Auf der Suche nach dem liberalen Radikalismus

…..Was uns heute mangelt, ist eine liberale Utopie, ein Programm, das weder eine bloße Verteidigung des Bestehenden ist, noch einfach als ein verwässerter Sozialismus erscheint, ein liberaler Radikalismus, der weder die Empfindlichkeiten der bestehenden Interessensgruppen schont, noch glaubt, so „praktisch“ sein zu müssen, daß er sich auf Dinge beschränkt, die heute politisch möglich erscheinen. Was es dazu braucht, sind intellektuelle Führer, die darauf vorbereitet sind, sich den Diffamierungen der Reichen und Mächtigen zu widersetzen, die bereit sind, für ihre Ideen zu kämpfen, mögen sie auch heutzutage wenig Aussicht auf Erfolg bieten. Es braucht Menschen, die bereit sind, an ihren Prinzipien festzuhalten und für deren Umsetzung zu kämpfen.

Was der echte Liberalismus vor allem aus dem Erfolg der Sozialisten lernen muß, ist, daß es ihr Mut zur Utopie war, der ihnen die Unterstützung der Intellektuellen gewann und damit jenen Einfluß auf die öffentliche Meinung gab, der schrittweise das möglich machte, was eben noch unmöglich schien. Wer sich stets auf das beschränkt, was im gegebenen Stand der Meinungen durchführbar scheint, hat immer noch erkennen müssen, daß bald auch das politisch unmöglich wurde, weil Kräfte, auf die er keinen Einfluß genommen hat, die öffentliche Meinung geändert haben. Wenn es uns nicht gelingt, die Voraussetzungen einer freien gesellschaftlichen Ordnung wieder zu einer brennenden geistigen Frage und ihre Lösung zu einer Aufgabe zu machen, die den Scharfsinn und Erfindungsgabe unserer besten Köpfe herausfordert, dann sind die Aussichten für den Fortbestand der Freiheit tatsächlich gering. Wenn wir aber jenen Glauben an die Allmacht von Ideen wiedergewinnen können, der das vornehmste Merkmal des Liberalismus in seiner großen Periode war, muß der Kampf noch nicht verloren sein. (Friedrich August v. Hayek)

3 comments

  1. Thomas Holzer

    “Wenn es uns nicht gelingt, die Voraussetzungen einer freien gesellschaftlichen Ordnung wieder zu einer brennenden geistigen Frage…………”

    Ich befürchte, dafür ist es -zumindest- in EU-Europa, schon zu spät.
    Es wird wohl entweder eines totalen Zusammenbruchs bedürfen, damit die Menschen endlich aufwachen, oder es wird für dieses Erwachen mehrerer Generationen bedürfen.
    Die Umerziehung während der vergangenen Jahrzehnte und die intensivierte Indoktrinierung während der letzten Jahre (PC, Tschänderastentum et al.) scheint leider sehr erfolgreich zu sein.
    Anders ist es nicht erklärbar, daß der Bruch unzähliger Verträge und Gesetze durch “unsere” Politikerdarsteller ohne Widerspruch -von Widerstand wage ich gar nicht zu schreiben- einfach hingenommen, ja sogar akzeptiert! wird.

  2. H.Trickler

    “Was es dazu braucht, sind intellektuelle Führer, die darauf vorbereitet sind, sich den Diffamierungen der Reichen und Mächtigen zu widersetzen…”

    Es ist interessant, wie Hayek auch heute noch den Nagel auf den Kopf trifft.

    Allerdings gibt es es heutzutage leider auch Finanzhaie und Raubtierkapitalismus in einem Ausmass, wie es sich Hayek kaum hätte träumen lassen. Dort sind leider die meisten heutigen Politikdarsteller angeblich machtlos und die Linken nicht wirklich an einer Änderung interessiert.

  3. Mario Wolf

    Ein Gespenst geht in den linken Köpfen herum. Das Gespenst heisst Raubtierkapitalismus. Niemand hat es gesehen, aber die Ideologie bestimmt das Sehvermögen. Die Existenz des Raubtiersozialstaates wird nicht wahrgenommen, skotomisiert, ausgeblendet.
    Kann mich nicht erinner dass mich ein Finanzhai oder Raubtierkapitalist beraubt, Der Staat macht das regelmässig und es gibt keine Möglichkeit sich zu wehren

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