Alle gegen Irmgard Griss

(MARTIN VOTZI) Irmgard Griss ist zurzeit noch die einzige offizielle Kandidatin für die Wahl zum Bundespräsidenten im nächsten Jahr. Viele meinen, dass sie zu früh vorgeprescht sei, andere sympathisieren mit ihrem unkonventionellen Stil, der kein Taktieren kennt.
Wirklich verwunderlich ist aber das derzeit nur von Journalisten begonnene Bashing gegen Frau Griss.
Fangen wir mal beim schlimmsten Fall an, nämlich bei Wolfgang Fellner, der Frau Griss nun schon zweimal als „noble Wut-Oma“ bezeichnet hat, die ins Präsidentinnen-Amt schlüpfen will.
Diese Form von Niedertracht mag zwar typisch sein, ich wage aber die Wette, dass mit anderen Kandidaten, wenn sie sich endlich geoutet haben, nicht so herabwürdigend umgegangen wird. Frau Griss wird wenn überhaupt dann nur ein geringes Inseraten-Aufkommen bringen. Da ist von den ÖVP und SPÖ Kandidaten viel mehr zu erwarten.
Vom für Irmgard Griss völlig unpassenden Attribut „Wut“ mal abgesehen, wenn man sie als Oma bezeichnet, dann sollte man sich das Alter der anderen möglichen Kandidaten ansehen. Erwin Pröll wird in wenigen Tagen 69, also gleich alt wie Irmgard Griss, und Alexander van der Bellen führt im Alterswettbewerb gleich mit 2 Jahren mehr. Kein Journalist wird deswegen Van der Bellen oder auch Pröll als Opa und schon gar nicht als Wut-Opa bezeichnen. Nur Rudolf Hundsdorfer darf sich mit 64 Jahren fast noch als Jüngling im Kreis der Kandidaten fühlen.
Aber auch dem “Standard” gefällt die Jagd auf Frau Griss. Alexandra Föderl-Schmid verknüpft sie wenig elegant mit dem kommenden Informationsfreiheitsgesetz, nach dem Amtsverschwiegenheit weiterhin beim kleinsten Zweifel das Mittel der Wahl bleiben wird. Dies mit der nicht besonders glücklichen Vernichtung der Protokolle zum Hypo-Untersuchungsbericht in Zusammenhang zu bringen ist etwas gewagt und eher als Kunstgriff, Frau Griss Tarnen und Täuschen zu unterstellen, wie es in Österreich vor allem bei den ach so erfahrenen Politikern üblich ist, zu werten. Das von ihr gelieferte Ergebnis zum Hypo-Kriminalfall spricht klar dagegen und der Bericht zeigt auch auf, wie auch die Politiker weggeschaut, getrickst und getäuscht haben.
Der Kurier will es mit „wer zu viel laviert verliert“ auf den Punkt bringen, vergisst aber dabei, dass dieser Vorwurf viel mehr noch die anderen Kandidaten trifft.
Es gibt noch andere Beispiele für dieses Bashing, wenden wir uns aber mal den anderen möglichen Kandidaten zu.
Rudolf Hundsdorfer hat als Sozialminister auf der ganzen Linie versagt und ist eher für seine schnodrigen Bemerkungen bekannt, wie z.B. der stark gestiegenen Arbeitslosigkeit im November ein etwas flacheres Niveau zu bescheinigen und damit die traurige Statistik fast schon ins Positive umzudeuten.
Eine echte Frechheit und vor allem eine offensichtliche Täuschung der Bürger ist das mit stolzgeschwellter Brust von Hundsdorfer hinausposaunte gestiegene Pensions-Antrittsalter. Die faktische Abschaffung der Invaliditäts-Pension für unter 50-jährige und der Ersatz durch das Reha-Geld und Ausbildungsgeld sind aber ein wesentlicher Grund für das gestiegen Pensions-Antrittsalter, da diese Menschen in der Pensionsstatistik nicht mehr vorkommen. Nur der Erfolg dieser Maßnahmen will sich nicht so recht einstellen und aus gutem Grund hält man Zahlen zum möglicherweise erfolgreichen Wiedereinstieg in das Berufsleben zurück.
Erwin Pröll ist als absoluter Machtmensch bekannt. Im Raum stehende bekannte Vorwürfe auf persönlicher Ebene will ich hier gar nicht ins Treffen führen, da die meisten davon nicht über den Status des Gerüchts hinauskommen. Es reicht auch die totale schwarze Einfärbung in Niederösterreich, die der roten Durchdringung aller Machtebenen in Wien um nichts nachsteht.
Alexander van der Bellen schließlich zeichnet sich durch einen angekündigten Verfassungsbruch als möglicher Bundespräsident aus, nämlich einen FPÖ-Kanzler mit Sicherheit nicht angeloben zu wollen. Er hat das zwar in der Folge abgemildert. Ich kann mich aber an kein Medium erinnern, dass sich über seine Aussage auch nur ein wenig empört hätte.
Man wirft Irmgard Griss auch politische Unerfahrenheit vor. Das stimmt, es fehlt ihr an Erfahrung im Tarnen, Täuschen und Taktieren. Hoffentlich bleibt das auch so und sie wird nur etwas geschickter mit so mancher Aussage und etwas professioneller in ihrem Auftritt.

20 comments

  1. Mourawetz

    das hat mich auch gestört, dass über Van der Bellens Weigerung nonchalant hinweggesehen wurde. Was muss ein Grüner tun, um sich als Totalitärer zu outen?

  2. Fragolin

    @Mourawetz
    Nichts. Man kann das einfach als gegeben voraussetzen.

    Ich stelle mir nur gerade die mediale Schnappatmung vor, wenn z.B. ein blauer Präsidentschaftskandidat ankümdigen würde, niemals einen roten oder grünen Kanzler angeloben zu wollen… 😉
    Und das mit der “Wut-Oma” ist ja geradezu zurückhaltend; wenn ich mir den damaligen medialen Ausbruch gegen eine Frau Rosenkranz, die Hetze gegen ihre ganze Familie und die Häme, die über ihre Kinder (zum Teil noch im Schulalter) gegossen wurde, dann sind das ja geradezu moderate Klänge aus der linksextremen Hetz-Orgel.

  3. Erich

    Das Perfide an dieser Hetzerei ist doch, dass uns ganz konträr Hillary Clinton als “logische” Kandidatin und nächste Präsidentin der USA massiv vorgestellt wird, vor allem, weil sie eine Frau ist. Aber das “Frausein” ist nur von Vorteil, wenn sie sich zur linken Ideologie bekennt!

    Die Zeitungsangriffe deuten aber – wie schon bei der Wien-Wahl – auf massive Ängste der Sozialisten und GrünInnen hin, ihre Pfründe und Einfluss zu verlieren. Ein Grund mehr, Frau Griss an die erste Stelle der wählbaren Kandidatinnen zu setzen! Die üblichen Verdächtigen wie Pröll, Hundsdorfer oder v.d.Bellen betrachten die Hofburg wohl nur als nettes Ausgedinge und lukrativen Reiseveranstalter.

  4. Goetz

    Die Angriffe auf Frau Griss verdeutlichen wieder einmal den Zustand der im Artikel angeführten Zeitungeen: Nach meiner Meinung korrupte Herausgeber unterstützt durch gekaufte und verhaberte Journalisten.

  5. sokrates

    Leider lernt Frau Griess ganz schnell! im Standard ein echter “Eiertanz” auf die Frage ob sie Strache angeloben würde,die Aussagen zur Neztralität sind auch nicht gerade staatstragend, und von Verantwortung, Schuldige war im Hypoausschuß auch nie die Rede! Das System hat halt versagt, Pech gehabt..Das sie einaugige unter den Blinden ist, ist ein schwacher Trost! Warum müssen die Österreicher immer mit zugehaltener Nase wählen gehen?

  6. O.d.S.

    Ich will keineswegs Spielverderber sein, aber das mit dem Verfassungsbruch ist schlicht falsch.

    Aus dem B- VG: Artikel 70. (1) Der Bundeskanzler und auf seinen Vorschlag die übrigen Mitglieder der Bundesregierung werden vom Bundespräsidenten ernannt.

    Ohne Einschränkung. Realpolitisch läuft es sicher anders ab und wäre demokratiepolitisch bedenklich. Ein Verfassungsbruch wäre es aber nicht.

  7. O.d.S.

    Achja und die Dame heisst Griss, nicht Griess! Mich stört an Verfechtern der Freiheit schon sehr, dass nicht darauf geachtet wird, bei den Fakten zu bleiben. Auch das EuGH Urteil im ersten Post wurde vollkommen falsch dargestellt, zumal sich nach kurzer Recherche ergibt, dass der Verfasser des Artikels keine Ahnung hat, wovon er da schreibt.

    Wenn wir dem Volk eine Alternative sein wollen, dann müssen wir ihm reinen Wein einschenken und es nicht auch noch durch eigene Fehldarstellungen verunsichern!

  8. Reini

    ich wäre für die echte “Wut Oma” als Bundespräsidentin,… bin zwar auch nicht immer ihrer Meinung… aber alles besser als verkaufte Politiker! … und vielleicht machts den Job um den halben Preis! 😉

  9. Christian Peter

    Nur die Abschaffung des Bundespräsidenten – Amtes kommt in Frage. Dieses Amt kostet den Steuerzahler – ohne erkennbaren Nutzen – Unsummen.

  10. Rennziege

    21. Dezember 2015 – 12:03 Christian Peter
    Wunderschöner Vorschlag aus Ihrer Feder, wie immer warmluftig. Haben Sie sich auch ausgemalt, auf welche Weise die für eine Verfassungsänderung erforderliche qualifizierte Mehrheit im Nationalrat zustandekommen könnte? No way, sir — aber spinnen Sie diesen Gedanken freundlicherweise zu Ende, pittäh.

  11. O.d.S.

    Kindergartenargumentpeter!

    Na dann listen Sie uns einmal allen diese Unsummen auf. Mir geht diese Schreierei nach Abschaffung von Gemeinden, Ländern und Ämtern ziemlich auf die Nerven.

    statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/oeffentliche_finanzen_und_steuern/oeffentliche_finanzen/staatsausgaben_nach_aufgabenbereichen/034704.html

    Laut StatAut. geben wir für diese Funktionen jährlich 7,5 Milliarden aus. Rechnet man die Bundesausgaben heraus, sind wir bei vielleicht 4 Milliarden.
    Sozialausgaben belaufen sich auf satte 71 Milliarden! Bevor man hier also über ein Jahrtausend gewachsene Strukturen abreisst, reden wir zuerst einmal über Pensionen, Mindestsicherung, Sozialversicherungssystem usw.

    Das wäre der Anfang einer seriösen Debatte.

  12. Falke

    Wenn es schon um eine Person geht, sollte man sich zuallererst einmal anschauen (falls man lesen kann), wie diese Person richtig heißt.

  13. Rennziege

    21. Dezember 2015 – 14:19 Falke
    Stimmt. Aber vielleicht gibt’s in wenigen Monaten ein “Griess” um Irmgard Griss. Mir tät’ sie gefallen als Bundespräsidentin — nicht weil sie eine Frau, sondern weil parteilos ist und abseits des täglichen Jahrmarkts in sich selbst ruht. Und g’scheit ist sie auch. Verglichen mit anderen Möchtegerns, die sich zu Kandidaten aufpudeln, ist Frau Griss ein Diamant in der Talmi-Brosche.

  14. Christian Peter

    @Rennziege

    wo ein Wille, da ein Weg. Jedenfalls ist es einer Verhöhnung der Steuerzahler, für ein sinnloses Amt derart viel Steuergeld zu verschwenden, insgesamt geht es um etwa 80 Millionen Euro pro Jahr. Man muß sich das vorstellen : BP Fischer verdient für rein repräsentative Aufgaben (nutzloses Händeschütteln) mehr als der Regierungschef der Vereinigten Staaten von Amerika mit 318 Millionen Einwohnern. Außerdem : Sinn ergibt das Amt allenfalls, wenn es von einem (von den Parteien) unabhängigen Kandidaten ausgeübt wird, denn wie sollten rote und schwarze Genossen als BP ein Gegengewicht zur Bundesregierung bilden ?

  15. astuga

    Naja, der sog. Fellnerismus ist ohnehin ein eigenes Thema.
    Gibt’s da schon einen Wikipedia Artikel dazu? 😉
    Und dass die üblichen Verdächtigen jetzt an Griss herummäkeln ist wohl dem Umstand geschuldet, dass sie sich mit den falschen polit. Parteien “einlässt”.
    FPÖ, NEOS.

    Das geht natürlich gar nicht, dass vielleicht noch die Rot-Grüne Bonzokratie womöglich an der Bundespräsidenten Wahl scheitert.
    Da muss man gleich einen “kritischen” Artikel in die Welt hinaus kotzen.

  16. astuga

    Zum blitzsauberen Herrn Van der Bellen nur soviel:
    Abgeordnetengehalt monatlich 8.160 Euro brutto (soll sein), aber zusätzlich eine Pension von monatlich 4.993 Euro und weitere 220.000 Euro jährlich als “Bürokosten” für seine Tätigkeit im Versorgungsposten als Uni-Beauftragter der Stadt Wien.

    Weiters, Van der Bellen im Standard: “Notfalls darf man die Unwahrheit sagen”.
    Der sog. Notfall betraf die Milliardenzahlungen an Griechenland zu Lasten des Steuerzahlers,
    die angesichts der geleugneten Zahlungsunfähigkeit keine rechtliche Grundlage hatten.

  17. Falke

    @astuga
    Damit passt Van der Bellen sehr gut zur EU, vor allem zu Juncker: der meint ja auch, dass man das dumme Volk durchaus belügen darf.

  18. neukirchner

    Frau Griss bringt keine Inserate, daher vorab schon mal für die Medien uninteressant. Außerdem wäre eine Frau Griss als Bundespräsidentin eine Gefahr für die etablierte Politik, siehe ihren messerscharfen Hypo-Bericht, quasi eine Füchsin im korrupten Hühnerstall.

  19. Christian Peter

    Das Abschaffen des völlig nutzlosen Bundespräsidenten – Amtes ist die für den Steuerzahler einzig vertretbare Lösung.

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