum kämpfen. Das machte mich Baff.

    Ich verstehe woher die Gesetze kommen – es wurde viel Schindluder getrieben – somit eingeführt, damit bestraft werden kann, und ich in der nächsten Generation muss damit leben.

    Richtiger wäre es – dass Unternehmer und Mitarbeiter besser zusammenarbeiten können – wenn beide einverstanden sind, dann soll das über den geltenden Gesetzen liegen, und wenn so eine Übereinkunft zusammen mit dem Arbeitsinspektorat und Belehrungen einhergehen, dann soll es so sein. Somit eine Flexibilisierung – die zu keinem Nachteil führen muss.

    Denn ich persönlich scheitere häufig daran, dass ich einen Mitarbeiter enttäuschen muss, da ich von Gesetz her nein sagen muss, obwohl es für den Betrieb besser wäre, und den Wunsch des Mitarbeiters entspräche.

    Und bitte nicht damit kommen – der Betrieb kann den Mitarbeiter ja unter Druck setzen, dass er zustimmt, sonst bekommt er den Job nicht – zumindest in der Gastronomie sehe ich das Problem nicht – da wie schon erwähnt – wenn ein Mitarbeiter geht, sind die Chancen hoch, dass er morgen schon einen neuen Job hat. Angebot und Nachfrage – und das Angebot an Jobs ist höher als die Nachfrage.

    Zu den Steuern – auch Mitarbeiter zahlen zu viele Steuern – sie wissen es nur nicht, da ja der größere Anteil nicht im Brutto-Lohn, sondern den Abgaben beim Unternehmen liegt. Eigentlich sollte dies deutlicher kommuniziert werden – das bist Du Deinem Unternehmen wert…

    Nicht wenig hab ich gestaunt, als wir vor ca. 2-3 Jahren eine Lohnnebenkosten-Erleichterung erfahren haben – die groß publiziert wurde, und 2 Jahre später (letzter Sommer) staune ich nicht schlecht, als ich plötzlich pro Monat mehrere T-Euro mehr an Lohnkosten hatte… (ich kann nur schätzen, irgendwas um 3 % – ohne dass das Netto des Angestellten sich um nur einen Cent bewegt hat. Da gab es keinen Aufschrei – sind ja nur so an die 30 – 40 € pro Monat und Mitarbeiter – der keinen Cent davon sieht, und nicht mal weiß, dass der Betrieb das mehr zahlt. Und ich rede nicht von Kollektivlohnerhöhungen – sondern tatsächlich Abgaben.

    Kurzum – die gesamte Situation für Kleinst- und Kleinbetriebe ist nicht ideal – man muss ständig kämpfen, steht ständig mit einem Fuß im Knast, und muss ständig Geld in die Hand nehmen, um neue Bestimmungen zu entsprechen – neue Beauftragte auszubilden (unsichtbare Qualität oder Auflagen), geschweige denn, die sichtbare Qualität dem Kunden gegenüber zu halten – Sterne zu erhalten, die nicht immer mit den Wünschen der Gäste konform sind – Kreditzinsen, die nicht dem niedrigen Zinsniveau entsprechen, dem sie sollten – und der Regierung fällt nichts besseres ein, als genau jene, die es sich nicht leisten können – noch mehr zu belasten.

    Das ging jetzt etwas über das Thema oben hinaus – mich hat nur die Aussage – ich muss in der Gastronomie 60-80 Stunden arbeiten, und bekomme sie nicht bezahlt, sehr gestört. Denn auch hier gilt die aktuelle Marktsituation mit Angebot/Nachfrage – Gäste fahren nur in Betriebe – die ihren Erwartungen entsprechen – selbiges sollten Mitarbeiter machen – denn ich persönlich glaube – es gibt weniger schwarze Schafe – als diejenigen, die versuchen, sich korrekt zu verhalten (und leider kann man es nur versuchen – denn jedem Gesetz gerecht zu werden ist unmöglich in diesem Land). Leider.

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