Aussenpolitische Profis am Werk

Dass die Republik Österreich nicht Heinz Fischer zu den Trauerfeierlichkeiten für Nelson Mandela nach Südafrika entsandt hat, kann man ja noch irgendwie als Akt der Pietät verstehen. Aber dass dann auch noch der nach Soweto gereiste Bundesratspräsident es aus Zeitgründen nicht schafft, an dem Festakt teilzunehmen, das hat schon  etwas ganz Besonderes.

15 comments

  1. Herr Karl

    Wäre ja interessant zu wissen, ob wenigstens ein Kondolenzschreiben geschickt wurde. Bei Kim – Jong Il hat man da mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht darauf vergessen.

  2. Graf Berge von Grips

    Nicht nur, dass der Schmierendarsteller in der Hofburg derzeit talentlos den Bundespräsidenten mimt, jetzt vergisst er auch noch den Text……..

  3. Thomas Holzer

    Das muß man schon verstehen!
    Erstens weiß man ja erst seit dem 05.12., daß Mandela verstorben ist, zweitens kann jedes Flugzeug mal Verspätung haben 😉

  4. caruso

    Eine Schande! Denn was für ein Termin kann wichtiger sein als die Teilnahme an so einem Abschied? Vor allem wenn man ehrlich trauert, weil auch ein so großartiger Mensch wie Mandela diese Welt irgendwann verlassen muß. Die Begründung der Verspätung: “Termingründe” ist in meinen Augen eine Mißachtung des Verstorbenen. Ich weiß nicht, ob es dann nicht besser wäre einen hochrangigen Stellvertreter hinschicken, der rechtzeitig dort sein kann.
    lg
    caruso

  5. Christian Peter

    Wenigstens ersparte sich der Steuerzahler eine Menge Geld – wenn sich der Ersatzkaiser Fischer samt Entourage in Bewegung setzt, wird es regelmäßig teuer für den Steuerzahler.

  6. Der Realist

    ich gehe davon aus, dass es Mandela vollkommen egal ist. Der weltweite Wettlauf an Betroffenheit ist ohnehin schon peinlich, wenn auch durchaus überraschend, wenn eine fast 100-jährige lebende Mumie so plötzlich stirbt.

  7. Rennziege

    10. Dezember 2013 – 13:24 — Der Realist

    Es ist in der Tat übertrieben, Nelson Mandela zu einem Heiligen zu erheben. (Der hauptberufliche Gutmensch, Vielflieger, Schleimer und keineswegs uneigennützige Spendensammler Bono, ex-U2, versteigt sich sogar dazu, einen alljährlichen weltweiten Mandela-Feiertag einführen zu lassen, am besten per UNO-Dekret.)
    Denn der gute alte Nelson M., der Herrgott hab’ ihn selig, landete keineswegs zu Unrecht im Knast:

    While decrying the Pretoria regime’s repression, Reagan also attacked “the calculated terror by elements of the African National Congress — the mining of roads, the bombing of public places” and the “most common method of terror … the so-called necklace.
    In this barbaric way of reprisal, a tire is filled with kerosene and gasoline, placed around the neck of an alleged collaborator and ignited. The victim may be a black policeman, a teacher, a soldier, a civil servant — it makes no difference, the atrocity is designed to terrorize blacks into ending all racial cooperation and to polarize South Africa as a prelude to a final climactic struggle for power.”

    — Aus einer Kolumne von Pat Buchanan, der den weisen Umgang Ronald Reagans mit Südafrika in Erinnerung ruft: http://www.humanevents.com/2013/12/10/reagan-was-right-on-south-africa/

    Es lohnt sich, diesen ganzen Artikel zu lesen. Das darin zitierte “Halsband” (brennender, petroleumgefüllter Autoreifen um den Hals eines Weißen oder auch Schwarzen, qualvoll zum Tod führend) war ebensowenig unter der Würde Mandelas wie Minen auf Straßen und Auftragsmorde.
    Mag sein oder auch nicht (die Regierung Botha war längst kompromissbereit), dass das Blut an Mandelas Händen das Ende der Apartheid beschleunigt hat. Wie dem auch sei: Heute werden nur noch seine langen Jahre im Knast erwähnt, nicht aber die Morde an Unschuldigen und Wehrlosen, die er mehr als nur gebilligt hat.

    Er hat — anders als Che Guevara, der Hunderte harmloser, aber missliebiger Mitmenschen eigenhändig erschossen hat, dem aber gleichwohl Denkmäler errichtet wurden und werden — niemals persönlich gemordet, soweit wir wissen. Und er hat schweigend zugesehen, wie seine Nachfolger Südafrika zur korrupten Bananenrepublik gemacht haben. Was Mandelas Verklärung ein wenig relativiert.

  8. Wettbewerber

    @Rennziege:
    Sie treffen wieder mal (übrigens diesmal als einzige hier) genau ins Schwarze. Mandela war Chef einer terroristischen Organisaton, hat Anschläge auf öffentliche Einrichtungen befohlen, wodurch auch Kinder starben (schwarz wie weiß), und er war durch und durch Kommunist. Während seiner Regentschaft ist es mit Südafrika heftig bergab gegangen, es ist mittlerweile das Mörder- und Vergewaltigungszentrum der Welt, die Leistungsträger verlassen das Land in Scharen. Kaum zu glauben, dass dort einmal die erste erfolgreiche Herztransplantation der Welt durchgeführt wurde – aber da waren halt Banken und Großindustrie noch nicht verstaatlicht…

    Bitte nicht falsch verstehen, ein Apartheid-Regime gehört natürlich weggefegt wie jedes andere “Regime” auch. Aber unter Mandela haben sich lediglich die Vorzeichen des Unrechts geändert. Und die Summe an Unrecht hat zugenommen, und zwar heftig.

  9. Thomas Holzer

    @Wettbewerber
    Sie haben mit Allem recht, was Sie schreiben; aber es gibt auch gewisse diplomatische “Gepflogenheiten”, welche man durchaus einhalten sollte

  10. Rudolf H.

    Wettbewerber & Rennziege:

    Danke für Ihre klaren Worte. Mandela war ein Mann an dessen Händen Blut klebt. Er gab den Auftrag für Bombenattentate etc. In den Camps des ANC wurde gefoltert und gemordet.
    Und ja, er hat gewiss großes geleistet, eine große Person ist er deshalb noch lange nicht.
    Desmond Tutu dagegen sehr wohl!

  11. Thomas Holzer

    @Rudolf H.
    ad informationem
    es wurde auf beiden Seiten gefoltert und gemordet.
    Auf jeden Fall darf man diesem Mann zugestehen, daß er sein persönliches, finanzielles Wohlergehen -im Gegensatz zu anderen schwarzen Politikern auf diesem Kontinent, und (sic!) einem Herrn Jacob Zuma- zurückgestellt hat.
    Daß er ein Kommunist war, ist unbestritten, genauso wie es unbestritten sein sollte, daß er, zumindest nicht unwesentlich, an einer relativ friedlichen “Transformation” Südafrikas beigetragen hat.
    Nichts ist perfekt, und schon gar nicht der Mensch an sich!
    Österreichische Bundespräsidenten sind schon zu Begräbnissen von “größeren” Mördern gereist!

  12. oeconomicus

    Karl Schwarzenberg – der tschechische Außenminister – hat es schon vor einiger Zeit gesagt: “Den Spindelegger interessiert die Außenpolitik nicht!”. Jetzt habe wir die Bestätigung dafür, eine österreichische Außenpolitik gibt es einfach nicht mehr. Nachfolger von Spindelegger als Außenminister soll ein 27-jähriger Jungspund werden. Hoffentlich interessiert den Spindelegger das Finanzministerium mehr, aber dabei dürfte er überfordert sein (Parteiobmann, Vizekanzler und Finanzminister)

  13. Thomas Holzer

    @oeconomicus
    Hoffentlich interessiert den Herrn Spindelegger das Finanzministerium noch weniger als das Außenministerium; weil da könnte er dann noch weniger Schaden anrichten! 🙂

  14. MSc

    Es ist gut, dass wir einen Bundesrat samt Präsidenten haben, und jetzt sieht man auch wofür: wenn der Bundespräsident nicht kommt, dann kommt der Bundesratspräsident eh auch nicht. Doppelt hält besser.

  15. Reinhard

    @Rennziege
    Danke, mir war schon schlecht von dem vielen Zuckerguss, der über Mandelas Leiche gegossen wurde.
    Er war ein großer Kämpfer, er hat viel bewegt und sein Rückgrat nicht verloren; Anerkennung hat er sich wohl verdient. Aber er war kein Heiliger und kein Messias.
    Und wenn unserem Bundesheinzi irgendwer erzählt hätte, dass es im Flieger auch Toiletten gibt, hätte er sich nicht so auf die Kurzstrecke nach Kroatien versteift…

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