Als Wien noch die Welt veränderte

Von | 1. Januar 2017

“ACROSS the cobbles of Vienna’s Michaelerplatz the world of empires, waltzes and mutton-chop whiskers glowers at the modern age of psychoanalysis, atonal music and clean shaves. In one corner, the monumental, neo-baroque entrance to the Hofburg palace, seat of the Habsburgs; in the other, the Looshaus, all straight lines and smooth façades, one of the first buildings in the international style. This outcrop of modernism, designed by Adolf Loos, was completed in 1911, less than 20 years after the dome-topped palace entrance it faces. But the building embodied such a different aesthetic, such a contrary world view, that some wondered whether a society that produced such opposites in quick succession could survive. The emperor Franz Joseph is said to have kept the curtains drawn so he would not have to look at the new world across the square…..” (Essay im “Economist”, hier)

4 Gedanken zu „Als Wien noch die Welt veränderte

  1. Hanna

    Prosit 2017 und alles Gute im neuen Jahr! Was die Rolle Wiens betrifft … die Summe der Menschen, die nie gelernt haben, heimatliche Tradition hochzuschätzen, weil sie im Techno-Globalisierungs-Zeitalter aufgewachsen sind, ist der Faktor, der uns jetzt in Schwierigkeiten bringt. Gestern nachmittag waren Horden von jungen WienerInnen (österreichisch sprechend) zum Neujahrsmarkt bei Schönbrunn unterwegs, und sie überquerten die Straßen in ihre Tech-Spielzeug vertieft und verließen sich völlig darauf, dass wir, die “Älteren”, nicht vertieften (ich bin Anfang 50) ihnen Platz machten. Resolution fürs neue Jahr: Ich bestehe auf meinem Pfad, so wie die auf ihrem bestehen. Nix mehr mit Platz machen, für niemanden, der oder die durch sein oder ihr Verhalten zeigt, dass er oder sie rücksichtslos ist.

  2. stiller Mitleser

    A bit of Schorske, schön! Danke!

    @liebe Hanna
    wir sind alle emotional, nur manche Leute verstecken es besser – auch vor sich selbst.

  3. Rennziege

    Vlielen Dank für diesen Essay im “Economist”, der sich immer mehr als gescheites, ausgewogenes Magazin erweist. Lernen heutige österreichische Gymnasiasten noch etwas über ihre historischen, geistigen und kulturellen Wurzeln? Über Franz Joseph, der viel liberaler dachte, als er nach außen erschien (oder erscheinen musste)? Über die jüdische Intelligenz, die von Österreich aus die ganze Welt in ihren Bann zog? Über die Kunst, die in Wien trotz einiger Ablehnung modern sein durfte´?
    Die Antwort lautet nein, fürchte ich; es wird ja planmäßig an der Auslöschung dieser Vergangenheit gearbeitet, wie wir wissen. Traurig stimmt unsereine also der letzte Satz des Essays: The Viennese century has ended. Its legacy is fraying.
    Um so tauriger die bittere Erkenntnis, dass dieses im Ausland bewunderte Vermächtnis ausgerechnet von Wiener Politikern jeder Couleur mit genagelten Stiefeln ins Grab getreten wird.

  4. astuga

    Interessanter Artikel, aber doch sehr aus der angloamerikanischen Perspektive und voll mit den üblichen Klischees.
    Grundsätzlich gab es ja etwa auch in Berlin eine ganz ähnliche Entwicklung in dieser Epoche.

    Man kann natürlich auch trefflich streiten, ob Freud und Wittgenstein und ihre Arbeiten wirklich so wichtig waren.
    Mir sind ja Popper und Frankl lieber.
    Und natürlich ist all das in Wien nicht im luftleeren Raum entstanden, gerade was die Kunst betrifft gab es da eine lange Vorgeschichte, teils ebenso im wissenschaftlichen Bereich (zB 1. und 2. Wiener Medizinische Schule).

    Und woran Österreich (oder Cisleithanien – wer kennt den Ausdruck heute noch?) ebenfalls gescheitert ist – den Habsburgern war ihr deutscher oder deutschsprachiger Bevölkerungsanteil eigentlich wurscht.
    Im Ggt. der hat sie sogar gestört, nachdem das Deutsche Reich gegründet wurde und es zur sog. Kleindeutschen Lösung kam (also ohne Österreich).
    Weil es ihnen eben vor allem um ihre dynastischen Interessen ging.
    Und da waren alle anderen wichtiger – auch weil sie im Nationalismus radikaler waren und es dabei für das Haus Habsburg um größere Bevölkerungsanteile und größere Herrschaftsgebiete ging.
    Diese Geringschätzung für das “Deutschösterreichische” hat sich ja bei den Eliten (früher Sozialisten heute Multikulti- und Globalisierungs-Anhänger) bis heute gehalten, obwohl deren Vertreter später als einzige an Österreich als Land geglaubt haben, und sich auch den Nazis entgegenstellten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.