Aus gegebenem Anlass…

Gerade wenn von uns Freiheit schon als Gewöhnung und nicht mehr als heiligster Besitz empfunden wird, entwächst aus dem Dunkel der Triebwelt ein geheimnisvoller Wille, sie zu vergewaltigen; immer, wenn zu lange und zu sorglos sich die Menschheit des Friedens gefreut, überkommt sie die gefährliche Neugier nach dem Rausche der Kraft und die verbrecherische Lust nach dem Kriege. (Stefan Zweig)

3 comments

  1. G.K.

    Je gefährlicher Putin ist, umso mehr müsste man überlegen, wohin die Konfrontation mit Russland führen wird.

    Wenn ich sage, dass Breschnew 10mal schlimmer war als Putin, dann ist das sicher kein Lob für Putin. Was ich aber frage: warum fiel dem Westen zu Breschnew zunehmend nur noch Entspannung, Dialog, Zurückhaltung, Deeskalation und Abrüstung ein? Jimmy Carter hat ihn sogar geküsst. Ich habe damals für solche pazifistischen Tendenzen vorwiegend Verachtung übrig gehabt. Ich frage mich allerdings, wo sind die Pazifisten heute? Es gab keinen Krieg wegen Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei und erst recht nicht wegen der Teilrepubliken der Sowjetunion. Heute ist man bereit wegen der Krim und der Ukraine einen vom Zaun zu brechen.

    Nur vor rund 10 Jahren, als im Weissen Haus noch George W. Bush sass, galt Putin ausgerechnet für jene, die heute ihn am stärksten kritisieren, noch als der brave, Bush war der böse. Und heute heisst es, wenn Trump Präsident wird, wird es einen Atomkrieg geben. Komisch nur, dass er zugleich als Putin-Versteher verspottet wird. Clinton wird Präsidentin und sie wird damit kein Problem haben, Europa in einen Kriegsschauplatz zu verwandeln, wenn es aus ihrer Sicht nicht anders geht. Und hier ist fast niemand dagegen.

    Meine Antwort auf diese Fragen und Widersprüche: damals vor 30-40 Jahren hat uns das Entgegenkommen geschadet, heute wird uns die Konfrontation schaden. Wir wollen uns selber schaden, das ist genau das, was Stefan Zweig gesagt hat. Daran ändert auch der Aspekt nichts, dass es auch mit dem Kommunismus zu tun hat, im Gegenteil. Breschnew wollte den Kommunismus und damit die Vorherrschaft der Sowjetunion auf die ganze Welt ausbreiten, das war offizielle Doktrin und das hat vielen im Westen gefallen, für die hiesigen linken Eliten war es klar, dass dann Freiheit und Wohlstand verschwinden, aber gerade darauf freuten sie sich. Putin wird im Worst-Case Russland auf die Gebiete der Sowjetunion ausweiten, was schlimm wäre, aber wir werden es nicht verhindern können. Den Kommunismus wird er uns nicht bringen, das verzeihen ihm viele seiner heutigen Kritiker nicht, dann soll er uns den Krieg bringen, so gibt es noch mehr Zerstörung. Stefan Zweig hat recht.

  2. Rennziege

    20. Oktober 2016 – 13:57 — G.K.
    Danke für die Erwähnung Stefan Zweigs. Wer seine “Schachnovelle” (1941 im brasilianischen Exil geschrieben, veröffentlicht 1943) gelesen hat, weiß alles über die infame Grausamkeit totalitärer Systeme, seien sie rechts- oder linksfaschistisch oder — heute krebsartig anschwellend — p.c.- oder grünfaschistisch.
    In Franz Kafkas “Der Prozeß” (1925) wurde all dies schon beleuchtet. Auch wenn dieser Roman nicht ganz vollendet wurde … man lese ihn und wird ihn nie vergessen. Segensreich und erleuchtend auch nach ~90 Jahren. Was uns stolz machen sollte: Nicht nur die Austrians der Ökonomie (Hayek et mult. al.) waren im 20. Jahrhundert federführend, sondern auch die österreichischen Literaten, die aufzuzählen den hiesigen Rahmen sprengen würde.
    Und sie alle sind so aktuell und fesselnd zu lesen, als säßen sie vor unseren Augen an der Schreibmaschine. (Für Puristen: Ja! Ich hab’ auch Robert Musils “Der Mann ohne Eigenschaften” gelesen, z’erscht nur quer für den gestrengen Deutschlehrer, 10 Jahre später den ganzen Wälzer mit unverhofftem Vergnügen zu Ende gelesen … und mich daran erinnert, dass ich täglich durch die Klagenfurter Robert-Musil-Gasse zum Humanistischen und Realgymnasium am Völkermarkter Ring traben musste. Heute heißt das ehrwürdige alte Gebäude “Europa-Gymnasium”, was mir nicht sonderlich gefällt. Aber nicht nur ich liebe alte Literatur und altösterreichische Autoren: Unsere kanadischen Nachbarn, ziemlich jung, lesen die auch, und die Übersetzungen sind recht brauchbar.

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