Also was jetzt?

Von | 11. Oktober 2013

Das massive Geld-Drucken der Notenbanken, so erklären uns keynesianische Experten seit Jahren, bedeute keine Gefahr für die Inflation. In  Japan hingegen lässt die keynesianisch inspirierte Notenbank die Banknotendruckereien Überstanden machen, damit die Inflation  anspringt und die Deflation überwunden werden kann. Zweckdienliche Hinweise zur Erklärung dieses ökonomischen Paradoxons werden im hiesigen Forum gerne entgegen genommen.

11 Gedanken zu „Also was jetzt?

  1. Thomas F.

    Die japanische Wirtschaft wird seit zwanzig Jahren zu Tode stimuliert und erstickt nun an den Staatsschulden und der daraus resultierenden Abgabenquote. Weil der Staat seine Verbindlichkeiten anders nicht mehr bedienen kann, druckt er Geld. Was dabei herauskommt, haben wir in der Geschichte immer wieder gesehen, z.B. in der Weimarer Republik.
    Steuergeldfressende Staatsökonomen machen als Problem die Deflation aus und liefern damit den Vorwand.
    Die Japaner könnten sich Deflation nur wünschen, denn dann wäre endlich alles nicht mehr so teuer.

  2. Christian Peter

    Die Gelddruckerei der Notenbanken führt lediglich zu Vermögenspreisinflation und Spekulationsblasen, weil es für Banken rentabler ist, mit dem billigen Geld zu spekulieren, als es per Kredit an die Realwirtschaft weiterzuleiten. Das ist der Grund, warum sich trotz heftigster Ausweitung der Geldmenge der Verbraucherpreisindex nicht wesentlich nach oben entwickelt und der Grund des Ausbruchs der Finanzkrise 2008.

  3. Kapuściński

    Das ist eigentlich ganz einfach. Japan hat für sich das finanzpolitische Perpetuum Mobile erfunden. Die USA (Fed) und Europa (EZB) stehen für sich kurz vor dem Durchbruch.
    Japan gibt seit vielen Jahren im Staatshaushalt doppelt soviel aus wie es an Steuern einnimmt. Verschuldet hat sich das Land bei sich selber. Die Staatsanleihen wurden über Pensionsfonds, Versicherungen etc von den Bürgern als Teil ihrer Altersvorsorge gekauft. In letzter Zeit ließ die Begeisterung (bei schwacher Konjunktur) für diese Anleihen etwas nach. Der Premier Abe hatte zwei geniale Ideen um, „die Wirtschaft anzukurbeln“, was die letzten 20 Jahre zwar nicht funktioniert hat aber sei es drum…
    Zum einen sollte der Yen abgewertet werden, um Toyota und Co das Exportgeschäft wieder zu erleichtern. Dazu muss die Zentralbank ausländische Währungen aufkaufen und Yen (frischgedruckt) auf den Markt werfen. Dies ist geschehen. Zum zweiten druckt die Zentralbank frisches Geld für den Staatshaushalt. Die so entstehenden Schulden werden laut Plan zurückgezahlt von Kindern, die die Japaner nie gezeugt haben. Japan hat die schlechtesten demographischen Werte aller Industrienationen. Die Zahl der Einwohner sinkt wie nirgends sonst. Genial oder? Im Westen wird ähnliches versucht.
    Also beides ist richtig: Gelddrucken verursacht keine Inflation und Gelddrucken verursacht Inflation. Das ist wie mit Schrödingers Katze. Wir befinden uns damit auf den absoluten Höhen menschlichen Denkens. Das hätten Sie dem Obama, dem Abe und dem Faymann und wie sie alle heißen nicht zugetraut, stimmts?

  4. gms

    Christian Peter,

    “[Spekulation] Das ist der Grund, warum sich trotz heftigster Ausweitung der Geldmenge der Verbraucherpreisindex nicht wesentlich nach oben entwickelt”

    Putzig! Einer mehr, der den amtlich geschönten VPI als wesentlich anerkennt und zugleich dem Irrtum aufsitzt, Geld wäre auf mirkalöse Art und Weise in Aktien eingeschweißt und würde aus diesen erst beim Verkauf heraustauen wie Steine am Berg im Frühling.
    Solange aber Häuser (um eine andere Asset-Klasse zu nennen), außen nicht mit Banknoten verputzt oder innen tapeziert werden, solange können sprichwörtliche Blasen keine Liquidität binden.

    Wenn es einen Grund dafür gibt, daß die Menge frischen Geldes nicht vollständig auf die Preise durchschlägt, so deshalb, weil Geschäftsbanken Geld für eigenen Kapitalaufbau verwenden und hierfür neues Geld schlichtweg wieder bei den Zentralbanken parken. Das Geld auf den Cash-Depots der Trader ist verglichen damit bloß das Salz auf den Peanuts.

  5. gms

    Kapuściński,

    “Wir befinden uns damit auf den absoluten Höhen menschlichen Denkens. Das hätten Sie dem Obama, dem Abe und dem Faymann und wie sie alle heißen nicht zugetraut, stimmts?”

    Naja. Wer seine dialektikverseuchten Pappenheimer kennt, den verwundert garnichts mehr. Während aber religiöse Kreationisten sich noch den Aufwand antun, ihren Bullshit mit noch mehr davon zu verteidigen, haben Linke schon die intellektuelle Massenvernichtungwaffe parat, die auf den Namen “Dikurshoheit” hört. Dieser zufolge bemißt sich die Korrektheit einer Aussage nicht am zugundeliegenen Sachverhalt, sondern an dem, der sie äußert.

    Wie keine andere Idiologie zuvor war und ist Sozialismus seit seiner geschichtlichen Krabbelstube daran gebunden, per Propaganda die Massen zu erreichen. Das Verschleiern von Widersprüchen ist daher die seit Jahrhunderten geübte Praxis. Und wenn die Chose eng wird und einmal nicht die Juden als Erklärung für Widersprüchliches herhalten mußten, dann eben ganz normale, aber nicht minder böse Spekulanten, die dem heilvollen Treiben der knallroten Gesellschaftklemner immer wieder in die Suppe spucken und – auf den Anlaß bezogen – Inflation mal in die eine oder in die andere Richtung treiben.

    Wem ideolgiebedingt — “der Zweck heiligt die Mittel” — vom dialektischen Gebrabbel über persönliche Diffamierung bis hin zur Aufzucht und Pflege von Sündenböcken jegliches erdenklich unredliche Mitel zur Verfügung steht, dem ist auch all das zuzutrauen, was wir aktuell erleben.

  6. Klaus Kastner

    Keynes hat zu vielen Themen im Laufe der Zeit seine Meinung geändert, wobei das nicht immer Weiterentwicklungen waren (manchmal kehr er auch auf frühere – zwischenzeitlich abgelegte – Meinungen wieder zurück. Manche (z. B. Friedrich von Hayek) haben behauptet, dass Keynes in Wirklichkeit gar kein Ökonom, sondern ein brillianter Entwickler von intuitiven Ideen war. Vielleicht ist das sogar das Wichtigste, was man von Keynes mitnehmen sollte: seine Ideen sind auch oft aus den Erfordernissen der Zeit entsprungen. Das gilt auch für das Deficit Spending von Keynes: in manchen Situationen mag es hervorragend wirken, in anderen gar nicht (mehr).

    Die Ökonomie ist halt keine Wissenschaft in dem Sinn, dass es allgemein gültige Regeln gibt, die immer funktionieren. Die Psychologie spielt eine große Rolle und für die Psychologie gibt es eben keine Konstanten.

  7. Reinhard

    Alles, was Menschen betrifft, und da steht die Ökonomie ganz oben, ist kein deterministisches System. Es gibt statistische Wahrscheinlichkeiten, aber keine Sicherheiten. Deshalb kommt es erstens oft so anders, als man zweitens denkt, und alle möglichen Politiker und die um ihr Hinterteil herumwuselnden Anal-ysten dürfen immer wieder erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass sich die Realität frecherweise nicht um ihr Ego biegt.
    Lassen wir sie weiter flunkern, träumen und sich selbst belügen. Es gibt nur ein Naturgesetz: hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.

  8. H.S.Louisa

    @ Kapuściński
    Danke für diese erhellenden Worte. Mag sein, es dreht sich letztlich alles um die gravierende Frage: Soll Schrödingers Katze überleben?

  9. Graf Berge von Grips

    Solange die horrende Geldmenge nicht in der Realwirtschaft ankommt, bleibt es eine monetäre Inzucht der Geldwirtschaft.

  10. gms

    “Solange die horrende Geldmenge nicht in der Realwirtschaft ankommt, bleibt es eine monetäre Inzucht der Geldwirtschaft.”

    Stimmt nicht, denn auch Banken haben Eigentümer. Eben diese werden aktuell rausgeboxt (auf Denglisch: gebailoutet). Damit werden mittelbar auch Realwerte verschoben, ganz egal, ob diese Verschiebung am Ende vom Lied für einzelne Institute ausreichend sein wird oder nicht.

    Auch stellt sich nicht die Frage, ob das Geld an der Ladentheke ankommt, sondern bloß wann dies der Fall ist. Aktuell haben wir schon die perverse Situation, daß schlechte Wirtschaftsnachrichten die Börsen nach oben treiben. Warum? — Weil bad news die aktuelle Geldpolitik prolongieren und daher das Pyramidenspiel noch einige Takte weiterlaufen kann. Die Zeiten sind längst vorbei, als Zentralbanken halbwegs Werthaltiges hatten, um beim Anziehen der Inflation wieder Geld einzusammeln, ohne zugleich für die überschuldeten Staatshaushalte die Zinsen zu erhöhen.

    Was wie “Inzucht der Geldwirtschaft” klingt, ist nichts anderes als Umverteilung durch den Täterverbund aus Politik und Zentralbanken zum Kaschieren bisheriger Unfähigkeit. Die Zinsen werden weiter niedrig bleiben und der amtlich gefälschte VPI wird langsam aber sicher wieder das Niveau der 70er-Jahre erreichen. Will man das verhindern, müssen die Leitzinsen rauf, was mittelbar all die bislang aufgetürmten Hilfs- und Haftungskaskaden in Richtung Süden auslöst.

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