Ansichten eines Planwirtschaftlers

Von | 30. April 2014

“…..Frankreich drängt auf Schritte zur Schwächung der Euro. Es müsse eine angemessenere Geldpolitik geben, denn die Gemeinschaftswährung sei derzeit zu hoch bewertet, sagte Ministerpräsident Manuel Valls heute im französischen Parlament….” (hier)

9 Gedanken zu „Ansichten eines Planwirtschaftlers

  1. PeterT

    So einfach ist es halt auch wieder nicht.
    Selbst die Schweiz hält den Kurs vom Franken zum Euro in einem bestimmten Band, weil ein weiteres Ansteigen des Franken den Industriestandort gekillt hätte.
    China hält die Währung niedrig, die USA und Japan fahren Weichwährungskurs – wenn die EU als Einzige die ‘reine Lehre’ befolgen würden, würde der Euro noch weiter kräftig steigen, das wäre das das Ende der Industrie.
    Natürlich leidet Frankreich mehr und früher als Deutschland, aber im Endeffekt betrifft’s alle.
    Ich bin kein Fan von staatlichen Eingriffen, aber die Sorge um den Wechselkurs einfach mit ‘Planwirtschaft’ abzutun, ist etwas zu einfach.

  2. gms

    PeterT,

    “.. weil ein weiteres Ansteigen des Franken den Industriestandort gekillt hätte”

    Mich verblüfft in solchen Debatten immer wieder Zweierlei: Erstens das Verkennen besserer Heilmittel, und zweitens die Gewißheit, mit der Untergangsprognosen ausgesprochen werden, sollte ein ganz bestimmer Weg nicht eingeschlagen werden.

    Da wird dann flockig ein Killen des Standortes behauptet, dessen man selbst sich gewiß sei, doch den privaten maßgeblichen Währungshändlern traut man nicht zu, dieses potentielle Faktum zugleich als kurs/senkend/ zu werten. Diese Händler treiben dann vorgeblich beispielhaft die Schweiz in den Untergang, um danach auf ihren überbewerteten Franken sitzenzubleiben.

    Das Ganze ist ebenso absurd wie Weltuntergangszenarien durch Überbevölkerung. Demzufolge würden irgendwann 20 Milliarden Menschen plötzlich und überrascht feststellen, daß sie zu dicht gepackt sind und daraufhin in Massen versterben. Rück- und Wechselwirkungen resp. Fließgleichgewichte? — Pustekuchen!
    Nicht nur, daß die Interventionsbefürworter die Logik nicht auf ihrer Seite haben, fehlt auch jeglicher empirische Beweis eines durch Aufwertung gekillten Industriestandortes. Die Begründung hierfür wird dann wohl das permanente Klatschen gewesen sein, das die Eroberung von Kirschbäumen durch rotäugige Elephanten konsequent verhinderte.

    Die Anmaßung vom Wissen über die Zukunft dumm. Gesteigert wird sie mit der sie begleitetenden Begründung, eine um jeden Preis zu vermeidende Zukunft träfe deshalb ein, weil alle Beteiligten keine Ahnung hätten und demgemäß blind gegen die Wand führen.

    One size fits all war seit jeher Unsinn — auch in Geldfragen. Jedem Exporteur, der sich durch eine Wertsteigerung der eigenen Währung in seinem wirtschaftlichen Erfolg bedroht sieht, kann sich gegen Aufwertungen versichern bzw. selbst in Fremdwährungen fakturieren. Staatliche Eingriffe jedoch entbinden eine bestimmte Gruppe von ihren ureigendsten Aufgaben, und dies wiederum zulasten einer anderen Gruppe. Der Überbegriff hierfür: Geldsozialismus.

  3. PeterT

    @gms
    womit wieder einmal bewiesen wäre, daß moralisches Hyperventillieren zum Werkzeugkasten aller Fundamentalisten gehört, auch bei den liberalen Fundis.
    Die schweizer Nationalbank ist also auch von ahnungslosen Geldsozialisten übernommen worden, aha.
    Ich glaube eher, daß dort vernünftige, und daher auch pragmatische Menschen am Werk sind, die ein paar spezielle Faktoren berücksichtigen, z.B. daß der Franken sehr stark als ‘sicherer Hafen’ für Anleger nachgefragt wird, was den Kurs stark nach oben treiben würde, und daß die Durchsetzbarkeit von Lohn- und Preissenkungen, um einen starken Kursanstieg auszugleichen, in der Praxis undurchsetzbar sind.
    Dies, im Kontext damit, daß alle anderen großen Player auch intervenieren und inflationieren, führt dazu, daß sie das Spiel bis zu einem gewissen Grad mitspielen müssen.
    Die reine Lehre hat noch nie funktioniert, bei keinem -ismus, und wenn man liberal durch Liberalismus übersteigert und zur einzigen Welterklärungsformel hochstilisiert, funktioniert es genausowenig.
    Das sage ich als überzeugter Liberaler.

  4. Thomas Holzer

    @PeterT
    Natürlich gibt es in der Realität keine “reine” Lehre! Erfreulicher Weise sind wir alle fehlbar.
    Aber die Existenz von Nationalbanken als “gottgegeben” oder “Naturgesetz” hinzunehmen, ist auch nicht der Weisheit letzter Schluß. 😉

  5. PeterT

    mache ich auch nicht.
    Nur, den Kommentar eines Notenbankers (den es halt derzeit in gibt) zum Euro-Kurs mit ‘noch so ein Planwirtschaftler’ abzutun, bringts dann auch nicht

  6. Thomas Holzer

    @PeterT
    “noch so ein Planwirtschaftler”
    Was ist es anderes als Planwirtschaft??
    Wenn Funktionäre/Politiker per Aussage, im schlimmsten Falle per Gesetz festlegen, welcher -in concretu- Wechselkurs der “richtige/korrekte” sei?!
    Die vereinigten Demokraten dieser Welt schwärmen von der sogenannten Schwarmintelligenz in demokratischen Entscheidungen, aber “den Märkten” trauen sie diese “Intelligenz nicht zu!
    Ich auch nicht, weder den Märkten noch der Demokratie.
    Entlasst die Bürger doch endlich! wieder in ihre wohlverdiente Freiheit.
    Das Einzige!, was wir brauchen, sind wenige, stringente, einfache, verständliche Gesetze, welche auch umgesetzt, im schlechtesten Falle deren Einhaltung auch eingeklagt wird, und sonst gar nichts!
    Keine Quoten, keine PC, kein Tschänderastentum, keine willkommenen oder nicht willkommenen Meinungen mit “entsprechenden” Paragraphen.
    Amen 😉

  7. gms

    PeterT,

    “womit wieder einmal bewiesen wäre, daß moralisches Hyperventillieren zum Werkzeugkasten aller Fundamentalisten gehört, auch bei den liberalen Fundis.
    Die schweizer Nationalbank ist also auch von ahnungslosen Geldsozialisten übernommen worden, aha.”

    Entzückend. Sie gehen mit keiner Silbe auf die gebrachten Argumente ein, statt dessen schreiben Sie mir zu, ich hätte die Schweizer Notenbanker als “ahnungslose Geldsozialisten” bezeichnet, und runden das mit einem “aha” sowie einem abschließenden “und zur einzigen Welterklärungsformel hochstilisiert” ab.

    Soviel von wegen “moralisches Hyperventilieren”. Ihr Bullshit-Freispiel haben Sie ausgenutzt, Sie täten gut daran, wieder Bodenhaftung zu gewinnen, so sich nicht um einen Ehrenplatz auf der Galerie der Liberalallalas rittern, die mit einem behaupteten aber unbegründeten Müssen anderen die Zeit stehen wollen.

    Damit niemand behaupten kann, ich würde es Ihnen mit einem erzwungene Nachlesen oben im Thread unnötig schwermachen, können Sie sich gerne ein zweites Mal an den expliziten Frage versuchen, wie ein Franken als “sicherer Hafen” mit einem “gekillten Industriestandort” zusammenpaßt, und was Exporteure daran hindert, sich selbst gegen Kursschwankungen abzusichern.

  8. PeterT

    @gms
    auf eine Komentar zu den ersten drei Absätzen verzichte ich.
    Zu Ihren Fragen:
    Franken als sicherer Hafen -> Nachfrage nach Franken steigt – > Kurs steigt -> Währungskursproblem für die Industrie
    Absicherung gegen Kursschwankungen: Nette Idee, und funktioniert sicher auch bei üblichen, meist tatsächlich unvorhergesehenen Schwankungen.
    Wenn es aber nicht um unvorhergesehene Schwankungen geht, sondern um einen längerfristigen Trend, der noch dazu auf offensichtlichen Fakten beruht, wird sich wohl kaum jemand finden, der ein Absicherungsgeschäft zu erträglichen Kosten anbietet, außer dem erwwarteten Anstieg plus eine Margin.
    Sprich wenn der Franken steigt und steigt, wird sich auch kein Trottel finden, der der Industrie diese Kosten abnimmt (ich rede jettzt nicht von einer Absicherung von ein paar Wochen für ein kurzfristiges Geschäft).
    Daher – Kursabsicherung bringt bei langfristigen Trends genau gar nix

  9. gms

    PeterT,

    “auf eine Komentar zu den ersten drei Absätzen verzichte ich.”

    Würden Sie es mit Ihrer Selbstachtung tatsächlich ernst meinen, hätten Sie auf nachfolgende Nullnummer gewiß auch verzichtet:

    “Zu Ihren Fragen: Franken als sicherer Hafen -> Nachfrage nach Franken steigt – > Kurs steigt -> Währungskursproblem für die Industrie”

    Ausgezeichnet! Und dann was macht der Franken dann?

    “Wenn es aber nicht um unvorhergesehene Schwankungen geht, sondern um einen längerfristigen Trend, der noch dazu auf offensichtlichen Fakten beruht, wird sich wohl kaum jemand finden, der ein Absicherungsgeschäft zu erträglichen Kosten anbietet, außer dem erwwarteten Anstieg plus eine Margin.”

    Nicht ist trivialer, als einen konstanten Trend abzukassieren. Ihre falsche Verwendung des Begriffes Margin deutet ergänzend darauf hin, daß Sie noch niemals Devisen gehandelt haben und hier bloß rumschwatzen.

    “Sprich wenn der Franken steigt und steigt, wird sich auch kein Trottel finden, der der Industrie diese Kosten abnimmt (ich rede jettzt nicht von einer Absicherung von ein paar Wochen für ein kurzfristiges Geschäft). Daher – Kursabsicherung bringt bei langfristigen Trends genau gar nix”

    Hätten alle Markteilnehmer diese Sichtweise, gäbe es keine steigende Trendlinie, sondern einen unmittelbaren Sprung auf den signifikant höheren Kurs, der andernfalls das obere Ende der Trendlinie bilden würde.
    Ihre ganze Argumentation fußt auf dem Verkennen von Wechselwirkungen.

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