Alle gegen Hoeness

(ANDREAS TÖGEL)  Wie konnte er nur?! Was für eine Gemeinheit – welch unvorstellbare Gier! Empörung allerorten. Ausnahmsweise sind es nicht Banker, „Spekulanten“ oder unternehmerische Ausbeuter, die vom Zorn der Neidgenossenschaft getroffen werden, sondern ein erfolgreicher Ex-Fußballer. Von „Hunderten Millionen Euro“, die er – Uli Hoeneß – angeblich „am Fiskus vorbei“ ins feindliche Ausland verbracht hat, weiß die stets zur moralischen Entrüstung bereite Hauptstromjournaille zu berichten.

 

Daß Kanzlerkandidat Steinbrück, in seiner einstigen Eigenschaft als Finanzminister, die deutsche Kavallerie nicht auf die Schweiz losgelassen hat, um auch diese (Steuer-)Oase zur (Steuer-)Wüste zu machen, kann, im Lichte der rezenten Ereignisse, gar nicht genug beklagt werden – zumindest nicht von jenen, die auf beiden Augen blind sind oder die der langjährige Aufenthalt im Umverteilungsstaat um jedes Gespür für das rechte Maß gebracht hat.

 

Mehrere Auffälligkeiten gilt es festzustellen:

1.)  Daß es ein illegal beschafftes Beweismittel ist, das nun die Grundlage der Erregung der Berufsbetroffenen bildet, scheint keinen Menschen zu kümmern.

2.)  Daß der Staat ungeniert – für Millionen an Steuergeldern – Diebesgut (wieder einmal einen elektronischen Datenträger) ankauft und damit den Tatbestand der Hehlerei verwirklicht, wird völlig unbekümmert mit dem für den Fiskus positiven Saldo dieses kriminellen Vorgehens gerechtfertigt. Schließlich übertrifft die zu erwartende Beute den für die Konterbande aufgewendeten Preis mutmaßlich bei Weitem.

3.)  Daß die staatliche Vollziehung nur auf gesetzlicher Grundlage zu handeln hat (die bekanntlich weder zu Datenklau noch zu Hehlerei berechtigt!), wird im vorliegenden Zusammenhang nirgendwo thematisiert. Der Nachweis für Hans-Hermann Hoppes These, wonach es sich beim Staat um eine kriminelle Organisation handelt, ist jedenfalls – einmal mehr – unzweifelhaft erbracht.

4.)  Weshalb man den Nachstellungen einer kriminellen Organisation nicht mit Mitteln der Notwehr (in diesem Fall dem der Steuerflucht) begegnen sollte, würde ein hervorragendes Thema für eine Grundsatzdiskussion hergeben. Der deutsche Ökonom Philipp Bagus meinte dazu launig „Steuerzahlen ist kein Kavaliersdelikt!“

5.)  Daß diejenigen, die sich derzeit am lautstärksten moralisch empören, durch die Bank entweder Nettosteuerempfänger oder mit der Staatsmacht innig liierte Figuren sind, läßt berechtigte Zweifel daran aufkommen, daß die Kampagne gegen den bösen Steuerhinterzieher frei von handfesten Eigeninteressen gefahren wird. Schließlich geht es – mutmaßlich illegale Vermeidungshandlungen hin oder her – um einen Nettosteuerzahler.

 

Dem Autor dieser Zeilen sind übrigens der Fußball im Allgemeinen und Herr Hoeneß im Besonderen gleichgültig. Erprobtermaßen unfähig, einen Hydranten zu überdribbeln, und an der Beobachtung 90minütiger Laufrituale mehrheitlich schlichter Gemüter mit proletoidem Hintergrund uninteressiert, scheinen mir nur die begleitenden Umstände der kollektiven Aufregung bemerkenswert.

 

Das – wie eben von Peer Steinbrück – bei derlei Gelegenheiten stereotyp vorgebrachte „Argument“, daß es unfair sei, wenn Leute wie Hoeneß ihr Geld dem Zugriff des Finanzministers entzögen, während die Masse der Einkommensbezieher dazu doch gar keine Chance hätte, ist an Putzigkeit schwer zu überbieten: Der Fiskus brauchte ja nur die Unternehmen von der Last zu befreien, unbezahlt als verlängerte Werkbank des Finanzamts zu dienen, lasse sie Löhne und Gehälter netto auszahlen, und schon bestünde schlagartig „Waffengleichheit“ zwischen Ausbeutern und Lohnsklaven. Der Finanzminister könnte in diesem Fall seinen Laden allerdings Tags darauf dichtmachen, denn die Steuerwiderstände stiegen schlagartig ins Uferlose, würde den Lohnabhängigen mit einem Male bewusst, daß sie die Hälfte (oder mehr) ihres sauer verdienten Geldes zur Finanzierung staatlicher Korruption und Misswirtschaft abzuliefern haben. Wer indes meint, die Steuerlast steuerehrlicher Bürger könnte sinken, wenn egoistische Steuerflüchtlinge nur brav ihren Tribut ablieferten, glaubt vermutlich auch an die Existenz von Feen und Kobolden. Abgesehen von der vergleichsweise vernachlässigbaren Größenordnung dieser „Fluchtgelder“: Noch nie haben zusätzliche Steuereinnahmen den Anlaß zu Tarifsenkungen gebildet.

 

Daß es nicht der Bosheit Selbständiger, Künstler und Sportskanonen geschuldet ist, wenn immer nur sie, niemals aber kleine Hackler Steuern hinterziehen, hat nichts mit der moralischen Überlegenheit oder gar mit „Fairness“ Letzterer zu tun, sondern allein mit deren mangelnden Möglichkeiten zum Unterschleif. Wer kann, der vermeidet Steuern ohnehin – und sei es beim Nettohaarschnitt, oder der Nachbarschaftshilfe am Bau, die ja besonders dem „kleinen Mann“ nicht ganz unbekannt ist.

 

Angesichts der drückenden Steuerlasten, die im Wohlfahrtsstaat herrschen, verwundert weniger der Umstand, daß in wachsendem Maße Vermeidungsstrategien zur Anwendung kommen, sondern eher, daß es noch immer nicht zu Steuerrevolten gekommen ist. Wenn mehr als die Hälfte des Verdienten vom Großen Bruder enteignet wird, ist das rechte Maß klar überschritten. Es sei daran erinnert, daß in der Vergangenheit, als die Bürger noch nicht wohlfahrtsstaatlich gehirngewaschen und verhausschweint waren, bekanntlich schon wegen weit geringerer hoheitlicher Übergriffe als heute üblich, zu bewaffneten Aufständen kam…

 

Die aktuelle Hoeneß-Kampagne ist, wie schon die Hetze gegen angeblich schädliche „Steueroasen“, von der impliziten Vorstellung getragen, jeder vom Bürger verdiente Cent gehöre im Grunde dem Staat. Der allerdings – so die krause Logik – ist in seiner grenzenlosen Huld immerhin geneigt, einen kleinen Teil des vom Bürger Erwirtschafteten, diesem als Taschengeld zum Eigengebrauch zu überlassen. Jene seltsamen Spaßvögel, die gelegentlich mit der Behauptung „ich zahle gerne Steuern“ auffallen, finden sich so gut wie ausschließlich in den Reihen der Nettosteuerempfänger. Natürlich geht derartiger Unfug leicht über die Lippen, wenn man in Wahrheit nicht nur keinen Cent an Steuern und Sozialversicherungsabgaben löhnt, sondern lebenslänglich von jenen Steuern lebt, die in der Privatwirtschaft fronende Lastesel gezwungenermaßen abzuliefern haben.

 

Der amerikanische Ökonom Thomas Sowell bringt den hinter der aktuellen Neiddebatte um Hoeneß steckenden Sachverhalt präzise auf den Punkt, wenn er feststellt:

„Ich habe noch nie verstanden, warum es Gier genannt wird, das eigene, verdiente Geld behalten zu wollen, es aber keine Gier ist, sich das Geld anderer Leute aneignen zu wollen.“

Ein Satz, den man allen Steinbrücks und der Phalanx der hauptberuflichen Desinformanten in den Hauptstrommedien ins Stammbuch schreiben sollte.

 

Tagebuch

62 comments

  1. wollecarlos

    um 09:57 an Mercutio:
    “(es wundert mich, daß Ihr Zwillingsbruder im Geiste heute und hier noch nicht aufgetaucht ist. Haben Sie dafür eine Erklärung?)”

    Na also, hat doch geklappt!
    Und schon trompetet er wieder, der linke Fascho: in 42, 43, 44, 47.!

    Man muss ihn halt nur ein bischen kitzeln,. so einfach ist das !

  2. wollecarlos

    @Mercutio
    “Na gut, dann halten Sie sich dran, ..”

    WORAN ?

    Sie schreiben in Rätseln!
    (Übrigens: Kritik teilt man nicht aus”, sondern “äußert” sie! Begreifen Sie den kleinen, semantischen Unterschied?)

  3. Lodur

    Wollecarlos = Selbstgerechter Querulant, ungebildeter Pseudoökonom, paranoider Marxistenhasser und Freund von Stalin-Verehrern. Ein Fall für die Psychiatrie, da er für sich und andere eine Gefahr darstellt.

  4. wollecarlos

    @Mercutio
    “Over bye”

    zum wievielten Male haben Sie das geschrieben?
    Siebzig, oder 90 mal?

    Aber LEIDER halten Sie Ihre Zusagen nicht.
    Wie so alles, was von den watteweichen möchte-gern-liberalen Weicheiern kommt….

    Aber SIE sind wenigstens human.Herzlichen Dank!

    Bei Ihrem linksfaschistischem Bruder der marxistischen Religion wäre mindestens GULAG, wahrscheinlich aber Genickschuss die Regel.

    Kennt man ja aus der jüngeren Geschichte.

  5. Lodur

    “Bei Ihrem linksfaschistischem Bruder der marxistischen Religion”

    Der “Bruder der marxistischen Religion” ist neben Mercutio und Karl Markt einer der wenigen, die hier sachlich, methodisch-systematisch argumentieren. So habe ich z. B. aufgezeigt, dass Herr Tögel mit seinen Äußerungen über Demokratie und gewählte Volksvertreter die politischen Ikonen (Thatcher, Reagan, Cameron, Clegg) der libertären und liberalen diskreditiert. Aber Hass macht eben blind.

  6. Andreas Tögel

    Verehrter Lodur,
    Zwar wollte ich mich ja schon ausklinken, aber zu diesem Punkt noch eine Stellungnahme: Thatcher und Reagan verdienen Lob für ihre historischen Verdienste im Kampf gegen den Bolschewismus. MT für ihren erfolgreichen Kampf gegen das Gewerkschaftspack im eigenen Land, RR dafür, daß er maßgeblichen Anteil an der Liquidation der Sowjetunion hatte. Das war´s aber auch schon.

    In jeder anderen Hinsicht (insbesondere in wirtschaftlicher) haben beide total versagt. Beide haben die Staatsquoten nicht gesenkt – ganz im Gegenteil. Schlimmer noch: Thatcher war maßgeblich am Aufbau des (heute in voller Blüte stehenden) Kontroll- und Überwachungsstaats beteiligt, den man heute auf den britischen Inseln bewundern kann. Hayek gelegentlich in Sonntagsrededen zu zitieren, reicht halt nicht.

    Wenn Sie lesen, was rezente Libertarians (z. B. Sean Gabb von der Libertarian Alliance im UK) anläßich des Todes der Baroness Thatcher geschrieben haben, werden Sie sehen, daß da von einer “Ikone” keine Rede sein kann. Das sollte Sie aber (wenn Sie sich wirklich ernsthaft mit libertären Idealen auseinandersetzen) auch nicht überraschen. Etastisten – gleich welcher Coleur – ziehen da niemals große Sympathien auf sich…;-).
    Mit freundlichem Gruß,
    A. Tögel

  7. Lodur

    “Thatcher und Reagan verdienen Lob für ihre historischen Verdienste im Kampf gegen den Bolschewismus.”

    Den (Post-) Stalinismus bzw. seine Derivate als “Bolschewismus” zu bezeichnen ist ideengeschichtlicher und politologischer Unsinn, da Stalin (und seine Mitstreiter) bewusst mit den Ideen Lenins und der frühen Bolschewiki wie Arbeiterselbstverwaltung, Forcierung des Genossenschaftswesens für den ländlichen Raum, Errichtung einer Arbeiter-, Bauern- und Soldatendemokratie brachen, auch wenn er sich immer wieder auf ihn berief.

    “Gewerkschaftspack”

    So bezeichnen Sie also Menschen, die für Arbeitnehmerrechte kämpfen. Typisch für einen bürgerlichen Klassenkämpfer.

    “daß er maßgeblichen Anteil an der Liquidation der Sowjetunion hatte”

    Dieses bürokratisch-zentralistische, autoritäre Monstrum, das mit Sozialismus im marxistischen Sinne spätestens seit 1922/23 nichts mehr zu tun hatte, zerstörte sich durch das Schüren des Unmuts der dortigen Bevölkerung großteils selbst. Der von Reagan forcierte Rüstungswettkampf beschleunigte nur diesen Prozess.

    “In jeder anderen Hinsicht (insbesondere in wirtschaftlicher) haben beide total versagt. Beide haben die Staatsquoten nicht gesenkt – ganz im Gegenteil. Schlimmer noch: Thatcher war maßgeblich am Aufbau des (heute in voller Blüte stehenden) Kontroll- und Überwachungsstaats beteiligt, den man heute auf den britischen Inseln bewundern kann. Hayek gelegentlich in Sonntagsrededen zu zitieren, reicht halt nicht.”

    Da sind Sie wenigstens konsequent, indem Sie diese Herrschaften genauso wie alle anderen Volksvertreter ablehnen. Aber apropos “Kontroll- und Überwachungsstaat”. Erst die kapitalfreundlichen Reformen Thatchers, die den Unmut breiter Bevölkerungsschichten schürten, machten diesen nötig. Kapitalismus ist eben nur durch Zwang installier- und erhaltbar. Keiner will Ausbeutung, Konkurrenzdruck, Armut, Hunger und Elend. Außer der Minderheit die davon profitiert sowie denjenigen, die davon zu profitieren glauben.

  8. Mercutio

    @Andreas Tögel
    Hitler und Mussolini gilt höchstes verdienst im Kampf gegen den unseligen Bolschewismus, leider haben die beiden sonst in jeder Hinsicht völlig versagt.

  9. Mercutio

    @wollecarlos
    Nur damit keine Missverständnisse aufkommen, — bei Ihrer Auffassungsgabe leider nur zu häufig der Fall.
    bye gilt für Sie, und nicht den Blog als solchen. Capische?
    Im Übrigen schließe ich jede weiteren Rechtsansprüche aus. Aber vielleicht erwirken Sie eine einstweilige Verfügung vom Blogbetreiber???

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