Armut macht krank – Wird 2021 ein annus horribilis?

Von | 28. Januar 2021

(ANDREAS TÖGEL) Die Regierungsmaßnahmen – die „Lockdowns“ – zeigen Wirkung. Weniger hinsichtlich der Volksgesundheit, dafür aber umso mehr, was die prekäre Lage vieler Betriebe angeht. Kanzler und/oder Gesundheitsminister erklären seit Monaten beinahe im Wochentakt, dass die jeweils „nächsten zwei Wochen entscheidend“ sein würden, was eine Normalisierung der Lebensumstände im Lande angeht. Aber leider, leider, die „nach wie vor zu hohen Infektionszahlen“ erlauben angeblich keine Rückkehr zur Normalität und damit zur gewohnten Erwerbstätigkeit.

Der von der Regierung vermittelte Eindruck, dass die schuldenfinanzierten Staatshilfen ein geeignetes Mittel wären, um die betriebliche Wertschöpfung dauerhaft zu ersetzen, täuscht. Allein von bedruckten Banknoten ist schließlich noch keiner satt geworden. Und nur hoffnungslos naive Naturen können ernsthaft annehmen, dass es nach der durch die Lockdowns angerichteten, großflächigen Zerstörung gewachsener Strukturen ausschließlich des guten Willens der Regierung und einer weiterhin ausreichend schnell laufenden Notenpresse bedürfen wird, um den Status quo wiederherzustellen. Das wird mit Sicherheit nicht gelingen. Jeglicher Optimismus, dass es dank der (außerhalb Großbritanniens) europaweit mit erschreckender Langsamkeit anlaufenden Impfaktionen zu einer raschen Erholung der Wirtschaft kommen könnte, ist absolut unbegründet.

Der “Alpenländische Kreditorenverband” sieht für 2021 dunkle Wolken aufziehen und erwartet einen Insolvenzrekord in der zweiten Jahreshälfte. Grund dafür sind die durch Forderungsstundungen des Fiskus und Veränderungen im Insolvenzrecht bedingten Konkursverschleppungen im zurückliegenden Jahr und bevorstehende Erleichterungen der Voraussetzungen für Privatkonkurse. Letztere werden, im Gefolge von Firmenzusammenbrüchen und Arbeitsplatzverlusten, nach vorsichtiger Schätzung des AKV um bis zu 50 Prozent zunehmen. Bei den Firmenpleiten wird mit einem Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 2019 gerechnet, wobei die Summe der dadurch bedingten Forderungsausfälle (und dadurch möglicher Anschlusspleiten) aus gegenwärtiger Sicht schwer abzuschätzen ist. Angesichts der dramatischen Lage in gleich mehreren Branchen, allen voran der Tourismus, die Gastronomie und der Handel, ist jedenfalls mit einem Negativrekord zu rechnen.

Die durch die Lockdowns und sehr unspezifisch verteilte „Hilfspakete“ verursachte, gleichzeitige (Zer-)Störung des Angebots und der Nachfrage verschärft die durch die bereits vor der Pandemie zelebrierten Schuldenorgien angerichteten wirtschaftlichen Verzerrungen. Selbst in den USA, die (noch) etwas weniger sozialdemokratisiert sind als die EU, wird die durch eine anhaltende Geldschwemme und konsequente Nullzinspolitik bedingte Zahl der „Zombieunternehmen“ von Fachleuten auf rund 20 Prozent geschätzt. Die tragen sehr wenig zur Wertschöpfung bei, binden aber sowohl Kapital als auch Personal, das anderweitig produktiver eingesetzt werden könnte. Der Nullzins – eine Politik des billigen Geldes – unterbindet die für eine Marktwirtschaft typische „schöpferische Zerstörung“ (Joseph Schumpeter) und führt zu einer Konservierung unrentabler Strukturen.

Fatalerweise wird von der in Wirtschaftsfragen ignoranten Mehrheit der Bürger die Schuld an der Krise aber nicht etwa den dafür verantwortlichen Politikern und Bankern zugewiesen, sondern einem „Marktversagen“, das es jetzt durch noch rigidere politische Interventionen zu korrigieren gilt. Ein fataler Teufelskreis.

Die durch das Virus verursachten Gesundheitsschäden werden sich in der Rückschau als vergleichsweise harmlos gegen die nachhaltigen Störungen der internationalen Märkte erweisen. Armut war und ist nämlich allemal die größte Bedrohung für die Gesundheit. Und auf kollektive Armut steuert die ganze Welt – mit Ausnahme Chinas – zu.

9 Gedanken zu „Armut macht krank – Wird 2021 ein annus horribilis?

  1. Johannes

    Was in den österreichischen Medien nie, nie, niemals erwähnt werden darf weil es die ganze Erzählung über Orban, welche jeder aufrechte Europäer zu verinnerlichen hat, widersprechen würde.

    In Ungarn gibt es seit Monaten keine geschlossenen Geschäfte, die Menschen müssen nicht mit ungepflegten Haar herumlaufen, sie können jeder Zeit ohne Probleme in ihr Land zurückkehren.

    Und die Zahlen der Neuinfizierten sind um einiges geringer als in Österreich.
    Davon wird man, wie gesagt in den Medien in Österreich, außer bei Ortner online, nichts erfahren.

  2. sokrates9

    Die gesteuerten Medien helfen massiv bei der Manipulation der Bevölkerung mit: Montag Topnachrichtenmeldung 15 Uhr in Ö3: In Zimbabwe sind 2 Minister an Corina gestorben!
    Was ist da die Message: Ihr müsst euch fürchten, auch wenn die Mehrheit sonst keine Ahnung von dem afrikanischen Land hat. In Serbien wird derzeit mit voller Intensität geimpft- mit grauslichen Ostblockimpfstoffen- die auf der halben Welt auch es schafften von Kinderlähmung angefangen Erkrankungen erfolgreich zu bekämpfen. In Weißrussland gibt es ohne lockdowns angeblich nur 4000 Tote, vielleicht ist die Zahl doppelt so hoch, wäre sie 10fach so hoch würde unsere Presse von Hysterieanfällen gar nicht mehr runterkommen!
    Interessanterweise sind es gerade Sozialisten ( Hacker, Kaiser )die intelligente Öffnung des LD fordern, die Türkisen mauern. Hoffe dass Kurz dann von den Arbeitslosen die Rechnung bekommt!

  3. CE___

    Alle Hoffnung gründet sich auf die Wunderwaffe “Impfstoff”.

    Auf Basis der Erfahrungen mit halt mutationsfreudigen Imfluenza,- Corona,- etc. Viren kommt mir die Hoffung auf einen alles erlösenden Impfstoff eher so vor wie die Hoffung mit einem Repetiergewehr auf einen Düsenjet zu schiessen und damit diesen treffen zu wollen/können.

    Ansonsten gibt es nicht viel zu hoffen.

    Auf eine Einsicht der gerade weltweit herumfuhrwerkenden Politiker und Bürokraten ganz sicher nicht da diese seit einem Monat nun auf jegliche Virus-Mutation auszucken und den Wahnsinn wieder von vorne beginnen lassen.

    ich dachte spätestens mit dem in das allgemeine Bewusstsein vordringenden Virus-Mutationen wird wieder endlich so etwas wie Verstand und Rationalität einkehren.

    Na, bin ich naiv.

    Ernüchternd muss ich feststellen dass sich weltweit die Leut’ nun von der Briten-Mutation, der Südafrika-Mutation, und morgen und übermorgen wegen einer Archangelsk- und Lumbumbashi-Mutation von einem Eck in das andere treiben lassen. Und dann geht alles wieder von vorne los mit einem neuen Stammvirus, “Covid-22”, samt Mutationen.

    Vielleicht kehrt wieder Verstand und Rationalität zurück wenn die Politik und Bürokratie alles zertört hat und eine Zeitlang wieder die Leut’ sprichwörtlich den Kitt aus den Fensterrahmen fressen haben müssen.

    Aber auch nur vielleicht.

  4. Irmtraut Kusatz

    Lieber Andreas, leider kann Dir jeder nur beipflichten. So ist es. Wenn nicht ein Wunder geschieht, sind die Weichen gestellt. Ein Horror für alle!

  5. Gerald

    Jeder Ladenbesitzer, Jeder Gastwirt sollte sich daran erinnern, dass Kurz, Anschober, Kogler, Nehammer und Co. die Rechnung präsentiert bekommen. Und zwar nicht erst bei der nächsten Wahl, sondern bei Öffnung der Geschäfte, Gaststätten, etc. Diese Leute einfach des Lokales verweisen und durch das Hausrecht begründen.

  6. Falke

    Der Autor hat nur teilweise recht, wenn er eingangs meint, die Lockdowns zeigten hinsichtlich der Volksgesundheit wenig Wirkung. Sie zeigen sehr wohl große Wirkung, wenn auch nicht so, wie es sich die Regierung vorstellt: In ihrer Hysterie, möglichst wenig “Corona-Tote” aufzuweisen, hat sie bekanntlich das gesamte Gesundheitssystem heruntergefahren, wodurch es jede Menge zusätzlicher Herz-, Krebs- und sonstiger Todesfälle wegen unzureichender, zu späten oder Nichtbehandlung gab (ich selbst habe einen guten Freund nach – zu spät behandeltem – Herzinfarkt verloren), gar nich zu reden von den psychischen Erkrankungen und sogar Selbstmorden aufgrund von Existenzängsten. Wenn man noch die psychische Schädigung der Kinder durch Trennung von Verwandten und Freunden sowie durch den Maskenzwang hinzurechnet, kommt eine ganz “schöne” Wirkung der diversen Lockdown zusammen. Immerhin erwähnt der Autor am Schluss auch noch die Armut als Krankheitsursache.

  7. Andreas Tögel

    Falke hat recht. Diesen negativen Aspekt der Lockdowns habe ich tatsächlich unterschlagen. Auch mir sind aus nächster Nähe einige Personen bekannt, die vom Herunterfahrens der Krankenhäuser betroffen waren. Zwei davon mussten notwendige Operationen in Privatkrankenanstalten durchführen lassen und selbst bezahlen, ein anderer musste die massive Verzögerung einer Chemotherapie hinnehmen. Skandalös, wenn man Jahrzehntelang Zwangsbeiträge an die Krankenversicherung abführt, um dann im Bedarfsfall die lange Nase gezeigt zu bekommen.

  8. Cora

    Nicht die ganze Wirtschaft wird zerstört, eine Hand voll Konzerne wie Amazon verdienen sich gerade dumm und dämlich. Nur dem Mittelstand geht die Puste aus, auch ohne Corona-Infizierung, die KMUs hat der Lockdown verblasen. Was lange Zeit gewachsen ist, wird im Sensenschritt vernichtet. Es wird nur mehr Reich und Arm geben, dazwischen nichts mehr.

    Nun habe ich aber genug!

    Das werden wir uns nicht gefallen lassen, wenn dieser ohnehin nicht mit Erfolg gekrönte Lockdown in die Verlängerung geht. Dann ist Essig mit dieser Regierung, dann gibt es einen Volksaufstand!

    https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/buecher/max-otte-warnt-deutschlands-staerke-die-mittelschicht-verarmt/

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