Als die griechische Luftwaffe Geldkisten aus Wien einflog

“……. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit Unterstützung der italienischen und der österreichischen Notenbank Griechenland in den Jahren 2010 bis 2012 mit Transporten von Millionen 50- und 100-Euro-Scheinen vor einem Bank-Run bewahrt. Die rettenden Scheine seien mit drei Flügen von Transportmaschinen der griechischen Luftwaffe vom Typ Hercules C-130 aus Rom und Wien gekommen, wie erstmals von der griechischen Zentralbank (Bank of Greece) in einem Bericht bestätigt wurde….” (hier)

3 comments

  1. rubens

    Aha, das meinte unser Bundeskanzler Faymann, als er sagte, man könne den Griechen nicht genug Geld geben. Damals 2010.

  2. Klaus Kastner

    Die knapp 6 Mrd.EUR Bargeld, die laut Bank of Greece ‘eingeflogen’ wurden, erscheinen viel, sind jedoch nicht so viel, wenn man sie im Gesamtkontext betrachtet.

    Das griechische Bankensystem hatte während der akuten Krise, je nach Betrachtungsweise, 80-90 Mrd.EUR an Einlagen verloren, von knapp über 240 Mrd.EUR auf etwas unter 160 Mrd.EUR. Kurz: die Banken verloren rund ein Drittel ihrer Einlagenrefinanzierung (das Loch wurde von der EZB gefüllt). Vor diesem Hintergrund muss man rückblickend froh sein, dass ‘nur’ 6 Mrd.EUR an Bankschaltern abgehoben wurden. Dadurch wurde das Ausmaß der Panik nie richtig sichtbar.

    Rund 25 Mrd.EUR dieser Depositenflucht wurden, laut Bank of Greece, direkt und ganz offiziell auf Auslandskonten überwiesen (d. h. wohlhabende Griechen brachten ihr Geld ins Trockene und konnten dies nur tun, weil die EZB offizielles Geld nach Griechenland schickte).

    Ca. 50 Mrd.EUR waren ein Assettausch aus Sicht der Einleger: sie zogen ihre Einlagen ab und kauften mit den Erlösen ausländische Wertpapiere bei griechischen Banken für ihr Depot. Dadurch waren sie natürlich gegen einen Grexit geschützt.

    Die ausländischen Wertpapieranlagen in Depots bei griechischen Banken sind offiziell bekannt. Die direkten ausländischen Finanzanlagen (d. h. Gelder von Griechen auf ausländischen Bankkonten) kann man nur schätzen und die seriösesten Schätzungen legen nahe, dass es nicht viel weniger als 200 Mrd.EUR sind, möglicherweise sogar (viel) mehr.

    Das große Geheimnis sind die Bargelder ‘unter der Matratze’. Diese kann man nicht einmal seriös schätzen. Wenn ich meine griechischen Freunde frage, wie es denn sein kann, dass eine Gesellschaft trotz des wirtschaftlichen Einbruchs noch einigermaßen gut funktionieren kann, dann verweisen sie mich auf ‘Fett’. Viele griechische Familien leben derzeit vom ‘Fett’ und meine Freunde sagen mir, dass es noch sehr viel ‘Fett’ gibt.

    Aus meiner Sicht war die größte Leistung der Bank of Greece in den Krisenjahren, dass sie ihr Bankensystem vor den Konsequenzen der Zypern-Krise schützen konnte. Dazu bedurfte es allerdings einiger Machinationen auf der Ebene von Politik und Oligarchen. So konnte z. B. die Bank of Piraeus, eine der größten griechischen Banken, im Rahmen eines etwas undurchsichtigen Deals das Griechenlandgeschäft der zypriotischen Laiki-Bank kaufen und zwar zu 3,8 Mrd.EUR unter Buchwert. Diese 3,8 Mrd.EUR zählen nur buchmäßig zum Eigenkapital der Bank of Piraeus und machen 45% davon aus! Siehe: http://klauskastner.blogspot.co.at/2014/05/one-helluva-way-to-increase-bank-equity.html.

  3. Reinhard

    Seit fast 5 Jahren jonglieren wir einen Ballon, während des Aufblasens, auf einer Nadelspitze.
    Wie lange noch?
    Fakt ist, dass diese Spitze ausreicht, den ganzen Ballon zum Platzen zu bringen, und wenn es dann passiert, gibt’s einen lauten Knall…

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