2 Gedanken zu „Aus gegebenem Anlaß….

  1. gms

    Kryptographie basiert auf Mathematik, vereinfacht gesagt auf Primzahlen und der Aufwändigkeit der Bestimmung jener Faktoren, deren Produkt große Zahlen ausmachen. Schlüssel werden durch Zufallgeneratoren erzeugt, übermittelte Fingerprints von Dokumenten wiederum durch Hashalgorithmen, welche keine Rückschlüsse auf die Quelldaten zulassen dürfen.

    Eingedenk dessen verwundert nicht, wonach regierungsnahe Stellen in der Vergangenheit absichtlich fehlerhafte Algorithmen als sicher und zu Standards erklärten, jene, bei deren Anwendung es zu statistischen Häufungen kam, die das Entschlüsseln ohne Kenntnis aller nötigen Parameter begünstigten. Zum Knacken war dann nicht mehr die theoretisch unterbringbare Rechenleistung nötig, sondern jene, die sich Regierungen in Kenntnis fehlerhafter Algorithmen leisten konnten. Parallel kooperierten Regierungsstellen mit Hard- und Softwareanbietern betreffend Hintertüren, die Zugriff an den bekannten Features vorbei erlaubt.

    Nachdem sich das rumgesprochen hat und zunehmend Ausweichoptionen kursieren, wurde (auch) in der EU die nächste Evolutionsstufe gezündet, aufdaß jene Hardware nicht mehr verkauft werden darf, die der Käufer nach eigenem Ermessen mit anderer und aus seiner Sicht sicherer Software bespielen kann. Stichwort ‘Lockdown’. [1]

    Das darauf folgende Verwirrspiel entbehrte weder der üblichen Wendungen, noch des erwartbaren Ergebnisses. Auf die Aber-Hallo-Frage an die Politik, ob diese das tatsächlich erst meine, wurde abwiegelnd repliziert, das Ganze sei allein im Sinne der Konsumenten und niemand beabsichtige einen Mauerbau. Defacto aber liefern einige Herrsteller neue Modelle richtlinienkonform nur noch so aus, daß ohne potentiell zerstörerische Hardwareeingriffe keine Software-Modifikation möglich ist. Ob es Hintertüren gibt und wer diese wie nutzen kann, erfährt der Kunde dank Intellectual Property Rights der Hersteller nicht,

    If privacy is outlawed, only outlaws will have privacy. Wenn Terroristen der Legende nach sogar Airliner steuern können, wird es an der korrekten Anhabe von Lötkolben ebenso wenig scheitern, wie am Bezug tatsächlich noch modifierbarer Hardware. Verlierer des Rattenwettlaufs ist einmal mehr der Redliche. So dieser aber aber das Treiben abnickt, nachdem er doch nichts zu verbergen habe, kann sein Rederecht mit identer Verve knicken, hat er doch erkennbar nicht von Relevanz zu sagen.

  2. gms

    Zweites Kapitel: Vor einem Jahr erlangte eCall mediale Aufmerksamkeit. Kern dieses EU-Ansinnens ist die verpflichtende Ausstattung von PKWs mit einem System, das einen Unfall detektiert und hernach einen automatisierten GSM-Datenanruf zur Übermittlung geographischer und fahrzeugbezogender Daten an eine Leitstelle durchführt [Ausführliche Analyse, siehe 2]

    Daß es sich dabei, anders als behauptet, um ein perfektes Big-Brother-Tool handelt, beweisen die Spezifikationen (Testcalls, Fernmodifikation), das fadenscheinige Wording der Direktive (‘in standard operation mode no permanent tracking’), sowie die zugleich immer noch gültigen Gesetze der Telekommunikation.
    Gab es eine breite öffentliche Debatte? Pustekuchen, das Ding kommt 2018 [3], und weil dann eh schon jeder die Kröte geschluckt hat, dient es danach als Basis für EU-Roadpricing, aufdaß auch jene damit gesegnet sind, die zuvor noch das Unding zum Schutz der Privatsphäre abklemmten.

    Klar bieten namhafte Herrsteller gleichgeartete Unfall-Systeme, die man, so einem danach ist, verwenden kann oder nicht. Klar ließe sich Roadpricing auch analog mit portablen GSM-GPS-Boxen abwickeln, deren Tracking zum Abbuchen beim Befahren kostenpflichtiger Straßen verwendet werden können. Diese ließen sich, wie ein handelsübliches Navigationsgerät, heute im Van oder morgen im Cabrio mitführen und übermorgen dem geldklammen Sohnemann überlassen, der mit Freunden in deren Fahrzeug nach Griechenland will und sich die Maut sponsern läßt.

    Im Interesse des Big-Brothers kann eine solch freiheitsstiftende und zugleich pragmatische Lösung, basierend auf identer Technik aber nicht sein, denn seine Orwell-Box ist unauflösbar mit den Fahrzeug verbunden und die SIM-Karte enthält ab Werk die eindeutige Fahrzeugnummer. Wenn die eingebaute Anlage beim TÜV (Pickerl) obendrein versagt, gibt es keinen Betriebsbewilligung fürs Auto.

    Nicht nur was der Obertan treibt, sollte Bürgern die Zornesröte ins Gesicht treiben, sondern auch das, was er als Alternativen verwirft. Du darfst keine Privatheit haben, lieber Bürger, und wenn du dagegen bist, ist es auch egal. Solange es keinen breiten Aufschrei gibt, steht das schiefe Brett irgendwann eingemauert in der Vertikalen. Das ist das ewig gültige Strickmuster.

    [1] golem.de/news/lockdown-befuerchtet-die-eu-verbietet-freie-router-software-oder-doch-nicht-1602-118859.html
    [2] ortneronline.at/?p=29122&cpage=1#comment-33844
    [3] presstv.ir/Detail/2016/03/29/458146/European-Union-eCall-Emergency-Call-System/

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