Anmerkungen zu Sahra Wagenknechts Streitschrift: “Die Selbstgerechten”

Von | 6. Juni 2021

(Rainer Zitelmann) Als ich Wagenknechts Buch las, sah ich meine eigene politische Entwicklung im Geiste vorüberziehen. Sie war früher die Frontfrau der „Kommunistischen Plattform“ in der PDS, und ich war als Schüler Kommunist und Anhänger der KPD/ML. Dass ich mich vom linken Denken abwendete, vollzog sich in Etappen. In der ersten Etappe – ich war damals Student – sah ich mich durchaus noch als Marxist und als Linker, aber ich hatte meine Positionen zu den Themen Einwanderung und Nation geändert. Ich war in dieser Zwischenphase also zugleich links, national und gegen Multikulti. Das brachte mich in Konflikt mit meinen Genossen – und schon damals gab es die linke Intoleranz gegenüber Abweichlern, auch wenn Begriffe wie „Cancel Culture“ noch nicht existierten. Die Auflehnung gegen linke Sprachverbote und Tabus war der nächste Schritt, der mich, schon aufgrund meiner antiautoritären Reflexe, von meinen linken Genossen entfremdete. Doch bis ich dann ein dezidierter Anhänger des Kapitalismus wurde, dauerte es bestimmt noch zwei weitere Jahrzehnte. weiterlesen hier

6 Gedanken zu „Anmerkungen zu Sahra Wagenknechts Streitschrift: “Die Selbstgerechten”

  1. TomM0880

    “Ich war in dieser Zwischenphase also zugleich links, national und gegen Multikulti.”

    Also ein nationaler Sozialist?

  2. CE___

    @TomM0880

    Köstlich. Ich habe mir GENAU das gleiche gedacht.

  3. CE___

    Das “Wagenknecht’sche Dilemma” zeigt perfekt die kognitive Dissonanz auf die alle “denkenden” Linken haben müssten.

    Und wahrscheinlich auch haben, und damit psychisch nicht klar kommen, ergo deren Aggressivität gegen Andersdenkende.

    Es ist gut und löblich auf der Seite der “Underdogs” zu stehen.

    Die sind mir persönlich auch immer sympathich, egal ob Sportsmannschaft oder Kleinunternehmen.

    Nur das beste System für den “Underdog” ist die freie Marktwirtschaft mit so wenig Staatseingriff wie möglich welches eine gesellschaftliche Durchlässigkeit nach oben, und ja auch unten, ermöglicht.

    Es ist ein fluides Gesellschaftssystem.

    Und nicht ein linkes totalitäres kollektives System wo sich an der Spitze eine Meute an Unterdrückern versucht auf alle Zeiten per Unrecht einzurichten.

  4. Franz Meier

    Mit Sarah Wagenknecht kann man reden. Natürlich ist sie eine Kommunistin und keine Freundin des Kapitalismus. Das waren die alten Sozialdemokraten auch nicht, aber mit denen konnte man irgendwie noch reden. Die waren nicht dumm. Übergeschnappt sind die linken Parteien – SPD, Grüne, die Linke – in der schrecklichen Merkel-Zeit. Ihr Verhalten, ihre Politik, ihre fatalen Entscheide haben ihnen Auftrieb gegeben. Mit klassischen Linken, die ihren Themen treu bleiben – die für den eigenen kleinen Mann und die eigenen kleinen Leute, für die eigenen Rentner und wirklich benachteiligte Menschen in unserer Gesellschaft schauen – kann man das Gespräch suchen. Dort besteht ein Boden für Solidarität. Die Psycho-Anarchisten die sich da heute in den trüben, linksanarchistischen, kriminellen Gewässern mit all ihren verrückten, utopischen, pseudomoralischen, verlogenen, widersprüchlichen Mode- und Trend-Ideen von Weltenrettung, von Migranten über das Klima zum Anti-Rassismus Kampf-bewegen, kann man nicht reden. Dort besteht höchste Gefahr für die Menschheit, für den Planeten, für uns alle. Dort endet jeder Dialog. Mit diesen Leuten kann es keinen Dialog geben.

  5. Allahut

    Sahra Wagenknecht ist halt intelligent genug um zu wissen, dass man mit den klassischen linken Ansagen halt nur mehr bei der sozialistischen Jugend oder den grünen Nachwuchskadern punkten kann, und alles was so unter politisch korrekt fällt, wird auch nur von einer Minderheit mitgetragen. Die typisch kommunistisch, sozialistischen Thesen sind eben in der Realität auch selten brauchbar.

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