Aus gegebenem Anlass….

“Es ist kein Verbrechen volkswirtschaftlich ungebildet zu sein, alles in allem ist es ein spezialisiertes Lehrfach und eines, welches die meisten Leute als »schwarze Wissenschaft« ansehen. Aber es ist ganz und gar unverantwortlich eine laute, lärmende Meinung zu ökonomischen Fragen zu haben, während man sich in diesem Zustand der Unwissenheit befindet.” (Murray Rothbard)

8 comments

  1. Antonia Feretti

    Sehr richtig, sollte sich ein gewisser Herr Kern ins Stammbuch schreiben, wird er aber sicher nicht tun.

  2. Fragolin

    Nein, es ist sogar ein grundlegendes Recht, eine Meinung zu haben und diese zur Not auch lautstark zu vertreten. Unverantwortlich wird es erst, wenn mn in diesem Zustand an die Schalthebel der Wirtschaftspolitik gelangt.

  3. sokrates9

    Leider ist es so, dass volkswirtschaftliches Verständnis anscheinen nicht einmal mehr die Volkswirtschaftsprofessoren haben! Vom Euro bis zu Griechenland, die Mehrheit der Volkswirtschaftsprofessoren applaudierte und sah darin eine bewältigbare Herausforderung die Europa in ein Paradies verwandeln wird!

  4. Fragolin

    @sokrates9
    Es gibt einen schönen alten Spruch meiner seigen Großmutter: “Lehrers Kinder und Pastors Vieh, gedeihen selten oder nie!” Oder moderner ausgedrückt: Man sollte Pädagogen lieber nicht auf Kinder loslassen.
    Adäquat gilt das scheinbar auch auf Volkswirtschaftsprofessoren und Volkswirtschaften.
    Die Welt ist keine Retorte. Aber immer wieder versuchen diese Oberlaboranten neue Rassen zu züchten, neue Bedingungen zu schaffen und eine neue Welt zu basteln. Deshalb mein Widerstand gegen Rothbards Zitat: Gerade die sogenannten “Experten” richten nämlich gerade unsere Welt zugrunde, während jeder mit gesundem Hausverstand weiß, wo der Hase im Pfeffer liegt…

  5. astuga

    Herr Kern und Frau Herr machen das schon.
    Und den Rest erledigt die Wirtschafts… äh, dingsbums…also die Kompetenz der ÖVP.

    Außerdem kann man ja bei Gewerkschaft/AK, WK und Raiffeisen nachfragen, wenn man mal was nicht weiß.

  6. gms

    Fragolin,

    “Gerade die sogenannten „Experten“ richten nämlich gerade unsere Welt zugrunde, während jeder mit gesundem Hausverstand weiß, wo der Hase im Pfeffer liegt…”

    Rothbards Fehler, der ihn hier im Forum durch seine 1974 gemachte Aussage berechtigt angreifbar macht, liegt im Nennen eines spezialisierten Lehrfaches, spielt doch die auf gesundem Hausverstand basierende Austrian School of Economics heute auf Universitäten eine vernachlässigbare Größe. Zum Säulenheiligen der ökonomischen Lehre wurde Keynes, nicht Rothbard selbst oder dessen Mentor Ludwig von Mises.

    Worin es tatsächlich und über alle unterschiedlichen Zugänge hinweg Einigkeit in der Notwendigkeit zur vertieften Ausbildung gibt, ist die Ökonometrie, bloß gilt für diese in höchstem Maße der Grundsatz ‘garbage in – garbage out’ respektive ‘ceteris paribus’ und die Frage nach dessen Berechtigung in der Modellannahme. Wo Austrians Bescheidenheit einmahnen und vor der Anmaßung von Wissen warnen, geilen sich Andersgepolte daran auf, irgendetwas an der zweiten Stelle hinter dem Komma berechnen zu können.

    Der zweite entscheidende Unterschied zwischen vorherrschender Leermeinung (spelling is correct) und Austrians ist die Frage nach einer Steuerbarkeit der Wirtschaft. Während Linke wesensbedingt am religiösen Dogma eines wirtschaftlichen Tunings durch zentrale Instanzen festhalten, behaupten Austrians diesbezüglich ein vielfach empirisch bewiesenes Irrtumsmonopol, das allein logikbedingt weder prinzipiell noch im Speziellen durch die verwendeten Mittel die als beabsichtigt kommunizierten Konsequenzen der eigenen Eingriffe antizipieren kann, ein Umstand, der nach den aktuell stattfindenden Perversionen der Zentralbanken sogar den Unbelecktesten einleuchten muß, wenn man’s am Beispiel von Japan schon nicht kapierte.

  7. Sven Lagler

    @ Fragolin, gms

    Was bei mir von meinem VWL Studium unter anderem hängen blieb:

    Modellannahmen werden so getroffen, dass der gewünschte Beweis am Ende zwangsweise herauskommen muss.
    VWL Theorieprofessoren wollen einerseits der Welt mit ihren Forschungen helfen, andererseits wollen sie keine verbindliche Auftragsforschung annehmen, weil die Auftraggeber valide Ergebnisse benötigen.
    Wenn ökonometrische Modelle mit vielen Variablen gespeist werden kommen keine eindeutigen Ergebnisse raus, was ja angesichts der Komplexität der Realität kein Wunder ist. Womit sich wieder die Frage nach dem Sinn stellt, alles vor allem mathematisch darzustellen.
    Die Ergebnisse von vielen Prognosen sind Intervalle und keine Zahlen mit zwei exakten Nachkommastellen. Eine „Wachstumsprognose“ mit – / + 1,5% ist nicht wirklich zur Erhöhung des wirtschaftlichen Vertrauens geeignet.
    Last but not least: das mit den Austrians stimmt. Genau jene Ökonomen welche die gegenwärtige Situation am besten behandeln wurden, zumindest an meiner Uni, nicht gelehrt.

    Und ja, Hausverstand kann durch nichts ersetzt werden. Konnte dies erst nach dem Studium dank meiner „niedriger ausgebildeten“ Arbeitskollegen lernen.

  8. gms

    Sven Lagler,

    herzlichen Dank für Ihre Ergänzungen zur Modellrechnung. Vielleicht kennen Sie ja auch alte Photos wie dieses [1], als man werbewirksam viele Männer auf Tragflächen von Flugzeugen platzierte zum Verdeutlichen, wie robust diese Geräte konstruiert seien. Solche Bilder waren eine Zeit lang groß im Mode und lösten beim Betrachter in der Regel den erwünschten Begeisterungseffekt aus. Die Crux aber liegt darin, wonach solche Belastungen im Betrieb niemals stattfinden, zumal das Flugzeug dabei an den Oberseiten der Tragflächen nach oben gezogen wird.

    Weshalb dieses eigenartige Präludium rund um Aerodynamik? Selbst ohne Wissen um Bernoullis Gleichungen kann mit handelsüblichem Hausverstand erkannt werden, wonach der Männer-auf-Tragflächen-Beweis vollkommen untauglich ist und bei Tageslicht betrachtet sogar ein falsches Design demonstriert, zumal nutzlose und zugleich gewichtserhöhende Komponenten verbaut wurden. Je mehr Männer man ohne Schädigung der Struktur auf die Tragflächen stellen kann, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, daß das Flugzeug (ohne Männer drauf) überhaupt jemals abhebt.

    Die analoge, nicht aus der Welt zu schaffende Fallacy erleben wir auf ökonomischem Terrain, wenn mit tiefster Inbrunst und ohne Gegenrede des Interviewers behauptet wird: ‘.. denn steigende Löhne bedeuten eine Stärkung der Kaufkraft, und das treibt das Wirtschaftswachstum.’ [2]

    Wie ein Gesamtsystem ~angetrieben~ wird, wenn Volkswagen seinen Mitarbeitern zum Inhalt der jeweiligen Lohntüte durch politische oder kollektivvertragliche Zwänge zusätzlich einen Blinker oder eine Stoßstange überläßt, oder generell gesprochen die Produzenten von Leistung selbige den Konsumenten zu künstlich tiefen Preisen verkaufen, soll akzeptieren wer will. Zu Ende gedacht erfolgte der beste ~Antrieb~ demnach, wenn alle Produkte von Herstellern an deren Mitarbeiter verschenkt würden.
    Der Glaube an’s so gestaltete Perpetuum-Mobile hält logisch weder global im Allgemeinen, noch speziell bei Industrien wie jenen in Deutschland oder Österreich, deren Schwerpunkt bekanntermaßen nicht im Konsumgüterbereich liegt, aufdaß politisch motivierte ‘Konsumankurbelung’ definitiv für das Gegenteil des Gewünschten, nämlich für Kaufkraftverlust sorgt.

    Theorien die besagen, eine Wirtschaft könne gehoben werden, wenn man noch mehr Angestellte belastend oben drauf stellt, sind falsch, was jeder, der’s bislang nicht wußte, durch kurzes Reflektieren über Ursachen und Wirkungen selbst erkennen kann. Keynesianer verweigern sich konsequent dieser einfachen Gedankenübung und konnten trotzdem oder gerade deshalb die Hohepriester des vorherschenden ökonomischen Kreationismus werden.

    Diesen Kreationismus auf’s Geldwesen zu übertragen, indem man Menschen Fiat-Money unter die weit ausgebreiten Arme preßt und die damit Beglückten sogar noch Danke sagen, ist hochgradig plausibel in einer Welt, wo erfolgreich das Unterste nach oben gekehrt wurde, dadurch die universitäre Lehre abseits der technischen Fächer dominiert und die absurden Irrlehren in der freien politischen Wildbahn Schneisen der Verwüstung schlagen: Vorhersagbare Abstürze, Booms und Busts als vorhergesagte und immer wieder eingetretene Verwerfungen.

    [1] migrate.legendsintheirowntime.com/LiTOT/Content/1943/B24_Av_4302_ad_p106_W.png
    [2] diepresse.com/home/politik/innenpolitik/5087175/Kern_Der-Staat-ist-kein-schlankes-Rehlein

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