Ansichten eines Planwirtschaftlers

Von | 23. November 2013

“…Banken decken sich für quasi null Zinsen bei der EZB mit Geld ein, nur um es zu bunkern oder für sich selbst gewinnbringend anzulegen….Wir müssen wirklich prüfen, ob wir die Banken rechtlich dazu verpflichten können, das billige Geld zumindest anteilig an die Wirtschaft weiterzugeben.” (EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in der “SZ”. Der Mann hat übrigens gute Chancen, Präsident der EU-Kommission zu werden.)

22 Gedanken zu „Ansichten eines Planwirtschaftlers

  1. FDominicus

    Mein Gegenvorschlag wäre es die Zentralbanken abzuschaffen und über den Zinssatz einen Markt entscheiden zu lassen. Dazu keinen Cent an irgendwelchen Zahlungen für Banken, dann können wir mal sehen wie schnell sich die Probleme lösen.

    Es wird sowieso irgendwann krachen, man kann nur noch versuchen den Schaden nicht noch größer werden zu lassen. Von einem EU-Granden kann man nichts anderes erwarten. Es gibt Verantwortungslosigkeit und es gibt die EU. Mehr Steigerung kann man nur in völlig sozialistischen Ländern finden. Die müssen dann aber unbedingt etwas mit Demokratie im Namen führen…

  2. herbert manninger

    Selten spiegelt die diabolische Fratze eines Menschen so konsequent die Gesinnung wider.

  3. Thomas Holzer

    Das Problem des Herrn Schulz und seiner Mitstreiter für uns ist ja, daß diese Menschen bei “rechtlichen Verpflichtungen” nicht bei den Banken stehen bleiben werden.

  4. Karl Markt

    Naja, das Geld scheint ja in Finanzblasen und Steueroasen bestens aufgehoben.
    Wozu braucht die “Realwirtschaft” denn auch Geld?
    Kommen ja höchstens Löhne und Arbeitsplätze dabei raus.
    Das ist aber gar nicht der Sinn und Zweck der Wirtschaft.

  5. Smarti

    Wo können die Banken denn so gewinnbringend ihr Geld anlegen, wenn nicht durch Finanzierung der Realwirtschaft? Könnten das vielleicht Staatsschulden sein oder die durch Geldpolitik künstlich aufgeblähten Finanzwerte (siehe DAX)?
    Ist es nicht eher so, dass
    a) bei der Abschreibung der Staatsanleihen auf ihren realen Wert,
    b) bei Abschaffung der ominpräsenten regulatorischen Bevorzugung von “Investitionen” in Staatsschulden, und
    b) ohne die durch Geldplanwirtschafterei erst erzeugten Blasen auf den Finanzmärkten
    die Banken gar keine andere Wahl hätten, als Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben, wenn sie denn Gewinn erwirtschaften wollten?

  6. PP

    Jede marktpervertierende Maßnahme erfordert zwangsläufig weitere.

  7. Reinhard

    @Karl Markt

    In Ihrer Welt kommen bei Investitionen in die Realwirtschaft also “nur Arbeitsplätze und Löhne” raus. In der jenseits Ihrer ideologischen Scheuklappen existenten Realwirtschaft kommen dabei aber Arbeitsplätze, Löhne und nachhaltige Gewinne heraus.

    Seltsam, Sie geißeln die böse böse kapitalistische Ausbeuterwirtschaft dafür, dass sie aus der Arbeit der Mitarbeiter in den Unternehmen (gerne als “geknechtete Massen” gezeichnet) Gewinne lukriert, und hier tun Sie so, als gäbe es diese Gewinne gar nicht.
    Sie sind schon ein komischer Kauz.

  8. Karl Markt

    @ Smarti
    “Wo können die Banken denn so gewinnbringend ihr Geld anlegen, wenn nicht durch Finanzierung der Realwirtschaft?”
    Genau das will Schulz ja.

    “die durch Geldplanwirtschafterei erst erzeugten Blasen”
    Also was is jetzt Planwirtschaft? Wenn Banken in die Realirtschaft investieren sollen oder in Finanzblasen.
    Scheint so als wär die neoliberale Logik wiedermal am Ende.

    “die Banken gar keine andere Wahl hätten, als Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben”
    Die Wahl haben Sie jetzt auch? Ist es verboten in die Realwirtschaft zu investieren?

    Das Problem ist der Fall der Profitrate.
    Die “Realwirtschaft” basiert auf Ausbeutung von Lohnarbeit, wobei die Profitrate fortwährend fällt, da durch den Wettbewerb Lohnarbeit aus der Produktion ja verdrängt wird (der Wettbwerb wird über die Verbilligung der Ware geführt, ergo billiger produzieren).
    Somit gräbt sich “die Realwirtschaft” (=Industriekapitalismus) sukzessive ihre eigene Basis ab (Ausbeutung von Lohnarbeit).
    Somit wird er Profit “auf morgen verschoben”, das ist die Geburt von Aktien, Kreditklemmen und Blasen.

    Insofern bringt es auch nichts, die Banken zu zwingen in die Realwirtschaft zu investieren.
    Schulz kann die Profitrate auch nicht herbeizaubern.
    Eine Krise kann das, in der Krise wird Kapital vernichtet (bis jetzt platzten nur Blasen, also “fiktives Kapital”) und Arbeit freigesetzt.
    Dann kann alles wieder von vorne losgehen.

  9. Karl Markt

    Der Finanzüberbau wächst mit dem Fall der Profitrate.
    Weil sich das Kapital in der Realwirtschaft nicht mehr reproduzieren und Vermehren kann, geschieht es eben über die Ausnutzung von Kursschwankungen (Algorithmenhandel).
    So wird an der Börse Frankfurt zB täglich ein Volumen des gesamten Jahres BIPs von Deutschland gehandelt.
    Unmöglich, diese Volumina durch Produktion und Verkauf von Schuhen, Autos oder Nahrungsmitteln zu erreichen.

    Weil diese Zusammenhänge im intellektuellen Horizont eines Neoliberalen nicht existieren, plärrt er ständig “Planwirtschaft, Planwirtschaft”!

  10. Karl Markt

    Tatsächlich sind es die verzweifelten Versuche der bürgerlichen Regierungen, “die Realwirtschaft” zu stärken, also die klassische Ausbeutung von Lohnarbeit wiederherzustellen (!).
    Mit Planwirtschaft im sozialistischen Sinne, also um Ausbeutung von Lohnarbeit durch Kapitalisten zu verhindern, bzw Lohnarbeit überhaupt abzuschaffen, hat das gar nichts zu tun.
    Vieleher handelt es sich um das exakte Gegenteil, wenn man nur ein bisschen nachdenkt.

  11. gms

    Karl,

    “Weil sich das Kapital in der Realwirtschaft nicht mehr reproduzieren und Vermehren kann, geschieht es eben über die Ausnutzung von Kursschwankungen (Algorithmenhandel).”

    Ein Stefan Schulmeister hätte es wohl ebenso formuliert und damit einmal mehr implizit einen Hilflosenzuschuß beantragt.

    Laut ihm und seinen Epigonen, auf deren Welle Sie so putzig schaukeln, kann man sich also nicht nur reich-konsumieren, sondern auch etwas vermehren, indem man es nur ausreichend oft von der linken in die rechte Tasche und wieder retour schiebt.
    Wer wie Sozialisten derart mit Einfallsreichtum gesegnet ist, stempelt religiöse Kretionisten regelrecht zu Phantasiephobikern.

    “Weil diese Zusammenhänge im intellektuellen Horizont eines Neoliberalen nicht existieren, plärrt er ständig “Planwirtschaft, Planwirtschaft”!”

    Bussi auf’s Bauchi, Karli, weil .. eh schon wissen.

  12. Thomas Holzer

    @Karl Markt
    Nachdem ja anscheinend Ihre Wirtschaftsansichten so viel besser für den (unbedarften) Bürger sind, erlaube ich mir, Ihnen zum wiederholten Male zu empfehlen, nach Ihren Ansichten Ihren Betrieb zu gründen und zu wirtschaften, und den (anscheinend) unausbleiblichen Erfolg dieses Ihres Wirtschaftens später dann in einer von Ihnen gegründeten und sicherlich von Millionen von Gleichgesinnten freiwillig finanziell unterstützten Gemeinwohlpostille zu veröffentlichen.

  13. Karl Markt

    gms,

    “kann man sich also nicht nur reich-konsumieren, sondern auch etwas vermehren, indem man es nur ausreichend oft von der linken in die rechte Tasche und wieder retour schiebt.”

    Eben nicht!
    Deshalb heißt es ja auch Blase und deshalb heißt es ja auch “Arbeitswertlehre”.
    Im Tausch entsteht kein Wert.

    Allerdings, dass haben Sie jetzt übersehen, gemäß der Nutzenlehre wäre das kein Problem!
    Mit diesem Argument sollten lieber Mises, Hayek und co bemühen, nicht mich.

  14. gms

    Karl,

    “Eben nicht!”

    Sonderbar, exakt dies — die Vermehrung — war im O-Ton “eben” (sic!) jenes, das Sie dem Hin- und Herschieben zuschrieben, nachdem Sie selbige Vermehrung in der Realwirtschaft unzutreffend in Abrede stellten.

    “Deshalb heißt es ja auch Blase ..”

    Stimmt, bloß ist diese mit Luftgeld gefüllt, das Zentralbanken als Kapital bezeichnen und dem ein gewisser Herr Schulz mit Dienstort Brüssel eine gerechtistischere Verwendung angedeihen lassen möchte, auch wenn es bestenfalls zum Tapezieren taugt.

    ” .. und deshalb heißt es ja auch “Arbeitswertlehre”.”

    Gekauft. Das Hin- und Herschieben allerdings ist ebenso Arbeit, wie das schweißtreibende Aufgraben und Zuschütten von Löchern in Sibirien. Hieße das Lieblingskind der Linken “Richtigtheorie”, müßte man sich wohl intensiver anstrengen, um den Fehler darin zu finden, nicht wahr?

    “Im Tausch entsteht kein Wert.”

    Ich kennen niemanden von Verstand, der dies jemals behauptet hätte.

  15. Karl Markt

    gms,

    “Sonderbar, exakt dies — die Vermehrung — war im O-Ton “eben” (sic!) jenes, das Sie dem Hin- und Herschieben zuschrieben”
    Vermehrung von Geld, nicht Vermehrung von Wert.
    Die Produktion und Verkauf von Ware sind Mittel zum Zweck, Zweck ist Geldvermehrung.
    Gibt es einen effizienteren Weg, Geld zu vermehren als durch Warenproduktion, verlagert sich das Kapital dorthin und “vermehrt sich”, aber eben nur fiktiv, also Geldvermehrung ohne realen Gegenwert.

    “Ich kennen niemanden von Verstand, der dies jemals behauptet hätte.”
    Ist das nicht die Grundlage der Nutzenlehre?

  16. gms

    Karl,

    “Vermehrung von Geld, nicht Vermehrung von Wert.”

    Besagtes Geld nannten Sie “Kapital”.

    “Die Produktion und Verkauf von Ware sind Mittel zum Zweck, Zweck ist Geldvermehrung.”

    Verfolgten auch Kapitalisten diesen Zweck, hießen sie wohl eher “Geldisten”. So oder so ist also in Ihrer Darstellung der Wurm drin, weil je nach Ihrer Interpretation von “Kapital” entweder Ihr obiger Satz keine strittige Aussage enthält, oder alternativ dazu Kapitalisten bestrebt sind, Wertloses zu aggregieren, was man selbst als Marxist als harmlosen Zeitvertreib durchgehen lassen muß.

    [Entstehung von Wert im Tausch]
    “Ist das nicht die Grundlage der Nutzenlehre?”

    Nein. Wert ist ein Abstraktum ohne physikalische Einheit und eine ebenso subjektive Zuschreibung wie Schönheit oder Eleganz. Ebensowenig, wie Kunstwerke objektiv an Schönheit gewinnen und damit für alle erkennbar ihre Eigenschaften verändern, weil sie getauscht werden, gewinnen Güter nicht an Wert, wenn ihr Besitzer wechselt. De gustibus non es disputandum.

    Gäbe es tatsächlich einen vom Subjekt unabhängigen Nutzen, der mit dem Tausch stiege, fände sich jeder Abgebende in der mißlichen Lage, einen objektiv schlechten Deal gemacht zu haben. Wollte man den absurden Zugang auf die Spitze treiben, könnten zwei idente Tauschpartner den Akt mit demselben Gut und mit wechselnden Vorzeichen beliebig oft hintereinander wiederholen, um danach den dabei vorgeblich generierten Mehrwert zu teilen.

  17. Karl Markt

    gms,

    “könnten zwei idente Tauschpartner den Akt mit demselben Gut und mit wechselnden Vorzeichen beliebig oft hintereinander wiederholen, um danach den dabei vorgeblich generierten Mehrwert zu teilen.”

    Völlig richtig. Der Profit kann also nicht in der Tauschspähre entstehen (außer in dem Sinn, dass der eine den anderen übers Ohr haut).
    Somit bliebe da ja nur noch die Produktion…

    “Gäbe es tatsächlich einen vom Subjekt unabhängigen Nutzen ”

    Es gibt keinen vom Subjekt unabhängigen Nutzen. Aber der Wert ist unabhängig vom Nutzen.
    Sonst wäre ein Glas Wasser teurer als ein Diamant.
    Auch bekannt als klassisches Wertparadoxon.

  18. gms

    Karl,

    “Es gibt keinen vom Subjekt unabhängigen Nutzen. Aber der Wert ist unabhängig vom Nutzen.”

    Nein, denn Nutzen und Wert sind beides subjektive Zuschreibungen, die zueinander in Beziehung stehen. Mist als Inbegriff von Wert- und Nutzlosigkeit bezeichnet Materie am falschen Ort.
    Fehlt einem Individuum die Option, diesen Mangel direkt oder mittelbar zu beheben, dann bleibt die Materie für die betreffende Person Mist bis zum Sankt Nimmerleinstag. Ist man des Reinigens kundig und willig, kann man aus der Materie Abfall machen, via Abfallservice wird der Mist zum Müll und last not least ggfs. sogar wertvoller Dünger, Füll- oder Brennstoff.

    Die einen bezahlten dafür, daß sie’s loswerden, die anderen zahlen dafür, um es zu bekommen.

    “Sonst wäre ein Glas Wasser teurer als ein Diamant. Auch bekannt als klassisches Wertparadoxon.”

    Ausserhalb des jeweils adäquaten Kontextes oder aus der Sicht eines Mistkäfers ist vermutlich alles ein Paradoxon, was sich bei Betrachtung aus der Ferne als Trivialität entpuppt. Zwingender Bestandteil des Kontextes, in dem eine Wertbeimessung stattfindet, ist immer der Beimessende und seine Situation, seine Möglichkeiten, seine Vorstellungen, Vorlieben, Hoffnungen, Irrungen etc. pp. — sprich all das, was seine Subjektivität ausmacht.

  19. Reinhard

    “Sonst wäre ein Glas Wasser teurer als ein Diamant.”

    Wenn Sie mit einer Tasche voller Diamanten in der Wüste verdurstend unter der Sonne braten, zahlen Sie die Klunker gerne für ein Glas Wasser. Diamanten sind eben nur dann teurer als ein Glas Wasser, wenn ich keine preiswerte Wasserleitung mit trinkbarem Output in Reichweite habe. Der Unterschied zwischen Grundnahrungsmitteln und Luxusgütern sollte bekannt sein.
    Nutzen und Wert sind vom Kontext abhängig. Wenn der Staat glaubt, da reglementierend eingreifen zu müssen, wird keiner mit Wasser in die Wüste ziehen um Verdurstende zu retten.
    Lohnt sich einfach nicht das unternehmerische Risiko…

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